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Die Wahrheit · 1936-05-08 · Heft 20 (8.5.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 20 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 20 — 8. Mai 1936 Seite 5 Palästina und Phönix- Das Zentralbüro des Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfonds) für Oesterreich ersucht uns um Veröffentlichung der folgenden Erklärung des Jüdischen NationalfondsJ erusalem: Die Superprovisionen des „Phönix" für den Jüdischen Nationalionds. In dem amtlichen Bericht über die Zahlungen des Phönix wird auch eine Summe von 500.000 S genannt, die an den Jüdischen "Nationalionds „unter dem Titel einer Provision" gezahlt wurde. Diese 500.000 S wurden tatsächlich als Ueber- (Super-)provision gegeben, und zwar als Entgelt für die Unterstützung, die der Phönix durch den Nationalfonds erfuhr, indem der letztere den Phönix dem jüdischen Publikum der ganzen Welt empfahl und einen eigenen Werbeapparat für ihn ausbaute. Dieser Vorgang, Empfehlungsvertrag genannt, gehört zum Rüstzeug iast aller Versicherungsanstalten. Der Phönix selbst hatte in Oesterreich mehr als hundert solcher Verträge mit verschiedenen gesellschaftlichen <jruppen abgeschlossen, von denen einige auch in der amtlichen Verlautbarung genannt sind. Die Leistungen des Jüdischen Nationalionds für den Phönix waren quantitativ und qualitativ außerordentlich groß. Mit seiner Hilfe wurden in 20 Ländern eigene Versicherungsabteilungen errichtet, die vom Jahre 1923 an Versicherungsverträge in der Höhe von 22 Millionen Pfund, d. s. rund 600 Millionen Schilling, dem Phönix zugeführt haben. In den letzten Jahren stieg dieser Produktionsbetrag bis auf 3 Millionen Pfund jährlich und stellte fast den fünften Teil Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire aufw. der Gesamtproduktion des Phönix dar. Im Vergleich zu dieser Produktionsziffer ist die in dem amtlichen Bericht angeführte Superprovision von 500.000 S gewiß kein großer Betrag. Die Produktion des Nationalionds war aber auch qualitativ ausgezeichnet, sowohl durch die Größe der Durchschnittssumme der einzelnen Versicherungen als auch durch ihre besondere Bestandfestigkeit. Aus diesen rein kaufmännischen Erwägungen heraus hat schon vor Jahren auch die größte und angesehenste englische Versicherungsanstalt, die .Prudential" in London, mit dem Nationalfonds einen analogen Empfehlungsvertrag für Großbritannien und Irland abgeschlossen, der selbstverständlich die allgemein übliche Ueberprovision enthält und in voller Kraft steht. Dazu kommt noch: das Versicherungs-Departement des Jüdischen Nationalfonds hat mehr als 90 Prozent aller Geschäfte dem Phönix aus dem Ausland zugeführt. Wenn nun die ausländischen 'Freunde des Jüdischen Nationalfonds weit über Oesterreich hinaus gerade dem Phönix die Sicherung ihrer Zukunft übertrug, so drückt sich darin das besondere Vertrauen aus, das dank unserer Empfehlung die Judenschaft gerade dieser Gesellschaft mit ihrem ausgesprochen österreichischen Charakter entgegengebracht hat. Wir veröffentlichen diese Erklärung, ohne vorderhand zu ihr Stellung zu nehmen, und beschränken uns darauf, den niederschmetternden Bericht der letzten Nummer der „Neuen Welt" wiederzugeben, die auf Grund von Informationen ihres Palästina-Korrespondenten und der „Palnews" folgendes über die ungeheuren Verluste der deutschen Palästina- Emigranten berichtet, die durch den Zusammenbruch des „Phönix" aufs schwerste geschädigt und in Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen vielen Fällen all ihrer Habe beraubt wurden. Wird nun die doppelt getroffenen unglücklichen