Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 21 (15.5.1936)
- Date
- 1936-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064626--20677-3085947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Isaiah 1× ep/1005097
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 21 — 15. Mai 1936 Seite 7 Wien l.| Seitenstettengasse 2 XI.i Zentralfriedhof neben dem L Tor _Samstag gascfalomseo 1 Studienrat Rabbiner Dr. M. Bauer sprach als Freund und Mitarbeiter eindrucksvoll über die Lehrtätigkeit des Leiters des Maimonides-Institufes und Vorsitzenden des Dozentenkollegiums. Seine Arbeitskraft werde nur durch seine Arbeitsfreudigkeit überboten und nur dadurch sei es ihm möglich geworden, den großen Schatz seines Wissens in seinen Vorträgen und in seinen Schriften weitesten Kreisen nutzbar zu machen. Er stelle jenen Typus des universal-jüdischen Gelehrten dar, von dem im Talmud als Kennzeichen angegeben ist, daß man sich auf jedem Gebiete des Wissens bei ihm Rat holen kann. Dozent Rabbiner M. Z i c k i e r hielt eine hebräische Rede, in welcher er insbesondere die zahlreichen in hebräischer Sprache erschienenen Werke Dr. Kaminkas würdigte. Dozent Dr. Salomon Rappaport sprach eingehend über Kaminkas Forschungen zum Buche Jesaja, zu den Psalmen, zum Hohen Liede, ferner über seine ungemein scharfsinnigen Studien zur griechischen Bibelübersetzung (Septuaginta) und zu den Apokryphen, insbesondere zur Esra-Apokalypse; dann über seine Edition des Tachkemoni von Alcharisi und des Salomo Bonfed, schließlich über die philosophischen Schriften Senecas, welche er übersetzt und mit lehrreichen Anmerkungen versehen hat. Univ.-Prof. Dr. Hugo Stern verlas hierauf aus der unübersehbaren Anzahl der von Nah und Fern eingelaufenen Begrüßungen einige telegraphische und briefliche Glückwünsche bedeutender Persönlichkeiten und Organisationen. Es sprachen dann noch als Vertreter der Gefangenhausverwaltung im Landesgericht Direktor M. B i r nstein, der dem Jubilar für die seit 35 Jahren als Seelsorger der Strafgefangenen mit tiefem Verständnis für die ethischen Aufgaben und mit großer Hingebung geübte und dem Bundesministerium für Justiz bekannte geistliche Tätigkeit dankte, und Dr. S. Goldstern, Präsident des Unterstützungsvereines für russische Juden, dem der Jubilar stets ein treuer Förderer gewesen sei. Rabbiner Dr. K a m i n k a dankte hierauf ergriffen in einer Schlußrede für die ihm sowohl bei der Tempelfeier wie in der Festsitzung erwiesenen Ehrungen. Daß er sich nicht auf ein Studiengebiet beschränkt habe, wie er auch.im öffentlichen Leben sich nicht restlos in eine Partei eingefügt habe, vielmehr mit allen Parteien und Richtungen im Judentum innig verbunden blieb, hatte sein Gutes. Dadurch konnte er sich seinen offenen Blick, seine Geistesfreheit und sein kritisches Urteil bewahren. Er habe als Jubilar erwartet, daß, da die Vertreter der großen jüdischen Körperschaften für ihn die Ehrung organisierten, sie sich in mäßigen Grenzen bewegen werde. Es seien aber tatsächlich seine bescheidenen Verdienste übermäßig gepriesen worden. So glaube Dr. Kaminka seinerseits Dank schuldig zu sein der Isr. Kultusgemeinde, daß sie ihm' in so reichem Maße -Gelegenheit geboten habe, durch das lebende Wort zur Hebung der Kenntnis des Judentums und des jüdischen Bewußtseins beizutragen, der lsr. Allianz dafür, daß sie ihm die Möglichkeit gab, in großem Umfange durch viele Jahrzehnte für das Wohl unserer Gemeinschaft zu wirken und