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Die Wahrheit · 1936-05-08 · Heft 20 (8.5.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 20 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 20 — 8. Mai 1936 DIE WAHRHEIT Hitler und Österreich. Im Reso-Verlag A. G., Zürich, ist eine Broschüre von Dr. Martin Arbüster „Adolf Hitler, Blut oder Geist" erschienen. Das flüssig geschriebene Büchlein setzt sich die Aufgabe, aus der Hexenbibel des deutschen Nationalsozialismus „Mein Kampf" jene leider viel zu wenig bekannten Stellen herauszusuchen, die mit den späteren Taten und „Erfolgen" des Führers in aufreizendem Widerspruch stehen. Wir veröffentlichen aus der Broschüre, deren Lektüre insbesondere christlichen Kreisen empfohlen werden sollte, folgendes Kapitel, das sich mit der Einstellung des derzeitigen deutschen Reichskanzlers zu Oesterreich befaßt. D. Red. Hitler und Oesterreich. Eine Darstellung des Verhältnisses Hitlers zu Oesterreich muß sein Verhältnis zum österreichischen Herrscherhaus, zu den Habsburgern umfassen und wird notwendigerweise eine Fortsetzung des Kapitels: Hitler und die Wahrheit. Hitler gegen Habsburg und Oesterreich. „Das Erzhaus Oesterreich tschechisierte wo immer nur möglich und es war die Faust der Göttin ewigen Rechtes und unerbittlicher Vergeltung, die den tödlichsten Feind des österreichischen Deutschtums, Erzherzog Franz Ferdinand, gerade durch die Kugeln fallen ließ, die er selber mithalf zu gießen. War er doch Ger Patronatsherr der von oben herunter betätigten Siawisierung Oesterreichs!" (S. 13.) „Die habsburgische Heuchelei, mit Cer man es verstand, nach außen den Anschein zu erwecken, als ob Oesterreich noch immer ein deutscher Staat wäre, steigerte den Haß gegen dieses Haus zur hellen Empörung und Verachtung zugleich... Es genügt hier festzustellen.., daß nämlich die Sicherung des Deutschtums die Vernichtung Oesterreich voraussetzte." (S. 14.) „.. begrüßte ich jede Entwicklung, die meiner Ueberzeugung nach zum Zusammenbruch dieses unmöglichen . . Staates führen mußte." (S. 39.) „Die Ablehnung und Beseitigung des Reichsrates würde als einzige Regierungsgewalt ja nur das Haus Habsburg übriggelassen haben, ein besonders für mich ganz unerträglicher Gedanke." (S. 85.) „Als aber nach dem großen Kriege (1866) das Haus Habsburg mit letzter Entschlossenheit daranging, das gefährliche Deutschtum der Doppelmona r c h i e . . langsam aber unerbittlich auszurotten.." (S. 103.) „Sie hat zum ersten Male die Sonde an diesen faulen Staat gelegt . . Es ist ihr Verdienst, den herrlichen Begriff der Vaterlandsliebe aus der Umarmung dieser traurigen Dynastie erlöst zu haben." (S. 106.) Hitler spricht hier von der alldeutschen Be- Seuiiieton. „König Achab". Ein historisches Drama von Dr. K a m i n k a. Von Dr. K a m i n k a, der dieser Tage seinen 70. Geburtstag feiert, sind außer bedeutsamen bibelexegetischen und theologisch-wissenschaftlichen Arbeiten auch zahlreiche hebräische Dichtungen erschienen, unter denen sich ein historisches Drama „König A c h a b" beiindet. Ueber Ersuchen zahlreicher hiesiger Freunde hat der Verfasser sich üer Mühe unterzogen, zunächst den ersten und dritten Akt selbst ins Deutsche zu übertragen. In meisterhafter Weise wird hier aus fragmentarischen Berichten im Buche der Könige ein Drama voll pulsierenden Lebens aufgebaut, psychologisch fein herausgearbeitete Charaktere des schwachen, unglücklichen Königs und der ihm beherrschenden Phönizierin Isebel, sowie der grandiosen Gestalt des eifernden Propheten Elias dargestellt. In diesem an Handlung reichen Schauspiel wird ein ganz überraschendes Licht auf die politischen und