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Die Wahrheit · 1936-05-15 · Heft 21 (15.5.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 21 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 21 — 15. Mai 1936 Seite 5 Erhöhte Spannung in Palästina. Militär aus Aegypten berufen. Am 10. Mai gab die Agentur Reuter folgende zwei Meldungen aus: Es verlautet, daß auf Ersuchen des Hohen Kommissars nach Palästina Verstärkungen entsandt werden. Die durch die Konflikte zwischen den Juden und den Arabern in Palästina hervorgerufene Unruhe hat diese Maßnahme notwendig gemacht. Militär und Luftwaffe haben jetzt in Palästina ununterbrochen Bereitschaft; Diese wurde mit Rücksicht auf die Spannung angeordnet, welche der Generalstreik der Araber hervorruft. Bisher war aber ein Eingreifen des Militärs zur Wiederherstellung der Ruhe nicht notwendig. Die Nachricht, daß sich Mililtärversltärkungen aus Aegypten auf dem Wege nach Palästina befinden, hat daher in Palästina eine gewisse Ueberraschung hervorgerufen. Der Dichter Saul' Tschernichowsky leicht verletzt. Wie durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen. Der repräsentative hebräische Dichter Doktor Saul Tschernichowsky ist beinahe das Opfer eines arabischen Anschlags geworden, wie durch eiiru Wunder ist er mit dem Leben davongekommen. Er fuhr mit anderen Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire aufw. Reisegefährten in einem jüdischen Autobus von Tel Aviv nach Rechoboth. Auf dem Wege wurde der Autobus von Arabern beschossen. Keiner der Passagiere wurde verletzt, nur an Tschernichowskys Ohr fuhr eine Kugel vorbei, so daß sein Gehör durch den Luftdruck beeinträchtigt wurde, außerdem wurde er durch Glassplitter im Gesicht leicht verletzt. Drei Araber wurden als Schuldige verhaftet. ' Das Organ des britischen Kolonialamtes über die Lage. „Great Britain and the East", das offiziöse Organ des britischen Kolonialamtes, führt zur Lage in Palästina u. a. aus: Man darf sich nicht wundern über die Unruhen in Palästina, so grausam es zum Teil dort zugegangen ist; nur diejenigen zeigen sich überrascht, die glauben, daß oberflächlicher Wohlstand Volkszufriedenheit schafft. Durch die Unruhen sind besonders zwei Unternehmungen betroffen worden: der Plan, eine arabische "Delegation nach London zu bringen, um mit dem Kolonienministerium über den Legislative Council zu beraten, sowie die Levantemesse in Tel Aviv. Würde man heute eine Kommission nach Palästina zur Untersuchung der jetzigen arabischen Unzufriedenheit entsenden, die Kommission würde keine wesentlich anderen Ursachen der Unruhen feststellen können, als seinerzeit die Shaw-Kommission, die nach den Unruhen im Jahre 1929 nach Palästina entsandt wurde. Die Shaw- Kommission und Sir John Hope Simpson haben Realitäten festgestellt, die noch heute gelten. So sehr man' mit dem wehrlosen Juden mitfühlt, der von einem primitiven Araber angegriffen wird, so kann man aber auch nicht an der Tatsache vorübergehen, daß alle Anstrengungen der P a 1 äs ti n a-R egier ung zusammen mit dem ganzen von den Zionisten ins Land gebrachten Reichtum es nicht vermocht haben, die Araber zu bewegen, sich mit ihrem jetzigen Los zufrieden zu geben. Wenn l OoDii Wien II., Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen die jetzigen Unruhen verhältnismäßig auf beschränktem Räume sich abspielten, so ist das nur der Wachsamkeit der Palästina-Administration zuzuschreiben, die sich nicht hat überraschen lassen. In gewissen jüdischen Kreisen kritisierte man die Nachlässigkeit der Mandatarmacht gegenüber den bnitalen Angriffen; besser informierte offizielle zionistische Kreise haben aber die Schnelligkeit und Durchschlagskraft der Bemühungen der Regierung zur Beendigung der Unruhen anerkannt. Die Unruhen in Jenin im Vorjahre waren eira Signal für die Unruhen jetzt; nur die aufrichtigen Bemühungen des High Commissioner, einen politischen Mittelweg zu finden, haben vorübergehend beruhigend gewirkt. Zum Unglück aber haben die Parlamentsdebatten über den Legislative Council dem Unruhependel einen neuen Stoß gegeben, der Araber nahm seine frühere Stellung des Mißtrauens und der Verzweiflung ein. Wer sich über diese wichtige Tatsache nicht Rechnung abzugeben vermag, der versteht die heutige Lage in Palästina nicht. Letzte Nachrichten. Unter dem 13. Mai meldet Reuter: Die Situation in Palästina bleibt weiterhin bewegt. Der arabische Streik dauert an und heute fanden auch neue Terrorakte statt. Htü&tu3Clu& (Klub der Mitglieder und Freunde der „Union österreichischer Juden1-) I., Schottenring 25 Telephon A 19-2-77 Mittwoch, den 20. Mai 1936, um 7,8 Uhr abends im Klubsaal Vortragsabend Es spricht Dr. Jakob Ornstein über »Jüdische Geschichte der drei letzten Jahrhunderte'* nach dem Buche von Dr. Franz Kobler „Jaden und Judentum in deutschen Briefen" Gäste willkommen! Regiebeitrag 50 Groschen Mitglieder frei Polizeiverstärkungen wurden im Verlaufe des gestrigen