Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 25 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 25 — 12. Juni 1936 Seite 7 Der Union-Klub arrangiert von nun ab jeden Samstag ab 8 Uhr abends und jeden Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags ein Bridge-Cercle im Klubsaal, I., Schottenring 25. Gäste willkommen! SemeindednoniLk. Zehnte Jahreswende des Todes Dr. Wilhelm Väzsonyis. Anläßlich der zehnten Jahreswende des Todes Dr. Wilhelm Väzsonyis, des Kämpfers für jüdische Ehre und Rechte, Justizministers im Jahre 1917, fand im Rahmen des Freitagabend-Gottesdienstes in der Pester Hauptsynagoge eine Gedächtnisfeier statt, an der die Vorstehung der Pester Isr. Kultusgeineinde unter Führung des Präsidenten Hofrates Samuel Stern korporativ teilnahm. Seitens der lsr. Landenskanzlei war Vizepräsident Eugen S z ä n t ö anwesend; unter der Führung des Präsidenten Oberregierungsrates Max Krämer war die Vorstehung des Peste Heiligen Vereins erschienen. Nachdem der Tempelchor unter Leitung des Oberkantors Bernhard Lin e c z k y Trauerlieder vorgetragen hatte, würdigte Oberrabbiner Dr. Julius Fischer Wilhelm Väzsonyi als den großen Sohn des ungarischen Judentums und hob hervor, daß Väzsonyi auch in schweren Zeiten ein treuer Diener der Verfassung, der Volksrechte, des Ungartums und seines Glaubens war. Die Prager Alt-Neu-Schul wird renoviert. Die vielen großen öffentlichen und privaten Neubauten in der Prager Altstadt und längs der Kais ließen Befürchtungen aufkommen, daß das Straßenniveau sich infolge der erhöhten Belastung senken könnte. Ohne daß hierzu eine unmittelbare Gefahr bestand, hat der 06mann der Alt-Neu-Synagoge, Prof. Dr. S. Lieben, eine bautechnische Kontrolle dieses Altprager jüdischen Wahrzeichens vornehmen lassen. Diese Prüfung hat der alte Tempel „mit Auszeichnung" bestanden. Nach Ansicht der Fachleute kann die „Alt-Neu-Schul" noch ein- bis zweitausend Jahre durchhalten! Dieser Tage wird auch noch ein Teil des Steinbodens abgehoben, um auch den Untergrund einige Meter tief zu sondieren. Entgegen allen Gerüchten muß betont werden, daß gar keine Gefahr für die 700jährige Alt-Neu-Synagoge besteht. Bei dieser Gelegenheit ließ die Kultusgemeinde im Innern der Synagoge verschiedene Renovationen vornehmen. So wird die alte Fahne repariert, die Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1648 den Juden Prags in Anerkennung ihrer heldenhaften Haltung bei der Verteidigung der Stadt geschenkt hat; das Geschenk mußte allerdings 1716 von Kaiser Karl IV. anläßlich der Geburt seines Sohnes Leopold erneuert werden. 1791 trug man die Fahne das einzige Mal aus der Synagoge durch die Stadt im Krönungszug Kaiser Leopold II. Die Fahne mußte von 10 Leuten getragen werden. Neben dieser Reliquie werden auch die 48 Thora- Vorhänge ausgebessert, die aus der Zeit des Rabbi Löw, Rabbi Spira und Rabbi Landau stammen; einer ist eine Schenkung des ersten jüdischen Adeligen Bassevi von Treuenberg und einer wurde von der reichen Familie Katz-Popper gestiftet. Auch die 22 schweren, handgetriebenen silbernen Thora-Rollenträger werden von Meister Zelenka, dem Spezialisten für Antiquitäten- Restaurierung, hergerichtet. Ein Maimonides-Gymnasium in Paris. Vor kurzem fand in Paris die Eröffnung des von der Pariser Jüdischen Gemeinde anläßlich des 800. Geburtstages des Rambam geschaffenen Maimonides- Gymnasium statt. Das Gymnasium wird jetzt von 102 Schülern, davon mehreren aus Nordafrika, besucht. Leiter ist Prof. Marc Cohn. Direktor des Kuratoriums ist Edmond F1 e g, der an der Schule auch jüdische Geschichte und Literatur unterrichtet. Maimonldes-Institut, Wien IL, Praterstraße 11. Vorlesungen im Sommersemester 1936. Jeden Montag, Rabbiner Dr. M. Baue r, 6—7 En Jakob, 7—8 „Ikkarim"; jeden Dienstag, Dr. S. Rappaport, 6—7 Midrasch, 7—8 Aus Geschichte und Literatur; jeden Mittwoch, Rabbiner Dr. Zickier, 6—7 Talmud, 7—8 Jad Chasaka; jeden Donnerstag, Rabbiner Dr. A. Kaminka, 6—7 I. Buch Samuel, 7—8 More Nebuchim; jeden Samstag, Rabbiner Dr. A. K a m i n k.a, 4—5 Sprüche der Väter. Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer 1936 in Wien. In der Zeit vom 27. Juni bis 4. Juli d. J. findet in Wien der vom „Bund jüdischer Frontsoldaten"' als Zentralstelle sämtlicher jüdischer Frontsoldatenorganisationen der Welt durchzuführende II. Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer statt. An diesem Kongreß nehmen die Organisationen folgender Staaten teil: Aegypten, Belgien, Bulgarien, Tschechoslowakei, England, Frankreich, Italien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Ungarn, Vereinigte Staaten von Amerika und Südafrika. Barmizwalifeier. Samstag,'den 13. Juni vormittags, findet im Stadttempel, I. Seitenstettengasse die Barmizwahfeier von 14 Knaben des Isr. Knabenwaisenhauses, XIX. Probusgasse 2—4 statt. Alle Freunde der Kinder und des Hauses sind zu dieser Feier herzlichst eingeladen. Trauung. Sonntag, den 7. Juni, fand im Seitenstettentempel die Trauung des Fräuleins Sofie L ö w y, Tochter des Ehepaares Leopold und Josef ine L ö w y, mit Herrn Friedrich Roth statt. Zahlreiche Freunde und Bekannte der allseits beliebten Familie Löwy füllten das Gotteshaus bis aufs letzte Plätzchen und beglückwünschten Brautpaar und Brauteltern aufs herzlichste. Rabbiner Dr. Z. Schwarz würdigte in seiner Rede die schönen jüdischen Traditionen im Hause der Braut, lobte den religiösen Eifer des Brautvaters, der seit 48 Jahren als angesehener Kaufmann auf dem Wiener Platze wirkt, hob hinsichtlich des Bräutigams, den ein grausames Geschick früh seiner geliebten Eltern beraubt hat, hervor, daß er vom ernsten Bemühen geleitet sei, aus eigener Kraft sich wirtschaftlich durchzusetzen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Ehe unter solchen schönen Auspizien eine glückliche und harmonische werde. Oberkantor M. Matyas versah Pension Adria, Abbazla Kleina Familien-Pension mit fließendem Kaltu. Warmwasser. Zentrale Lage, nächste Nähe von Kurpark und Bäder. Zimmer mit und ohne Verpflegung bei sorgfältigster Bedienung und billigsten Preisen. mit Chor und Orgel die kantoralen Funktionen. Die zahlreichen Gratulationen aus nah und fern bewiesen die besonders große Beliebtheit von Brauteltern und Brautpaar. Goldene Hochzeit. Das langjährige Vorstandsmitglied der Chewra Kadische XII—XX, Herr Bernhard K o h n, feiert mit seiner Gattin Anna am Samstag, den 13. Juni, um 8 Uhr früh, im Gemeindetempel, XV., Turnergasse 22, dessen langjähriger Besucher er auch ist, in voller körperlicher Rüstigkeit das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Gesamtvorstand der Chewra Kadischa gratuliert herzlichst und wünscht dem Jubelpaar ein noch lange gesundes Leben. Todesfall. Montag, den 8. Juni, wurde Frau Caroline Deutsch auf dem Zentralfriedhof zur ewigen Ruhe bestattet. Dem Leichenbegängnis wohnten der gesamte Vorstand des Vereines „F e r i e n h e i m", das Kuratorium des Vereines „Oest. Seehospiz in Grado" und die zahlreiche Familie und Freunde der Verstorbenen bei. Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt die ergreifende Gedenkrede. Dann hielt die Schriftführerin des Vereines „Ferienheim", Frau Else Ehrlich, der verstorbenen Freundin und Kollegin namens des „Ferienheim" einen würdigen und ungemein liebevollen Nachruf. Dr. Ernst L a m b e r g nahm im Namen des Vereines „Oest. Seehospiz in Grado" als dessen Schriftführer von Caroline Deutsch Abschied. Im siebzigsten Jahr ihres segensreichen Lebens ist Caroline Deutsch verschieden. Die Verblichene, eine Frau von ebenso reichen Herzenswie Geistesgaben, hat mehr als vier Dezennien im Dienste der Karitas gearbeitet. Dem jüdischen Kinde galt ihr ganzes Wirken. Schon als junges Mädchen gehörte sie dem „Ferienheim" an. Seit seiner Gründung zählte der Verein, dem ihre Schwester scnmedfinui tob Grttffea nd Gräben LeopoIdDeutsch.HißnXL einzige jüdische Gärtneret beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Dar Venia „OSTERR. SEEHOSPIZ IN GRADO" Präsidentin SOFIE GRÜtJPBLD) sendet Anfing Jolt satte, anämische, su Katarrhen neigende jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren, unter antlicher und pädagogischer Anflicht, in sein eigenes Heim nach Grado '.Italien). Bin SOtlgiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) kostet S 5.— täglich. Oer seit * Jahren bestehende Verein „FERIENHEIM" (Präsidentin SOP1B GBÖNFBLD), entsendet auch heuer, wahrend der Sommermonate, erholungsbedürftige jadische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren in sein eigene* „Soll«) aHIwTald-F«ri«flh«fm" in Bad VSslau. VerpflegnngskostenbeitTig bei 5 Mahlaeiten (rituelle Küche) und ärstlicher and pädagogischer Aufsicht 3 3.