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Die Wahrheit · 1936-06-12 · Heft 25 (12.6.1936) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 25 (12.6.1936)
Date
1936-06-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 0 Nr. 25 — 12. Juni 1936 DIE WAHRHEIT Upd bei uns in Deutschland saßen zur selben Stunde tausende von Angehörigen gefallener jüdischer Frontkämpfer und vntele tausende deutscher Juden, die ihre Pflicht an der Front getreulich erfüllt haben, in Haft und vernahmen im Rundfunk als ,fDankadresse" des Dritten Reiches ihr Todesurteil — moralisch wie wirtschaftlich. Ausgesprochen von Menschen, deren Seelen von dem Pesthauch eines menschenunwürdigen Hasses umgeben sind und deren Verstand durch jenen Haß umnachtet zu seih scheint. Es gibt keinen Deutschen von Ehre und Gesittung, der angesichts all dieser Dinge nicht peinigende Scham empfinden würde. Möge dieses Bekenntnis den deutschen Volksgenossen jüdischen Glaubens, die das gleichet Ehrenkleid der stolzen Armee Deutschlands getragen haben wie ich, ein Trost in dieser schweren Stunde sein. Der Mythus von Blut und Rasse, Unter diesem Titel ist im Verlag Rudolf Harand, Wien XIV-, Storchengasse 24, eine Broschüre des Brünner Univ.-Prof. Hugo Iltis erschienen. Diesem ausgezeichneten Buche, das den Unsinn der neudeutschen Rassentheorie glänzend widerlegt, entnehmen wir folgende Stelle: Man verweist darauf, daß man einen Juden doch immer erkennt, daß also ein fremdes Wesen vorhanden sein müsse, und rassistische Autoren, die keine Tatsachen, dafür anführen können, beweisen die jüdische „rassenseelische" Fremdheit durch tiefsinnig scheinende mystische und mythische Abhandlungen. Aber die Fremdheit der deutschen Juden gegenüber den anderen Deutschen — sie war nicht größer als die Fremdheit der Preußen den Süddeutschen und den Oesterreichern gegenüber! Man muß sich nur daran erinnern, daß in der Vorkriegszeit der „Saupreuß" in München ein ebenso geflügeltes Wort war als bei den Antisemiten der „Saujud"! Es wäre also für einen Rassismus mit entgegengesetzten Vorzeichen ein Leichtes, auf Grund der Antipathien der Süddeutschen gegenüber den Norddeutschen die Preußen für ein in Deutschland „blutfremdes" Element zu erklären! — Jede Gruppe innerhalb eines Volkes, die geographisch oder sozial isoliert ist, nimmt ja Besonderheiten an — in Tracht, Dialekt, Lebensführung usw. — man wird aber darum die einzelnen Stämme eines Volkes nicht als einander fremd erklären. Es kann sogar dazu kommen, daß diese Verschiedenheiten der Sprache und Lebensführung sich im Gesichtsausdruckdes Typus äußern. Willy Hellpach hat in seiner Studie „Das fränkische Gesicht" solche Beziehungen aufgezeigt und nachzuweisen gesucht,, daß der fränkische Dialekt, die fränkische Lebensführung dem Gesicht des Franken und seinem Wesen einen eigenartigen Zug verleihe. (AehnJich der „Gautypus" nach Eickstedt) Auch die Juden haben ein eigenes Wesen, das sich vietfach in der Sprechweise, in den Bewegungen und in den Neigungen äußert Sie waren ja auch jahrhundertelang eine abgeschlossen lebende Schicksalsgemeinschaft, sie wurden durch das jahrhundertelang wirkende städtische händlerische Milieu, durch die Gebräuche und Sitten ihrer Religion usw., in ihrem Gehaben, in ihrer Sprechweise usw. beeinflußt Es war nicht zu erwarten, daß in den drei Generationen, die seit der Emanzipation der Juden und ihrem Eintritt in die bürgerliche Gesellschaft verflossen sind, alle diese Sonderheiten hätten ganz verschwinden sollen. Durch die Vergangenheit der Juden wurde ihre abnormale Berufsschichtung bedingt Den Juden war durch Jahrhunderte die Bearbeitung des Bodens ebenso versagt, wie die Zugehörigkeit zu den Zünften und der Eintritt in die Beamtenlaufbahn. Das Resultat war, daß die westeuropäischen Juden keinen Bauern- und keinen Handwerkerstand entwickelten, sondern ganz in die kaufmännischen und später, nach der Emanzipation, Ün die freien, intellektuellen Berufe (Aerzte, Anwälte, Schriftsteller usw.) strömten. Der