Qlaubensbrüder der zu Hilfeleistung moralisch verpflichtete Jüdische Nationalfonds halbwegs schadlos halten? Der Palästina-Korrespondent der „Neuen Welt" schreibt: Der Zusammenbruch des Phönix hat hierzulande großes Aufsehen erregt, da diese österreichische Versicherungsgesellschaft in starker Geschäftsverbindung mit Palästina stand. Man schätzt die in Palästina durch den Phönix versicherten Summen auf rund 900.000 Pfund (24 Millionen österr. Schilling). Aber dazu kommen Versicherungen in vorläufig noch unabsehbarer Höhe, welche im Ausland mit der Klausel: „Zahlbar in Palästina" abgeschlossen wurden. So gibt es eine ganz große Zahl deutscher Juden und Juden in anderen Ländern, welche dem Phönix ihren Hausbesitz in Deutschland überlassen hatten, gegen die Verpflichtung, ihnen Renten oder eine bestimmte Summe nach einer gewissen Zeit in Palästina zu zahlen. Daher ist auch der Schaden noch unübersehbar. Die Sache wird dadurch noch kritischer, daß es in Palästina keine ständige Aufsicht der Regierung über die Gebarung von Versicherungsgesellschaften gibt, der Phönix daher nicht zur Erhaltung einer Reserve im Lande verhalten wurde. Vorläufig wurde das in Palästina greifbare Vermögen von Interessenten in Beschlag gelegt. Dieses beschränkt sich aber auf nur zwei Posten: 1. 700 Pfund in Bargeld und Wertpapiere; 2. eine Hypothek von 17.000 Pfund auf das Haus der Jewish Agency. [ UuiotfJOuA i : (Klub der Mitglieder und Freunde der „Union S österreichischer Juden") " | I., Schottenring 25 Telephon A-19-2-77 | : Dienstag, den 12. Mai, K-8 Uhr abends, : 1 spricht im Klubsaal [ | Dir. Johann Lichtenstein { : über das Thema : { „Alfred Nohel, der Mensch, seine; : Stiftung und deren jüdische | : Preisträger." | [ Gäste willkommen. § die derartige Versicherungen abgeschlossen haben, in Palästina. Die übrigen halten sich außerhalb des Landes auf. Es ist zu befürchten, daß die Inhaber dieser Polizzen gegen den palästinensischen Phönix oder dessen Nachfolger ihre Ansprüche geltend machen, besonders nachdem die österreichische Regierung diese Polizzen annulliert hat. Das Defizit des palästinensischen Phönix würde sich dadurch stark erhöhen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die rechtliche Stellung des palästinensischen Phönix nicht geklärt ist. Offizien ist der palästinensische Phönix eine Niederlassung der österreichischen Gesellschaft. Tatsächlich jedoch hat die österreichische Gesellschaft diese Niederlassung separiert und ist bestrebt, sich ihrer Verantwortlichkeit für das Prämienreservedefizit und die Zukunft der Versicherten zu entziehen. Angesichts dieser Situation kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wie weit es möglich sein wird, die Aktiven des Phönix in Palästina (es handelt sich All 4. MAI TDCHÖAIS TAÖAK, i, Salines Nr. 5 Olle Preise HCl reduziert! Original englische und französische Damen- und Her r enstof f e Dabei ist aber noch fraglich, ob nicht ausländische Interessenten, deren Polizzen in Palästina zahlbar sind, gegen diese : Beschlagnahme Einspruch erheben werden. Jedenfalls ist der Schaden, der palästinensischen und in Palästina versicherten Juden erwächst, ein sehr, sehr großer. „Palnews" meldet: Die Phönix-Gesellschaft ist als ausländischesünternehmenin Palästina seit zehn Jahren tätig und nimmt im Versicherungsgewerbe des Landes — soweit es das Lebensversicherungsgeschäft betrifft — eine bedeutende Stellung ein. Die Zahl der Polizzeninhaber des Phönix in Palästina beträgt rund 3000. Ein großer Teil davon entfällt auf Volksversicherungen von durchschnittlich pal. Pf. 100. Die Gesamtsumme der