Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 24 (5.6.1936)
- Date
- 1936-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 24 — 5. Juni 1936 Seite 3 werden konnte, obwohl noch einige Bomben geworfen wurden und es zu einigen Feuerüberfällen kam, wurde am 2. Juni ein W i e d er auf f 1 akkrern der terroristischen Akte in verschiedenen Teilen des Landes gemeldet. Auf dem Wege von Jaffa nach Jerusalem wurden zwei jüdische Autobusse von Arabern aus dem Hinterhalt beschossen. Ein jüdischer Student wurde getötet, ein zweiter Reisender leicht, ein Chauffeur schwer verletzt. Am Sonntag, den 31. Mai, mittags, wurde in der Jerusalemer Vorstadt Giwat-Saul der vor einigen Monaten aus Deutschland eingewanderte 45jährige Jude Franz Borchardt von Arabern aus dem Hinterhalt erschossen. Er hinterließ eine Frau und einige Kinder. (Damit erhöht sich die Zahl der jüdischen Todesopfer auf 28.) Die mit Hilfe von Polizeihunden aufgenommene Spurensuche führte nach dem berüchtigten arabischen Mördernest Liita, unweit Jerusalems. Am 2. Juni sind aus Aegypten zwei weitere Bataillone Infanterie nach Palästina in Marsch gesetzt worden, so daß jetzt in Palästina im ganzen fünf Infanterie-Bataillone mit entsprechenden Luftstreitkräften, Tanks und Panzerautoabtöilungen zum Einsatz gelangt sind. In informierten Kreisen deutet man die neuerliche Verstärkung der Truppeneinheiten dahin, daß die Regierung die Absicht hat, den Aufruhr möglichst noch in diesem Monat niederzuschlagen. Der Streikausschuß in Nablus hat ein Manifest veröffentlicht, das sich gegen Gewalt und Angriffe auf die Polizei ausspricht. Andererseits traten sieben arabische Stadtverwaltungen, darunter die von Jaffa, Nablus und Hebron, am Sonntag in den bereits angekündigten Streik, von dem auch sämtliche städtischen Dienste, wie die Wasserversorgung, die Müllabfuhr usw. betroffen werden. Inzwischen haben zehn weitere arabische Bürgermeister, unter ihnen auch der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khaldi, den Anschluß an den Gemeindestreik für den Fall angedroht, daß die Palästina-Regierung die Forderungen der Araber nicht hinnen zehn Tagen erfüllen sollte. Der High Commissioner Sir Arthur Wauch o pe :"weigerte sich, eine arabische Delegation, die sich bei ihm angemeldet hatte, zu empfangen; er ließ den Mitgliedern der Delegation sagen, daß, solange die Terroraktionen andauern, er die Zeit für Gespräche nicht für gekommen hält. Sir Arthur Wauchope hielt an der Weigerung fest, auch als der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin ei Husseini, sich der Delegation anschloß. Eine bewaffnete arabische Bande uriff das Postamt in Ramien an. Die Polizei war gezwungen, das Feuer zu leröffnen. Auf arabischer Seite gab es mehrfache Verluste. Nachdem sich die Angreifer zunächst zurückgezogen hatten, erschienen sie später wieder vor dem Postamt, xegen das sie Handgranaten schleuderten. Im Zusammenhang mit diesen Ausschreitungen wurden die arabischen Führer in Ramleh verhaftet. Weitere Verluste hatten die Araber bei der Abwehr von Angriffen bewaffneter Banden auf die Militärpatrouillen bei den Bahnlinien zu erleiden. Rin Versuch, die Eisenbahnbrücke zwischen Safed und Rosch Pina zu zerstören, ist mißlungen. Amtlich wird mitgeteilt, daß gegen das Haus des Distriktskommissars für den Norddistrikt, Major K e i t h - R o a c h, in Haifa ein Sprengstoffanschläg verübt wurde. Durch den entstandenen Luftdruck wurden die Fensterscheiben im Hause des Distriktskommissars zertrümmert. In Samaria und im Gebiet von Beer Schewa wurden Telephondrähte durchschnitten. In Jaffa stießen bewaffnete Araber mit der Polizei zusammen. Gegen die Polizeistation von Nazar e t h schleuderten Araber am frühen Morgen eine Bombe, die explodierte, wodurch