Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 27 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 27 — 26. Juni 1936 Seite Wie die Wiener jüdischen %zte burd) die jüöiscßnationafe Hartei- Qerrsd)aft um ein Primariat geßradjt werden. Vor einiger Zeit wurde als Nachfolger der Primarärzte im Spital der Kaufmannschaft, der Prof. Donath und Schur, ein hervorragender Wiener jüdischer Internist zum Primarius des Wiener Kaufmännischen Spitals berufen, welche Wahl in der Wieder Judenschaft allgemein mit großer Genugtuung aufgenommen wurde. Kurz darauf starb Prof. Dr. Ludwig Braun und das interne Primariait des Spitals der Wüener Israelitischen Kultusgememdet wurde damit vakant. Es bewarben sich auf Cirund der Ausschreibung innerhalb der vorgesehenen Frist siebzehn hervorragende jüdische Internisten. Knapp vor Ablauf der Frist wurde diese auf Antrag des bekannten jüdischnationalen Königsmachers Dr. J. H. Körner, dar schon in den Affären Rath und Löwenherz seine unglückliche Hand im Spied hatte, verlängert, nur um dem eingangs erwähnten Parteigenossen Primarius am Kaufmännischen Spital Gelegenheit zur Bewerbung um das Primariat im Spital der Kultusgemeinde zu geben. Diese Bewerbung ist erfolgt, nachdem der betreffende Internist von sedneir Stelle im Kaufmännischen Spital, für d2e er sich vertraglich auf längere Zeit verpflichtet hatte und die, nebenbei gesagt, im Gegensatz zu der im KultusgOTeindespital unhonoriert ist und keinen Anspruch auf Pension gibt, zurückgelegt hatte. Eine Folge dieses freiwilligen Verzichtes eines Juden auf ein Primariat im einem öffentlichen Spital ist die bereits vorgenommene und wahrscheinlich endgültige Besetzung dieses Postens mit einem Ntchtjuden. So bringt die Protektionswirtschaft des derzeitigen jüdischnationalen Rumpfvorstandes in einer Zeit, da die jüdischen Aerzte schwer um die Behauptung ihrer Position ringen, die Wiener jüdische Aerzteschaft um ein Primairiiat, das nun für sie wohl verloren ist, und stößt gleichzeitig die siebzehn ausgezeichnetein Bewerber des nur für Juden erreichbaren Primariats im israelitischen Gemeindespital durch Einschiebung eines Kandidaten, dem schon die Zusage seiner Bestellung vor der Bewerbung gemacht wurde, vor den Kopf. Man muß fragen, wozu noch die Farce dar Ausschreibung vorgegaukelt wird, da, wie dieser Fall und der Fall Löwenherz beweist, nur protegierte Parteigenossen von Gnaden des Herrn Dr. Körnar und Konsorten ans Ziel gelangen können. Diese Praktiken, die sich würdig dm bisherigen Protektionsfällen anreihen, haben in Aerztekreisen die größte Entrüstung ausgelöst. Billigste, angenefenisfe Erholung An niAtftfPnCPP für Erwachsene, besonder* für 22^£S2äl»li2ii Kinder. Eisen orthod. Pension. Aufsicht aut den See. Erstkl. trog, und Wiener Küche. Pensionspreis von S 5.—, bei größerer Familie noch billiger. Eisen Pension Bristol, Balaton Szarszo Justizrat Dr. Julius Brodnitz Präsident des Central-Verelnes. Justizrat Dr. Julius Brodnitz, der Erste Vorsitzende des Cemtral-Vereins der Juden in Deutschland (vor der Nürnberger Gesetzgebung: Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens), ist in er Nacht vom 16. zum 17. Juni in Berlin an den Folgen einer Gehirnerschütterung gestorben, die er bei einem Autounfall am 11. Juni erlitten hatte. Die Nachricht von dem Ableben des hervorragenden jüdischen Führers, der eine zentrale Figur im Leben der Judenhett Deutschlands war, hat in allen jüdischen Kreisem niederschmetternd gewirkt. Die zahlreichen jüdischen Körperschaften, mit denen der Verstorbene in