Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 22 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 22 — 22. Mai 1936 Seite 7 Mit? Wien l.f Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor _Samstag geechloascnl Sorge zu tragen. Seit Jahrzehnten hat hier in Wien der Verein Tiier*s Bachurim sich der Aufgabe unterzogen, den Wiener Bachurim, das Studium der Lehre an ihren verschiedenen Pflanzstätten zu ermöglichen. Aui Veranlassung dieses Vereines traten unter Führung der Rabbiner in Wien die Vorstände aller Bethausvereine zusammen, um über eine große allgemeine Hilfsaktion für diesen Zweck schlüssig zu werden. Erfreulicherweise wurde alles sonst Trennende beiseite gestellt und man war einig in dem Willen und Streben nach der Renaissance des Judentums, jener wahren Renaissance, die der Oberrabbiner der Adas Jisroel, Rabbiner S. Fürst andeutete. Er erinnerte nämlich daran, daß hier aiif österreichischem Boden jener berühmte „0 r Sorua" * und die „W eisen Oesterreichs" vor Jahrhunderten das Licht der Thora hochhielten, das weit hinaus ganz Israel erleuchtete. Wir müssen bestrebt sein, zur Ehre dieses Landes, die Thora hier wieder zu Ehren zu bringen und zu verbreiten, damit der Geist des wahren Judentums erstarke und uns jene Einigkeit und Festigkeit gebe, die uns nottut. Es wurde einstimmig beschlossen, überall zu veranlassen, daß allgemein am jetzt kommenden Sabbat und am Schebuoth-Feste, dem Feste der Offenbarung, in allen Bethäusern Spenden dem Verein „Tiferes Bachurim" zur Unterstützung der Thora Studierenden zugeführt werden. Das lebende Interesse an der heiligen Aufgabe möge sich aber mit dieser einmaligen Aktion nicht erschöpfen. Diese möge vielmehr die Einleitung zu einer Einrichtung zur Rettung und Pflege der Thora für die Wiener Jugend werden. Wenn der Dorfbewohner es sich als Glück und Ehre anrechnet, einen Thora-Beflissenen regelmäßig bei sich zu Tisch zu Gaste zu bitten, mögen wir, die wir dazu keine Gelegenheit haben, den Gegenwert von wöchentlichen regelmäßigen Freitischen sammeln und zur bestimmten Zeit dem Vereine zuführen. Wenn dieser Gedanke zur Tat geworden sein wird, dann wird es möglich sein, Thorahungrige zu sättigen, daß sie an den Quellen jüdischer Weisheit und Ethik Kraft schöpfen für ein starkes, sittlich unerschütterliches Judentum. Semeindechvonitt. Eine Synagoge auf der „Queen Mary". Der Chief Rabbi des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz nahm am 13. Mai die religiöse Weihe der Synagoge auf dem größten Dampfer der Welt, „Queen Mar y", der den Stolz des britischen Handelsmarinewesens ausmacht, vor. Thorarollen aus alter Zeit wurden in der Synagoge herumgetragen. In seiner Ansprache wies Chief Rabbi Hertz darauf hin, daß zwar viele Dampfer heute Synagogen an Bord haben, daß es aber bei der „Queen Mary" der erste Fall war, daß schon im Schiiisbauplan der Bau der Synagoge vorgesehen worden war. Rom. In der römischen Großen Synagoge fand ein feierlicher Gottesdienst für das neue „Italienische Kaisertum" und den Kaiser Victor Emanuel statt, der Vertreter der Armee und der Regierung beiwohnten. Die Festrede hielt Oberrabbiner Dr. Lattes, der auch einen Kranz vor der Gedenktafel für die gefallenen Juden niederlegte. — Der berühmte italienisch-jüdische Bildhauer Arrigo M i n e r b i wurde von Papst Pius XI. in längerer Audienz empfangen. Der Papst besprach