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Die Wahrheit · 1936-06-19 · Heft 26 (19.6.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 26 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 26 — 19. Juni 1936 DIE WAHRHEIT Andauernd faitisdke Jfage in Palästina. (Todesstrafe füx J§u/vfilkvev. In den letzten Tagen hat sich die Situation in den Palästina-Unruhen Gefallenen hat die Palä- Palästina abermals in einer Weise verschärft, daß stina-Regierung eine Prämie von je 500 Pfund ausdiejenigen Kreise in allen Lagern, die sich ein gesetzt. ruhig abwägendes Urteil bewahrt haben, von einer Sämtliche arabische Führer, die als Kulmination der Ereignisse sprechen und nunmehr Agitatoren der Streikbewegung und eine Wendung erwarten. Charakterisiert wird die TeilnehmeranAttentateninein Konzen- Situation durch neue folgenschwere Antrationslager ah der palästinensisch-ägyptischen Schläge der arabischen Aufrührer und Grenze gebracht worden waren, sind nunmehr in verschärftere Gegenmaßnahmen dei dasKonzentrationslagerSarafandbei Regierung, die, wenn sie auch noch mit der Jaffa überführt worden. Hier haben die kö- Verkündung des Belagerungszustandes zögert, doch niglichen Luftstreitkräfte eine Garnison, durch die Erlassung eines Dekrets mit Fest- Der Draht bringt fortwährend aus ganz Paläsetzung der Todesstrafe gegen Aufstina furchtbare Berichte über Ausschreitungen der rührer ihre feste Entschlossenheit kundtut, sich arabischen Terroristen. Zusammenstöße mit Po- — wie das amtliche Büro Reuter feststellt — „vor lizei und Militär, Ueberfälle auf jüdische Kolonien, Einschüchterungen und Gewaltakten nicht zu Bombenanschläge auf öffentliche Gebäude, Kranbeugen". kenhäuser, Flugplätze, Wasserleitungen, Eisen- Ein am 13. Juni erlassenes Dekret des High bahnen und Autobusse, Brandstiftungen, Zerstörung Commissioner für Palästina bestimmt, daß die von Waldanlagem, Vernichtung von Ernten, Spren- Todesstrafe oder lebenslängliche gungen von Brücken, Durchschneidung von Tele- Kerkerstrafe gegen Aufrührer erlasphondrähten (J e r u s a 1 e m war einen ganzen Tag sen werden kann, die auf den britischen ntBM,„WBmMMWWHW■■■■■■■■■■■ Sicherheitsdienst schießen oder Bom- - ben mit der Absicht werfen, Tod, Ver- €fk%$ Dfll&iAII FflfCffilt letzungen oder Materialschäden zu 1»U1** 1* t* II JJIV II 1,1,11911*111 verursachen. Diesen Strafen unterliegen auch SdlWIGrillS Delinquenten, welche Kommunikationen .^pgMMMMMpppMipjijBaBBBMaaBaaaMM welcher Art immer vernichten odei beschädigen. Die Distriktskommissäre in Palävon der Außenwelt abgeschnitten), Beschädigung stina können Kollektiv strafen auferlegen der Bahnanlagen und Aehnliches sind an der Tages¬ oder die Konfiszierung des beweg- Ordnung. Eines der entsetzlichsten Verbrechen liehen Vermögens bei denjenigen anordnen, ereignete sich am 12. Juni, an welchem Tage durch die sich terroristischer Akte schuldig eine Bombenexplosion in einem vom Haifa nach machen oder sich weigern, den Behörden Lydda fahrenden Zug 18 jüdische Passagiere, bei der Verfolgung und Sicherstelfünf von ihnen sehr schwer verwundet wurden, lung der Schuldigen behilflich zu sein. Die Bombe, eine-mit Dynamit gefüllte Blech- Das Gesetz enthält noch die Bestimmung, daß büchse, explodierte kurz nach der Station K a 1die Distriktskommissare verfügen können, daß k i 1 i e, wo die arabischen Passagiere den Zug ver- Häuser, aus denen Schüsse gegen Milassen hatte. Der Zug wurde sofort zum Stehen gelitär oder Polizei gefallen sind, bebracht und Militär eröffnete das F e u e r a u f d i e schlagnahmt, sogar zerstört werden, fliehenden Araber, die entkommen Sie sind bevollmächtigt, die Gesamtheit der Einkonnten. ■wohner einer Ortschaft unter Androhung schwerer Der Schauplatz^ der" Katastrophe bot ein Bild Strafen aufzufordern, in den Straßen errichtete furchtbarer Verwüstung". Der Wagen, in dem die Barrikaden zu beseitigen und die Landstraßen von Explosion erfolgte^ war vollkommen