Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 23 (29.5.1936)
- Date
- 1936-05-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064628--20691-3085963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 23 — 29. Mai 1936 Seite 3 Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Kurhotel Bristol die Truppen von der Waffe Gebrauch machen Badgasteiü mußten, um die Manifestanten zurückzujagen. In ö Nablus und Akko waren diese Zusammenstöße blutig. Zwei Personen wurden getötet, mehrere verletzt. In mehreren jüdischen Ortschaften wurden Bäume gefällt und die Ernten vernichtet. einer Stadt in eine andere zu verbannen. Auch Hausarrest kann polizeilich verhängt werden. Gemäß dieser Verordnung wurde der bekannte Streikführer Rechtsanwalt Sidky Bey Dajani für ein Jahr nach einem kleinen Ort bei Hebron verbannt. Weiter wurden der Araberführer Saleh Abdo nach Khan Yunis in der Wüste und der Berichterstatter der arabischen Zeitung „AI Ahram" nach Jericho verschickt. Das im dem jcegenwärtigen Streik sehr aktive Mitglied der;iuf politischem Gebiete führenden Nashashibi- Familie, Fakhri Nashashibi, wurde angewiesen, sich ein Jahr lang täglich dreimal bei der Jerusalemer Polizei zu melden. Der High Commissioner hat die a r abischen Bürgermeister von Jerusalem, Nablus und Hebron abgesetzt und an ihrer Stelle jüdische Stellvertreter ernannt. Sonntag, 24. Mai. in Jerusalem wurden fünf junge arabische Führer verhaftet, in Nablus verbarrikadierten die Manifestanten eine Straße. Als Polizei und britisches Militär den Versuch unternahmen, diese Barrikaden zu beseitigen, wurden sie mit einem Steinhagel empfangen. Aus diesem Grunde sah sich die Polizei genötigt, eine Salve in die Demonstranten abzufeuern. Weiters kam es zu blutigen Zusammenstößen bei einem von einer großen arabischen Menge versuchten Angriff auf das Gefängnis Nur el Schemesch, der der Befreiung arabischer Sträflinge Kalt, und in Jaffa, wo eine große arabische Demonstration stattfand. Besorgt Eure Bücher durch die Buchhandlung Die Araber sind zu einer Art Guerillakrieg gegen die Juden und gegen die englischen Behörden übergegangen, indem sie die Sabotageakte fortsetzten und im geeigneten Augenblick wiederholt zur Offensive übergingen. So zerstörten sie die Telegraphen- und Telephonleitungen zwischen Jerusalem und Kairo, beschossen bei Nablus, Safed und Jaffa gemischte englische Militär- und Pölizeipatrouillen, schleuderten Bomben gegen den Bahnhof und gegen die Filiale der anglopalästinensischen Bank in Jerusalem und gegen das Regierungsgebäude von Ghaza, wo die Spannung so ernste Formen annahm, daß die Regierung alle britischen Familien aus ihren Wohnungen in die zentralen Polizeikaser. nen überführen ließ. In Akko wurde die Streichholzfabrik „Nur" in Brand gesteckt. Der Gipfelpunkt des Vandalismus ist die Brandlegung in der jüdischen Obstbaumkolonie Emek Chefer in Nordpalästina, wobei tausend Obstbäume vernichtet wurden. Streng npa Thermalbäder im Hause Aller Comfort Verlangen Sie bitte Prospekte M\ Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10Grosch.perTag sonst nichts Anfrag.: Tel. R 41-4-20 Kataloge gratis! Montag, 25. Mai. Reuter meldet: „Bewaffnete Banden arabischer Terroristen tauchen überall im ganzen Lande und in den Bergen auf und eröffnen, sobakl sie Polizei oder Militär erblicken, unverzüglich das Feuer. Sie haben nicht einmal vor Panzerautomobilen Furcht, vernichten das Getreide auf den Feldern, zerstören die Telephonleitungen und werfen mit ungewöhnlicher Kühnheit Bomben. Es ist daher sehr schwierig, über die einzelnen Vorfälle zu berichten. Die bewaffnete Macht hat ständig kleine Gefechte mit den Aufständische» zu bestehen, doch können die Verluste der Angreifer nur schwer ermittelt werden, da die Araber ihre Toten und Verwundeten zu bergen pflegen. Instesondere in den Bezirken Nablus und Tulkarem sind Angriffe aus dem Hinterhalt an der Tagesordnung. Arabische Frauen haben die PolizeS, als diese in einem Dorfe bei Nazareth eine Hausdurchsuchung vornahm, mit einem Steinhagel empfangen. Ens britischer Polizist und eine Araberin wurden verletzt." Dienstag, 26. Mai. In ganz Palästina dauern die Unruhen fort. An verschiedenen Stellen wurden Bomben zur Explosion gebracht und die Telephon- Jeitüngen unterbrochen, insbesondere jene mit Aegypten. Auf den Straßen werden weiterhin Angriffe und Handstreiche gegen Bedeckungspätroüillen verübt. Iii mehreren Städten sind arabische Kundgebungen in Zusammenstöße ausgeartet, wobei Ermordung eines judischen Bibliothekars. Auch vor Mord schreckten arabische Ueberfallsbanden nicht zurück. Der Bibliothekar der jüdischen Universität in Jerusalem wurde von einer arabischen Horde überiallen und ermordet. Es wird angenommen, daß er zu Tode gesteinigt wurde, als er sich Sonntag abends auf dem Heimweg nach Jerusalem betand. Die Polizei nahm zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Arabern vor und beschlagnahmte beträchtliche Mengen von Handteuerwatien, Explosivstoffen und Munition. Bombenwürfe gegen einen Dampfer. Der Dampier „Richard Bouchard" wurde bei der Einiahrt in den Haien von Jaffa von vier arabischen Motorbooten umzingelt und mit Bomben beworfen. Es wurde aber kein nennenswerter Schaden angerichtet Die Insassen der vier Motorboote wurden verhaftet. Der Antisemitismus als Spiegel der Welt. Von Josue Jehouda (Genf). Der bekannte Schweizer jüdische Schriftsteiler josue jehouda hat in einer Broschüre das Thema des Antisemitismus in neuer, interessanter Beleuchtung behandelt. Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus der Schrift. „Jedes Leiden Israels", sagte der Talmud, „an dem die anderen Völker teilhaben, ist ein Leiden; jedes Leiden, an dem Israel allein teilhat, ist kein Leiden". Und in der Tat, die Leiden Israels stehen in unserer, wie übrigens in jeder Zeit, durchaus im Verhältnis zu den Leiden der Welt. Die einen entspringen aus den anderen . . . Willst du wissen, wie die Welt daran ist. wirf deinen Blick auf Israel! Ist es nicht mit allen Leiden aller Völker beladen? Hier erscheinen alle Leiden wie in einem Brennpunkt gesammelt und daher die allgemeine Anteilnahme am Geschick Israels, an dem einzigartigen Geschick eines, ob es nun will oder nicht, einzigartigen Volkes. Das Leiden Israels ist denn auch heute tragischer als je! Aber auch die Leiden der Welt sind heute tragischer denn je, da die ganze Zivilisation vom Untergang bedroht ist. Könnte man die Leiden Israels verringern, ohne zugleich die Leiden der Welt zu verringern? Ganz gewiß nicht! Um das jüdische Problem zu lösen, ist allgemeine Solidarität unerläßlich. Das ist der tiefere Grund, warum Israel zur Universalität verdammt ist, selbst wenn schon alle anderen Völker sich in ihrem nationalen Götzendienst voneinander absperren. Wie schwach Israel auch sei, es bildet oft auch gegen seinen Willen das lebendige, zugleich so wirkliche und unwirkliche Unterpfand der schließlichem Einigkeit der Völker. Israel ist klein und die Welt ist groß; aber Israel ist der Zeuge der Geschichte . . . Und der Antisemitismus ist der Schatten Israels. Das ewige Spiel von Licht und Schatten; von ihm spricht die Geschichte deutMch zu jedem, der inmitten der zahllosen Vielfalt der Erscheinungen die unveränderlichen Gesetze wahrnehmen kann, die das Geschick der Völker lenken. Immer und überall wächst die Finsternis im selben Maß, in dem das Licbü abnimmt. Zu allen Zeiten geistigen Dunkelmännertums, das noch immer im allgemeinen Chaos dem gesellschaftlichen Verfall und die wirtschaftliche Krise gezeugt hat, erhebt sich unvermeidlich das verzerrte Antlitz vom1 Haß und Neid, Antisemitismus genannt. Wenn geistige Nacht sich auf die Erde niedersenkt, wird der Jude immer zum Schreckgespenst Er wird der Alpdruck der Schwachen, der Neiderfüllten, aller gescheiterten Existenzen. Es ist die wütende Gegenwehr des ohnmächtigen einzelnen gegen eine unfaßbare und namenlose Gesellschaft. Der Jude aber ist der große Namenlose der Geschichte geblieben, der ewig Unverstandene, der Sündembock der Eigensucht jedes einzelnen und der Feigheit aller. Wenn es mit der Welt schlecht geht, stellt sich der Jude gegen seinen Willen zwischen den in Aufruhr begriffenen einzelnen und die Gesellschaft, die vor ihrer Verantwortung flieht. Jede Gesellschaft aber ist für ihre Schiffbrüchigen und Narren verantwortlich. Der Antisemitismus ist keine Macht, sondern ein Symptom: er beweis*, Restaurant Stefanie ll.f TaberslraB« 12 Hugo u.Julie Herlinger,geb. Zollamt Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten daß das Gleichgewicht zwischen dem einzelnen und der Gesamtheit gestört ist. Die Vorherrschaft des einzelnen über die Gemeinschaft, wie die der Gemeinschaft über den einzelnen, stört das Leben der Völker und führt sie unvermeidlich Katastrophen entgegen, die ihren Schatten vorauswerten. Man könnte sagen, daß die Welt ein unbestimmtes Gefüh? dafür hat, daß Israel sie vor dem drohenden Zusammenbrach retten könnte. Der Antisemitismus, das ist der ungewollte Tribut, den die Welt Israel zollt. Haß ist immer verbitterte Liebe. Und was bedeutet der Antisemitismus für uns Juden? Nicht mehr und nicht weniger, als daß wir Juden unserem Judentum und uns gegenseitig entfremdet sind, jeder in seiner eigenen kleinen Selbstsucht, zum Schaden der jüdischen Gesamtheit. Da wir so des väterlichen Erbes beraubt wurden, sind wir beunruhigende, namenlose Faktoren geworden. Wo es dem Judentum entfremdete Juden gibt, breitet sich der Antisemitismus aus, um den leeren Raum auszufüllen, den die ihrem Wesen entfremdeten Juden gelassen haben. Der Antisemitismus zwingt uns, uns selbst wieder treu zu sein. So straft die Vorsehung Israel, das im allgemeinen Dunkel tastend in die Irre geht und sich seiner natürlichen Bestimmung widersetzt, seiner Sendung, durch sein Beispiel und seine Lehre das geistige Elend der Welt zu mildern, dessen unausweichliche Folge das wirtschaftliche Elend ist. Ja, wenn wir uns alle menschlichen Schwächen und Ungerechtigkeiten ansehen, gewinnen wir die feste. Gewißheit, daß