mit Minerbi die Ausarbeitung der neuen bronzenen Türen der Kathedrale Duomo in Mailand, die Minerbi übernommen hat. Budapest. Unter dem Vorsitz des Hoirats Samuel Stern, Präsidenten der Isr. Landeskanzlei, fand vergangenen Dienstag die erste diesjährige Konferenz der Distriktspräsidenten der israelitischen Kongreßgemeinden statt. Der Rat der Distriktspräsidenten wählte Hofrat Samuel Stern, Präsidenten der Pester Kultusgemeinde und des VI. Isr. Gemeindedistrikts, neuerdings einstimmig zum Präsidenten und den Vorsteher des VI. Isr. Gemeindedistrikts Eugen Szänto zum Vizepräsidenten der Isr. Landeskanzlei. Dr. Ernst M Unit ä c s i unterbreitete einen ausführlichen Bericht über <das Ergebnis der mit den verschiedenen Ministerien bezüglich der Gutheißung des vom Jüdischen Landeskongreß 1936 geschaffenen Ergänzungsstatuts geführten Verhandlungen, aus denen erhellt ,daß de Regierung den aui die Erneuerung der Glaubens- und Unterrichts- Organisation des ungarischen Kongreßjudentums abzielenden Bestrebungen Wohlwollen entgegenbringt. Die Konferenz beiaßte sich hierauf positiv mit dem Vorschlage des Advokaten Dr. Franz K a uders (Körmend) betreffend Errichtung einer jüdischen landwirtschaftlichen Fachschule. Siegmund Bondi — 25 Jahre Vorstandsmitglied der „Adas Jisroel". Am 25. d. M. geht das 25. Jahr zu Ende, seit Herr Siegmund Bondi zugleich mit den Herren Jakob Fuchs und Berthold Stroh in de« Vorstand der Adas Jisroel (Schiffschul) berufen wurde::. Die Herren haben ihr Amt sehr verdienstlich versehen und durch ihre Leistungen finden sie ungeteilte Anerkennung. Bei der Stellung der Adas Jisroel als führende Körperschaft der Wiener orthodoxen Judenschaft muß die Tätigkeit dort mit ganz anderem Maße gemesst:: werden als bei sonst einem Vereine. Die Arbeit dorr kommt der gesamten Wiener Judenschaft zugute. Seit 14 Jahren bekleidet Herr Bondi das Amt des Obmannes der Adas Jisroel. Seine Amtsführung hat das Ansehen der Adas Jisroel gefestigt. Durch seine persönliche Liebenswürdigkeit und stete Hilfsbereitschaft hat er sich üie allgemeine Verehrung gesichert. 5. MÖBEL Dtr Verein „OSTERR. SEEHOSPIZ IN GRADO" Präsidentin SOFIE GRUMFELD) sendet Anfang; Juli jarte, anämische, zn Katarrhen neigende jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren, anter ärztlicher und pädagogischer Anflicht, in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tigiger Aufenthalt am Meer, bei S Mahlzeiten (rituelle KUche) kostet 3 5.— täglich. Der seit 44 Jahren bestehende Verein „FERIENHEIM" (Präsidentin SOFIE GRÜNFELD), entsendet auch hener, während der Sommermonate, erholungsbedürftige jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren in sein eigenes „Sofie Orflnfald-Fartonhalm" In Bad Vöslan. Verpflegungsk09tenbeitrag bei S Mahlzeiten (rituelle Küche) und ärztlicher und pädagogischer Aufsicht S 3.— täglich. Freiplätze in beschränkter Anzahl an Vollwaisen. Anmeldung im Vereinsbüro IX., Türkenstrafle 17, von 10—llfjnr, Telephan R 51-5-63 Schmllckung von Gräften und Gräbern LBopoIdQeutschJiBnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzimmcr- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Barniizwa-Feier. Samstag, den 16. d. M., fand in Graz die Barmizwa des Knaben Otto Klein, eines Sohnes des dortigen Kultusrates, des bekannten Zahntechnikers Alired Klein und seiner Gattin, statt. Mit Rücksicht auf die große