Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 20 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 20 — 8. Mai 1936 Seite 3 einen Kampf in Europa andere Voraussetzungen bieten, äjk die fauligen staatlichen Leichnamt, mit denen sich Deutschland im letzten Kriege verbunden Mitte." (S. 756.) Das Buch Hitlers hat 782 Seiten und durch dieses ganze Buch zieht sich der Haß Hitlers gegen Oesterreich, der Haß gegen die ihm Oesterreich veikorpernde Dynastie der Habsburger. Die weit zahlreicheren Stellen noch, die diesen Haß gegen die Dynastie in der rohesten Woitform ausdrücken, fehlen hie». Hitler kennt Keine achtungsvolle Gegnerschaft, er versetzt der jetzt ohnmächtig gewordenen Dynastie den berüchtigten Eselstritt. Das schwere Ringen um die L'rfüilung der großen historischen Aufgabe Oesterreichs, die kleinen für sich allein ohnmächtigen Staaten zu einem föderativen Staatsgebilde zusammenzuschließen, das allein ihnen staatliche unü nationale Existenz sichern kv.\u, begreift Hitler nicht. Er begreift die Entv.'iddungs'.ir.ie nicht, die vom absoluten Zentralsta:;t über den konstitutionellen Dualismus, den zunächst den großen nationalen Schichten entsprechenden Trialismus zur idealen Endform, dem schweizetisch national-autonomen Föderativstaat hätte führen müssen. Ein zu „Mein Kampf" notwendiger Kommentar würde die Unzulänglichkeit des Verfassers gegenüber allen großen Problemen der Zeit und sein Bemühen, diese Unzulänglichkeit mit einer Ueberfülle von nichtssagenden Phrasen, mit einer banalen Wortfü.le und mit einer brutalen Roheit des Ausdruckes zu verhüllen, aufdecken. Ein Erlaß des deutschen Reichsinnenministers besiegelt eine neue Etappe in der Geschichte des Buches „Mein Kampi". Der Minister hat mit Gültigkeit für das ganze Reich folgendes angeordnet: „Es ist erwünscht, daß die Standesbeamten, soweit die finanzielle Lage der Gemeinden, die die Lasten der Standesamtsverwaltung tragen, dies nicht ausschließt, bei der Eheschließung jedem Ehepaar das Buch des Führers „Mein Kampf", Volksausgabe, aushändigen. Die Aushändigung kommt nur in Betracht, sofern keiner der Ehegatten Jude ist und der Ehemann die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Die Kosten für die Beschaffung des Werks sind als sächliche Kosten der Standesamtsführung anzusehen, die den Gemeinden zur Last fallen. Es wird empfohlen, einheitlich zum 1. Mai 1936 mit der Aushändigung anzufangen." Es mag, schreibt das Pariser „Neue Tagebuch'' dazu, dahingestellt bleiben, ob das künftighin obligatorische Hochzeitsgeschenk die deutschen Brautpaare sehr glücklich machen wird. Ungemein praktisch aber ist dje kleine Aufmerksamkeit für den Verlag von „Mein Kampf", den Verlag Franz Eher Nachf. München, dessen Hauptinhaber — Adolf Hitler ist, Ebenso sinnig ist die Hochzeitsgabe für den Autor des verschenkten Buches, wiederum Adolf Hitler, dem für jedes verkaufte ii)ett*i Sie ^eltscka|ttieke y|Ucktett JuJ*e*t wenn Sie beruflich viel zu sprechen haben, dann verwenden Sie zur Belebung und Erfrischung ODOL. ODOL ist das ideale Mundpflegemiiiel, ODOL verhindert Gärungs¬ und Fäulnisvorgänge im Munde. Durch eine Mundspülung mit ODOL' überwinden Sie Ihre Müdigkeit und vermeiden unangenehmen Mundgeruch. QDQL schützt Ihre Gesundheit, erfrischt und belebt. L83) ist das Kennzeichen für ein weiter vervollkommnetes ODOl, dessen antiseptische Wirkung in hervorragendem Maße gesteigert worden ist. Bakteriologische und klinische Versuche haben die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wlaps approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der xaheAnnV en und pharmokognostUchen Institute der Universität Ist Wien. Exemplar vor} „Mein Kampi" mindestens 20 Prozent des Ladenpreises gutgeschrieben werden. Das Rechenexempel ist einfach: der Ladenpreis von „Mein Kampf" beträgt 7.20 Mark; die Zahl der Eheschließungen in Deutschland ist zur Zeit rund 700.000. Mit seinem Erlaß an die Standesbeamten hat demnach der Reichsinnenminister dem Verlag Franz Eher Nachf. (Mitinhaber: Adolf Hitler) eine zusätzliche Jahreseinnahme von etwa 5 Millionen Mark gesichert, und dem Schriftsteller Adolf Hitler eine zusätzliche Jahreseinnahme von einer Million Mark. 700.000 Exemplare garantierter Jahresabsatz von „Mein Kampf" sind aber nicht das Einzige. Ehe <üe Deutschen, das Puchs des „Führers" auf öffentliche Kosten als, Hqcfüeitsgeschenk bekommen, wird ihnen je ein ExernpJar bei der Entlassung aus der Schule gestiftet — gleichfalls aus der Staatskasse. Dann bekommt man es als Prämie beim