Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 19 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 19 — 1. Mai 1936 Seite I Wirtschaftskrise in Palästina. Von einem Kenner der Verhältnisse. Die Splendid Isolation Palästinas als einei wirtschaftlichen Oase in der Wüste der Weltkrise hat nunmehr das längst vorauszusehende Ende er- .reicht. Vergebens bemühen sich die Zionisten, diese Tatsache zu verschleiern, die für sie nicht bloß eine an sich peinliche Störung der politischen Reklame bedeutet, sondern ihnen auch noch die besonders unangenehme Enthüllung beschert, daß die krisenhafte Wendung im Heiligen Lande just als Folge der Erfüllung eines der in den letzten Jahren stets am eifrigsten gehegten jüdischnationalen Wunschtraumes eintrat. Dieser Traum galt der Verbilligung des Bodens, der infolge katastrophalen Versagens des jüdischen Nationalfonds bei seiner Aufgabe, die Bodenspekulation zu verhindern, schon gigantische Preise erreicht hatte, übrigens eine ganz natürliche Folge der jähen Ueberflutung des Landes durch eine gewaltige Einwanderungsflut. Die Immigranten brauchten Wohnungen, die Bautätigkeit wurde forciert und außer den Bodenpreisen stiegen auch die Löhne der Bauarbeiter, deren durchschnittliches Einkommen schließlich das Gehalt eines mittleren Beamten mit akademischer Bildung überragte. Diese brutale Ausnützung der Konjunktur verursachte in den letzten Jahren eine Ueberspannung der Kapitalkraft. Statt des immer rarer werdenden Bargelds wurden Wechsel ausgegeben und dank dem Entgegenkommen kleiner und kleinsten Banken erreichte diese Schuldenwirtschaft einen solchen Umfang, daß schließlich sogar die Bezahlung der Arbeiter in Wechseln erfolgte. In diesem Zeitpunkt wirkte sich das plötzliche Sinken der Bodenpreise, deren Höhe die Grundlage des zweifelhaften Kreditgeschäftes gebildet hatte, katastrophal aus. Kaum durcheilte das Land die Kunde, daß die arabischen Nationalisten bei der Regierung ein Bodenverkaufsgesetz durchgesetzt hätten, da trat plötzlich ein so enormes Angebot von Grundstücken ein, deren Besitzer noch rasch vor Inkrafttreten des Gesetzes ihre unbewegliche Habe zu Geld zu machen streben, daß ein rapides Fallen der Bodenpreise die unvermeidliche Folge war. So verhalf pikanterweise der arabische Nationalismus dem jüdischen Nationalismus zu einem Erfolg, der sich auf beiden Seiten höchst unerwünscht auswirkt. Während aber die arabischen Heißsporne durch die von ihnen kaum erwarteten Folgen ihres Bodengesetzes nur eine politische Enttäuschung erlebten, geriet auf der jüdischen Seite das Fundament der Wirtschaft ins Wanken. Infolge der Grundstückbaisse verloren die Bauunternehmer zum großen Teil ihre Bankkredite, die weitere Beleihung wird infolge der erlittenen Wechselkreditverluste von den Banken teils überhaupt abgelehnt, teils mit bloß 50 Prozent vom verminderten Grundstückswert bewilligt. Private Geldquellen sind kaum mehr zu finden. So kam es zu einer vollendeten Krise im Baugewerbe. Die Bautätigkeit geriet ins Stocken, die Bauarbeiter verloren ihre Beschäftigung. Im Oktober überstieg auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt zum erstenmal die Nachfrage nach Stellen das Angebot. Seitdem ist die Zahl der Beschäftigungslosen in uhgeannFem Maße gestiegen. Denn die Krise machte, einmal ausgebrpphen, nicht im Baugewerbe hält, sondern erhielt bloß, wie überall auf der Welt, von da ihren kräftigsten Impuls. Und dieser muß sich in Palästina um so verheerender kundtun, als es dort der übrigen Wirtschaft des ^Landes leider nicht an Krankheitskeimen mangelt. Die Industrie leidet an Mangel von Absatzmöglichkeiten. Von den 300.000 Juden in Palästina bestehen ein Fünftel aus über 60 Jahre alten Dreisen, zwei Fünftel aus Kindern unter 15 Jahren. Den Rest bilden in der überwiegenden Mehrheit Arbeitnehmer, deren Kaufkraft von der Höhe ihrer Es ist schon lange bekannt, daß Mund und Rachen am leichtesten