Abends in die Jerusalemer Altstadt entsandt, da dort ein zweiter Jude getötet worden war. Einer der getöteten Juden war R a bb i n e r. In der Altstadt wurde die zeitige Torsperre verfügt. In einzelnen Teilen des Landes sollen die Ernte und andere Güter verbrannt worden sein. Die Polizei zerstreute im Verlaufe des Vormittags in Jaffa zwei arabische Kundgebungen, man zählt jedoch kein Opfer. Ab 4. PIA! alle Preise lief reduziert! TVCnHADS TAD Alf, i., saizürtes Nr. 5 Original englische und französische Damen- und Herrenstoffe Die Jadenheit Rumäniens vor schweren Gefahren. Die aus Rumänien eintreffenden Nachrichten über die allgemeine politische Entwicklung und ihre Auswirkung auf die jüdische Bevölkerung des Landes haben die Jüdische Telegrapheni- Agentur veranlaßt, die..Lage durch einen Sonderbeauftragten überprüfen Iju -lassen. Auf dessen Ersuchen äußerten sich der geschäftsführende Präsident des vor einiger Zeit gebildeten Zentralrats der rumänischen Juden, Dr. Wilhelm Filde r m a n n, und der Vertreter des Präsidenten der Jüdischen Partei im Zentralrat, der'ehemalige Abgeordnete Mischu Weissmann, über die aktuellen Probleme der Judenhe'it Rumäniens. In den Erklärungen beider Führer kommen schwere Besorgnisse hinsichtlich des Schicksals der rumänischen Juden in der nächsten Zeit zum Ausdruck. Der Präsident des Zentralrats und der Union der rumänischen Juden (Uniunea Evreilar Romani), Dr. Wilhelm Fildermann. gab u. a. folgende Erklärung ab: „Die Lage verschlechtert sich mit jedem Tag. Alle Erklärungen der Regierung scheinen keinen anderen Zweck zu haben, als die öffentliche Meinung einzuschläfern!, bis es zu neuen Unruhen kommt, auf die abermals Erklärungen folgen, und dieses Spiel wiederholt sich immer wieder. Die Tatsachen beweisen dies. Die jüdischen Studenten des ersten Jahrgangs der Bukarester medizinischen Fakultät können die Vorlesungen nicht besuchen, weil die rassistischen Agitatoren es nicht zulassen. Das Professorenkollegium tritt zusammen, berät und — die Lage bleibt unverändert. An der landwirtschaftlichen Fakultät tn Chisinau (Kischineff) herrschen dieselben Verhältnisse. In die Rechtsanwaltsbarreaus können Juden sich nicht mehr eintragen. Die Eintragung von Juden wird uniter verschiedenen Vorwänden hinausgezögert. Bei einem von der Sozialversicherung veranstalteten Stellenwettbewerb für interne und externe Krankenhausärzte wurden die jüdischen Kandidaten von ihren Kollegen' gewaltsam entfernt; das Versprechen, den Wettbewerb für ungültig zu erklären, wurde nicht geharten. Der Beitrag des Staates für alle christilichen und nichtchristlichen Glaubensgemeinschaften wurde hn Budget des Jahres 1936 um etwa 40 Millionen erhöht, während ctie 7 Millionen, die in die Budgets der letzten Jahre für dte Bedürfnisse unserer Glaubensgemeinschaft eingestellt waren, glatt gestrichen wurden; nachher machte man das Zugeständnis der Bewilligung von — einer Million! Bei den Pfadfinderverbänden werden die Juden aus bestimmten, ausschließlich Christen vorbehaltenen Kompagnien entfernt. In Bacau werden täglich Juden mißhandelt, ohne daß die Polizei etwas dagegen unternimmt. Bei der vormilitärischen Ausbildung in Cernauti (Czernowitz) wurden die jüdischen Schüler beschimpft und mißhandelt Die deutsche Nazipresse in Rumänien darf uns weiterhin in voller Freiheit angreifen, während man uns knebelt und uns sowohl die an die Regierung gerichteten Denkschriften, als auch die Berichterstattung über tatsächliche Vorfälle, ja sogar auch die Wiedergabe von Texten aus antisemitischen Zeitungen zensuriert. Erst in der letzten Nummer des „Curierul Israelit" sind ganze Absätze eines aus einer antisemitischen Zeitlang wiedergegebenen Artikels von der Zensur verstümmelt . . . Die Nazisten haben somit volle Freiheit, uns anzugreifen, wir aber haben nicht einmal das Recht, auf dfrese Angriffe hinzuweisen." Die Gefahr: Frankophile Außenpolitik bei antisemischem Rechtskurs im Innern. Die prägnante Kennzeichnung der Lage durch Dr. Fildermann wird ergänzt durch die Mitteilungen des ehemaligen Abgeordneten Adv. Mischu W e i ß m a n n, in denen er eine Deutung der politischen Vorgänge versucht. Er erklärt: Die Lage und die politischen Perspektiven in Rumänien sind in der Tat besorgniserregend. Man hat den Eindruck, daß der einzige beherrschende Gedanke der Recbtsextremismus ist, dessen wesentlichen Inhalt der Antisemitismus darstellt. Obwohl der Staat formal auf. demokratischen Grundlagen ruht, obwohl das Land eine freiheitliche Verfassung hat, obwohl wir ein parlamentarisches Regime besitzen, ist in Wirklichkeit die Atmospäre so sehr verdorben, daß die Demokraten sich genieren, sich als solche zu benennen, und, selbst wenn sie es 'tun, machen sie den Rechtsradikalen Konzessionen. Die beiden jüdischen Organisationen haben ein gemeinsames Abwehrkomitee geschaffen. Dieses Komitee hat bisher eine Reihe von Aktionen

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