Arbeitsdienst, beim Militär und so fort. Wer im Dritten Reich vorschriftsmäßig seinen Lebensweg macht, hat in seinem Haushalt drei bis vier Exemplare vor „Mein Kampi", — alle aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Soviel zur geschäftlich-innenpolitischen Seite des neuen Ministerialerlasses. Daß die Sache auch außenpolitisch ihre Bedeutung hat, bedarf kaum der Erwähnung. Die für das Ausland bestimmte Propagandalüge, daß „Mein Kampf" nebst seinem „Vernich»ungs"-Programm gegen Frankreich nicht mehr aktuell sei, ist durch den neuen Erlaß überaus kräftig dementiert. „Mein Kampf" und sein berüchtigtes „politisches Testament", unrevidiert und unkorrigiert, wie es ist, wird erneut in seinem Rang als maßgeblicher Fahrplan des Dritten Reiches bestätigt. DI« neue Adresse der ..Union cuterrelchischef Juden" lautet: I., Schottenring 25 Elias: Darfst so nicht sprechen, Mensch, sein Werk kennt Gott allein! Die ihn verlassen sind's, den er gewährt die Pein. Owadja: Doch du, auf Erden wandelnd, einer Mutter Kind, Du kannst doch deinen Blick dem Jammer nicht verschließen. Auf Mitleid hat dein Herz doch sicher nicht verzichtet. Elias: Das Mitleid ist ein Gift, der Wahrheit Sinn vernichtet, Und Herzensgüt' und Gnad' zerstören das Gesetz! Hat je die Sonn' aus Mitleid finst're Nacht erleuchtet? Hat je ein Strom aus Gnad' den Berg hinauf geflossen? Für Lüge, für Verbrechen kenn' ich kein Erbarmen. Owadja: Es sterben Säuglinge in ihrer Mütter Armen, Und ohne Wahl verkommen Mensch und Tier in Not. Das Maultier schnappt nach Luft und Tropfen Wasser! Nicht sünd'ge Menschen nur, auch Kind und Tier vergeh'n! O, hilf uns, rette! (Kniet vor Elias, hält seinen Mantel fest und weint.) Elias (stützt sein Haupt in beide Hände, bleibt sinnend und in seinem Gesicht zeigt sich ein schwerer Kampf. Er springt auf): Ich darf es nicht, es gilt mein Leben! (Geht bewegt auf und ab): Ich darf jedoch auch nicht gleichgültig steh'n daneben! So schäm' dich, Elias, du willst nun wie ein Händler, Das Maß verkleinern, feilschen, Wert vermindern, An Gottyerächter seine Gnad' verschachern? (Laut zu Owadja): Geh' weg von meinem Angesicht! (Pause.) Nein . . . warte! (Pause.) Geh! (Pause.) Halt! (Wendet sich um, ringt mit sich selbst, sieht Owadja fest an und ruft): Es sterbe nicht das Vieh! Ein Ende sei der Dürre! Das Maultier bleib' erhalten und der Säugling lebe! Geh! melde deinem König: ich werd' um Regen beten. Owadja (jubelnd): O, ist es wahr? Entfliehst nicht wieder unserm Blicke? Elias: Geh, sag' ich fleh' zum Herrn, daß Er den Regen schicke. Owadja (eilt davon). Elias: Doch wie werd' ich für sie um Gnad' zu bitten wagen, Für dieses Volk, das schweigt, da Meineid, Mord una Unzucht Von seinen Fürsten wird geübt und der Astarte Priester Den Missetaten frech gewähren ihren Segen? Für dieses Volk Samarias das Gottes Bund verhöhnt, Send* mein Gebet ich heute in des Himmels Tor. Hier steh' ich, ein im Schilf vom Wind zerbroch'nes Rohr. Mir barst der Seele Kraft, gleich der gespannten Sehne* Ich weiß; die Stund', da ich, gerührt durch Mjenschenträne, Um Hilf für dieses Volk zum Himmel heb' die Hände, Ist meiner Sendung Schluß und meines Lebens Ende. (Geht auf und ab und blickt auf die Wüstenfläche.) Wie sicher, straff und fest stehst du im weiten Land, Des Schöpfers stummes Werk, du Strauch im Wüstensand! Du Felsen, unbewegt, hier wurzelnd Tag und Jahr! Du bleibst dir selbst getreu, bleibst aufrecht, stolz und wahr! Ihr wilden Wüstentiere, Panther, Drachen, Leu, Was euch zu tun bestimmt, erfüllt ihr recht und treu! Kannst du das Böse nicht mit voller Wucht zertreten, Dem Hagelsturme gleich vernichten Frevlersaat, Gebührt dir nicht das Amt des eifernden Propheten, Als eitlen Scherz verlacht das Volk dir Wort und Rat. Durch Gottes Strafgericht der Wahrheit Schändung rächen, War mein Gedanke einst, von heil'gem Grimm erzeugt, Nicht, Wortpropheten gleich, nur mahnen, warnen, sprechen, Da Mild' und Gut' allein der Menschen Trotz nicht beugt. Erfolglos war mein Werk! Nun bet' ich für Verräter, Den Weg der Gnade wähl' ich heut', wie meine Väter! Nicht denk' ich mehr an der Verbrechen Grauen, Nicht Eif'rer mehr für Gott bin ich in dieser Süifld, Des Herzens Weichheit ist 's, ich kann das Leid nicht schauen Und ungestraft verbleibt die Missetat am Bund! Ich bin nicht anders nun, als früh're Seher waren. Im heißen Sande hier nun ewige Ruh' ich wähl, Mag meines Leibes Rest die Erde still bewahren! Des Lebens Sinn zerfloß, so nimm, Herr meine Seel'! (Stürzt sich in den Wüstensand.)