Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 25 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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PIK WAHRHEIT Nr. 25 — 12. Juni 1936 Seite 3 Häuseradministration Adolf Krall ffr., Schleifmiihlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern heben, sind darum sehr oft vorgenommen worden. Verschiedene Gerichte haben wiederholt das Recht des hichtarischen Teils auf Herstellung der ehelichen Gemeinschaft in solchen Ehen verneint. Die Folgen der Rassengesetzgebung sind für die Kinder aus Mischehen von ganz besonders einschneidender Bedeutung. Leiblichen Eltern wurde das Sorgerecht über die Kinder genommen. Die Denkschrift bringt hierzu einige Schulfälle und wendet sich dann dem Unfug der Rassenschänder-Prozesse zu. Sie zitiert eine sehr große Reihe außerordentlich harter Urteile gegen angebliche Rassenschänder. Als eine weitere Folge der Nürnberger Gesetze ist der in Hamburng am 25. Februar 1936 vorgekommene Fall zu registrieren, wo ein 25 j ä h r i g e r Mann seine Mutter ermordete, „weil sie sich und die Sippe durch eine Ehe mit einem Nichtarier geschändet habe". _ . Die Nürnberger Gesetze berühren nicht nur das "Deutsche Reich, sondern auch das Ausland. Zunächst haben die Rassegesetze eine neue Emigration s w e 11 e über die angrenzenden Länder gebracht, man schätzt die Zahl der wegen der Nürnberger Gesetze emigrierten Menschen vorsichtig auf etwa tausend. Ein jüdisches Flüchtlingskomitee berichtete z. B.: Das Hauptkontingent der neuen Flüchtlinge stellen die „Rassenschänder". Die Flüchtlinge haben angegeben, daß sie tatsächlich mit Nichtariern in Beziehungen gestanden haben. Das ist aber noch kein Beweis dafür, daß etwa alle wegen Rassenschande Verfolgten tatsächlich der ihnen zu Last gelegten Handlung schuldig seien. Viele in der Presse behandelte Fälle lassen den Verdacht aufkommen, daß die angebliche Rassenschande aus den Fingern gesogen ist. Solche Leute flüchten aber in der Regel nicht, da sie ja nicht ahnen können, daß man ihnen ein „Verbrechen" andichten wird. Flüchten können nur diejenigen, die erfahren, daß der andere Teil verfolgt worden ist, oder die einen in ihrer Abwesenheit erfolgten Besuch von Kriminalbeamten, SA oder SS richtig einschätzen können, weil sie sich einer „Schuld" bewußt sind. Aus der Fülle solcher Einzelfälle läßt sich generell bisher nur folgendes feststellen: In besonderer Gefahr befinden sich die Juden in den kleineren Orten, wo sie scharf beobachtet werden. Auch setzt sich hier der Stadtklatsch leichter fest. Am meisten haben unter solchen Verdächtigungen die j üd i s c h e n Staatenlosen, als die wehrlosesten Menschen, zu leiden. Die Rassenschandeverfolgung bietet der Polizei einen Vorwand, sich dieser Menschen zu entledigen. Auch in anderen Fällen führt diese Verfolgung zu tragischen Ergebnissen. Ein Jude, der mit einer Arierin 10 Jahre zusammenlebte, floh nach Prag, als er erfuhr, daß man seine Lebensgefährtin in Haft genommen hatte und auch ihn suche. Die Eltern des Mädchens begingen aus Angst vor Verfolgung gemeinsam Selbstmord. Ein anderer Fall: Eine arische Ehefrau wurde in Schutzhaft genommen, während es dem jüdischen Ehemann gelang, nach Prag zu entfliehen. Der Ehemann hatte durch das Vormundschaftsgericht das Recht erhalten, das Kind in gewissen Zeitabständen zu sehen. Als im Juli 1935 die Mutter das Kind auf einen Platz