Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 26 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 26 — 19. Juni 1936 Seite? Wien l.| Seitenstettengasse 2 XI., Zentralffrledhof neben dem I. Tor Samstag geaAloisen! Alten Freunden, die mir anläßlich des Verlustes meiner teueren Schwester, Frau Caroline Dtutsch, Trost und Teilnahme in meinem Schmerz erwiesen, sage ich innigen Dank. Softe Qränfeld. ten! Zertifikate ausgegeben werden, sodann eine vorübergehend© Einwanderungssperre erfolgt denn eine jährliche Einwanderung von 50.000 Menschen beunruhige die Araber. Allerdings müsse jeglicher Aenderung des politischen Kurses die Wiederherstellung der Ordnung vorangehen; Erpressung einer solchen Aenderung durch Gewalt wäre verhängnisvoll Erst Frieden, dann Verhandlungen, heißt es in dem Artikel zum Schluß. Fleischhauer schweigt... Wenn in nächster Zeit noch immer der klägliche Versuch von den angeklagten Verbreitern der gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion" gemacht wird, gegen das gerechte Urteil von Bern anzugehen, wird ihr Kronzeuge es noch schwerer haben, auch persönlich für sich noch Glaubwürdigkeit geltendmachen zu können. Denn vorher muß er noch die Beweise liefern, daß er nicht erneut den Versuch unternommen hat, durch Lügen ein Gericht zu beeinflussen. Der „W e 11 d i e n s t" in Erfurt, eine antisemitische „Nachrichten'-Agentur, die auch die nichtdeutsche Presse mit ihren gemeinen Phantasien zu beliefern sucht, dieser „Weltdienst", der Herrn Fleischhauer gehört, und mit ihm das wegen des „Olympiafriedens" eingegangene Hetzblatt von Berlin, der „Jude nkenne r", haben in großer Aufmachung Angaben gebracht, daß der Attentäter von Davos, Frankfurter, in Bern viel in Kreisen verkehrt hätte, die es darauf angelegt hätten, weil sie bolschewistischjüdisch eingestellt sind, einen Mörder für Gustloff zu suchen. Der sehr sorgfältig und gewissenhaft vorgehende Untersuchungsrichter hat nun an die beiden Stellen geschrieben, sie möchten ihm doch einige Unterlagen für ihre Behauptungen schicken, damit er diesen Spuren nachgehen kann. Und nun haben beide Stellen das getan, was alle Sachverständigen von Herrn Fleischhauer und anderen „Judenkennern" erwartet haben: beide Redaktionen haben es vorgezogen, nicht zu antworten, denn die einzige Quelle für ihre Behauptungen kann doch nur ihr skrupelloser Haß gegen die Juden sein, und das ist schließlich in der Schweiz kein Beweismittel. Soviel über die Ehrlichkeit eines aus dem Dritten Reich bezogenen antisemitischen Sachverständigen, der einst in Bern einen Rederekord aufstellte, jetzt aber, wo er eine kleine Wahrheit schreiben soll, sich nicht einmal mehr an die Schreibkunst erinnern kann. Fleischhauers mißlungener Beutezug. Die Schweizerische Depeschen-Agentur teilt m-lt: Der reichsdeutsche Staatsangehörige Fleischhauer, der im Prozesse um die ,,Protokolle der Weisen von Zion" als Sachverständiger auftrat, hatte für sein Gutachten 80.000 Schweizer Franken als Honorar gefordert. Von dem Richter der ersten Instanz war sein Honorar auf 8000 Franken herabgesetzt worden, wogegen Fleischhauer rekurrierte. Das Obergeriefof wies jedoch die Beschwerde als unbegründet ab. Da gegen Fleischhauer noch ein Verfahren anhängig ist, empfahl der Untersuchungsrichter, das Honorar bis zum Abschluß der Untersuchung zurückzuhalten. Französische Faschisten ehren jüdische Frontkämpfer. Die faschistische Vereinigung „F e u e r k r e u z" (Croix de feu) kündigt für nächsten Sonntag eine Gedenkfeier für die gefallenen jüdischen Frontkämpfer an. In. der Einladung zu dieser Gedenkfeier heißt es: Die Vereinigung „Feuerkreuz" bekräftigt auf diese Weise ihre Achtung aller religiösen Bekenntnisse und ihre Abneigung gegenüber Haßdoktrinen, die der Eintracht unter den Franzosen abträglich sein könnten. Wie die Allgemeinen