Beliebtheit der Eltern war der Tempel bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Nachdem der Konfirmand mit vielem Verständnisse die Haftora vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Professor Dr. D. Herzog an ihn eine Ansprache, die aui die zahlreichen Tempelbesucher tiefen Eindruck machte. Die allseits geachteten Eitern des Barmizwa waren auch Gegenstand zahlreicher Aufmerksamkeiten. Der verdienstvoll wirkende und durch seine wahrhaft menschenfreundliche Gesinnung bekannte Obmann des „Jüdischen Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeise-Vereines Wien IX", Herr Josef Klein und seine gleichedle Gattin Frau Berta Klein, die Großeltern des Barwizwa, wohnten ebenfalls dieser schönen Feier bei und waren gleichfalls Gegenstand zahlreicher wohlverdienter Ehrungen. Die Generalversammlung der „Einheit" Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen, Wien IL, Malzgasse 12, Telephon A 45-00-2, iindet am Sonntag, den 24. Mai, um K-10 Uhr vormittags, Mittelstandsspeisesaal (1. Stock), statt. Eingesendet. Wir erhielten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Vor Jahren erschien in der „Wahrheit" unter dem Titel „Jüdische Frauenideale" eine Reihe von Lebensbildern. Ein Einsender wies damals darauf hin, daß Frau Helene Granitsch, die ihre Fürsorge ohne Unterschied Juden wie Christen angedeihen lasse, auch im Geiste dieser Artikelserie als Frauenideal gewürdigt zu werden verdiene. Frau Granitsch hat mir bei der ersten Gelegenheit, die mich mit ihr zusammenführte, ihre Freude über diese Anerkennung eines Dankbaren, mitgeteilt. Es ist deshalb vielleicht angemessen, in der „Wahrheit" darauf hinzuweisen, daß diese vortreffliche Frau, die auch seitdem in gleicher Weise sich betätigt, am 6. Juni d. J. das 60. Lebensjahr vollendet. Mit verbindlichem Danke iür die Aufnahme dieser Notiz in vorzüglicher Hochachtung Margarethe G r u n w a 1 d. Trauung. Am Sonntag, den 24. Mai, um 344 Uhr nachm., findet im Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Herta Silvia M a i e r, Tochter des Herrn und Frau Dr. Leonhard M a i e r, mit Herrn Franz S m et a n a, Sohn des Herrn und Frau Leopold S m e t a n a, statt. Trauung. Sonntag, den 10. Mai, fand im Stadttempel die Trauung des Frauleins Else Re i c h, Tochter des Herrn Hermann Reich, Sänger am Stadttempel und an der Staatsoper, und seiner Gattin Ida, mit Herrn Kantor David Fischer statt. Unter ieierlichein Orgel- und Cellopräludium bewegte sich der Trauungszug in den dichtgefüllteii, festlich beleuchteten Tempel. Untei den zahlreich erschienenen Trauungsgästen sah man den Präsidenten der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. Desider F r i e d m a n n mit Vorstandsmitgliedern, Dr. J. O r n s t e i n. den Bethausvorstand mit den Präsidenten Hoirat Fuchs, den Präsidenten des Fünihauser Geineindeternpels, Komin.- Rat S. Bernhardt, mit zahlreichen Getneindemitgliedern, viele Kultusbeamte mit dem Amtsvorstand Emil Enge 1. den Präsidenten des Kantorenvereines Oberkantor L ö w i t nebst zahlreichen Kantoren u. v. a. Den Trauungsakt vollzog Oberrabbiner Dr. Täglich t, welcher in beredten Worten die vorzüglichen Charaktereigenschaften des Brautvaters, der seit vielen Dezennien als Sänger an heiliger Stätte verdienstlich wirkt, und die hervorragende kautorale Begabung des Bräutigams rühmte. Die kantorale Funktion, versah Oberkantor Fischer mit Chor-, Orgel- und Cellobegleitung. Nach der Trauungszeremonie versammelten sich die zahlreichen Hochzeitsgäste im Festsaale des Caie Excelsior zu einer Jause. Oberkantor L ö vv i t und Kommerzialrat Lemberger sprachen herzliche Worte der Anerkennung für die wackeren Brauteltern und Wilhelm Glück gratulierte im Namen der Fünihauser Gemeindemitglieder. Todesfall. Am 10. d. M. ist der bekannte Juwelier Sigmund Markus im 76. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 12. d. M. am Zentraliriedhoi. I. Tor, unter zahlreicher Beteiligung statt. Oberkantor Funke versah innig die Trauergebete. Im Namen seiner zahlreichen Freunde sprach Herr Sigmund Fieischmann herzliche Abschiedsworte, in denen er die vornehmen Charaktereigenschaften des Verstorbenen als Mensch, Jude und Kaufmann lobend erwähnte. Der Verband von Wohliahrtsvereinen „Weibliche Fürsorge" veranstaltet Sonntag, den 24. Mai, 11 Uhr vormittags, im Haus der Wohltätigkeit, IX., Sensengasse 5, eine Trauersitzung für seine Mitbegründerin Frau Marianne Hain i s c h. Verein zur Erhaltung und Förderuns der Mensa academica judalca. Montag, den 11. Mai, fand in den Räumen des Verbandes der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith die 12. ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica statt. Vor Eingang in die Tagesordnung hielt der Präsident des Vereines, Herr Obermedizinalrat Dr. Moritz Laub, dem verblichenen Kuratoriumsmitgliede Prof. Dr. Ludwig Braun einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er die Bedeutung des Dahingeschiedenen als Arzt und Forscher, sowie seine Beziehungen zu den vielen sozialen Institutionen des Mittelstandes, in deren Leitung er sich betätigt hatte, würdigte. Hierauf erstattete der Präsident einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Kuratoriums im abgelaufenen Geschäftsjahre. In diesem wurde die schon lange geplante Verlegunc der Mensa durchgeführt. In der Lazarettgasse 6 wurde ein Lokal unter großem Kostenaufwand für die Zwecke der Mensa adaptiert. Das neue Lokal, welches gewissermaßen im Zentrum der wissenschaftlichen und insbesonders der medizinischen Institute gelegen ist, entspricht fh ausgezeichneter Weise den Bedürfnissen der Studenten, was sich auch in einer Erhöhung der Frequenz auswirkt. Es werden derzeit täglich über 250 Studenten verköstigt, wobei zu bemerken ist, daß nahezu 42 Prozent der verabreichten Mahlzeiten als Freitische oder zu bedeutend ermäßigtem Preise (20 bis 60 Groschen) gewährt werden. Zufolge der großen Ansprüche, die die verarmte Studentenschaft an die Mensa stellt, befindet sich diese am Schlüsse des Studienjahres in schwerster materieller Bedrängnis, weshalb die herzliche Bitte an die Oeifentlichkeit ergeht, die Mensa im Interesse der studierenden Jugend weitestgehend zu unterstutzen. „Hachmusas Kahi". Verein zur Unterstützung armer Bräute (Obmann S. Buchsbaum) veranstaltet am 30. Mai um 9 Uhr abends im Festsaale Oskar Kormüller*s Hotel-Restaurant „Bayrischer Hof" ein Ballfest mit einer Mitternachtsakademie. Prominente Künstler haben in Anbetracht des wohltätigen Zweckes ihre Mitwirkung zugesagt. Die künstlerische Leitung unter Josef Stap- 1 e r ladet auf diesem Wege die Freunde und Gönner des Vereines zum Besuch der Veranstaltung ein. Restliche Karten, ä S 2.—, sind bei den Vorstandsmitgliedern und bei der Abendkasse zu haben.