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Die Wahrheit · 1936-05-01 · Heft 19 (1.5.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 19 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 19 — 1. Mai 1936 DIE WAHRHEIT DIE V Antisemit Czermak, ein Sehwärmer für jüdischnationale Politik, Es kann den Jüdischnationalen wahrlich nichts Peinlicheres und uns „Assimilanten" im Grunde genommen nichts Sympathischeres passieren, als wenn ein so kernfester, überzeugter Antisemit wie der ehemalige Unterrichtsminister und gegenwärtige Präsident des Niederösterreichischen Ländesschulrates, der Verfechter der selig entschlafenen Studentenschaftsordnung und der Mitverfasser der „Ordnung in der Judenfrage" Herr Dr. Czermak wieder einmal auf die Bühne der Oeffentlichkeit tritt und das hohe Lied der Losung der Judenfrage durch die jüdischnationale Ghetto- und Palästinapolitik anstimmt. Wir „Assimilanten" waren begreiflicherweise zu der am Dienstag Abend in die Volkshalle des Wiener Rathauses einberufenen 1. Delegiertenversammlung der christlichen Volksvereine Wiens nicht eingeladen und können uns daher nur lauf die kurze Wiedergabe der Ausführungen Czermaks über das „Judenproblem" in der „Reichspost" vom 29. April beziehen. Wer das liest, muß wirklich beinahe Mitleid mit den i n Wien residierenden jüdischnationalen Führern empfinden. Auf gut wienerisch gesagt, ist die Rede Czermaks nichts anderes als eine saftige Frozzelei der Jüdischnationalen und wir würden, auf gut jüdisch gesagt, lachen, ..wenn DER umON-FRAUEN.KtUB veranstaltet DONNERSTAG, DEN 7. MAI, PUNKT Vi 5 UHR eine MODESCHAU MIT ANSCHLIESSENDEM BRIDGE in den Klubräumen, Schottenring 25, rechte Stiege. Regiebeitrag 50 Grosdien, Bridgespieler freies Entree. Gäste willkommen. der Narr nicht mein wäre; uns ist aber alles, nur nicht zum Lachen". Denn das lärmende Geschrei, das Getue und die Mache der Jüdischnationalen auf der einen Seite und die vornehme, durch das Interesse der Allgemeinheit bedingte Zurückhaltung der österreichischen Judens c n a f t scheinen die antisemitischen Führer der verschiedenen Schattierungen zu dem Versuche zu verleiten, sich über die wahre Willen smeinungen der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Juden hinwegzusetzen und das Auswanderungs- und Ghettoprpg r a m m der Jüdischnationalen als Plattform für die Auseinandersetzung zwischen Juden und Nichtjuden innerhalb Oesterreichs zu propagieren. Dieser Versuch von Antisemiten muß scheitern, weil er den Lebensinteressen Oesterreichs widerspricht. Unseren Jüdisch nationalen aber, deren politische, kulturelle und soziale Einstellung in Palästina Minister Czermak zum Vorbild für die „Behandlung" "der Juden in Oesterreich betrachtet sehen will, rufen wir in Erinnerung, daß eben jene von ihnen immer wieder falsch zitierte und interpretierte Balfourdeklaration, die die immer morscher werdende Grundlage ihrer Palästinapolitik bildet, — inVbraussicht der damit heraufbeschworenen Gefahren für die Juden in ihren angestammten Heimatsländern — ausdrücklich und feierlich erklärt, daß im. Zusammenhang mit der Palästina-Siedlung für 'heimatlose Juden nichts geschehen dürfe, was in irgend einer Weise geeignet wäre, die „Rechte und die Stellung der Juden in ihren alten Heimatsländern zu beeinträchtigen ..." Dr. Czermak kam nach dem Berichte der „Reichspost" auch auf das .eigenartige Echo zu sprechen, das in inländischen Zeitungen, aber auch in der Weltpresse des Auslandes .Vorträge und Reden über das Judenproblem gefunden haben, protestierte energisch gegen die Entstellungen und Mißdeutungen dess Vortrages von P. Bichlmai r sowie gegen die Art, wie auf die Reden des Staatsrates Kunschak und des 'Vizebürgermeisters DrV "Kresse reagiert wurde, verwies auf den aggressiven Tan gewisser jüdischer Blätter und sagte, es sei unbillig, für eine Minderheit Mehrheitsrechte in Anspruch zu nehmen. „Wir wollen," sagte der Redner, „die Jfuden nicht angreifen und in ihren eigenen jüdischen Angelegenheiten beschränken; im Gegenteil, wir wollen ihnen gerne in jüdischen Dingen mehr Rechte, weitergehende Autonomie geben, als sie derzeit besitzen. Wir wollen aber die leider so häufig wahrgenommene Gelegenheit, in unsere christlichen Dinge, die uns wichtig und heilig sind, dreinzureden, nach Möglichkeit beseitigen. Der freudige Kampfgeist, den insbesondere ' die Juden Palästinas betätigen, das heiße Streben nach Gewinnung eines durch und durch jüdischen, vom j ü d ischon Geiste erfüllten Staates wird von uns sehr wohl v er stände JLüWir verstehen es auch, daß die Juden in Palästina die Unterbietung der Preise, bzw. der Löhne, durch Araber als Störung betrachten, daß sie in allen Berufen den ihnen gebührenden Pro- Bücher bei der Wien f., Ffanz-Josofs-Kal 7 -+ Neue Büdier beiter Autoren tu tief reduzierten Preisen + Katalog gratis zentsatz verlangen, daß sie Grund und Boden an sich bringen, daß sie Handel und Wandel beherrschen wollen. Wir nehmen es ihnen nicht übel, daß sie in ihrem Staat die Minderheit als Minderheit behandeln wollen, wir nehmen gerne zur Kenntnis, daß sie den palästinensischen Minderheiten seinerzeit weitgehende Freiheiten, zum Beispiel den Katholiken im Schulwesen und an den heiligen Stätten, garantieren. Das gleiche muß aber auch für uns in Oesterreich gelte h." in Ein „ihrenabend der Jüdischnationalen. Während die mehr als 20 jüdischen Todesopfer des arabischen Nationalismus in Jaffa und Tel-Awiv auf der Bahre lagen, während die noch viel größere Zahl jüdischer Verwundeter in Schmerzen sich wand, hat die austro-zionistische Organisation der Jüdischnationalen es für richtig und zeitgemäß angesehen, „im blau-weiß dekorierten Saale" des Hotel Continental „in schlichter Weise", aber doch eine Feier abzuhalten, um Herrn Dr. Jakob Ehrlich für seine Verdienste um den jüdischnationalen und politischen Zionismus das Diplom über die Eintragung seines Namens in das Goldene Buch des Keren Kajemeth zu überreichen. Ueber die Opfer in Palästina verlor man nur wenige Worte, nur eine Minute der Stille war dem Andenken der Gefallenen geweiht. Aber auch diese Minute der Stille wäre nicht verloren gewesen, wenn die „jüdischnationalen Führer", die „wie die Heiligen selbstlös und aufopfernd sind, (siehe z. B. Doktor Löwenherz, D. Red.) wie die Denker, die .mit' den gegebenen Tatsachen und Verhältnissen rechnen, wie die Propheten, die trösten, und doch wie die Realpolitiker, die in der Gegenwart stehen und in die Zukunft und in das Endziel blicken", sie dazu benützt hätten, um ihr Gewissen zu befragen, ob sie freizusprechen sind von jeder Schuld an diesen fürchterlichen Ereignissen, die nationale und politische Ueberreiztheit hervorgerufen hat. Wäre der Zionismus, so wie er von den vielen Millionen seiner Anhänger, zu denen auch wir uns zählen, gedacht wird, im Rahmen seiner charitativen, religiösen und wirtschaftlichen Aufgaben geblieben, wäre er nicht zu dem phantastischen Ziel mißbraucht worden, in Palästina einen nationalen souveränen Judenstaat zu einrichten, wahrscheinlich wäre die erste Bedingung des Wiederaufbaus Palästinas, d. i. die dauernde Freundschaft mit den Arabern in Palästina und das gegenseitige Vertrauen, erreicht worden, deren Erfüllung allein die Gewähr für eine stetige und friedliche Entwicklung der jüdischen Ansiedlungen bietet. Aber die nationalen Führer hatten in dieser Minute des Gedenkens an die schuldlosen Opfer des Nationalismus und des Fanatismus was anderes Deno. rraoennellDaa; Tatzmaniisdorii (BnrgenKuid)! Mineral-, Moor- und natürliche Köhlensänresprudelbäder. ■; Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Re-' S staurants.—Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung:! Wien I., Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104 ■ ■ Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in; S allen Apotheken erhältlich. J zu tun, als ihr Gewissen zu prüfen. Sie mußten die Reden vorbereiten, mit denen sie zum Fenster hinaus Angriffe gegen ihre nichtjüdischnational gesinnten Glaubensgenossen in Wien und in Oesterreich richteten. Im jüdischnationalen Zionismus darf es kein anderes Denken geben als das der Führer, da gibt es kein Diskutieren und kein Argumentieren, da haben nur die berühmten Barrierestöcke Platz und der berüchtigte Kadavergehorsam. Man glaubt einen nationalsozialistischen Parteibonzen zu hören, wenn der Vorsitzende des Zionistischen Landesverbandes, Dr. Oskar Grünbaum, sagt: „Es muß daher klargemacht werden, daß in den Fragen der Wahlen in die jüdische Gemeinde die von der zionistischen Organisation ausgegebenen Parolen bedingungslos zu befolgen sind. Hier gibt es kein Einerseits-Anderseits, sondern nur ein Entweder-Ode r." LUDWIG HARDT """*""» Samstag, 2. Mai: Heinrich Heine Sonntag; 3. Mai: Franz Kafka Montag, 4. Mai: Peter Altenberg Freitag, 8. Mai: Aus der Bibel und biblische Geschichten im Jüdischen Kulturtheater, I., Kai 3, Tel. R 28-2-36 Karten von 1 — 4 Schilling „Dunkel war der Rede Sinn", die der Herr Oberrabbiner, wenigstens nach dem Bericht der „Stimme", in dieser Festversammlung hielt. Der Respekt vor seinem Amt und seiner Person - hält uns davon ab, unsere Bemerkungen hiezu öffentlich zu machen. Es ist das gute Recht der im politischen Parteileben stehenden nationalen Juden, bei jeder Gelegenheit politische Reden zu halten. Mit diesen politischen Aeußerungen sich zu befassen, sie zu bekämpfen, wird unsere Sache sein. Ein Mann, der aber unserer Meinung nach kein Recht hat, in der Oeffentlichkeit politische Reden zu halten, ist der provisorische Amtsdirektor der Kultusgemeinde Dr. Löweuherz. Wir haben wiederholt der Oeffentlichkeit mitgeteilt, daß vor seiner Bestellung zum Amtsdirektior Herr Dr. Löwenherz bei prominenten Mandataren der „Union" erschienen ist und ihnen die feierliche Erklärung abgegeben hat, daß er den Parteirock in dem Momente ablegen werde, wo er Amtsdirektor der Kultusgemeihde wird. Wir haben dieser Heuchelei nie getraut. Wir haben immer wieder behauptet, daß es für Dr. Löwenherz einfach unmöglich ist, von einem Tag auf den anderen aus einem Parteimann zu einem objektiven Beamten der Kultusgemeinde zu werden. Die Rede, die Dr. Löwenherz bei der „machtvollen zionistischen Demonstration" gehalten hat, hat uns den Beweis dafür erbracht, daß er sein Versprechen nicht gehalten hat, daß wir aber mit unserer Feststellung recht hatten, daß er niemals aufhören wird, auch als Amtsdirektor Führer und Einpeitscher der Partei, der er angehört, zu bleiben, vor allem schon •aus dem Grunde, weil er, wie der Vizepräsident der Kultusgemeinde Oberbaurat Stricker erklärt hat, dazu berufen ist, der Wahlmacher der Jüdischnationalen unter der Maske des objektiven A.mtsdirektors zu sein. Dr.. Löwenherz ist der erste Amtsdirektor, der es gewagt hat, sich öffentlich mit politischen Parteien auseinanderzusetzen, indem er sich in den Kampf um die Kultusgemeinde eingemischt hat Er erklärt, daß der Zionismus (zu lesen: jüdischer Nationalismus!) auch in dem bevorstehenden" Kampfe wieder seine Kraft zeigen wird. „An uns liegt es", so schreit der Amtsdirektor, „die jüdischen Menschen dieser Stadt Wien unter

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