alle Fenster des Gebäudes zertrümmert wurden. Auch gegen das Gebäude des D i s.tr Lk.ts.be amt.en in Heh r o n wurde ein Feuerüberfall verübt. Ein Arabertrupp unternahm überfallsartig einen Angriff auf die jüdische, Seifenfabrik in Rechoboth und steckte ein Gebäude der* Fabrik in Brand.. Es kam zu einem Feuergefecht zwischen den Angreifern und Polizei. Die Angreifer entkamen, der Brand wurde gelöscht. Ein . außerordentlich heftiges Feuergefecht fand, in dier Nähe der Hebräischen Universität in Jerusalem statt, dem eine wilde Jagd auf die flüchtenden arabischen Angreifer zwischen Jerusalem und Jericho folgte. Nachdem Hilfskräfte herangezogen worden waren, gelang es, einen der Araber festzunehmen. Die anderen konnten entkommen. Die Versicherungsgesellschaften in Palästina schätzen den bisher durch die arabischen Terrorakte entstandenen Schaden auf etwa eine Million Pfund. Gemeint sind die durch Brandstiftungen, Bombenattentate und Ausrodungen von Bäumen entstandenen Schäden. Nicht eingerechnet sind die Schäden, die der Wirtschaft infolge der Unruhen erwachsen sind. Die Regierung hat weitere Schritte zur Unterdrückung des Streiks unternommen; die bei den Staatsunternehmungen in Jerusalem streikenden arabischen Arbeiter wurden alle durch jüdische Arbeiter ersetzt, die Geschäftsleute sollen gezwungen werden, ihre Läden offen zu halten. Die Offi- Badgastein- Kurhotel Bristol Streng 1U3 Thermalbäder im Hause Aller Comfort Verlangen Sie bitte Prospekte Restaurant Stefanie -.- II., Taberstral« 12 Hugo u. Julie Herlinger,geb. Zöllner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten ziere der Armee, der Luitflotte und der Marine wurden mit voller P o 1 i z e i g e w a 11 ausgestattet. Am 3. Juni morgens flogen zwei Brükken auf der Straße mach Hebron in die L u 11. Die Telephonleitungen sind auf einer Strecke von fast einer Meile zerstört. Nur leichte Fahrzeuge können die Straße befahren. Vor Verkündung des Standrechts? Aus gut unterrichteter Quelle verlautet, daß auf der unter dem Vorsitz des Flottenkommandanten Admirals Sir Dudley Pound abgehaltenen Militärkonferenz, an der auch die Kommandanten der Polizei, der Land- und Luftstreitkräfte teilnahmen, der Beschluß gefaßt wurde, das Standrecht zu proklamieren, falls die Araber nicht binnen ganz kurzer Zeit die verborgenen Wafien abliefern. „Daily Telegraph" meldet aus Jerusalem, daß am 1. Juni abends auf dem Gelände, auf dem sich das Wohnhaus des High Commissioner Sir Arthur Wauchope befindet, zwei Bomben zur Explosion gebracht wurden; verletzt wurde niemand. Der Zionismus und die panarabische Bewegung. Von Alexander S z a n t o. Mit Rücksicht auf die tief beklagenswerten Ereignisse in Palästina sehen wir uns bemüssigt, immer und immer wieder darauf hinzuweisen, daß zur Verhütung weiteren Unglücks eine ehrliche und offene Auseinandersetzung zwischen Arabern und Juden stattfinden muß. Zur Rettung des Palästina-Werkes, dem die Juden der ganzen Welt so große Opfer gebracht haben, gibt es für Zionisten und Nichtzionisten nur einen Standpunkt, der auch sofort eingenommen werden muß: Die Juden geben ihren Ansprach auf die nationale Beherrschung Palästinas auf und beschränken steh m Palästina auf eine reine Siedlungsaktion. Das jüdische Siedlungswerk in Palästina wird jedes politischen Charakters entkleidet. Diese Forderung muß insbesondere von den sogenannten Nichtzionisten in der Jewish Agency, das sind die nichtnationalen Zionisten, erhoben werden. Wenn sie dies nicht tun, so erfüllen sie nicht ihre Pflicht gegenüber denjenigen jüdischen Kreisen, die sie in die Jewish Agency entsendet haben, und sie tragen mit die Verantwortung für das weitere Unglück in Palästina, das nicht ausbleiben kann, wenn nicht in letzter Stunde in diese einzig