Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-05-01 · Heft 19 (1.5.1936) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 19 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064624--20657-3085925
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 19—1. Mai 1936 Seite 5 Sbrcndhjdtügt ' sckoit ItotUcLaX Sorela sparsam Soromswäum düOMM, ranutdtäßah die zionistische Fahne zu rufen. Der Zionismus ist — keine Partei, der Zionismus (zu lesen: jüdischer Nationalismus) hat die Aufgabe und die Bestimmung, das ganze Judentum zu erfassen. Was außerhalb des Zionismus (der Jüdischnationalen) steht, hat nur ephemere Bedeutung, das mag im Rahmen der Tagesgeschichte auch interessant sein, aber für Ewigkeitswert kämpft der Zionismus (zu lesen: jüdischer Nationalismus)". Der Herr Amtsdirektor Dr. Löwenherz kämpft also weiter als Führer mit, gegen die sogenannten Assimilanten, gegen die nicht der jüdischnationalen Partei angehörigen in Wien lebenden Juden. Er geht in seinem Fanatismus so weit, daß er, von dem Nationalsozialisten den Begriff „Gleichschaltung" übernehmend, auch innerhalb der Judenschaft gleichschaltet, indem er als einzig berufene jüdische Seligkeitsidee den Nationalismus hinstellt. Er spielt sich also zum objektiven Beamten der Kultusgemeinde auf und mißbraucht dieses Amt für politische Parteizwecke. Wie lange werden sich die Wiener Juden, die nicht auf jüdischnationalem Programm stehen, diese Hetze innerhalb der Kultusgemeinde durch den Herrn Amtsdirektor noch gefallen lassen? Es wird und es muß sich ein Sturm der Entrüstung innerhalb der ganzen österreichischen Judenschiaft erheben, wenn sie sieht, in welcher Weise die öffentlichen Mittel für die Propaganda für die jüdischnatinale Partei mißbraucht werden. Schließlich kam der gefeierte Dr. Ehrlich selbt zu Wort, dessen „noblen Charakter'" Herr Oberbaurat Robert Stricker, der fromme Vizepräsident der Kultusgemeinde, der für die Pessachzeit in-seinem Blatte „das gute Bier des Reichenberger Beisels" anpreist, hervorgehoben hatte. Von dem Geistie des „Noblesse oblige" war in seiner Rede wahrlich nichts zu bemerken. Auch er sprach wie sein Freund Dr. Löwenherz vom „ephemeren Charakter" der meisten jüdischen Bewegungen außerhalb des Zionismus. Das sollte wohl, wenn wir recht verstehen, wieder ein Hieb auf die Assimilation und vielleicht auch auf die Frontkämpferbewegung sein. Davon, daß die jüdischnationalen Führer und ihre Gefolgschaft ihre ganz'e| wirtschaftliche, soziale und den allergrößten Teil ihrer kulturellen Existenz der geschmähten und verlästerten Assimilation verdanken, davon wollen die noblen Herren nichts wissen. Vielleicht ist nach ihrer Ansicht die Dankbarkeit kein nobles Gefühl. Wir haben schon wiederholt hervorgehoben, daß aus dem jüdischnationalen Wörterbuch seit neuester Zeit das Wort, aber wahrlich nicht der Begriff jüdischer Nationalismus und politischer Zionismus verschwunden ist. Der Zionismus als solcher wird mit dem nationalen und politischen Zionismus identifiziert und einfach nur vom Zionismus schlechtweg gesprochen. Dies vorausgeschickt, wird man gleich merken, welchen Braten der jüdischnationale Zionismus verschlucken will, wenn Dr. Ehrlich die Frage aufwirft, „wie wir uns außerhalb der zionistischen Organisation zu verhalten haben." Also zum Beispiel in der Kultusgemeinde oder in den Fragen der politischen Rechte der jüdischen Oesterreicher. Und Doktor Ehrlich antwortet: „Der Zionist, der diesen Namen verdient, wird, wenn solche Fragen an ihn herantreten, nie schwankend werden auf dem Weg, der ihm durch die zionistische (lies: jüdischnationalö) Gesinnung