stets einsatzbereiter Mitarbeit verknüpft war, haben Trauerkundgebungen erlassen, in denen zum Ausdruck kommt, wie schwer die Juden Deutschlands den Verlust Julius Brodnitz empfinden. Die Trauer ist um so größer, als man bereits Vorbereitungen getroffen hatte, in diesem Sommer den 70. Geburtstag von Julius Brodnitz feierlich zu begehen. Julius Brodnitz wurde am 19. August 1866 in Posen geboren. Nach Vollendung seiner juristischen Studien Meß er sich in Berlin als Anwalt nieder. Als 1893 der Centrai-Verein gegründet wurde, wurde er bald in den Kreis dieser Arbeit einbezogen. Neben der Rechtsschutztätigkeüt gehörten besonders die Jugendfragen zu seinem Aufgabenkreäs. In kurzer Zeit rückte er in das engste leitende Gremium auf, so daß, als Eugen Fuchs 1920 den Vorsitz niederlegte, Jutfus Birodnitz der gegebene Nachfolger war. Sechzehn Jahre lang hat Justizrat Brodnitz den Verein geführt. UnteT seiner Leitung wurde der Central-Verein zur größten jüdischen Vereinigung innerhalb der Judenheit Deutschlands. An allen wesentlichen allgemeinen jüdischen Aufgaben, wie z. B. der Gründung des Arbeiterfürsorgeamtes und der Förderung der Gesellschaft „Ort", nahm Brodnitz tätigen Anteil. In zahlreichen Reden und Ansprachen in allen Teilen des Reiches hat er für die Sache des Centrai- Vereins und seine Auffassung von der Gestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland gewirkt. Als das Jahr 1933 hereinbrach, verzweifelte Julius Brodhütz nicht. Vornehmlich seiner Initia- Landaufenthalt f. judlsehen Knaben Mittetschallehrer mit 2 Knaben, 11 und 1-3 Jahre, nimmt einen Knaben passenden Alters mit aufs Land an Salzkammergutsee für 2 Monate oder kürzer. Beste Verpflegung. Aul Wunsch Nachhilfeunterricht. Beding, nach Vereinbarung. Anfragen tel. U 18-6-87. täglich? — 3 Uhr. tive ist es zu verdanken, daß der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und späterhin die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ins Leben traten. Im letzten Jahre üst er auch dem Beirat defr Jewish Agency und dem des Hilfsvereins der Juden in Deutschland beigetreten. Allen konstruktiven jüdischen Aufgaben in Palästina und im Osten widmete er neben der Führung der C.-V.-Geschäfte seine Arbeitskraft. Organisierung der Juden in Abessinien. In Rom hat unter dem Vorsitz des Min isters für die Kolonien und unter Beteiligung von Vertretern des Verbandes der israelitischen Gemeinden Italiens eine Sitzung stattgefunden, in der die Lage der in Abessinien geborenen oder eingewanderten Juden besprochen wurde. Es ist beschlossen worden, daß die Vereinigung der israelitischen Gerneinden Italiens Vertretungennach Addis Abeba und Diredaua schicken und dort j üdische Gemeinden begründen solle. Die Delegation soll auch die Aufgabe haben, mit den nördlich vom Tana-See ansäßigen Falaschas Beziehungen aufzunehmen, um dort für Seelsorge und Einrichtung von Schulen Sorge zu tragen. Schwere Lage der Juden in Syrien. Im Zusammenhang mit der von Frankreich angekündigten S e 1 b s t ä n d i g m ac h u n g der jetzigen französischen Mandabaländer Syrien und Libanon soll darauf hingewiesen werden, daß sich die Lage der Juden in Syrien in der letzten Zeit, besonders seit dem Ausbruch der Unruhen in Palästina, immer mehr verschlechtert hat. Jüdische Händler und ..Dorfgeher" dürfen sich auf den Märkten nicht zeigen. In Damaskus und Alepo wurden vier jüdische Straßenhändler durch Araber überfallen und erheblich verletzt. Im jüdischen Viertel von Alepo wurden an den Häusern und an der Synagoge zahlreiche Fensterscheiben