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Die Wahrheit · 1936-05-22 · Heft 22 (22.5.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 22 (22.5.1936)
Date
1936-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 22 — 22. Mai 1936 Seite 5 B ■fflaaäW <K,ub dar Mitglieder und Freunde dar „Union österreichischer Juden") l#niOn*IMllP Wien [., Schottenring Nr. 25 Telephon A-19-2-77 Samstag, den 23. Mai, um S Uhr abends, in den Klubräumen. I., Schottenring 25, Bunter Abend In liebenswürdigster Weise haben ihre Mitwirkung zugesagt: Kinderchor des Isr. Knabenwaisenhauses, XIX., Probusgasse 2, Johannes 0 b o n y a, Theater in der Josefstadt, Alice Markstein, Tänzerin der Wiener Staatsoper, Rudolf Herbert, Konzertsänger. ..D i e. T e r m i t e n", heitere Duoszene von Erich E 11. Aus dem Repertoire des Kabaretts „AC B im Regenbogen". Ausführende Gerda Redlich, Fritz Eckhardt. Am Klavier: Kapellmeister Adolf Brenner. Regiebeitrag inklusive Garderobe iür Klubmitglieder S 1.—, für Gäste S 1.50. Abessinien eine jüdische Zufluchtsstätte. Ein Vorschlag von Nathan P o 11 a k. ■ '■Jgv im bestbekannten jüdischen Restaurant Oavid Schey, Baden, Annagasse 23 <voni27. Mai bis inklusive I« Juni (über Schewuaus und Pfingsten) Pension inklusive Zimmer S 51.— In Anbetracht der großen MacKfrage Voranmeldung erwünscht. Gute Küche, schöne Speiselokalitäten, aufmerksame Bedienung. Telephon 319 Der Autor dieses Artikels ist durch seine Anregung der Umschulung der jüdischen Jugend auf die Landwirtschart und der Errichtung von jüdischen Siedlungen bekannt und hat in den letzten Jahren vielfache Erfolge auf diesen Gebieten erzielt. D. Red. Seit dem Vorjahre, da Abessinien: Gegenstand allgemeinen Interesses wurde, habe ich mich mit der Geschichte, Geographie und Geologie des Landes und seiner Bewohner befaßt und insbesondere das Leben unserer jüdischen GJaubens- , brüder im Lande der Falaschas beobachtet. So kam ich zu dem Gedanken, daß Abessinien nach einem Siege Italiens als italienische Kolonie berufen sei, eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft einzunehmen und vielleicht für viele Juden, die ihre Heimat verlassen müssen oder wollen, eine Zufluchtsstätte zu werden. Nun ist dieser Gedanke aktuell geworden und allgemein werden die ungeheuren Schätze Abessiniens, sein Reichtum an Mineralien, vielleicht Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von _25 Lire aufw._ sogar an Petroleum, an Haus- und Nutztieren, Wolle und nicht zuletzt gutem Boden für Fruchtbäume, Ackerland, Tabak, Baumwolle, Rohrzucker, Kaffee, Bauholz usw., hoch eingeschätzt und es ist die vorherrschende Meinung, daß bei rationeller Bearbeitung des Landes ein großer Ueberfluß erzielt werden muß. Italien hat natürlich das lebhafteste Interesse, zu zeigen, daß die Einverleibung Abessiniens dem Lande selbst nur Vorteile bringen wird, und tut alles, um durch geeignete Pioniere eine rasche wirtschaftliche und kulturelle Durchdringung des Landes zu erzielen. Hiefür hat die siebenmonatliche Arbeit während des Krieges, insbesondere iür die Kommunikation in Abessinien, Wertvolles geleistet. Nun glaube ich, daß die heimatlosen Juden der ganzen Welt ein Recht daran haben, das man zugleich als unsere Pflicht ansehen kann, in Abessinien mitzurun und durch ihre Fähigkeiten auf fast allem! Gebieten zum raschen Aufbau beizutragen. Ist doch Abessinien als Nachbar von Palästina schon in den heiligen Schriften wiederholt erwähnt, vielfach wird es sogar als das biblische Goldland Ophir angesehen und die nunmehr abgesetzte Dynastie Meneliks hat sich als Nachkommenschaft Salomons betrachtet. „Jeder Sieg verpflichtet" und es ist kein Zweifel, daß der König von Italien, der sich die