zertrümmert, ausgestreuten Nägeln zu reinigen. Dach und .Seiten^li}^'*,>V3re.n abgerissen, das Für die Ergreifung der Mörder jedes bisher in Stöhnen der Verwundeten erfüllte die Luft. Der uniÄPäÄffEIN IHOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang beschädigt gebliebene Teil des Zuges, in dem sich leicht Verletzte in nicht genau feststellbarer Zahl befanden, fuhr nach Tel Aviv weiter, während achtzehn erheblich verletzten Personen an Ort und Stelle erste Hilfe durch eine Ambulanz des Roten Mögen David, die nach kurzer Zeit aus Tel Aviv an der Unglücksstelle eingetroffen war, geleistet wurde. Die achtzehn Verwundeten wurden sodann ins Hadassa-Hospital nach Tel Aviv überführt. Als erste Vergeltungsmaßnahme anläßlich dieses ruchlosen Bombenanschlages hat die Regierung dieSchließungderStationKalkilieangeordnet. Die Züge halten in Kalküle nicht mehr. Der 30jährige jüdische Chauffeur Jacob Gerson, der am 14. Juni bei einem Feuerüberfall in der Nähe der Kolonie Moza schwer verwundet wurde, ist Dienstag im Hada&sa-Krankenhaus zu Jerusalem seinen Verletzungen erlegen. Er ist das 31. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhen. Besondere Befürchtungen hegte man für Mittwoch, den 17. Juni, dem Jahrestag der bei den Unruhen von 1929 erfolgten Hinrichungen von drei Arabern. Der Oberste arabische Rat hatte alle Mohammedaner aufgefordert, sich am 17. Juni in den Moscheen zu versammeln. Die Behörden hatten umfassende Sicherungsmaßnahmen für diesen Tag getroffen. Der kritische Tag ist tatsächlich sehr, unruhig verlaufen. Es wurde eine Reihe von Attentaten verübt. So wurde bei Jaffa eine Polizeipatrouille beschossen. Die Patrouille erwiderte das Feuer und tötete dabei einen Araber. Gegen einige jüdische Institute, so auf das Kinderspital in der amerikanischen Kolonie in der Ebene von Hebron, wurden Schüsse abgegeben. Es wurden auch wieder einige Versuche unternommen, die Eisenbahn durch Bombenwürfe zu beschädigen. Der stellvertretende Polizeiinspektor voti Jerusalem, Allan Sigrist, auf den betfeuitteton. Abessinien — eine jüdische Zufluchtstätte. Am 10. d. M. hielt Herr Fürsorgerat Nathan P o 11 a k im überfüllten Klubsaal der „Union" einen hochinteressanten Vortrag unter obigem Titel, den wir im folgenden auszugsweise wiedergeben: Das Thema meines Vortrages zerfällt in drei Teile, und zwar 1. .Geschichtlich, 2. Jüdisch-politisch, 3., Wirtschaftlich, oder, nach der Zeit eingeteilt, in a) Vergangenheit, b) Gegenwart und c) Zukunft Von der Vergangenheit Abessiniens interessieren uns insbesonders die Juden in Abessinien; diese haben schon seit längerer Zeit das Interesse aller Forschungsreisenden erweckt. F a 1 a s c h a heißt in Amharisch — das ist der Name der Landessprache Abessiniens — „Fremder", „Zugswanderter", woraus sich zweifellos die Tatsache, daß die Falaschas keine Abessinier sind, ergibt Von den Forschungsreisenden interessieren uns insbesonders die jüdischen, und zwar Prof. Joseph Halevy und Prof. Dr. Jaques F a i 11 o v i c h, welch letzteren ich für einen "Russen halten möchte und der von Paris aus mit finanzieller Unterstützung des Barons Edmond de Rothschild im Jahre 1904/1905 die erste und im Jahre 1908/1909 die zweite Abessinien:Reise unternahm. Er berichtete, daß noch zu Anfang des Jahrhunderts die Falaschas auf 300.000 geschätzt wurden und daß die Bekehrungsarbeit der englischen und schweizer Missionäre die Zahl derselben stark A'erringert hat Durch wirtschaftliche Hilfsaktionen, die sie den unter eienden Lebensbedingungen existierenden Falaschas gewährten, gelang es ihnen, viele von ihnen, wenn auch nur zum Scheine, zur Taufe zu führen und so der Zahl der Bekenner eine schwere Einbuße zu bereiten. Faitlovich hat sehr wertvolle Berichte heimgebracht und mit Herz und Verstand Vorschläge zur Erhaltung unserer Brüder in Abessinien und ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Hebung gemacht. Leider hat er für seine Pläne keine