sozialen Verhältnisse jener Epoche geworfen. Wir veröffentlichen im folgenden die grandiose Schlußszene des dritten Aktes, in der Owadja, der Abgesandte des Königs Achab, dessen Widersacher, den Propheten Elias bittet, Hilfe zu bringen gegen die im Lande herrschende furchtbare Dürre. D. Red. Owadja (erscheint, erblickt Elias, streckt seine Hände voll Jubel ihm entgegen): Da ist er. Nun kommt Hilf! Er wird uns sicher retten! Ich laß' ihn nicht. „Mein Herr! Ö heiliger Prophet!" wegung im alten Oesterreich. „Auch religiöse Institutionen wurden von diesem gewissenlosesten Herrscherhaus skrupellos in den Dienst der .neuen' Staatsidee gestellt." (S. 118.) „Meine innere Abneigung aber dem habsburgischen Staate gegenüber wuchs in dieser Zeit immer mehr an . . um so mehr gewann meine Ueberzeugung Boden, daß dieses Staatsgebilde nur zum Unglück des Deutschtums werden müßte." (S. 134.) „Mir erschien die Riesenstadt (Wien) als die Verkörperung der Blutschande . . Der Gedanke aber, daß dieser Staat noch längere Zeit zu halten wäre, erschien mir geradezu lächerlich" (S. 135.) „Träger des Bündnisgcdankens waren in Oesterreich nur die Habsburger und die Deutschen. Die Habsburger aus Berechnung und Zwang, die Deutschen aus gutem Glauben und politischer — Dummheit . . v/eil . . sie dadurch mithalfen, das Reich an einen Staatskadaver zu ketten . ." (S. 141.) „Allerdings, das Bündnis mit Oesterreich war dann Caf€ Pension EcKsfein Semmering ein Unsinn. Denn diese staatliche Mumie . . dem u nmöglichen Habsburgerstaat.." (S. 155.) „Es war für Deutschland nur ein Glück, daß der Krieg im Jahre 1914 auf dem Umweg über Oesterreich ausbrach, die Habsburger also mitmachen mußten; wäre es nämlich umgekehrt gekommen, so wäre Deutschland allein gewesen. Niemals hätte der Habsburgerstaat sich an einem Kampfe . . "beteiligen wollen, der durch Deutschland entstanden wäre. Was man später an Italien so verurteilte, wäre dann schon früher bei Oesterreich eingetreten: man würde ,neutraF geblieben sein . ." (S. 161.) Verleumdung und Fälschung. Hier muß das Prinzip, Hitler selbst reden zu lassen, um seinen Haß gegen Oesterreich, gegen die Habsburger als die österreichische Klammer, um sein Verhältnis zur Wahrheit, dem „Qbjektivitätsfimmel" in das klaic Licht weithin sichtbar zu stellen, eimal unterbrochen werden, um zu zeigen, wie dieser „Führer eines großen Volkes die historische Wahrheit fälscht. Ein historisches Ereignis war es, als Eduard VII. den alten Kaiser Franz Josef wenige Jahre vor dem Ausbruch des Weltkrieges aufsuchte, und eine historische Wahrheit ist es, daß Eduard VII. Oesterreich vom Bündnisse mit Deutschland loslösen wollte, eine historischen Wahrheit, daß Franz Josef ablehnte, die Bündnistreue hielt. Aber für Hitler Elias: Wer bist du denn? Owadja: Mein Name ist Owadja. Im Auftrag König Achabs komm' ich dich zu bitten . . . Eüas: Von meiner Nähe fort, Genosse seiner Frevel! Owadja: Das nicht, o Herr! Dem Baal nicht und der Astarte Ergab ich mich; dem Dienst des einz'gen Gottes Blieb standhaft ich und treu. Und als Isebel . . . Elias (hält sich die Ohren zu und schreit): Nicht hören will ich den verfluchten Namen! Owadja: Ich will nur sagen, daß am Tage des Gemetzels, Als die Bekenner Gottes sie dem Tode weihte, Und hundert der Propheten in Angst und Schrecken flohen, War ich's, der schützend sie in einer Höhle barg. Elias (empört): Propheten floh'n in Angst? Verbargen sich in Höhlen? Gleich flüchtigen Gazellen schützten sie ihr Leben? Und du hast sie versteckt? Ist das dein edles Werk? Ein Diener Gottes du, und Zeuge dieser Schmach? Ein feiger Lügner ist, wer als Prophet entweicht, Der fliehenden