in Breslau brachte, der als Treffpunkt verabredet war, wurde sie mit dem Vater des Kindes dort gesehen. Das genügte, eine Rassenschandeverfolgung einzuleiten, obwohl beide seit Jahren sich das erste Mal sahen, als dem Vater das Kind gezeigt wurde, und obwohl sie früher verheiratet waren. Die internationale Situation ist durch die Nürnberger Gesetze ausserordentlich kompliziert worden. Diese Gesetze verstoßen zwar gegen die ordre public der einzelnen Länder, aber durch die internationalen Vereinbarungen aus dem Jahre 1902 könnnen Ehen zwischen einem arischen und einem jüdischen Teil auch im Ausland nicht geschlossen werden, weil sie von Deutschland nicht anerkannt werden. Allgemein gilt de* Grundsatz, daß man über Vorschriften hinweggeht, welche nach Auffassung des am Orte der Eheschließung geltenden Rechtes gegen die öffentliche Ordnung verstoßen. Trotzdem haben sich nicht alle Länder an diesen Grundsatz gehalten, sondern erklärt, daß solche Mischehen zwischen deutschen Staatsangehörigen auch im Ausland nicht geschlossen werden können. Badgastein- Kurhotel Bristol Restaurant Stefanie *T#5 II., TaborstraB« 12 Hugo u.Julle tjerlinger.geb. 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Drangsalierung weiterhin zulassen darf oder ob sie durch ihr Schweigen u n d Tat e n I os ig k e i t an der Vernichtung von 480.000vipoch in Deutschland lebenden Juden sich mitschuldig machen will." In der soeben erschienenen Nummer der dem Kolöni'enministerium nahestehenden Z&itschrift „Great Britain and the Rast" wird eine grundsätzliche Aufrollung des;esamten Palästina-Problems gefordert. Die Kgl. Kommission für Palästina, heißt es in dem Artikel, wird nicht nur die Beschwerden von Arabern und Juden prüfen, sondern auch beauftragt sein, eine umfassende Untersuchung durchzuführen, was wesentlich: über die vor kurzem im Unterhaus erwähnte bloße- Erforschung der arabischen und jüdischen Beschwerden hinausgeht. Die jüdischen Beschwerden betreffen hauptsächlich quantitative Dinge, die ärSBIschen Beschwerden . sind bestimmter Art, abeHihre Prüfung schließt unvermeidlich eine Betrachtung des gesamten Hintergrundes in sich — mit'" anderen Worten, die eigentliche Qtji. ndläge des Problems ,rriuß: sondieft werden.;;.4=Es. werde in England," so wird in dem Artikel weiter ausgeführt, noch nicht zur Genüge erkannt, daß die Feindseligkeit der Araber gegenüber dem zionistischen Experiment vor allem psychologisch bedingt ist, daß sie aufFurcht beruht. Diese Furcht könne man für unvernünftig halten, sie sei aber nicht unverständlich. Ohne jeden Zweifel werde die Kgl. Kommission die Richtigkeit dieser Diagnose erkennen. Aber selbst aus wirtschaftlichen Gründen besteht für die Araber Anlaß zur Besorgnis. Im Monat April fand eine bezeichnendeSenkung der öffentlichen Einkünfte statt, die nicht in Verbindung stand mit den Unruhen. In gewissem Sinn ist das ganze „Nationalheim" künstlich; niemand kann genau sagen, was an ihm dauern und was voraussichtlich im Laufe der Zeit zugrunde gehen wird. Unter einem finanziellen Gesichtspunkt wird die Tatsache der Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß das palästinensische Schatzamt sorgsam an seinem Ueberschuß von etwa siebenMillionen Pfund festhält. Nie sei Engländern, heißt es zum Schlüsse, eine weniger beneidenswerte Aufgabe gestellt worden als bei der Verwaltung Palästinas. Daß Gesetz und Ordnung wiederhergestellt