Zionisten die jüdisch-österreichische Jagend erziehen wollen. In der „Stimme" vom 9. Juni wird davon Mitteilung gemacht» daß däe jüdisch-österreichische Jugend m einen neuen Bund, dem „B r i t h Zion" des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich zusammengefaßt werden soll. Da heißt es: „Unser ideologisches Ziel ist durch das Krakauer Programm des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten klar gegeben: Primat der nationalen Interessen vor allen Wünschen von Gruppen und Ständen und Klassen und Personen." Also Nationalismus voran. Die Juden, die am meisten unter dem Nationalismus aller übrigen Gemeinschaften zu leiden haben, predigen den Primat des Nationalismus. „Zionismus als bloßes Lippenbekenntnis lehnen wir als unwürdig ab. Wir verlangen von unseren Mitgliedern ein Bekenntnis durch die Tat. Wir sehen daher in der Hebräisierung der Jugend und in der Erziehung zur Chaluzfuth das höchste Ziel unseres Verbandes. Wir werden uns bemühen, den Gedanken der Chaluziuth mit zionistischer Lebensanschauung und jüdischer Lebenshaltung in allen unseren Gruppen zur Wirklichkeit: werden zu lassen. Und weil wir uns in allen unseren Bestrebungen, .auf das Ziel ,Zion' ausgerichtet haben, koruaten wir unserem Bund Pension Adria, Abbazia Kleine Familien-Pension mit flieSendem Kaltu. Warmwasser. Zentrale Lage, nächste Nähe vor. Kurpark und Säder. Zimmer mit und ohne Verpflegung bei sorgfältigster Bedienung urd billigsten'Preisen. keinen besseren Namen geben als Zionsbund, das ist Brtth Zion." „Wir wollen unsere Bundesmitglieder fern von jeder Assimilation zu strammen Chaluztm und Chaluzoth erziehen, die hebräisch sprechen, ein jüdisches Leben führen und als Diener des ganzen Volkes nach Erez Israel gehen." „Wir sünd erst am Beginn unserer Arbeit und wir wissen, wia schwer unser Beginnen ist, aber gerade das spornt uns an, das zu schaffen, was der allgemein-zionistischen Jugend Oesterreichs notwendig ist: eine Jugend stark an Geist und Körper, treu zu Volk und Heimat . . . Wer sich hiezu bekennen kann, ist uns willkommen!" So also wollen die Allgemeinen Zionisten die jüdische Jugend Oesterreichs erziehen. Nicht zum Bekenntnis zur jüdischen Religion und für ihre Heimat und ihr Vaterland Oesterreich, somdern für die jüdische Nation und für Frez Israel. Hingesendet. Wir erhalten folgende Zuschritt: Die Behauptung des Deputierten Vallat, daß Leon Blum als erster Jude Frankreich regiere, bedarf der Korrektur. Denn schon vor 65 Jahren war der Jude Gambetta der Diktator Frankreichs. Leroy- B e a u 1 i e u schreibt in seinem Buche „Israel unter den Nationen" S. 226: Gambetta war väterlicherseits wirklich Jude; nicht daß sein Vater Glaubensjude gewesen wäre, aber er war Jude von Rasse. Umsonst hat man die Tatsache bestritten; sie ist mir unter anderem von einem Manne bestätigt worden, welchem sie Gambetta selbst mitgeteilt hatte. Dr. J. K a h a n, Znaim. Der Verein „OSTERR. SEEHOSPIZ IN GRADO" Präsidentin SOFIE GRÜNPELD) .«endet Anfang Juli zarte, anämische, zu Katarrhen neigende jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren, unter ärztlicher, und pädagogischer Anfsicht, in sein eigenes Beim nach Grado (Italien). Ein JOtägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche", kostet S 5.— täglich. Der Seit 4 Jahren bestehende Verein „FERIENHEIM" (Präsidentin SOFIE" GRG'NFELD), entsendet auch heuer, während der Sommermonate, erholungsbedürftige jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren in sein eigene« .,Sofia GrOntald-Ferlenhelm" in Bad Vöslau. Verpfleguneskästsateitrag bei i Mahlzeiten (rituelle Küche) und ärztlicher and pädagogischer Aufsicht S 3.