eindeutig vorgeschrieben ist" Und wenn man auch das Wort jüdischer Nationalismus ängstlich meidet, die Definition, die vom Zionismus durch Dr. Ehrlich gegeben wird, spricht klar und deutlich aus, was gemeint ist. „Der Zionismus ist der Gedanke der Einheit und Zusammenfassung des jüdischen Volkes." Nach dieser Auffassung sind also die jüdischen Oesterreicher wie die jüdischen Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener usw., n^cht mehr Teile des österreichischen^ amerikanischen, englischen, französischen und italienischen Volkes, sondern ein in der Fremde lebende Teil des jüdische« V o 1 k e s. Auf dieser Plattform gibt es keine Eiin> gimg mit uns. Unser aufrichtiges und ehrliches Bekenntnis zur jüdischen Religion und zum östet* reichischen Volke wird niemals abgelöst werden durch das angeblich zionistische Bekenntnis zur Einheit und Zusammenfassung des jüdischen Volkes. Der Mann mit dem noblen Charakter spricht dann von Verrätern. Das sind wohl diejenigen, die in anderen jüdischen Organisationen nicht seiner Meinung sind, gleichgültig ob diese Organisation „Bund jüdischer Frontsoldaten" oder „Union österreichischer Juden" heißt. Wir erleben die Genugtuung, daß der Versuch des „Bundes jüdischer Frontsoldaten", eine gemeinsame Plattform der österreichischen Juden herbeizuführen, an dem überheblichen Nein der Jüdischnational ^n scheitert, bevor die „Union" zu dieser Frage Stellung genommen hat. Es Ist ganz so, wie wir es vorhergesagt haben. Die Methoden der Jüdischnationalen gleichen denen der Nationalsozialisten aufs Haar, Unterdrückung jedes selbständigen Gedankens, Vergewaltigung der Minorität, rücksichtslose Parteiherrschaft und Parteidisziplin, Freunderhvirtschaft, Kampf um die Totalität mit allen Mitteln. Pension BienDonn Da« Trcnfsain-Teplltz, Tsdietfioslowahel. Herrlichste Lage am sonnigen Kurpark, Zimmer mit fließendem Wasser. Preiswerte, streng rituelle, allerbeste Verköstigung. Vollständige Verpflegung einschließlich Logis, Kurtaxe, ärztliche Behandlung und Heilbäder zum Qesamtpreise von Kc. 65.— für den Tag. Nähere Auskünfte erteilt bereitwilligst Jafcob DlermaaD, Trentsdün-Tepilfz Wien geschützt zu finden hoffen. Aber wenn „Die Wahrheit" dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem provisorischen Amtsdirektor die Maske vom Gesicht reißt und wenn dem Herrn Dr. Ehrlich die Unwahrheit und Entstellung seiner Budgetrede in der Oeffentlichkeit widerlegt werden, so ist das ein die höchste Sühne heischendes Verbrechen, da kann man Selbsthilfe üben, sich selbst den Richter machen, der „Wahrheit" die Subvention entziehen und außerdem zum Kadi laufen. Wenn das Wohl und Ansehen der ganzen Gemeinde auf dem Spiel steht, da ist es „ein Verrat der Einheit", wenn man den gesetzlich vorgeschriebenen Verwaltungsapparat und Instanzenzug in Bewegung setzt. Wenn aber die persönlichen Empfindlichkeiten der Führer in Betracht kommen, dann ist es gebotene Ab 4. MAI TicnnAis tabak, i,salines ar.s Olle Preise HCl reduziert f Original englische und französische D a m e n - und Herrenstoffe „Wir haben wohl die Mehrheit in der jüdischen Gemeinde von Wien (lies: jüdische Volksgemeinde.) erobert, aber unser Besitz muß befestigt werden", ruft Dr. Ehrlich aus. Die elf unionistischen Kultusvorsteher, die ihre Mandate zurückgelegt haben, um von der Israelitischen Kultusgemeinde die Schmach der Bestellung des jüdischnationalen Parteiführers und ehrenämtlichen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde zum bezahlten Ersten Beamten und Amtsdirektor, der seine Beamtenpflicht ohne Ansehen der Partei zu führen verpflichtet ist, abzuwenden, habe