— täglich. Preiptiue in beschrankter Anxahl an Vollwaisen. Anmeldung im Vereinsbüro IX., Turkenstrafie 17, Ton 10—IS Ohr, Ttlephen R H-i-61 Sofie G r ü n f e 1 d als Präsidentin vorsteht, sie zu einem seiner tatkräftigsten und anhänglichsten Vorstandsmitglieder. Ihre große Herzensgüte prädestinierte sie geradezu zu dieser Stellung, die sie bis an ihr Lebensende ausfüllte. Als sie sich vermählte, wollte sie, daß das Glück, das Gott ihr geschenkt, sich auch auf andere verteile. Ihrem Stiefsohn, eine Mutter von Format, mühte sie sich mehr als je zuvor, ihre Mütterlichkeit ließ sie nicht ruhen, noch rasten, und wie sie sich ihrer Familie gegenüber zeigte, so betätigte sie sich jedem fremden Kind gegenüber. An jedem Kinde fand sie etwas Schönes, etwas Hervorhebenswertes. Sie war die richtige Mutter. „Die Kinderlose hat die meisten Kinder": Dieses Bibelwort bewahrheitete sich an ihr in reichstem Maße. Als sie ihren Mann verlor, da trauerte sie nicht einsam in ihrem Kämmerlein, da bemühte sie sich, ihrem Sohne Vater und Mutter zu sein, ihr Enkel, das einzige Kind ihres Sohnes, noch mehr zu betreuen und die Menge aller Kinder, die alljährlich die Heime in Vöslau und Grado bevölkerten, durch noch größere Sorgfalt als je zuvor, zu braven, anständigen Juden heranzubilden. Denn jüdisch bis ins innerste Herz war diese Frau, wahrhaft jüdisch in ihren Ansichten und in ihren Tun und Lassen. Alle, die sie kannten, werden dieser gütigen, selbstlosen, bescheidenen, mütterlichen Frau, ein gutes, ehrendes Gedenken bewahren! Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk. Am 20. v. M. fand in Vereinsheim die 34. orden.liehe Generalversammlung statt. Der Ehrenpräsident Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder und gedachte vor allem pietätvoll der im Laufe des Jahres verstorbenen Vereinsmitglieder. Der Vorsitzende erstattete sodann den Tätigkeits- und Kassabericht und teilte mit, daß der Verein vor einigen Jahren, außer den Kindern, mit der Ausspeisung gänzlich mittelloser erwachsener Personen begonnen habe, deren Zahl infolge der Not der Zeit fortwährend stieg und gegenwärtig mehr als 60, darunter auch deutsche Emigranten, beträgt. Auch hat der Verein im heurigen Jahre, dank der rastlosen Tätigkeit des Herrn S. K1 a w i r und mit Unterstüzung der Kultusgemeinde, zu Pessach zwei Sederabende veranstaltet, welche an jedem Abend von mehr als 100 Personen besucht waren und einen würdigen Verlauf nahmen. Der Redner dankte sodann dem Präsidenten des Vereines Herrn Julius K r u p n i k und seiner Gattin Olga für die reichlichen Natural- und Geldspenden, ferner den Vorstandsmitgliedern und Vorstandsdamen für ihr Wirken im Dienste der Wohltätigkeit. Der Revisor Herr Franz Mandelbaum stellte den Antrag, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen, was einstimmig erfolgte. Bei der vorgenommenen Wahl wurde der bisherige Vorstand per Akklamation wiedergewählt. „Hachnusas Kala". Verein zur Unterstützung armer Bräute, der unter der umsichtigen Leitung seines Obmannes Cafetier S. Buchsbaum so segensreich wirkt, veranstaltete am Samstag, den 30. v. M. abends im Festsaale des Hotel-Restaurant „Bayrischer Hof" eine Akademie mit Tanz, deren reichhaltiges, schönes Programm dem zahlreich erschienenen und erlesenen Publikum und den Delegierten vieler jüdischer humanitärer und religiöser Vereine sehr gefiel. Es wirkten in hervorragender Weise folgende, mit stürmischen Beifall bedachte Künstler mit: Max Lichtegg, Siegmund Paul, Ditta Kunody, Prof. Korner, Geschwister Franzi und Edith Fenig, Bela und Mundi Hausknecht. Der Akademie folgte bis in die späten Nachtstunden der Tanz, zu dem die Jazzkapelle Stark ausgezeichnet aufspielte. Der überaus gelungene Abend, der einen glänzenden Erfolg darstellte, verlief stimmungsvoll. Besonders hervorzuheben verdient Herr Oskar Kornmüller, Inhaber des „Bayrischen Hofes", der in uneigennütziger Weise sich der guten Sache zur Verfügung stellte, und wie schon bei anderen Gelegenheiten, auch diesmal zum Gelingen des Abends und zur Stärkung des Vereinsfonds verhalf. Zu diesem schönen Abende ist der rührige Vorstand und die mit besonderen Eifer mithelfenden Vorstand- und Komiteedamen nur zu beglückwünschen.