Kaiserkrone Abessiniens mit dem Zionsstern aufsetzen und das Wappen des Löwen von Juda führen wird, nicht minder sein ruhmreicher Duce Mussolini im Geiste der Geschichte des Landes den Juden der ganzen Welt ein Tor nach Abessinien zur Mitarbeit öffnen wird. Die Falaschas, depen es noch im vorigen Jahrhundert dreihunderttausend gegeben haben soll, sind heute schätzungsweise auf fünfzig;- bis sechzigtausend Seelen dezimiert und da sie sich als unsere Glaubensbrüder betrachten und die Gebote unserer Thora strenge halten, werden sie — wenn sie sich auch durch ihre braune Hautfarbe von uns unterscheiden — Juden mit Freuden aufnehmen und von ihrem modernen Wissen, ihrer Kultur und Arbeite profitieren. Unter den Erforschern Abessiniens seit dem Jahre 1800 waren mehrere hervorragende Juden. Es sei insbesondere auf Joseph Halevy und Jacques Faitlovich hingewiesen. Schon im Jahre 1905 hat der verstorbene Oberrabbiner Margulies in Florenz mit finanzieller Unterstützung des Barons Edmund de Rothschild, Paris, ein Welthilfskomitee für die Falaschas in Europa ins Leben gerufen und Italien war es, welches für die von dem Komitee zu errichtenden Schulen seinerzeit Freigrund in Erithrea und Asmara gespendet hat. Die heimatlosen Juden beabsichtigen nicht, einen Judenstaat in Abessinien zu gründen oder dort politische Ziele zu erreichen, nein, sie wollen ihr Leben, ihre Fähigkeiten, ihre Kraft und ihre Arbeit dem Wohle des Landes ganz zur Verfügung stellen und für sich ein ruhiges Leben und den notwendigen Lebensunterhalt erzielen. Einen Antisemitismus kennt man im Lande nicht, er wird sicher auch unter italienischer Herrschaft ausgeschlossen bleiben. Diese Juden werden ihrem neuen Vaterlande dankbar sein, sie werden mit derselben Begeisterung und Aufopferung wie in Palästina, aber ohne nationale oder politische Ambition auch für Abessinien arbeiten und ihr ganzes Vermögen dem Lande zuführen. Die Glaubensgenossen auf der Welt — ich denke insbesondere dabei an Amerika — werden diesen Plan finanziell weitest- Wir entnehmen diesen Aufsatz, der beweist, daß auch auf mancher zionistischen Seite die Einsicht von der Gefährlichkeit politisch-nationaler Verstiegenheiten sich durchsetzt, dem Pariser „Neuen Tageb u c h". D. Red. Was in diesen Tagen in Palästina geschah und noch geschieht, ist gräßlich genug, um, erschüttert von aller Perfidie der Politik, den letzten Rest von Glauben an diese Zeit aufzugeben Es ist nichts anderes als ein Bürgerkrieg, der sich in Palästina abspielt, ein Krieg, dessen Gehässigkeit und Grausamkeit grenzenlos ist; ein Bürgerkrieg aber, dies sei betont, der sich verhindern ließ, wäre die Politik, die in diesem und um dieses Land getrieben wird, weniger hinterhältig und unklar gewesen, und — wäre nicht die notwendige Auseinandersetzung zwischen dem Feudal-Zeitalter des arabischen Wirtschaftskörpers und dem Kapitalismus gerade jetzt in ein akutes Stadium getreten. Die Politik Palästinas wird von vier Gruppen getragen, die einander in letzter Entschlossenheit gegenüberstehen. Vor allem von den Juden, die sich auf die ihnen von England unter dem Namen der Balfour-Deklaration während des Krieges gegebenen Versprechungen berufen. Ihnen gegenüber stehen die Araber, die sich gleichfalls auf — völlig entgegengesetzte — Versprechungen berufen zu können glauben, so daß schon die Voraussetzungen aller Aufbauarbeit in diesem von den Türken jahrhundertelang versautem) und vernachlässigten Land sehr problematisch sind. Die Araber aber, und dies kompliziert die Situation noch weiter, sind nur in der Frage des Kampfes gegen die zionistischen Aspirationen einig. In allen andern Fragen zerfallen sie in Parteien, die einander bis aufs Messer bekämpfen, die