relativ hohe Prozentsatz der Juden m diesen Berufen und ihre unstreitige Begabung und Geschicklichkeit riefen dann, namentlich Sa Zeiten der Krise, den Neid und Haß der nichtjüdischen Konkurrenten hervor. Diese unnatürliche ^Berufsschichtuns ist eine der Haupt Ursachen des Antisemitismus. Aber die richtige Konsequenz wäre es gewesen, den Juden die Rückkehr in eine normafe Beruf sschichtung wohlwollend zu ermögi i chen. Daß die Juden Handwerker werden könne»*, das: zeige»* ja die pomischen und russischen Juden, daß sie auch Bäraetm werden können, wie es ihsre- Ahnen waren, daszeigen die Chaluzim Palästinas. Nu r durchein esoiche :P<>» litik wäre eine wirkliche Assimilation d«r Juden und damit eine Lösung der Judenfrage möglich geworden. Heute wird diese Methode in Rußland versucht und es scheint, daß sie, trotz mancher Schwierigkeitein, zur Lösung führen wird. Das gleiche wäre auch in Deutschland möglich gewesen. Alles, was man gegen diese Möglichkeit zum Beweis anführt, ist nicht stichhältig. Die Juden waren weder eine schlechte noch eine fremde Rasse. Die deutschen Juden waren auch kein fremdes Volk, sondern eine Menschengruppe, die wohl in der Vergangenheit durch Religion und gemeinsames Leid verbunden, in der Gegenwart aber zur Assimilation bereit und geeignet gewesen wäre. Alles, was nationalsozialistische Mystiker über geheimnisvolle Rassen- und Volkskräfto im Judentum schreiben, ist unbewiesene und unbeweisbare lüds Stlt»ain-BssUrt WIEN Ii.. Praicrsira&e ss TettBboH tt'4?-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroe! (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S±2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere. Festlichkeilen werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Phantasie — ob man diese Kräfte nun positiv wertet, wie manche jüdischen Mystiker oder negativ, wfe die Antisemiten vom Schlage Chamberlains und Rosenbergs. Wenn unter den Juden scharfes Denken, rasche Anpassungsfähigkeit und Zähigkeit Gefühl für Unrecht und Verbundenheit mit den Unterdrückten häufiger vorkommen, so sind das natürliche Folgen_der harten Schule ihres Schicksals. Die Judenfrage fst zu llösen — sei es, indem man' die Juden bei ihren Bestrebungen unterstützt, eine Heimat zu gründen — sei es, daß man ihnen hilft, eine normale Bierufsschichtunig zu erlangen und sich dem Volk, in dem sie leben, zu assimilieren. Der Antisemitismus aber schafft keine Lösung der Judenfrage, sondern verschärft sie nur. Der Rassismus aber, die bösartigste Form des Antisemitismus, zeigt der Welt, daß die Waffe, die sich jetzt gegen die schwache Gruppe der Juden kehrt, jeden Augenblick zur Entrechtung und Diffamierung anderer Völker verwendet werden kann! . . . doch ihre-Gelder nimmt er gern! „Ein echter deutscher Mann kann keinen Juden leiden, doch ihre Gelder nimmt er gern." Wir lesen im „Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger", dem amtlichen Blatt der deutschen Regierung, folgende Veröffentlichung: „Bekanntmachung über die Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung. Voraussichtlich kommen im Oktober 1936 zwei Stipendien . der Felfx-Mendelssöhn-BarthoJdyschen Stiftung für befähigte und strebsame Musiker in Höhe von je 1500 RM ganz oder geteilt zur Verleihung. Das eine ist für Komponisten, dgs andere für ausübende Tonkünstler bestimmt. .Bewerbungsfähig sind-nur Schüler der in Deutschland vom Staate unterstützten Ausbildungsinstitute, (also mir „Arier"! Red.) nach Zurücklegung eines ramdestens-halbjährigen Studiums an einer solchen Anstalt. Bewerbungen bis 1. Juli 1936. Zu stark stischen. Zwecken (!) ist Angabe . der Nationalität- und Abstammung erforderlich.' Näheres:durch die Hochschule für Musik . in Beüii^barioittnbiirg,. JPasan$nstraB«-' 1_ ■ .Dje Stiftung,:_.yo|i' J^dengeschaffen" und unterhalten, .existiert. alsp .