seinen Kollegen, treuen Freunden und Zuhörern im Maimonides-Institut, daß er vor ihnen, einer so verständnisvollen Zuhörerschaft, solche Forschungsergebnisse und seine Gedanken über unsere Religion mit einigem Erfolg zu entwickeln in der Lage war. Semeinde&ronift. Budapest. Im Alter von 67 Jahren verstarb der jüdische Artillerieoberst Moritz B1 e y e r. König Karl IV. hatte dem tapferen Offizier persönlich an der Front den Orden der Eisernen Krone an die Brust geheftet, doch besaß Bleyer auch das Ritterkreuz des Leopoldordens, das Eiserne Kreuz und noch viele andere Kriegsauszeichnungen. Er war überhaupt einer der meistausgezeichneten Offiziere des Weltkrieges. Nach seiner Pensionierung nahm Moritz Bleyer lebhaften Anteil am kulturellen Leben der Pester Isr. Kultusgemeinde und war Führer der ungarisch-jüdischen Frontkämpfer. Seine militärisch wissenschaftliche Tätigkeit wurde auch außerhalb Ungarns viel bemerkt. Anläßlich des Begräbnisses hielt der Präsident der Pester Kultusgemeinde Hofrat Samuel Stern eine Abschiedsrede, in der er die hervorragenden Verdienste Bleyers würdigte, die bisher sich nicht nur um das Vaterland, sondern auch um das ungarische Judentum erwarb. Die Pester Chewra Kadischa widmete Oberst Bleyer ein Ehrengrab. Paris. Professor William O u a 1 i d, der hervorragende französische Jurist und Volkswirtschaftler, wurde zum Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle gewählt. Ein Nachfolger für den vor einigen Monaten verstorbenen Präsidenten der Alliance, Prof. Dr. Arnold Netter, ist bis jetzt nicht gewählt worden. Prof. Oualid wurde 1880 geboren, studierte in Aix und" in Paris und lehrt jetzt politische Oekonomie an der Pariser Universität. Während des Krieges war er Abteilungschef im Ministerium für nationale Verteidigung, nach dem Kriege eine Zeitlang Chef einer Abteilung im Arbeitsministerium. 1921 vertrat er Frankreich im Internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes. Prag. Am Sonntag, den 10. Mai, um 19.05 Uhr, sandte der Prager Rundfunk eine Reportage E. F. Samans vom Jüdischen Fried h o f. Dabei gelangten Motive von hebräischen Texten und die hebräischen Elegien des Rabbi Abigdora Kara zur Wiedergabe. Aktion „Rettet die jüdische Jugend". Im Marmorsaale des Hotel National traten am Sonntag, den 3. Mai, die Vertreter sämtlicher Tempel und Bethausvereine Wiens und dio Rabbiner zu einer Konferenz zusammen, die von den Herren Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang, Rabbiner S. Fürst, Großrabbiner Abraham Heschel, Rabbiner Josef Babad einberufen worden war. Aui der Tagesordnung stand die Beratung über die Lage der thoralernenden Jugend Oesterreichs. Nach einem ausführlichen Referat des Vertreters des Vereines Tiferes Bachurim, Herrn Ernst Spitzer, legten die Herren Rabbiner S. Fürst und Babad die Wichtigkeit einer tatkräftigen und opferbereiten Unterstützung jener jüdischen Jugend Oesterreichs dar, die sich dem Thorastudium widmen. Nicht eine Bitte ist es, die der Verein Titeres Bachurim an die Judenheit Oesterreichs richtet, sondern eine Forderung, einer selbstverständlichen und heiligen Piiicht Geniige zu leisten. Es sprachen noch der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Mendl Rosenberg und der Ob- MÖBEL Moderne KQchen- Vorzlmmer- Wohnzlmmer- ¥. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Hr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. mann des Verbandes der Wiener Tempelvereine, Herr Kultusvorsteher Dr. Leo Landau. Die Konferenz endete mit dem einstimmig gefaßten Beschluß, am Schabbos Bamidbor IS am s t a g, den 23. M a i) und in der daraur folgenden Woche in sämtlichen Tempeln und Bethäusern Oesterreichs eine organisierte Hilfsaktion nach einheitlichen Richtlinien durchzuführen. Dem Vorstände des Vereines „Tiferes Bachurim" wird für diese Aktion ein aus je einem Vertreter der einzelnen Tempel und Bethäuser zusammengesetztes Komitee zur Seite stehen. An die Juden Oesterreichs ergeht schon heute der Appell, durch ihren Beitrag der Hilisaktion „Rettet die jüdische Jugend" zu dem unbedingt erforderlichen Erfolg zu verhelien. Heldengedenktafelerrichtung der jüdischen Frontsoldaten. Die Bezirksgruppe IX Aisergrund des Bundes jüdischer Frontsoldaten beabsichtigt, zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten des Wiener IX. Bezirkes im Müllner-Tempel eine Gedenktafel zu errichten, welche die Namen der im Weltkriege gefallenen Kämpfer tragen soll. Die Bezirksführung ersucht die Angehörigen, Kameraden und Freunde um Bekanntgabe der Namen, Geburts- und Todestag, Charge, Regiment, Auszeichnung sowie Begräbnisstätte aller gefallenen jüdischen Krieger, die im IX. Bezirke gewohnt haben. Diesbezügliche Mitteilungen sind schriftlich an die B. O. G. IX. des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, Wien IX., Liechtensteinstraße 121. oder persönlich jeden Mittwoch ab 20 Uhr abends an obige Adresse erbeten. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I.. Kohlmessergasse 4. Tel. U 27-0-65, sucht d r i ngendst Stellen für: A. Rechtsanwaltsanwärter. Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener. Packer. Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kellner, Krankenpflegerinnen. Masseure. Bademeister. Nachhiltclehrer- und -lehrerinnen für Mittelschulfächer. Musiker für Konzert-, Jazz- und Stimmungskapellen. B. Arbeit für gewerbliche Kräfte aller Art. darunter auch Chemiker, Elektrotechniker (Heizungstechniker), Installateure, Bau- und Maschineningenieure, Chauffeure sowie ungelernte Arbeiter. C. Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Im selben Verein sind derzeit offene Stellen für: Kinderfräulein mit und ohne Sprachkenntnisse für In- und Ausland. Erzieherinnen mit Mittelschulnachhilfe und Fremdsprachen, gut eingearbeitete Konfektionsnäherinnen (Werkstätten- und Heimarbeit), geschultes Hauspersonal jeder Art, diverse Auslandsstellen für deutsche Emigranten. Liederabend Hilda Dulizkaja. Die bekannte Künstlerin Hilda Dulizkaja gibt am Samstag, den 17. Mai, 8 Uhr abends, im großen Ehrbarsaale, einen Liederabend. Die Künstlerin, die in Wien best bekannt ist, besitzt den Ruf. die beste Interpretin des jüdisch-hebräischen Liedes zu sein. Schmuckmig iob Gruiten and Gröbern Leopoldüeutsch.WienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Jiunst und £itewaim. Synagogenkonzert. Aus Anlaß des Lag'B'Omer- Festes fand Sonntag, den 10. d. M., im herrlichen Müllnertempel, IX., Grünetorgasse, ein Synagogenkonzert unter Mitwirkung der Oberkantoren L. Müller und S. P o s t o I o w, sowie des Violinvirtuosen Prof. Joset Z i m b I e r, des Cellisten Prof. E. Hollaender und des Kapellmeisters Kurt Fuchsgelb statt. Eröffnet wurde das interessante Programm mit einem Orgelpräludium, von Kapellmeister ruchsgelb vortrefflich ausgeführt. Dann folgte der so selten aufgeführte herrliche Matauwu in F-Dur von Snlomon Sulzer, von Oberkantor Postolow und Chor ausgezeichnet