Infektionen ausgesetzt, sind und geradehin die Eingangspforte für Krankheiten verschiedener Art bilden. Es ist daher wichtig. Mund und "Rachen richtig zu pflegen. Spulen Sie Mund- und'RächenHöhle, morgens und abends, möglichst auch nach dqm Essen mit ODOL. Sie nÖimep' a$f ein knappes halbes Qlas' Wasser drei b'ij fünf. Tropfen ODQL. Bei uripjjegefähr mit beginnender Infektion des Rachens; könrien Sie' diese Dosis zweckmäßig erhöhen. QDPL ist das ideale Moindtflegemittel,' das mit seiner aoti^ßt&fteji und keimtötenden Kraft in die verborgensten Winkel der Mundhöhle eindringt und Qärurigs-" und Fäulnisvorgänge verhindert. Wer ODOL täglich gebraucht schützt seine <38s«fiäheit" " Löhne abhängt. Die Gewerkschaft „Histadruth" sucht daher mit allen Mitteln die jüdischen Löhne möglichst hoch zu halten, verringert aber gerade dadurch die Konkurrenzfähigkeit der palästinensischen Industrie im Ausland. Die jüdische Landwirtschaft hat bloß in der Orangenzucht Erfolge aufzuweisen, da sie auf diesem Gebiet sogar die Konkurrenz Italiens zu schlagen vermochte. Heuer haben aber heftige Winterstürme ein Zehntel aller Früchte vernichtet. Doch auch der Rest erwies sich durch das Ausbleiben von Aufträgen — besonders Kanada brachte in dieser Hinsicht eine große Enttäuschung — als derart unrentabel, daß viele Farmer ihre Frucht ungepflückt auf dem Aste verderben ließen. Dadurch erlitt auch die Hoffnung der städtischen Arbeitslosen auf Beschäftigung bei der Erntearbeit Schiffbruch. Der Fremdenverkehr erfuhr durch die Absage der Purim-Veranstaltungen in Tel-Aviv, die offiziell wegen der Leiden der Juden in der „Galuth", in Wirklichkeit aber mit Rücksicht auf die Spannung zwischen Juden und Arabern in Palästina erfolgte, schwere Einbuße. Diese Spannung ist aber nicht bloß rein politisch gefährlich, soviel Geld Hitler auch den arabischen Führern zur Schürung des nationalen Hasses zuführt, sondern sie ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht gegeben, da die arabischen Ar- MÖBEL Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzlmmer- F. KOMM, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. beiter bis zu 90 Prozent billiger sind als die jüdischen. Die jüdische Gewerkschaft hatte deshalb schon in der Zeit.der Hochkonjunktur Mühe, den jüdischen Unternehmern unter Streik- und Boykottandrohung die Beschäftigung jüdischer Arbeiter aufzuzwingen. In Zeiten der Lahmlegung aller Unternehmungen durch die Wirtschaftsnot erweist sich jeder von den Arbeitern ausgeübte Druck als wirkungslos. Nun würde die Einstellung arabischer Arbeiter zwar ein billigeres Erzeugen ermöglichen. Wer aber soll die Erzeugnisse kaufen, wenn die jüdische Bevölkerung in immer höherem Prozentsatz arbeits- und existenzlos wird? Wie man sieht, leidet der jüdische Palästina- Aufbau — abgesehen von den tief bedauerlichen politischen Erschütterungen — auch unter schwierigen wirtschaftlichen Problemen. Die Union zur Allgemeinen Dienstpflicht Das Exekutivkomitee der „Union österreichischer Juden" sieht sich angesichts der lebhaften Zustimmung, die das kürzlich im österreichischen Bundestag einstimmig angenommene Gesetz Uber die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in den Kreisen der Mitglieder der „Union" ausgelöst hat, veranlaßt, auch seinerseits seiner Freude über diese kraftvolle Aeußeruhg des staatlichen DaseinswiHens und des wiedererwachten Selbstvertrauens unseres Bundesstaates Ausdruck zu geben. Zu den verfassungsmäßigen Rechten, die gleich allen übrigen Bundesbürgern auch die österreichischen Juden in diesem Staate genießen, tritt nun eine gleich ernste wie schöne Pflicht, die auch von den in der „Union" vereinigten österreichischen Juden rückhaltslos begrüßt wird. Die Einführung der allgemeinen Bundesdienstpflicht beweist den Willen, fortzuschreiten auf der Bahn der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Konsolidierung und den unbeugsäinen 'Entschluß zur