nur einen „nichtigen Anlaß" gehabt. Die Wahrung der Ehre und Würde der Wiener Judenschaft, die durch die Reinheit der Kultusgemeinde repräsentiert wird, ist dem neuen Vizepräsidenten der Gemeinde nur ein nichtiger Anlaß. Die Erfüllung der Gebote des politischen Anstandes vor der Oeffentlichkeit unserer christlichen und jüdischen Mitbürger sind ihm Hekuba. „Die Verräter der jüdischen Einheit" sind die Unionisten, die ihre leider von Glaubensgenossen bedrohten Rechte von den zuständigen Behörden, von dem gesetzlich berufenen obersten Chef des Magistrates, beim Bürgermeister von Selbstverständlichkeit, den Stnafrichter um Hilfe anzugehen. Die Jüdischnationalen haben eben zweierlei Maße in ihrer politischen Werkstatt. ..Sie sehen den Splitter im Auge des Nächsten, aber nicht die Balken in den eigenen Augen." Auf die zum Schlüsse von Dr. Ehrlich in Aussich gestellte zionistische Einigung sind wir wirklich neugierig. Das glauben wir schon gerne, daß die Allgemeinen Zionisten und die Judenstaatspartei wegen der Flucht ihrer Anhänger sich um eine solche Einheitsfront bemühen. Den Revisionisten möchte man gerne seinen Dank abstatten für ihre konnivente Hältung anläßlich des schmachvollen Handels zwischen Judenstaatspartei und Allgemeinen Zionisten in causa Löwenherz, den Austausch des Vizepräsidentenpostens gegen den Amtsdirektorposten. Aber kann man Binjan Haarez, die extrem demokratische Partei, und die Revisionisten, die Faschisten des Zionismus, unter einen Hut bringen? Wenn das geschehen kann, sollte es vor allem in Palästina selbst geschehen, wo es weit wichtiger ist als in Oesterreich. Hier gibt es nur eine Plattform: Die jüdische Religion und unser Vaterland Oesterreich. Die Lage in Palästina. Die Lage in Palästina am Beginn der Woche wird einerseits dadurch charakterisiert, daß in verschiedenen Distrikten des Landes die arabischen Landwirte jüdische Kolonien besuchten und den Juden ihr Bedauern über die Unruhen in den Städten sowie die Hoffnung ausdrückten, daß in Zukunft Friede zwischen Juden und Arabern herrschen wird, daß aber andererseits von bestimmten arabischen Gruppen Brandstiftungen und Bombenanschläge fortgesetzt werden. In der Nacht zum Montag wurde die Ernte in der Kolonie Tel Adaschim in der Nähe von Nazareth sowie in Shita in Brand gesteckt. Die Lage in den Städten hafsich weiterhin beruhigt. In Tel Aviv haben die Polizeibehörden den aus den Vorstädten in die innere Stadt geflüchteten Juden mitgeteilt, daß sie nun wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können. In den arabischen Vierteln Jerusalems ruht der Verkehr in den Straßen zum Teil infolge des Streiks, die meisten Läden sind geschlossen. In der Altstadt von Jerusalem wurde in einem jüdischen Restaurant Feuer gelegt. In Tel Joseph wurde die Wasserstation in Brand gesteckt. Der Dichter Schalom Asch wollte am Montag auf seiner Palästinafahrt auch die Stadt Nazareth, die fast nur von christlichen Arabern bewohnt wird, besuchen. Während er in der Stadt weilte, wurde sein Auto von Arabern mit Steinen 'beworfen. Die Polizei schritt ein und befreite den Dichter aus seiner g etährlichen Lage und sorgte auch für seine weitere Sicherheit. Schalom Asch blieb unverletzt. Der arabische Generalstreik hat einige Fortschritte gemacht. Die Mehrzahl der arabischen Schulen ist geschlossen, das arabische Geschättsleben ruht zum Teil. Die Führer der arabischen Parteien beschlossen, außerordentliche Maßnahmen zu einer konsequenten Durchführung des Sreikes zu treffen. Die Führer konstituierten sich zu einem nationalen Ausschuß und Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.