werden müssen, stehe unumstößlich fest; aber allenthalben werde anerkannt, daß die Araber berechtigt sind, die Kooperation in friedlicher Weise zu verweigern, um ihre Ziele zu erreichen. Die Waffe des S t r e i k s sei den Zionisten selbst gut bekannt und werde von ihnen nicht selten benutzt; das Unheil komme daher, daß gewisse Teile der palästinensischen Bevölkerung leicht erregbar sind. Sollten aber die krampfhaften arabischen Brutalitäten den Beobachter zu der Annahme verleiten, daß bei Festigkeit und Kontinuität in der Politik letzten Endes allesgut sein werde, würde er sich schwer irren. Auf der gegenwärtigen Linie gebe es überhaupt keine Lösung. Es könne nicht überraschen, daß ein Schiff, das keinem bestimmten Hafen zusteuert, von Felsen zu Felsen eines zerstörenden Kampfes anstößt. Aber man tadle nicht die Palästinaverwaltung; die Verantwortung für die Kursordre treffe nicht Jerusalem, sondern London. * Das Londoner maßgebende Organ „Daily Mail" billigt die Entsendung einer Königlichen Kommission nach Palästina und fordert die Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina für ein Jahr, damit die Aufgabe dieser Kommission erleichtert wird. Die Zeitung führt an, daß sich seit dem Kriege die Zahl der Juden von 50.000 auf 400.000, die der Araber aber von 450.000 auf 850.000 erhöht hat, und meint, daß das Land eine größere Bevölkerung kaum ernähren könne. Nach wie vor Judenhetze in Danzig. Interpellation der Katholischen Zentrumsfraktion. Die wiederholten Beschwerden der Danziger Jüdischen Kultusgemeinde gegen die ununterbrochen andauernde antisemitische Hetze in Danzig haben bis jetzt keinerlei Erfolg gehabt. Unbeschadet der Zusagen des Präsidenten des Danziger Freistaates, Greiser, an den Völkerbundsrat ist bisher nichts Wesentliches gegen diese Propaganda unternommen worden. Nunmehr hat die katholische Zentrumsfraktion im Volkstag (die Juden sind im Danziger Parlamente nicht vertreten) die folgende Große Anfrage an die Regierung gerichtet: „In den Straßen Danzigs sind seit einiger Zeit Schaukästen mit Zeitschriften und Zeitungen zu sehen, die die sittlichen Empfindungen der Bevölkerung verletzen. Des weiteren werden immer noch in den Straßen von geschlossenen Formationen Lieder gesungen, die eine Herausforderung weitester Bevölkerungskreise darstellen (gemeint ist das unter den Danziger Nazis besonders populäre Lied „Wenn's Judenblut vom Messer spritzt . . ."). Die Schaukästen sowohl wie die Lieder rufen die berechtigte Empörung der Danziger Bevölkerung hervor. Darüber hinaus sind sie geeignet, auf das zureisende Publikum abstoßend zu wirken; dadurch wird das Ansehen Danzigs als Kulturstadt untergraben. Es werden aber auch die wirtschaftlichen Interessen Danzigs geschädigt, indem der Fremdenverkehr beeinträchtigt und der Handel nachweislich nach anderen Orten abgelenkt wird. Wir fragen daher an: Ist der Senat bereit, 1. die Schaukästen zu. beseitigen, 2. das Singen der anstößigen Lieder zu verbieten?" * Der „Danziger Vorposten", Organ nicht nur. der Nazi-Partei, sondern auch des Senats, erklärt in einem Leitartikel ausdrücklich, daß Danzig jüdische Kurgäste in. Zöppot nicht wünscht. Man werde es verhindern, daß -Juden die von der nationalsozialistischen Stadtverwaltung in Zoppot errichteten neuen Lokalitäten besuchen. Juden aus Polen und aus anderen Ländern? mögen wissen, daß sie in Zoppot nicht gewünscht sind.