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Die Wahrheit · 1936-06-26 · Heft 27 (26.6.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 27 (26.6.1936)
Date
1936-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 27 —• 26. Juni 1936 DIE WAHRHEIT HOFGASTEIN KURHAUS WESTEND / STRENG IttÜ Aufsicht der Adas Jisroel Schiffschul, Wien. Thermalbäder V/fENER KÜCHE MÄSSIGE PREISE und wahrlich bemerkenswerte Aufbauarbeit, die sie bereits in Palästina geleistet haben, jäh unterbrochen und das Nationalheim, an das sie ihr Herz gehängt haben, zunichte gemacht werden wird; daß die Araber sie aus Palästina zu vertreiben oder sie auf den inferioren Status bloß geduldeter Fremder lierabzudrücken suchen. Ich glaube ehrlich daß alle diese Befürchtungen grundlos sind; es muß aber auch gezeigt werden, daß sie es sind. Es ist der Wunsch derJRegierung, eine Lösung zu findem, die vereinbar ist mit der g rundlegenden Doppel verpfl i chtung des Mandats. Die Regierung wolle, daß Araber und Juden einsehen, daß sie beide in Palästina eine gesicherte Zukunft haben. In einem Lande, erklärte Minister Ormsby- Qore, das den drei großen Religionen in dejr ganzen Kulturwelt heilig ist, halten wir das Mandat für Palästina als besondere Treuhänder der Welt, die Palästina mit anderen1 Gefühlen als vielleicht jedes andere Land betrachtet; wir sind entschlossen, unsere Autorität als Mandatarmacht zu wahren und Palästina mit Gerechtigkeit und Billigkeit gegenüber Juden und Nichtjuden zu verwalten. * Die Londoner arabische Delegation erfolglos. Wiewohl kürzlich bekanntgegeben wurde, daß die jetzt zwecks Bearbeitung der englischen öffentlichen Meinung in London weilende inoffizielle arabische Delegation von den offiziellen Stellen nicht empfangen Wörden wird, hat dennoch der ständige Unterstaatsseikretär im Kolonienministerium Montag, den 22. Juni, die arabischen Delegierten Jamal AI Husseini, Shibley Jamal und Dr. Izzat Tanus empfangen und mit ihnen verhandelt. Die Besprechung hatte aber kein Ergebnis. Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs deckten sith mit dem Inhalt der Rede des Kolonienministers Ormsby-Qore im Unterhaus. Die Mitglieder der Delegation erklärten, daß die Unruhen in Palästina solange nicht aufhören werden, als nicht ein Verbot der jüdischen Einwanderung erlassen werden wird. Das Martyrium der Juden in Polen. Bei Beratung des Gesetzes über die Vollmachten an die neue, von General Slawoj S k 1 a dk o w s k y gebildete Regierung, führte der Deputierte Dr. Sommerstein im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs im Sejm u. a. aus: Die jüdische Bevölkerung in Polen hat nicht mehr die Sicherheit für Leben, Gesundheit und Habe. Jeder Tag bringt eine neue traurige Liste von Ueberfällen, Zerstörung und Raub. Mehrere Juden haben bereits ihr Leben lassen müssen. Das alles ist nicht ein Resultat der Krisis und der Not, sondern einer planmäßigen Aktion, die von einem oberen Stab geleitet wird und der bestimmte Lokale, Arsenale und Laboratorien zur Bombenerzeugung zur Verfügung stehen. Die Bewegung hat eine eigene Presse und sie beherrscht die Jugend bis zur Volksschule herunter. Die judenhetzerische Agitation darf in Tageszeitungen, Wochenschriften, Flugblättern und Kalendern vollkommen straflos getrieben werden. Die jüdische Religion wird auf die gemeinste Art geschmäht, die jüdische Geschichte wird als eine Kette von Verbrechen hingestellt, den Juden wird die Schuld an allem Unglück zugeschrieben. Gegenüber den Juden wird das schreckliche, bisher nur bei barbarischen Völkern geltende Prinzip der kollektiven Verantwortlichkeit angewendet. Die Ermordung des Wachtmeisters Bujak in Minsk-Mazo wieck geschah anerkanntermaßen auf persönlichem Boden, aber es wurde an der gesamten 6000köpfigen jüdischen Bevölkerung der Stadt Rache genommen. In dieser Stadt