mögliche Bahn des Friedens und der Verständigung mit den Arabern eingelenkt wird. Die sogenannten Assimilanten, das sind nach dem Jargon der jüdischnationalen Zionisten die nichtnationalen Juden, haben überall, insbesondere in Deutschland und Oesterreich, die Folgen der jüdischnationalen Politik und des politischen Zionismus vorausgesehen und seit Jahr und Tag ihre warnende Stimme erhoben. Sie wurden verlacht und verhöhnt, beschimpft und terrorisiert, wo es nur anging. Soweit die Jüdischnationalen gutgläubig waren, müssen sie heute ihren Irrtum erkennen. Sie müssen jetzt noch Einkehr und Umkehr halten, dazu beitragen, das Unheil zu verkleinern. Wie die deutschen Juden über den politischen Zionismus vor Jahren dachten, möge aus folgendem Artikel vom Dezember 1931 aus der „Jüdischliberalen Zeitung", Berlin, entnommen werden, dessen Wahrheit uneingeschränkt bleibt. , D. Red. Wer die Dokumente der zionistischen Bewegung, von Herzls „Judenstaat" angefangen bis zu den Sitzungsprotokollen des jüngsten Baseler Kongresses, in stillen Stunden durchstudiert und sich bemüht, unter möglichster Ausschaltung aller Vorurteile und gefühlsmäßigen Neigungen den Inhalt und das Ziel der Bewegung zu erfassen, der muß — sofern er sich nur einigermaßen von der berauschenden Wirkung der gesprochenen und geschriebenen Pathetik freizuhalten weiß — immer wieder zu einem geradezu vernichtenden E n d u r t e i 1 gelangen. So eigenartig und hinreißend der Strom der Begeisterung ist, der hier oft sichtbar wird, so geradezu ungeheuerlich ist aber auch das Maß von Verblendung, das die zionistischen Führer der Möglichkeit und Durchführbarkeit ihrer Ideen gegenüber an den Tag gelegt haben. Daß Theodor Herzl selbst vom Judentum recht wenig, von Palästina so gut wie nichts wußte, als er am grünen Tisch seines Pariser Schreibzimmers den „Judenstaat" entwarf, mag zur Not noch hingehen und unter dem Rubrum „Ironie der Weltgeschichte" verzeichnet werden; daß seine Jünger den Begriff der „jüdischen Nation" zum Mittelpunkt ihres ganzen Sinnens, Trachtens und Handelns machten und alle die harten Tatsachen, die gegen diese Idee sprachen, als quantite negligeable behandelten, kann schließlich auch noch aus der zur Genüge bekannten allgemeinen Mentalität eines überschäumenden Nationalismus verstanden, wenn auch nicht voll entschuldigt werden; daß über die verantwortlichen Führer an die Verwirklichung des Palästina-Traumes gingen, ohne sich Rechenschaft über die politischen Realitäten abzulegen und ohne die jüdischen Ansiedler über die Gefahren ihres Unternehmens sowie über die dem Projekt entgegenwirkenden Kräfte genügend aufzuklären — das fällt ohne Zweifel bereits in das Gebiet, wo historische Tragik und politische Schuld eng miteinander verwoben sind. Die ersten jüdischen Siedler, die nach Erlaß der Balfour-Deklaration nach Palästina gingen, waren auf Grund der ihnen von den zionistischen Führern gemachten Verheißungen des guten Glau* bens, daß sie in ein ausschließlich ihnen gehörendes Land kämen, das nur darauf wartete, die seit 2000 Jahren verlorenen Kinder wieder aufzunehmen. Daß während dieser zwei Jahrtausende die Weltgeschichte nicht stillgestanden war, daß es aucii in „Erez Israel" keine historische Lücke gegeben hatte, daß dieses Gebiet, das sie in ungeschmälertem Enthusiasmus als „ihr Land" betrachteten, seit dreizehn Jahrhunderten von einem anderen, im Aufstreben begriffenen und nach nationaler Freiheit strebenden Volke bewohnt war, davon hatten die wenigsten eine, klare Vorstellung. Zu ihrem aufrichtigen Erstaunen fanden sie Palästina besetzt von den Arabern, die ihnen das Recht auf nationale Herrschaft streitig machten. Davon hatten den armen Chaluzim aus Polen und Rußland, die aus unvorstellbarem Elend in das