vorgetragen. Nun kam Überkantor Müller mit seinem selbst komponierten „Ribanno schel aiilom" zum Vortrag. Oberkantor Müller ist viel zu bekannt als Meister seines Faches, als daß wir viel Worte zu machen brauchen. Seine, bis in die höchste Lage wohlklingende Tenorstimme, sein nobler Vortrag, seine formvollendete Behandlung des Textes sichern ihm immer und überall großen Erfolg. Auch die zweite Piece seiner eigenen Komposition „Omar Rabbi- Elosor" zeichnete sich durch Stilechtheit und Vornehmheit des' Vortrages aus. Ebenso das „Ani mamin", ein Kabinettstück chasonischer Kunst an Gedanken und Ausführung. Die künstlerischen Darbietungen des Proi. Josef Zimbler, der zwei Violinkompositionen von J. Engel und A. Bloch mit großem warmen Ton virtuos vollendet ausführte, machten großen Eindruck auf das andächtig lauschende Publikum. Oberkantor S. Postolow kam noch mit zwei Piecen „W'al jede Awodecho" von Gerowitsch und dem großen „Hallelujah" von Sulzer zu Gehör. Die Leistungen dieses Stimmkrösus sind gleich seinem mitwirkenden prominenten Kollegen weit über seine Synagoge hinaus bekannt, so daß wir auch bei Herrn Oberkantor Postolow nicht viel Worte machen müssen. Seine schöne große Stimme, sein durchgearbeiteter Vortrag zünden immer und wirken durch Schlagkraft und Wärme. Die ausgezeichnete Orgelbegleitung des Kapellmeisters Fuchsgelb müssen besonders lobend hervorgehoben werden. Ausgezeichnet waren die Leistungen des Chors und des Chorknaben Sigal, der mit seiner schönen Altstimme ein großes Solo sehr wirkungsvoll sang, unter der bewährten Leitung seines hochbegabten Dirigenten. Den Veranstaltern dieses gelungenen Konzertes gebührt besonderer Dank und Anerkennung, hauptsächlich für die musterhafte Ordnung und Würde, welche durch den zahlreichen Besuch des Abends lebhaft zum Ausdruck kam. J. I.. Chorkonzert des Wiener kaufmännischen Gesangvereines. Unter der bewährten Leitung des Dirigenten Julius Katay iand am 22. v. M. im mittleren Konzerthaussaale ein Chorkonzert des Wiener Kaufmännischen Gesangvereines statt. Das Programm stand im Zeichen des begabten Wiener Komponisten Erich Z e i s 1. Im ersten Teil des Konzertes wurde seine Chorkantate „Ernste Sprüche", Texte nach Bibelsprüchen, ierner von Angelus Silesius und Goethe, und im zweiten Teil „Chorszenen", Text aus „Afrika singt", uraufgeführt. Beide Musikstücke verraten große künstlerische Fähigkeiten, und berechtigen zu noch größeren Hoffnungen. Von den Solisten des Abends wäre zunächst die bekannte Konzertsängerin Smetana-Blüh zu nennen. In den Zeislschen Chorszenen: a) Harlemer Nachtlied und b) Arabeske kam ihre helle, klare Stimme voll zur Geltung. Das Publikum spendete, neben dem Komponisten, ihr sowie den anderen Gesangssolisten, dem Konzertsänger Rudolf Nemec und dem Vereinsmitgliede Anton S t r n a d, reichen Beifall. Als dritte Programmnummer wurde eine Sonate für Cello und Klavier von Rudolf Braun gespielt. Die Sonate ist im klassischen Stil gehalten und wurde von dem temperamentvollen Virtuosen Ernst Friedländer (Cello) sowie dem sehr musikalischen Dr. Karl Lahr (Klavier) zu Gehör gebracht. Das Programm wurde mit Franz Liszts 13. Psalm für gemischten Chor und Tenorsolo abgeschlossen. Zu erwähnen wäre noch die außerordentliche Kunstbegeisterung der Mitglieder des Wiener Kaufmännischen Gesangvereines, unter welchen sich auch viele Jugendliche befinden, sowie daß Dr. Karl Lahr sämtliche Gesänge am Klavier auf das präziseste begleitete. Dirigent