Verteidigung der staatlichen Unabhängigkeit. Die „Union österreichischer Juden" begoßt diesen Fortschritt zur Vollendung des ron dem Märtyrerkanzler Dr. Dollfuß geschaffenen Werkes, an dem nach besten Kräften mitzuarbeiten Wunsch und Wille der vaterländisch gesinnten österreiciusefaen Judenschaft ist Scbrafickonil von Grüften und Oräbern LeopoldOBUtschJienXl. einzige jüdische Gärtnert! beim Zentraliriedhoi I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Die englische Judenheit gegen den jüdischen Weltkongreß. Der Board of Deputies of British J e w s befaßte sich in einer soeben abgehaltenen Sitzung mit der an ihn seitens der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß ergangenen Einladung, sich am Weltkongreß zu beteiligen, und beschloß mit 105 gegen 81 Stimmen, dieser Einladung nicht Folge zu leisten. Die Entschließung erfolgte nach langer Debatte, in deren Verlauf der Präsident des Board, Neville Laski, den Kongrcßplan scharf kritisierte und sagte: Gibt es Lösungen, so bedarf es nicht eines Kongresses, um sie in die Wege zu leiten. Es existieren bereits Organisationen, die sich mit den Problemen befassen, die auf der Kongreß-Tagesordnung stehen. Oder wird gar der Kongreß, der wirtschaftliche und Wanderungsprobleme behandeln will, den Anspruch erheben, die Kontrolle über die Gelder der Jewish Colonization (ICA) und andere Organisationen zu erlangen? Das zu glauben, wäre Verblendung. Die gleichen Ansichten vertraten der Vizepräsident des Board Sir Robert Waley-Cohen, der Ehrenpräsident des Board Sir Osmond d'Avigdor Goldsmid. Percy Cohen, Lionel Cohen und Rabbi Daiches, die auch noch der Besorgnis Ausdruck gaben, der Weltkongreß könnte die antisemitischen Stimmungen verschärfen, jedenfalls werde er auf Hitler keinen Eindruck machen. Absage an Heidelberg. Die Universität von Witwatersrand lehnte telegraphisch die Einladung zur Teilnahme an der 550-Jahrfeier der Universität Heidelberg mit dem Hinweis auf die Rassepolitik der deutschen Hochschulen ab. SemeindecfiuroTiifz. Vortrae zum 80. Geburtstae Sigmund Freuds. Zu Ehren' Sigmund Freuds, des Schöpiers der Psychoanalyse, der am 8. Mai sein 80. Lebensjahr vollendet, veranstaltet die Volkshochschule Wien Volksheim einen Abend, bei dem der berufene Vertreter der Lehrer des großen Meisters, Prof. Dr. Fritz Redl, einen Vortrag über das Lebenswerk Sigmund Freuds halten wird. Der Vortrag findet Mittwoch, den 6. Mai, um 20 Uhr, hn großen Saal der Volkshochschule. XVI., Ludo-Hartmann- Platz 7, statt Eintrittspreis 30 g, für Arbeitslose 10 g. 75. Geburtstag. Im Kreise seiner Familie feiert Kommerzialrat Gustav S t ö ß 1 e r dieser Tage seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar hat ein arbeits- und erfolgreiches Leben hinter sich und wenn er sich auch schon in den letzten Jahren aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hat, so erfreut er sich noch immer voller körperlicher und geistiger Frische und der Rat des erfahrenen Mannes wird von seinen Freunden immer wieder gerne eingeholt, zu denen insbesondere die „Union österreichischer Juden" zählt, in deren Zentralvorstand er bis vor einiger Zeit eifrig tätig war. Seine jungen Jahre verbrachte Stößler in Poleschoyfe in Mähren, wo er dreißig Jahre als protokollierter Kaufmann und Landwirt im öffentlichen Leben eine grote Int Cafe-Restaurant „Fetzer" an der Schwedeabrücke (Besitzer: Weiß & Fröhlich) hat der bekannte Cafetier Herr Max Rechtschaffen die Geschäftsführung übernommen. Auch auf diesem Wege ergeht an alle Freunde und Gönner des auf Grund seiner bisherigen Tätigkeit allseits beliebten Herrn Max Rechtschaffen die höfl. Bitte, das nun unter seiner Geschäftsführung stehende Cafe-Restaurant „F e t z e f recht zahlreich zu besuchen. Die ausgezeichnete Küche, der bekannt gute Kaffee und die zivilen Preise werden allen Besuchern neuerlich die Erstklassigkeit dieses gut bürgerlichen Cafe-Restaurant» dokumentieren.