teils Pan-Fslamismus, wie die Partei des Muftis von Jerusalem, teils Pan-Arabismus, allenfalls aber ihre Familieninteressen vertreten. Diese politischen Parteien sind die Steine im Brett Englands, das seine alte KoIonialpolitilTdes divide et impera, ähnlich wie zwischen den Hindus und den Mohammedanern Indiens, auch in Palästina mit großem Erfolg betreibt, und nicht allein zwischen Juden und Arabern, sondern, wenn es gilt, die Machtzunahme der einen oder gehend fördern und das neue Weltreich Italien wird für ewige Zeiten das große Verdienst haben, vielen hunderttausend heimatlosen Juden Hilfe in seelischer und wirtschaftlicher Not gebracht zu haben. Von den Schwierigkeiten der Durchführung meines Planes will ich heute nichts erwähnen. Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden zu" werden. Wir wären keine glaubenstreuen Juden, wenn wir nicht alles tun würden, um unser und unser Kinder Leben zu erhalten; insbesondere denke ich an die Landwirtschaft und ihre vielen Zweige, deren sich unsere Jugend mit großem Interesse in den letzten Jahren zugewendet und für die sie die Erfahrungen, Kenntnisse und technischen Fortschritte zur Verfügung haben wird. Möge meinen Aufruf die „Union österreichischer Juden", die seit Jahren meine Bestrebungen auf wirtschaftlichem Gebiete verständnisvoll unterstützt, beachten, möge sie meinen Plan „Abessinien — jüdisches Asyl und Kolonisationsland" — sich zu eigen Kolonisationsland" sich zu eigen machen und nach Herstellung eines Einvernehmens mit den Juden anderer Staaten meinen Gedanken dem siegreichen Italien: zu Gehör bringen. der anderen arabischen Partei zu dämpfen, auch zwischen den Arabern selber. So erfanden die Engländer die Institution des Obersten Muslimischen Rates, einem ewigen Zankobjekt zwischen den Muftileuten, der Familie der Husseinis, und den Nashashibis, den zwei größten Familien des Landes. Als aber in den letzten Jahren die Bewegung gegen den britischen Imperialismus an Boden gewann, warf England den famosen Plan eines Gesetzgebenden Rates zwischen die sich mählich einander Nähernden. Der Erfolg war komplett: Die Husseinis, die Beherrscher des Obersten Muslimischen Rates, fürchteten, daß diese ihre Domäne — welche die sehr bedeutenden religiösen Stiftungen, die Auquaf, verwaltet — durch ein Parlament gefährdet werden würde, und erklärten sich sofort gegen den Plan. Ganz ähnlich die von ihnen bekämpften Zionisten, die von einem von den Arabern majorisierten Parlament die tödliche Erschütterung aller ihrer Grundlagen zu befürchten haben. Nun begann ein sich monatelang hinziehender Kuhhandel hinter den Kulissen der Parteien und der Regierung, der, mit politischen und mit privaten Versprechungen gespickt, ein klassisches Beispiel für die Unsauberkeit der Politik gibt. Das Ergebnis war ein Kampf Aüer gegen Alle. Während dieser Kämpfe, die sich meist in wenig belichteten Hintergründen abspielten, machte sich in steigendem Maß ein neuer Partner bemerkbar, der nicht allein intransigenter Gegner der zionistischen Forderungen, sondern auch gleichzeitig Gegner der Politik im aü- Der Union-Klub veranstaltet am Donnerstag, dan 28. Hai. »/«» Uhr abands, In JOdlschan KhUht* thaatar, Wla» I., Franz Josafs-Ka|3t «ine Separatvorstellung des ausgezeichneten deutsch - jüdischen Zeitstückes „DIE GRENZE" Nur noch wenige Karten für Mitglieder und Freunde der „Union" im Sekretariat, Wien I., Schottenring 25, Telephon A .19-2-77, erhältlich Ab 4. MAI TUCHII/IIJS TABAK, ... soizaries Nr. 5 alle Preise fiel reduziert t Original englische und französische Damen- und Herrenstoffe Was geschieht in Palästina? ~ - Von M. Y. Ben-Gavriel (Jerusalem).

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