blieb keine einzige Fensterscheibe in jüdischen Häusern und Synagogen ganz. Viele Häuser und Läden wurden demoliert und ausgeraubt, eine Reihe Häuser wurde niedergebrannt, zahlreiche Juden wurden barbarisch mißhandelt, zwanzig von ihnen liegen noch heute ischwer verletzt darnieder, einige starben. Die furchtbare Pogromatmosphäre hat zwei Drittel der jüdischen Einwohnerschaft in die Flucht getrieben, der Rest hielt sich wochenlang in verbarrikadierten Wohnungen und Kellern ohne Nahrungsmittel, Licht und Wasser verborgen. Auch in Lemberg wurde an der jüdischen Bevölkerung auf Grund eines unbestätigten Gerüchtes, daß ein Jude einen Polen geschlagen hat, Rache genommen, viele Juden wurden schwer verletzt, der 34jährige Privatbeamte R o s e m a n starb eines furchtbaren Todes. Die Behörden gehen nicht rechtzeitig gegen die Hetzer und Terroristen vor; wo dies geschieht, zeigt es sich, daß man einen beginnenden Erxzeß im Keim ersticken kann. Die Regierung beurteilt solche gemeinen Judenexzesse als „politische" Taten, die unter Amnestie fallen, so daß auch die wenigen Schuldigen, die gefaßt werden, schließlich straflos ausgehen. In dem Grodnoer Prozeß hat erst das Appellationsgericht die Strafe für die Schuldigen am Tode einiger Jude entsprechend erhöht Aber der berühmte Przytiker Held Korczak, der zweimal vom Erstrichter wegen Judenhetze bestraft wurde, wurde immer wieder durch das Kreisgericht in Radom freigesprochen. So wird der Eindruck geschaffen, daß das Schlagen von Juden eine nationale Tat sei, daß der Jude außerhalb des Gesetzes stehe, daß man ihn töten dürfe, mindestens seine menschliche Würde mit Füßen treten und ihm seinen Besitz nehmen könne; bei den Juden aber entsteht eine Stimmung ständiger Unsicherheit, die jede Tatkraft lähmt. Ist nicht Sicherheit von Leben, Gesundheit und Habe das Minimum, das jeder Staat jedem Bürger garantiert? MÖBEL Moderne KQchen- Vorzhnmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Sommerstein schilderte die geradezu „höllischen Leiden" der jüdischen Kaufleute und Händler, denenidurch den terroristischen Boykott der letzte Bissen Brot vom Mund genommen wird. Auf den Wegen, die aus den Dörfern in die Städte führen, stehen Boykottwachen, die zugestandenermaßen einen Lohn von 3 Zloty täglich pro Kopf erhalten. Sie üben die Funktionen einer. Polizei aus, durchsuchen die durchreisenden Bauern, hindern sie, ihr Getreide an Juden zu verkaufen oder Bedarfsgegenstände von Juden zu kaufen. Man sagt den Bauern, daß die Regierung selbst es verboten hat, mit Juden zu handeln. Das Verhalten der Regierung und der kommunalen Sparkassen, die die christlichen Geschäfte und Werkstätten mit Darlehen überschütten, aber den jüdischen Kaufleuten, die schweres Geld für Handelspatente zahlen müssen, den Kredit verweigern, ist dazu angetan, diese Version der Boykottarrangeure zu stützen. Interveniert man wegen des terroristischen Boykotts bei der Behörde, so erhält man'zur Antwort, daß die Polizei dazu da ist, Gewalttaten zu verhindern, »sie könne aber nicht die bäuerliche Bevölkerung veranlassen, bei Juden zu 'kaufen. Jüdisch eHändler wagen sich nicht mehr auf die Märkte. Sie werden dort bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen und ihre Warenstände werden vernichtet oder ausgeraubt. An verschiedenen Märkten verweigerte man ihnen die Standplätze. Verordnungen lokaler Regierungsorgane bedeuten rücksichtslosen Boykott des jüdischen Kaufmanns und Handwerkers. Tau sende jüdischer Familien sind zum Hungertod verurteilt. Dies nennt man „ökonomischen Kampf". Der wirtschaftliche Antisemitismus, der Hand in Hand geht mit der Pogromaktion, wird gestützt durch Gesetze, die die Regierung im Sejm eingebracht und deren Annahme sie durchgesetzt hat. Es sei auf das Schächtgesetz, das ungerechte Steuersystem usw. hingewiesen. Jüdische