hinreichende Unterstützung gefunden, ja, seine Berichte haben vielfach Zweifel an ihrer Richtigkeit hervorgerufen, die ich meinerseits als ungerechtfertigt bezeichnen möchte. Dieses für Faitlovich beleidigende Mißtrauen ging so weit, daß die Alliance Israelite Universelle in Paris einen Kontrollor in der.Person eines Herrn Nahüm nach Abessinien entsandte, dessen Berichte geradezu entgegengesetzt waren, da er Zweifel an dem Judentum der Falaschas hegte nnd ihre wirtschaftliche Unterstützung als überflüssig bezeichnete. Trotzdem gelang es Faitlovich, ein Weithilfskomitee für die Falaschas ins Leben zu rufen, dem Jüdische internationale Persönlichkeiten und als Hauptleiter Oberrabbiner M a r g u- 1 i e s in Florenz angehörten. Dieser, als Leiter eines Rabbinerseminars in Florenz, nahm die zwei jungen Falaschas, die Faitlovich von seiner ersten Reise mitbrachte, in seine Schule auf und erzog sie, die sich als besonders intelligent und gelehrig erwiesen, zu Lehrern, die dann ihre segensreiche Tätigkeit für die Falaschas in Abessinien aufnähmen. Was mich bei der Lektüre der vielen Bücher und Reiseschilderungen über Abessinien besonders ergriffen hat, ist der merkwürdige Umstand, daß. die Juden Abessiniens viele hundert, vielleicht viele tausende Jahre von dem übrigen Judentum vollkommen . abgeschnitten und daß sie der festen Meinung waren, überhaupt die einzigen Juden der Welt zu sein, und es ihnen wie ein Märchen klang, wenn hie und da eine Kunde vom Bestand eines auswärtigen Judentums zu ihren Ohren drang. Faitlovich berichtet, daß er nur sehr schwer und nach vielen Bemühungen ihre Zweifel an seinem Judentume beheben konnte und erst mit Wiedergabe von Thorazitaten sie überzeugte, daß er ihr Glaubensbruder sei, und so mit der Zeit ihr Zutrauen erwarb und dadurch Gelegenheit hatte, ihre Ueberlieferungen und ihren religiösen Kult kennenzulernen. Was nun die Geschichte der abessinischen Juden betrifft, so gibt es zwei Annahmen. Die eine, bei den nichtjüdischen Abessinieru verbreitete besagt, die Falaschas seien Nachkommen jener Juden, die sich beim Auszuge aus Aegypten vom Hauptzuge trennten und. anstatt ins gelobte Land, den Weg nach Etyopien nilaufwärts einschlugen und hier sich ansiedelten; hingegen behaupten die Falaschas selbst, daß ein Teil der verstreuten Stämme zu Schiff aus Palästina über das Rote Meer gekommen wäre und hier, angezogen von den reichen Schätzen des Landes, blieb und sich erhielt. Der Zeitpunkt, wo sich geschichtlich Juden in Abessinien nachweisen lassen, ist 10 Jahre nach Beginn unserer Zeitrechnung. Der Vollständigkeit halber \vn ich noch bemerken, daß Brockhaus' Lexikon die Falaschas als einen zum Judentum bekehrten Teil der Abessinier betrachtet, was er durch ihre Rassenmerkmale, besonders die dunkle Farbe, begründet; eine Annahme, die wir ablehnen. Jedenfalls bildeten die Falaschas im Lande eine kleine und viel verfolgte Minorität und zogen sich, um sich den fortwährenden Verfolgungen und Ueberfäüeii zu entziehen, in immer höhere und unzugänglichere Gebirgsgegenden zurück und wurden, was sie heute sind, ein Bergvolk. So liegen denn die großen, geschlossenen Siedlungen der Falaschas, die sogenannten Judengemeinden im Gebirge von 2000 bis 3000 Meter, z. B. Semieii. Wagera. Lasta, Gotschain und Schoa, letzteres zu deutsch Sabbä, während nur vereinzelte kleine Gruppen von Falaschas von je 20 bis 50 Familien im Tale lefcerr. Und nun zum Hauptpunkt: Was haben die Falaschas. in ihrer Abgeschiedenheit von den anderen Juden un-i unter den primitivsten Verhältnissen lebend, vom jüdischen Glauben und den Sitten sich bewahrt? Mein Hauptgewährsmann Faitlovich berichtet: sie besitzen die fiin; Bücher Moses, jedoch nicht in der hebräischen Sprache sondern in einer guten Uebersetzung in Amharisch, i« der sie auch beten. Die Bücher unserer Propheten unJ Schriftgelehrten sind ihnen unbekannt. Nur das Buc'i

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