eingeschlagen. In den Abendstunden meiden die Juden die Straßen. Viele Araber haben ihre jüdischen An- SchraOcKantf von Grotten and Gröbern LeopoldDeutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kultaren gestellten entlassen. In Alepo müssen die J uden auf Fleischgenuß verzichten, weil die Schächter das Schlachthaus nicht betreten dürfen. Das Verhalten der Pol iz e i ist wenig energisch. In verschiedenen Fällen wurden Exzedenten festgenommen, aber gleich wieder auf freien Fuß gesetzt. Die olympischen Sportler — Gladiatoren Hitlers. Von Heinrich Mann. Am 6. und 7. Juni iand in Paris eine vom Internationale Fair Play-Komiteeveranstaltete Konterenz statt, an der zahlreiche Vertreter der Sportorganisationen Frankreichs, Englands, Dänemarks, Schwedens, Belgiens, der Schweiz, Spaniens, der Tschechoslowakei und Hollands teilnahmen. Es wurde ein Aufruf zum Boykott der Nazi-Olympiade beschlossen. Im Namen der deutschen antifaschistischen Opposition hielt Heinrich Mann auf der Konferenz die folgende Rede: Internationale Fair Play-Komitee tion danken ich Ihnen herzlich für Ihre großartigen Bemühungen. Die freien Völker dürfen die Berliner Olympiade nicht unterstützen und dies aus mehreren Gründen. Vor allem ist es nicht die Aufgabe der Bürger ireier Nationen, eine menschenfeindiche Diktatur zu gloriiizieren, was sie zweifellos tun, wenn sie an der Hitler-Olympiade teilnehmen. Zweitens handeln die Sportler, denen die Fräsen der Politik gleichgültig sind und die nach Berlin liehen, ohne darüber nachzudenken, keineswegs im Sinne der olympischen Idee. Das Ansehen des Sports muß darunter leiden, wenn Sportler den schlimmsten Feinden des Fair Play zu Hilfe komme, die herrschen durch die Gewalt über ein Land, das zu stummem Gehorchen gezwungen ist. Drittens nehmen diejenigen, die nach Berlin gehen, nicht nur für die Usurpatoren und für die Unterdrücker Partei; sie fallen denen in den Rücken, denen das furchtbare Hitler-Regime ihre geheiligten Rechte genommen hat. Die Rassenhetze ist nicht nur gegen die Juden gerichtet, wie man meist glaubt. Wenn die Herren eines Volkes eine höhere Rasse zusprechen, so gestehen sie damit, daß sie alle andere^ Rassen verachten und sie beherrschen wollen. In der Tat macht man in Deutschland keinen Unterschied zwischen der jüdischen und der slawischen Rasse. Und weil der Rassismus eine Weltanschauung ist, haßt man die Religionen ebensosehr wie die Rassen. Man bekämpft das Christentum und nicht nur das Judentu m. Der olympische Geist, ist das nicht der Geist des Friedens? Der antike Humanismus sollte auierstehen durch die physische und sportliche Leistung des Menschen, so wio er sich fortsetzt in den Werken des Geistes. Aber ganz im Gegensatz dazu ist der Nazismus nichts anderes als ein A n t i h u m a n i s m u s: indem er sich gegen den menschlichen Geist erhebt, muß er auch den wahren Geist des Sportes mißachten, da der Sport nichts anderes ist als die freie Ausübung der menschlichen Fähigkeiten. Der Nazismus aber sieht in dem Menschen nichts anderes als Material, das er für seine grausamen Zwecke benutzt. Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung, ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitliche Sportler respektieren? Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Geiangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr der Welt fühlt Pension Adria, Abbazla Kleine Familien-Pension mit flieSandem Kaltu. Warmwasser. Zentrale Lage, nächste Nähe von Kuroark und Bäder. 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