Phönix-Versicherungspolizzen in Palästina macht pal. Pf. 840.000 aus, von denen pal. Pf. 140.000 auf die Volksversicherungen entfallen. Den Beträgen entsprechend, die der Phönix bis jetzt von Palästinensern als Prämien empfangen hat, müßte er über eine Prämienreserve von pal. Pf. 110.000 bis 125.000 verfügen. Hiervon sind etwa pal. Pf. 40.000 in Abzug zu bringen, die von der Gesellschaft den Polizzeninhabern als Darlehen gegeben wurde. Die Investitionen des Phönix in Palästina stellen sich auf paL Pf. 23.000, so daß sich ein Prämienreservedefizit von pal. Pf. 50.000 bis 60.000 ergibt. Es ist jedoch zu befürchten, daß die tatsächliche Lage eine weit schwierigere ist. Der Phönix schloß in Deutschland Versicherungen ab, bei denen er von Auswanderern deren Häuser als Einmal-Prämien in Zahlung nahm und dagegen Rentenversicherungspolizzen ausstellte. Da diese Art von Versicherungsgeschäften den gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Versicherungswesens nicht entsprach, wurden die Häuser auf den Namen einer Tochtergesellschaft des Phönix in Holland eingetragen, die Versicherten erhielten keine Pottzzen des deutschen Phönix, sondern der Niederlassungen in anderen Ländern, und zwar besonders solchen Ländern, in denen eine Beaufsichtigung des Versicherungswesens durch die Regierung nicht besteht. Derartige Polizzen mit der Unterschrift der palästinensischen Niederlassung neben derjenigen desW ienerPhöni x wurden im Umfang von ungefähr pal. Pf. 50.000 kontrahiert. Tatsächlich.. wohnen zur Zeit nur drei Personen, um die erwähnten Investitionen in Höhe von pal. Pf. 23.000) bei der Liquidation oder der Uebertragung der Phönix-Versicherungen auf eine neue Gesellschaft zu sichern. Die Regierung will nicht eingreifen. Es ist die Forderung erhoben worden, daß die Regierung in die Angelegenheit eingreift und einen Weg zum Schutz der Interessen der palästinensischen Polizzeninhaber der Phönix findet. Es wurde auch die Meinung laut, daß die Palästina- Regierung gegen das nach dem Zusammenbruch des Phönix erlassene Gesetz der österreichischen Regierung, das den Phönix von der Verantwortung gegenüber den ausländischen Versicherten befreit, Protest einlegen solle. Wie wir von wohlinformierter Seite unterrichtet werden, ist nicht zu erwarten, daß die Palästina-Regierung im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Phönix irgend welche Sondermaßnahmen ergreift. Gegen die Berliner Olympiade. Gegen die Durchführung der nächsten Olympischen Spiele in Berlin gibt es eine breite Widerstandsbewegung in vielen Ländern. Sie geht fast überall aus von der Tatsache, daß das nationalsozialistische Deutschland die olympischen Gesetze nicht beachtet, und trotz aller gegenteiligen Erklärungen in die Sportverbände eine Politik hineinträgt, die mit den Auffassungen der übrigen Sportwelt im Widerspruch steht. Das internationale Komitee für die Verteidigung der Olympischen Idee, dessen Ehrenpräsident der ehemalige Minister, der Senator G o d a r t, ist, ruft zu einer internationalen Konferenz aller Gegner der Hitler-Olympiade und aller Freunde der Olympischen Idee auf, die am 6. und 7. Juni in Paris stattfinden wird, und dazu dienen soll, die olympische Bewegung Im Dienste des Friedens und der Völkerverständigung zu erhalten. Das Büro der Konferenz befindet sich in Paris IXe, 55, Rue du Faulbourg Montmartre. Konzert des Wiener Jüdischen Gesangvereines im Festsaale des Industriehauses, IV., Schwarzenbergplatz. Samstag, 9. Mai, präzise Uhr. Dirigent: Kapellmeister Dr* Kurt P a h 1 e n. Mitwirkend Evi Wächter: Klavier-Solo.

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