— täglich. Freiplätze in beschränkter Anzahl an Vollwaisen. Anmeldung im Vereinshüro IX., Türkenstraoe 17, T^n 19—13 Uhr, Telephon R, 51-5-63 Schmuckang fon Gräften und Gräbern LeopoldfleutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kälteren Morris Schwartz im Bürgertheater. Das von uns bereits gemeldete Gastspiel des amerikanisch-jüdischen Kunsttheaters aus New- York, mit seinem weltberühmten Direktor, Regisseur und Tragöden Morris Schwartz und einem Starensemble erlesenster Künstler, beginnt bereits am 25. Juni. Die Auswahl des Bürgertheaters erfolgte in Hinblick auf die gewaltige Bühne, die den achtzig Mitwirkenden genügend Spilelraum läßt. Maßgebend war jedoch auch/ daß dieses Theater durch frühere jüdische Gastspidle dem jüdischen Publikum nicht mehr fremd ist. Direktor Morris Schwartz, dessen Wiener Impresario Dir. J. Goldflies von den Jüdischen Künstlerspiekm ist, kommt mit seinem kompletten Ensemble und man wird Gelegenheit haben, die prominentesten jüdischen Künstler, u. a. die Damen Abarbanell, Goldenberg, Lipman, Liton und die Herren Alex Stein (den Wienern noch in bester Erinnerung von den /.WUnaern"), Samberg, Lipman, Grutberg u. v. a. kennenzulernen. Das Gastspiel Morris Schwartz, der seine berühmte Weltaufführung „Josche Kalb" (ein Werk in 26 Bildern von I. I. Singer) bringt überdies alles in OrigTmalkostümen und mit eigenen Originallichtmaschinen, ist nur für 10 Tage berechnet und bedeutet zweifellos einer Sensation ersten Ranges. Semeindedkronik. Krakau. Im Alter von kaum 29 Jahren verstarb der berühmte polnische Klaviervirtuose Bolewlaw Kon, Professor des Musikkonservatoriums in Krakau. Prof. Kon, der Jude war, gewann 1933 den ersten Preis bei dem Internationalen Musikfest in Wien. Wiener Urania. Donnerstag. 25. Juni, Uhr. Mittlerer Saal. Filmvortrag: Obermedizinalrat Priv.- Dozent Dr. Karl U11 m a n n: „Neues und Wissenswertes zur modernen Krebsforschung und Krebsbekämpfung". Uraniamitglieder 80 g bis S 1.50. Nichtmitglieder S 1.— bis S 2.—. Eröifung des Jüdischen Zentralrauseums für Mähren- Schlesien in Nikolsburg. In ebenso schlichter wie würdiger Form hat am 24. v. M. die Eröifnung des Jüdischen Zentralmuseums für Mähren-Schlesien in Nikolsburg stattgefunden, zu welcher der Bürgermeister mit dem "Direktor des städtischen Museums, sowie Delegierte von Kultusgemeinden und jüdischen Korporationen aus allen Teilen des Landes und aus Wien sich eingefunden hatten. Naturgemäß war in der kleinen jüdischen Gemeinde alles auf den Beinen und man hatte an diesem sonnigen Sonntag das Gefühl, von einer Atmosphäre der Zufriedenheit und Zuversicht umgeben zu sein. Der eigentliche Festakt spielte sich in der iast 400 Jahre alten Altschulsynagoge ab, die ja selbst infolge ihrer besonderen Bauart und prachtvollen Ausstattung als das bedeutendste Museumstück angesehen werden kann. Doch nicht bloß das würdige Alter, die Architektur und Dekoration geben diesem Bauwerk seine monumentale Bedeutung; so wie an diesem Tage war sie auch in früheren Zeitläuften der prunkvolle Rahmen für die großen geschichtlichen Akte, die die Marksteine in der Entwicklung dieser einst größten aller mährischen Judengemeinden bilden. Dieser durch unzählige Feierlichkeiten und Zeremonien geweihte Boden war einst umweht von der hohen Gelehrsamkeit und dem Ruhm erlauchter Geister: in dieser Synagoge hatte zum Beispiel der jeweils neugewählte Landesrabbiner vor dem Regierungsvertreter und den Landesältesten den Amtseid abzulegen. Es scheint demnach nur selbstverständlich, daß die Eröiinungst'eier für das Museum an diese Stätte verlegt wurde; daß damit keine gottesdienstliche Zere- Stwief&asten. Auf zahlreiche Anfragen aus Aerztekreisen. Den überaus merkwürdigen Vorgängen bei der Vergebung der Primariate im Spital der Wiener Kultusgemeinde, derentwegen in Ihren Kreisen hellste Empörung gegen die Protektionswirtschaft des derzeitigen jüdischnationalen Rumpfvorstandes herrscht, werden wir demnächst die gebührende publizistische Behandlung angedeihen lassen.