Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 27 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DiE WAHRHEIT Nr. 27 26. Juni 1936 Seite 3 Die „Weisen von Zion" - eine Fälschung. Der genaue Wortlaut des Baseler Vergleiches. In der schweizerischen antisemitischen Zeitung „Der Eiserne Besen" vom 9. Juli 1933 war eine Buchempfehlung für die „Zionistischen Protokolle" erschienen. Dr. Alfred Zander, ein führendes Mitglied der Nationalen Front, hatte dort behauptet, aus den „Protokollen" ergebe sich der Beweis für die Wahrheit des jüdischen Welteroberungsplanes. In der Protokollausgabe von Theodor Fritsch sei ein Artikel des Oberrabbiners von Stockholm, Doktor Marcus Ehrenpreis, in amtlich beglaubigter Uebersetzung wiedergegeben worden, der den Zionistenkongreß von 1897 behandle, auf dem HerzI diesen Weltplan dargelegt habe. Hiergegen wurde beim Strafgerichtspräsidenten in Basel die provisorische Beschlagnahme der „Protokolle" beantragt. Der Richter hatte durch eine einstweilige Verfügung dem Begehren entsprochen. Die Beschlagnahme, die bei der „Nationalen Front" erfolgte, umfaßte etwa 800 Exemplare. Im Prozeß sollte die endgültige Beschlagnahme der „Protokolle" erstritten werden, der Prozeß wurde verbunden mit einer Ehrenbeleidigungsklage gegen die Verfasser der „Protokolle". Da die Herausgeber dieser Protokollausgaben Gottfried zur- Beek und Theodor F r i t s c h bereits gestorben waren, blieben als Angeschuldigte übrig der verantwortliche Leiter des Verlages Franz Eher Nchf., Müchen, an dem bekanntlich Adolf Hitler führend beteiligt ist, und Dr. Alfred Zander, Basel. Auf Antrag der Kläger war Oberrabbinenr Doktor Ehrenpreis als Zeuge in Basel vernommen worden. Er erklärte, das Pamphlet über die „Qeheimisse der Weisen von Zion" als eine auf der Hand liegende Fälschung. Da trotzdem die Blätter der „Fronten" fortfuhren, die „Protokolle" auch in anderen Schweizer Kantonen zu verbreiten und deren Echtheit zu behaupten, entschloß sich auch Dr. Ehrenpreis zur Klageerhebung. Schon im Juni 1934 hatte der Baseler Straigerichtspräsident einen Vergleichs Vorschlag gemacht, der aber von Dr. Zander abgelehnt worden war. Der Prozeß hatte sich verzögert, weil der Beklagte Dr. Zander, der inzwischen aus der „Nationalen Front" ausgeschlossen worden war, mehrfach seine Anwälte wechseln mußte. Wir sind in der Lage, den nunmehr abgeschlossenen Vergleich vom 5. Juni 1936 zu veröffentlichen, aus dem hervorgeht, daß Dr. Zander und vor allen Dingen auch die Nationale Front sich von der völligen Unbegründetheit des Inhalts der „Protokolle" überzeugt haben: Vergleich. 1. Jules D re yf us-Brodski, 2. Dr. Marcus Cohn, 3. Dr. Marcus Ehrenpreis, Klagei, alle vertreten durch Dr. 0. Meyer einerseits und 1. Dr. A. Z a n d e r, Beklagten, 2. Nationale Front, Landesverband Zürich, Intervenientin, beide vertreten durch Dr. Werner Ursprung, Zurzach, anderseits, schließen hiermit folgenden Vergleich ab. 1. Dr. A. Zander erklärt: Er habe nicht behauptet und wollte nicht behaupten, daß Dr. M. Ehrenpreis die Echtheit der sogenannten Zionistischen Protokolle (oder die Geheimnisse der Weisen von Zion) bezeugt habe. Diese Annahme stammt aus der schwedischen Zeitung „Nationen" vom 1. Mai 1932 und ist in der 12. Auflage der Broschüre „Die Zionistischen Protokolle", Hammerverlag 1933, wiedergegeben worden. Wenn man aus dem Hinweis im inkriminierten Artikel „Und trotzdem echt" auf das Vorwort zu dieser Broschüre und aus ihrer Empfehlung die Leset den Morgen Verbreitet den Morgen Inseriert im Morgen €s ist euer Watt 6s füßft mit 6ucß 6s denkt mit 6ud) 6s kämpft für 6ud}! Meinung herauslesen könnte, er habe die Behauptung zur seinigen gemacht, so bedauert er dies. Uebrigens habe er weder Dr. Ehrenpreis noch die anderen Kläger für die sogenannten „Zionistischen Protokolle" verantwortlich gemacht und würde es als unbegründet ansehen, wenn man sie der Verfasserschaft, oder der Beteiligung daran oder an der Durchführung des in der Broschüre enthaltenen Programms beschuldigen wollte. Er wollte und will nicht behaupten, daß der Inhalt der oben erwähnten Schriften Beratungsgegenstand des von Herzl 1897 in Basel präsidierten I. Zionistenkongresses war. Für den eingeklagten Passus der Klagbeantwortung Seite 13, Ehrenpreis habe als Zeuge „die Richtigkeit dieser Anbringungen zu vermänteln versucht, wie nicht anders zu erwarten war", sei nicht er, Dr. Zander, sondern der Verfasser der Rechtsschrift verantwortlich. Für diesen nehme Dr. Ursprung den Passus zurück. Besorgt Eure Bücher durch die Buchhandlung IHII^MÄNM TO €HNHR Wien II., Ecke Taborsfraße 52 MäJsige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel. 