Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 25 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 25 — 12. Juni 1936 DIE WAHRHEIT Besorgt Eure BUCher durch die Buchhandlung Wien II., Ecke Taborsfraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel. R 41 -4-20 Kataloge gratis! Begleiter, beide konnten bald festgestellt und verhaftet werden. Disrriktskommissär Crosbie hat der hebräischen Presse verboten, über all diese Fälle zu berichten. In H aif a ist die Lage weiterhin gespannt. Auf Polizei und Truppen werden mehrfach aus Verstecken Schüsse abgegeben, die Truppen erwidern in der Regel das Feuer. Ueber die Zahl der Toten und Verletzten liegen noch keine Angaben vor. Auf eine Polizeistation in Haifa wurde wiederum eine Bombe geworfen. Die dort postierten Soldaten feuerten, wobei ein Araber getötet und ein anderer schwer verletzt wurde. Arabische Aufrührer versuchten, das Postgebäude von Nablus zu stürmen und mußten daran von der Polizei durch scharfe Salven gehindert werden. Trotzdem gelang es den Arabern, zwei Bomben im Postgebäude zur Explosion zu bringen. Man nimmt an, daß die Bomben durch arabische Angestellte in das Gebäude gebracht worden waren. Die Araber verübten einen Feuerüberfall auf die provisorische Polizeistation in Nablus, doch wurde hierbei niemand getötet. Außerdem wurde von unbekannten Tätern ein Bombenanschlag auf die Eisenbahnbrücke in der Nähe des von Arabern bewohnten Dorfes Khanhunes verübt. Die Brücke wurde schwer beschädigt. In Jerusalem entstand am Sonntag abends im jüdischen Geschäftsviertel ein großer Brand; der Schaden wird auf 5000 Pfund geschätzt. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Eisenbahnbrücke zwischen Haifa und Ludd durch Explosivstoffe beschädigt wurde, weshalb der Verkehr über die Brücke eingestellt wurde. Die Eisenbahnzüge verkehren beiderseits bis zur Brücke, wo ein Umsteigen erfolgt. Ein von Tel-Aviv nach Haifa fahrender Zug wurde durch die Aufmerksamkeit des Zugsführers im letzten Augenblick vor Entgleisung bewahrt. Der Führer konnte bemerken, daß die Schienen aufgerissen waren. Die Tageszeitung „Haarez" meldet, daß von den aus einem Regierungsarsenal entwendeten Dynamitkisten zwei gefunden wurden. Weitere fünf Kisten und sieben Säcke Schießpulver fehlen noch. In einem Regierungs-Communique wird bekanntgegeben, daß es sich um ein Sprengstofflager des Regierungsdepartments für öffentliche Arbeiten handelt. Vier Araber seien im Zusammenhang mit dem Diebstahl verhaftet worden. Die Eisenbahnstation „R a m 1 e h ist wegen der fortgesetzten Unruhen aufgelassen worden. Einer von den b e i d e n A r a b e r n, die im Zusammenhang mit dem Mord vor dem Edi«on-Kino verhaftet worden sind, wurde wegen Waffenbesitzes zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der zweite Araber wurde freigesprochen. Der Mörder des am 19. April in Tel-Aviv getöteten ElieserBizutzki, ein Araber namens Achmed Issari, ist zu 15 Jahren Kerker verurteilt worden. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästina-Regierung der Jewish Agency mitgeteilt, daß die Vorbereitungen zur Verhängung des Belagerungszustandes über Palästina, bzw. der Verkündungdes Standrechtes nunmehr abgeschlossen seien. Die Regierung fragte bei der Jewish Agency an, ob eine solche Maßnahme in ihrem Sinne sei. Die Jewish Agency erklärte in ihrer Antwort, sie sei grundsätzlich gegen den Belagerungszustand, werde aber gegen die Verkündung des Standrechtes in gewissen Gebieten keinen Einspruch erheben, falls die Regierung eine solche Maßnahme für erforderlich halte. Von der Palästina-Regierung wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die Cai€ Pension Eckstein Semmering imiminiiuiinnHNiiiuiiiHi Stärke der palästinensischen Truppen gegenwärtig fünf Bataillona mit ungefähr 4700 Soldaten beträgt. Die Luftstreitkräfte und die Bemannung der Tanks und Panzerwagen sind hierbei nicht inbegriffen. Gut informierte Wirtschaftsfachleute schätzen die von dem arabischen Streikkomitee zur Unterstützung der Streikenden bisher ausgezahlten Summen auf rund 100.000 Pfund. In diesem Betrag ist die Honorierung von Wechseln streikender Kaufleute inbegriffen. Die Wechsel wurden zum größten Teil rechtzeitig eingelöst, obwohl die Läden seit sieben Wochen geschlossen sind. Segen die nürnberger Gesetze. £iiumfUige Veidammun^SKesoIution des JVongresses dec Yfflfterfiundgesellscfia/tfen. Die Vollsitzung des 20. Kongresses des Internationalen Verbandes der Gesellschaften für den Völkerbund, die kürzlich in Glasgow tagte, nahm folgende, von der holländischen Völkerbund 1 i g a unterbreitete und von der Juristisch- Politischen Kommission empfohlene Resolution einmütig an: „Der 20. Vollkongreß erinnert an die vom 19. Vollkongreß in Brüssel angenommene Resolution, betreffend die Lage der Juden in Deutschland; nimmt zur Kenntnis, daß die in derselben der Verdammung anheimgegebenen Maßnahmen — weit davon entfernt, aufgehoben worden zu sein — durch die beiden am 15. September 1935 angenommenen Gesetze betreffend a) deutsche Bürger und b) Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre noch sehr verschärft worden sind; gibt der Meinung Ausdruck, daß die Gesetzgebung für die NIchtarier und die Behandlung der Nichtarier, schüeßüch die Einmischung der deutschen Regierung in Dinge der Religion und des Denkens, den allgemein geltenden Grundsätzen der Gerechtigkeit, wie sie z. R in den Minderheitenverträgen zum Ausdruck kommen (deren Vorteile ja auch von den deutschen Minderheiten in den verschiedenen Ländern beansprucht und ihnen gewährt wurden), an die Wurzel greifen; gibt weiterhin der Meinung Ausdruck, daß eine solche Gesetzgebung und Politik anderen Staaten schwere Sorgen — besonders durch Schaffung von Konflikten im Zusammenhang mit den Ehegesetzen und durch die Erhöhung des Flüehtlingsstroms — verursacht; lenkt aus diesem Grunde die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf das durch eine solche Situation entstandene ernste Hindernis für eine erfolgversprechende internationale Zusammenarbeit; und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die bevorstehende Völkerbundversammlung Gelegenheit haben wird, die im Hinblick auf diesen Stand der Dinge erforderlichen Maßnahmen zu erwägen." Mit der gleichen Einmütigkeit nahm der Kongreß eine Resolution an, in der der „Vollkongreß des Internationalen Verbandes der Völkerbundgesellschaften Großbritannien als die Mandatarmacht Palästinas ersucht, die Einwanderung jüdischer Flüchtlinge in,das Jüdische Nationalheim weitestgehend —soweit es sich nur mit den Verpflichtungen des Mandates vereinbaren läßt — zu erleichtern". Zur Begründung der ersten Resolution führte die Berichterstatterin, Mrs. Edgar Dugdale, aus, man müsse es sehr bedauern, daß die d e u tsche Del egation es vorgezogen hat, HOTEL ELISABETHHÖF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang diesem Kongreß