üi ' ÜeütschiaDd noch "lustig weiter^ GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNHEHL WIEN IX., BERG6A8SE NR. 19 Filiale i xviii., «Ahringerstrasse 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant fflr Heilanstalten AbteilungetiffirKoscherfleisch unter Aufsioht das ehrw. Rabbinates der Isr* Knltusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorlen von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen obgleich Mendelssohnsche Musik auf Veranlassung, des- Reichspropagandaministeriums aus dem deutschen- Rundfunk und den deutschen Konzertsälen verbannt ist. Nur Schüler der vom deutschen Reich unterstützten Musikhochschulen und Konservatorien, auf denen natürlich auch der Arierparagraph eingeführt ist, dürfen sich, bewerben, und zu „statistischen" Zwecken muß man wissen, ob die arische Großmutter bei den Bewerbern auch vorhanden ist! Wofür Statistik doch alles gut istt Das „Juden-Programm" der Sensenkreuzler-Partei. Jetzt, da der ungariscjie Innenminister die weitere Tätigkeit der Sensenkreuzler-Partei eingestellt hat, die eine Zweiggruppe der ungarländischen nationalsozialistischen Partei bildete — die größere Gruppe der Pfeilkreuzler besteht noch weiter — ist es nicht uninteressant, das Programm zu studieren, das die Sensenkreuz-Leute für die Lösung des Judenproblems aufgestellt hatten- Da ist vor allem zu erwähnen, daß einige jüdische Bank' direktoren und Industrieunternehmer als Geiseln verhaftet worden wären, bis die Juden ihr Vermögen ausgeliefert hätten. Dann wäre das Vorleben der ungarländischen Juden ausgeforscht worden. Alle Juden, die nach 1900 eingewandert sind, wären ausgewiesen worden. Die im Lande geduldeten Juden wären streng besteuert worden und hätten keinerlei fix besoldete Stelle annehmen dürfen. Schließlich hätten die Sensenkreuzler die Banken und Kartelle, übernommen, bzw. aufgelöst. Die Sensenkreuzler hatten nach bekanntem Iiitierdeutschen Muster Spott-, und Hohnreime gegen die Juden verbreitet. Die Partei war von Zoltan Böszörmenyi geleitet worden und hatte namentlich in der Provinz eine zügellose Agitation betrieben; wiederkam es zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Partei und behördlichen Organen. Rumänien wehrt sich gegen Nazi-Propaganda. Die rumänische Regierung hat einen- Beschluß gefaßt, wonach in Zukunft in Rumänien lebende Ausländer unverzüglich ausgewiesen werden, falls sie nationalsozialistische Propadanda betreiben und irgend welche Personen oder Einrichtungen mit deutschen Geldern zu bestechen versuchen. Dieser Beschluß steht in Zusammenhang mit der Ausweisung des Direktors der Bukarester Filiale der Dresdner Bank, eines gewissen Rust, der sowohl der Propaganda wie der Bestechung zugunsten des Nationalsozialismus überführt wurde. Brüssel. Der Vorsitzende des Jüdischen Zentralkonsistorium für Belgien. Prof. Dr. Maurice Philips on, der Sohn des verstorbenen Präsidenten des Konsistoriums, hat der Freien Brüsseler Universität, an der er Physik lehrt, ein vollständiges medizinisches Laboratorium geschenkt. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, bei der der Rektor der Universität, Professor Dr. de Moor, und Staatsminister Paul H y m a n s d;e wissenschaftlichen Verdienste Professor Philipsons und seine. Leistungen für die naturwissenschaftliche:. Fakulr tät würdigten. Prag. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentür mitgeteilt wird, wurde Professor Dr. Franz Oppenheimer während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten von der amerikanisch-soziologischen Gesellschaft zu ihrem Ehrenmitglied ernannt. Es ist dies eine ganz besondere Ehrung, da die Gesellschaft die Ehrenmitgliedschaft bisher nuj .etwa zehnmal verliehen hat. Zu den zuletzt ernannten Ehrenmitgliedern gehört der Altpräsident der tschechoslowakischen Republik, Thomas G. Masaryk. Zur gleichen Zeit wurde Prof. Oppenheimer auch zum Ehrenmitglied der soziologischen Gesellschaft der Tschechoslowakei ernannt. Franz Oppenheimer war einer der ersteh Soziologen, die .sich mit dem System, des jüdischen Aufbaus Palästinas befaßt und dieses System auch beeinflußt'haben.

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