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Die Kläger ziehen im Hinblick auf obige Erklärungen und mit Rücksicht auf den in Bern erstinstanzlich entschiedenen, vor Obergericht noch anhängigen Prozeß bezüglich der sogenannten Zionistischen Protokolle sämtliche in diesen beiden Prozessen noch unerledigten Rechtsbegehren zurück unter Verzicht auf Prozeßentschädigung. Basel, den 5. Juni 19.36. Für die Kläger: Für den Beklagten und die Nationale Front: sig. Dr. Oscar Meyer. sig. Ursprung, sig. A. Zander. Englands Doppelverpflichtung. Die Rede des neuen Kolonienmirüsters, der als ein Freund des jüdischen Palästinas von den Ziomisten in A»isr>ruch genommen wird, hat seine jüdischnaitJonalen Freunde vielleicht durch die nüchterne Auslegung der .Balfour-Deklaration enttäuscht. Er hat gesagt, daß bei der Errichtung des Jüdischen Nationalheims und der Anerkennun des jüdischen Glaubens nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte. Somit ist es klar, daß England eine doppelte Verpflichtung gegenüber Juden und Arabern in der Balfour- Deklaration übernommen hat. Der Kolonienminister hätte noch ergänzend hinzufügen können, daß noch eine dritte Verpflichtung besteht, nämlich den Juden in ihren Heimatländern gegenüber. Auch die religiösen und bürgerlichen Rechte unserer Glaubensgenossen in den Heimatländern sollen durch die Förderung der zionistischen Bestrebungen nicht beeinträchtigt werden. In der zur zehnjährigen Feier der Balfour-Deklaration erschienen Schrift hat der verewigte Oberrabbiner Dr. Chajes gesagt, daß die Verpflichtungen den Arabern und den Juden in den Heimatländern gegenüber keine Bedeutung besitzen. Diese falsche Einstellung wurde in der jüdischnationalen Propaganda für den politischen Zionismus beibehalten. Sie ist mitschuldig an der Gegenpropaganda de Araber, die zu jenen unser jüdisches Mitgefühl in Anspruch nehmenden Verhältnissen geführt hat, die derzeit in Palästina herrschen. Durch diese Art falscher jüdischnationailer und politisch-zionisti1scher Propaganda ist es gekommen, daß der neue Koloraenminister Ormsby-Gore feststellen mußte, daß in Palästina ein Zustand der Furcht auf beiden Seiten herrsche. Die Araber befürchten, daß die Juden das Land vollkommen beherrschen werden, sie haben Angst um die Zukunft ihres Volkstums, um die Zukunft der Heimstätten ihrer Vorfahren und ihrer Künder. Ebenso befürchten die Juden, daß die große und wahrlich bemerkenswerte Aufbauarbeit die sie in Palästina geleistet haben, jäh unterbrochen und daß ihre Opfe,r, die sie gebracht haben, zunichte gemacht werden; daß die Araber die Juden aus Palästina zu vertreiben oder sie auf dem inferioren Status bloß geduldeter Fremder herabzudjrücken suchen. Wir stimmen mit dem Wunsch der englischen Regierung vollkommen überein, daß eine Lösung gefunden werden möge, die nicht nur mit der Doppelverpflichtung des Mandats Juden und Arabern gegenüber, sondern auch mit der Verpflichtung den Juden in den Heimatländern gegenüber vereinbar ist. Der wesentlichste Teil der Erklärungen Ormsby-Gores, der sich ausführlich mit dem Bürgerkrieg in Palästina befaßte, wobei er die Haltung der Juden lobend anerkannte, war folgendem Kolonienminister Ormsby-Gore erklärte, niemand bedaure es mehr als er, daß in den Beziehungen zwischen den Arabern und der Regierung Palästinas eine Spannung eigetretem ist; er hoffe, daß dies nur ein vorübergehender Zustand sein werde. Das arabische Volk sei mit Recht stolz auf seine historischen Errungenschaften und seinen Beitrag zur Kultur; zwischen England und dem arabischen Volke habe eine traditionelle Freundschaft bestanden, die die Regierung zu schätzen, wisse; es sei ihr ernster Wunsch, daß diese Freundschaft erhalten bleibe. Die Regierung nehme am, daß dies in gleicher Weise auch der Wunsch der großen Mehrheit des arabischen Volkes in der ganzen Welt sei. Gleichzeitig, fuhr der Minister fort, gebe es das jahrhundertelange Streben der Juden in der ganzen Welt nach einem Zentrum in Paläsü.ia. Dieses Streben und dieser Anspruch wurden von der Regierung in der Balfour-Deklaration des Jahres 1917 formell und höchst bestimmt anerkannt. Die Deklaration wurde späterhin m> fast demselben Wortlaut von allen übrigen wichtigen alliierten und assoziierten Mächten im Kriege bekräftigt und wurde schließlich in einem Mandat verankert, das Englands Vollmacht für die Herrschaft in Palästina darstellt. Die Balfour-Deklaration macht jedoch klar, daß bei der Errichtung des Jüdischen Nationalheims und der Anerkennung des jüdischen Glaubens nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichrjiidischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte. Somit war es klar, daß wir eine doppelte Verpflichtung gegenüber Juden und Arabern hatten. Gegenwärtig, sagte dqr Kolonienrninister, herrscht ein Zustand der Befürchtung auf beiden Seiten; die Beunruhigung, die zu diesem Aufruhr führte, ist zur Hälfte psychologischer Art. Die Araber befürchten, daß die Juden das Land vollkommen behersenen werden, sie haben Angst um die Zukunft ihres Volkstums, um die Zukunft der Heimstätten ihrer Vorfahren und ihrer Kinder. Ebenso sehr befürchten die Juden, daß die große t^mmjLJu.aMmwimiJm*.....*wr~>