Wirtschaftsleute erhalten weder Kredite Herzd. franenneupafli Tofzmannsdbri; (Durgenkmd) j; Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder, i | Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Rei! staurants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung ■ > Wien L, KohlmarktS Tel. ü-'5-104 |;Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in! j allen Apotheken erhältlich.! noch öffentliche Lieferungen, die jüdische Jugend wird systematisch von der Arbeitsfront ferngehalten. Die Juden werden in ein „Wirtschaft- 1 i c h e s Ghetto" gedrängt in eine Verarmung und Proletarisierung sondergleichen. Der Ministerpräsident General S k 1 a d o w s k y hat in seiner Rede erklärt: „Oekonomischer Kampf — bitte schön; nur kein Unrecht!" Diese Worte wurden hier im Sejm u. a. von den Deputierten Marchlewsky und Pfarrer Lubelski als eine Approbation des ökonomischen Kampfes gegen die Juden durch den Ministerpräsidenten interpretiert. Die jüdische Bevölkerung ist tief beunruhigt und verbittert. Muß eine solche Politik nicht zur Ausrottung der dreieinhalb Millionen polnischer BUrger, die Juden sind, führen? Aber der wirtschaftliche Antisemitismus wird nur die Arbeitslosigkeit erhöhen, die Atmosphäre von Haß gegen Juden wird sich über das jüdische Objekt hinaus ausbreiten und Polens wirtschaftliches Fundament untergraben. Glaubt nicht der Herr Ministerpräsident, daß vor der polnischen Konstitution alle Bürger gleich sind. Im Namen dieser Konstitution fordern wir die Einstellung des ökonomischen Kampfes gegen die Juden. Die jüdische Bevölkerung wird der Aufforderung des Ministerpräsidenten an die Bürger, sich für die Verteidigung des Landes bereitzuhalten, vollauf nachkommen, aber solange die Regierung die jüdischen Mitbürger nicht gleichberechtigt behandelt und sie nicht .vor Verfolgungen schützt, werden wir jüdischen Parlamentarier gegen die Vollmachten an die Regierung stimmen. « Pogrome in Permanenz. Protestierende Juden werden schwer bestraft. Das Radomer Kreisgericht sprach gegen vier Juden, die am 17. März sich an einer Demonstration und an einem eintägigen Proteststreik gegen den Pogrom in Przytik beteiligt haben, außergewöhnlich schwere Strafen aus. Jehoschua Orlik wurde zu zwei Jahren, der Magistratsbeamte und Vorsitzende des Radomer Handelsangestelltenvereins Abraham Qoldberg zu anderthalb Jahren, der Pharmazeut Szmuel Karpenkop zu anderthalb Jahren, der Arbeiter Gerschon Zelicki zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Verteidiger meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde an. Das harte Urteil hat unter den Juden Polens tiefe Empörung und Verbitterung hervorgerufen. Wie die Alten sungen . . . In dem Städtchen Przytik haben polnische Schüler der Ortsschule ihre jüdischen Kollegen bei einem Ausflug überfallen und barbarisch mißhandelt. Als .die polnischen Kinder antisemitische Lieder zu singen begannen, wollten sich die jüdischen Kinder zum Protest entfernen, die begleitende Lehrerin erlaubte es ihnen aber nicht. Als dann die Kinder den Waldrand erreichten, fielen die polnischen Schüler über die jüdischen Kinder her. Einige jüdische Kinder wurden erheblich verletzt, dem sechsjährigen Noah Morgenstern wurden alle Zähne ausgeschlagen, er mußte ins ff o s p i t a I gebracht werden. Den Bart angezündet. Aus Lemberg wird gemeldet, daß in den Dörfern Ostgaliziens ein ungeheurer antijüdischer Terror herrscht. In den Dörfern der'Umgebung der Stadt Belce wurden viele jüdische Häuser niedergebrannt. Der 60jährige Wolf Goldstein wurde lebensgefährlich vev letzt. Im Eisenbahnzug in der Nähe von Otwock bei Warschau häben Huligans den 50jährigen Jerachmiel Lipstadt ergriffen und ihm den Bart angezündet. Lipstadt erhielt Verbrennungen am Kinn und a n. d e n.Hä n d en. ...

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