Ratte gleich in finstere Keller schleicht! Prophet, der blaß vor Angst, wenn die Gefahr ihm naht, Der hüllt in Schmach sein Amt, er übt an Gott Verrat! Versuchte je der Donner sein Grollen zu verbergen? Hat je der Sonne Strahl am Tag sein Licht verhüllt? iÄP^ÄSTEflN IHOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang ist Wahrheit ein „Objektivitätsfimmel", der in seinei Propagandatheorie keinen Platz hat. Daher beschuldigt er, der die Propaganda „mit allen Mitteln" lehrt, gegen die Wahrheit Oesterreich des verächtlichsten Deliktes der Untreue. Jetzt aber soll Hitler wieder selbst sprechen, da niemand und nichts diesen Mann so sehr m seiner Blöße enthüllen kann, wie er selbst: „Auch wänrend ich selbst an der Front stand, vertrat ich, wo immer über dieses Problem gesprochen wurde, meine Meinung, daß der Bund je schneller desto besser für die deutsche Nation abgebrochen werden müßte, und daß die Preisgabe der Habsburgischen Monarchie dafür überhaupt kein Opfer wäre, wenn Deutschland dadurch eine Beschränkung seiner Gegner erreichen könnte; denn nicht für die Erhaltung einer verluderten Dynastie.." (S. 163.) Abermals muß hier die Zitatenfolge unterbrochen werden, um zu bewirken, daß Hitler richtig gelesen wird. Zwei Seiten vorher, Seite 161, stellt er die Behauptung auf, daß Oesterreich Deutschland verraten hätte, wenn Deutscnland selbst in einen Krieg geraten wäre; zwei Seiten später, Seite 163, fordert dieser selbe Mann, heute der „Führer", daß Deutschland durch die „Preisgabe der Habsburgischen Monarchie" den Vorteil der Verringerung seiner Gegner im Weltkriege hätte anstreben müssen, eben den Verrat nach seiner Meinung hätte üben müssen, den er gegen jede Wahrheit Oesterreich zum Vorwurf machte. Ohnmächtige Beschimpfungen. Bezeichnend für das geistige Niveau des Buciies „Mein Kampf" ist der Ton, den sein Verfasser vielfach einschlägt: „An der phantastischen Auffassung des Nibelungenbündnisses mit dem Habsburgischen Staatskadaver . ." (S. 712.) „Sowohl der Bund mit Oesterreich als auch mit der Türkei hatte wenig Erfreuliches Bücher li Sclmdenbrücke Wien I., Fianz-Josefs-Ksi 7 -f Neue Bücher better Autoren zu tief reduzierten Preisen Katalog gratis für sich . . sammelte man ein paar alte, impotent gewordene Staatsgebilde und versucht^ mit diesem, dem Untergang bestimmten Gerümpel . ." (S. 745.) „Die größte Weltmacht der Erde (England) und ein jugendlicher Nationalstaat (Deutschland) würden für Und Gottes heil'ge Diener flohen vor den Schergen Und ließen frevlerisch die Sendung unerfüllt?! Propheten, die für Gott nicht stolz zu sterben wagen, Den anvertrauten Schatz der Wahrheit unterschlagen? Owadja (zitternd, verwirrt, gebeugt): Gar furchtbar bist du, Herr, und über uns erhaben. Doch Menschenkinder, schwach und winzig, sind wir andern. Dein Feuer loht so stark, es drückt dein Zorn uns nieder. Erbarme dich der Pein, die wir jetzt alle dulden! In dir ist milder Geist . . . Elias: Ein milder Geist in mir? Mich drängt des Ewigen Geist, ein scharf geschliffnes Schwert! Der Wahrheit Fackel brennt in meinen Eingeweiden! Mein Glaube ist: den Ketzern rettungslos Verderben! Ich kenn' Erbarmen nicht für Lüg' und Baalsverehrer! Owadja: Der jungen Kinder, Herr, gedenk', die schuldlos leiden, Die durch die Gassen irr'n in ihren Hungers Qualen, Und Brosamen im Mist zur Nahrung gierig suchen. 0, rette, heil'ger Mann, so vieler Menschen Leben! Elias: Wie? Müssen sie denn leben? Wem nützt ihr leeres Dasein? Des Menschen Sein ist wertlos, wenn's nicht Gott gehört. Owadja: Doch gab ja Gott dies Leben, erfüllt von Pein und Not.

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