fernzubleiben, man müsse dieses Fernbleiben mit dem schlechten Gewissen der deutschen Delegierten erklären. Es sei moralische Pflicht des Verbandes der Völkerbundgesellschaften, den mitleidlosen Angriff des Dritten Reiches gegen seine unschuldigen und schutzlosen jüdischen Bürger zu verdammen. Dieser Angriff richtet sich nicht allein gegen Erwachsene, sondern auch gegen Jugendliche und Kinder, die der Menschenrechte und der Lebensmöglichkeit beraubt sind. Die von der Holländischen Liga ausgearbeitete Resolution sei allzu gemäßigt; . eine weit schärfere Verurteilung wäre am Platze. Sie, die Sprecherin, gebe als Engländerin dem öffentlichen Empfinden des englischen Volkes dahin Ausdruck, daß die jüdische Situation in Deutschland sich als ein eminentes Hindernis für das Bestehen herzlicher Beziehungen zwischen England und Deutschland auswirkt. * Die Folgen der Nürnberger Gesetze. Der „Informationsdienst Deutschland" hat soeben eine Denkschrift Ober die Folgen der Nürnberger Gesetze fertiggestellt, die die erste umfassende dokumentarische Darstellung der Wirkung, der Rassengesetze ist. Nachstehend ein kurzer Auszug-;aus der Schrift: Die Nürnberger Gesetze entsprechen durchaus: der Auffassung des „Führers", der in „M ein Kampf" erklärt hat: „Ein völkischer Staat wird in erster Linie die Ehe aus dem Niveau einer dauernden Rassenschande herauszuheben haben, um ihr die Weihe jener Institution zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des Herrn zu zeugen und nicht Mißgeburten zwischeii Mensch und Äffe." Bevor die Judengesetze erlassen wurden, haben „Der Stürmer", „Der Judenkenner" und die gesamte nationalsozialistische Presse ein Trommelfeuer eröffnet, wobei sie sich des Mittels der Pornographie bedienten, um — wie der „Stürmer" schrieb — „die Volksseele zum Kochen zu bringen". „Stürme r" gab offenherzig zu: „Wir spitzten nun durch die Ritzen der Rolläden. Was wir sahen, trieb uns die Scham- und Zornesröte ins Gesicht." Die Folgen der Nürnberger Gesetze waren eine weitere Demoralisierung des deutschen Volkes; das Regime hatte Denunzianten und Erpressern eine n e'u e Chance gegeben. An den Denunziationen beteiligte sich die nationalsozialistische Presse sehr lebhaft. Man begegnete Mitteilungen wie z. B.: „Die Dirne X verkehrt mit dem Juden Y, sie wohnt in der Z-Straße." Solche Veröffentlichungen hatten Ueberführung der Denunzierten ins Konzentrationslager zur Folge. Die Denkschrift zitiert eine große Reihe solcher krasser Fälle. Das Amtsgericht in Lörrach hatte sich am 6. Oktober 1935 damit zu beschäftigen, daß ein Friseurmeister den eigenen Bruder beschuldigte, Nichtarier zu sein und unehelich von einem jüdischen Elternteil abzustammen. Nur sehr selten kamen Denunzianten vor das Gericht, Erpresser ebenfalls in nur sehr geringem Maße, dennoch häuften sich die Prozesse gegen Erpresser. Es kam vor, daß junge Hausangestellte ihre nichtarischen Arbeitgeber bestahlen und, um der Strafe zu entgehen, den männlichen Teil des rassenschänderischen Vorgehens beschuldigten. Die Denkschrift bringt eine Reihe von Beispielen über Zerstörung der Ehen durch die Rassengesetze. Das Reichsgericht hat sich' gegen die Aufstellung allgemeiner Rechtssätze in dieser Frage ablehnend verhalten. Versuche, aus der Zeit vor den Nürnberger Gesetzen stammende Mischehen aufzu- Leset den Morgen Verbreitet den Morgen Inseriert im Morgen €s ist €mr Watt €s fü§ft mit €ud} €s öenit mit Cudf €s kämpft für €ud)!