Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 19 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 19 — 1. Mai 1936 Seite In Wahrheit gibt es in Oesterreich wie in allen jenen Ländern, die aus starken christlichen Kulturkräften leben, eine Judenfrage im eigentlichen Sinne überhaupt nicht. Es gibt nur einen Antisemitismus, der zum großen Teil einen Kampf gegen Windmühlen führt . . . ." In einem „Unordnung in der Judenfrage" betitelten Aufsatz rechnet Dr. 0. M. Karpfen mit dem Vortrag des Herrn P. Bichlmaier suaviter in modo, iortiter in re ab und trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt, daß „der Vortrag des hochwürdigen Herrn P. Georg Bichlmair S. J. von verschiedener Seite zum Anlaß genommen wurde, antisemitische Gedanken und Instinkte, die bisher nur im Verborgenen geblüht hatten, laut und überlaut zu Gehör zu bringen. Begreiflich, daß sich der Wiener Juden, denen bisher nur die seelsorgerische Aufmerksamkeit P. Bichlmairs gegolten hatte, eine gewisse Erregung bemächtigte. Nicht ganz unbegreiflich, daß die Entgegnungen von jüdischer Seite P. Bichlmair des Antisemitismus beschuldigten . . . ." Dr. Karpfen unternimmt es, den angesehenen Kanzelredner und Gelehrten gegen diese Anschuldigung zu verteidigen, indem er darlegt, daß sicli P. Bichlmaier durch eine antisemitische Einstellung in einen widerspruchsvollen Gegensatz zu seiner bisherigen Haltung gesetzt hätte. Es liegt sicherlich ein Widerspruch darin, wenn, wie Dr. Karpfen schreibt, „P. Bichlmair allerlei Maßregeln gegen den vordringlichen Einfluß des Judentums erwog und hiebei Vorschläge, die gelegentlich an die Gesetzgebung eines Nachbarlandes erinnerten, erstattete, aber dabei sicher nicht vergaß, daß er selbst bei der Einweihung des neuen Heimes des Pauluswerkes am 13. Februar 1936, also nur 35 Tage vor seinem angeblich antisemitischen Vortrag, als sein Ziel angegeben hatte, ,das Gegenteil dessen zu machen, was draußen geschieht'." . . .„P. Bichlmair erhob zwar gegen die Juden und gegen den jüdischen Volkscharakter eine Reihe von Pauschalbeschuldigungen", aber Dr. Karpfen fragt, ob diese Aeußerungen auch wirklich antisemitisch gemeint sein konnten, da P. Bichlmair zu gut wisse, daß solche populäre Pauschalbeschuldigungen gewöhnlich Ausgeburten eines Massenwahnes sind und er sich gewiß erinnere, daß ein solcher Massenwahn sich einst auch gegen den ehrwürdigen und von jedem Katholiken hochgeschätzten Orden gekehrt hat, dem er selbst angehört und daß in dem päpstlichen Breve, mit dem am 21. Juli 1773 die Aufhebung des Jesuitenordens verfügt wurde, dieser Orden der .übermäßigen Vorrechte', der ,Sittenlosigkeit\ der materialistischen „Gier nach irdischen Gütern' und der .Belästigung des Volkes' beschuldigt wird: Vorwürfe, die jeder Katholik heute zurückweisen wird, Vorwürie. die jedoch den gegen die Juden erhobenen Vorwürfen überraschend gleichen Das beste Nachwort zu der im Voranstehenden behandelten Artikelserie schreibt „D e r christliche Ständestaat" unter der Ueberschrift 0dol wltJotr voiAeuoencl Wer ODOL-Mundpflege betreibt, schützt seine Gesundheit. ODOL wirkt vorbeugend gegen Infek Korten, also bei Schnupfen, Halsschmerzen, Grippe und ähnlichen Gefahren. ODOL ist das ideale Mundpflegemittel; deshalb beherzigen Sie den Spruch: HALTE MIT ODOL GESUND — ZÄHNE, MANDELN, HALS UND MUND1 L83 (L83) V__J ist das Kennzeichen für ein weiter vervollkommnetes ODOL, dessen antiseptischs Wirkung in hervorragendem Maße gesteigert worden ist. Bakteriologische und klinische Versuche haben die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der xahnärztllchan und pharmakognostischen Institute der Universität in Wien. jn einer heißt: »Antisemitismus als Blitzableiter" redaktionellen Glosse, worin es u. .....In irgend einer Form iiuden wir Völker, Sekten, Gemeinschaften immer als „Sündenböcke". Allen, die glauben, sich diese Taktik heute aneignen und mit dem christlichen Standpunkt vereinen zu können, und sei es auch nur im Sinne des berühmten „Wind-ausden-Segein-Nehmens". müßte es zu denken geben, das haargenau dieselbe Rolle, die man heute in unerlaubter Simplifizierung und Verallgemeinerung „den Juden" zudenkt, im alten Rom die Christen zu spielen hatten und in vielen stockprotestantischen Gebieten die Katholiken („Jude, Jesuit und Freimaurer") noch zu spielen haben. Es gibt in Oesterreich eine Judenfrage, — ein sehr komplexes soziologisches (keinesfalls rassisches und so, wie es populär gestellt wird, auch durchaus nicht religiöses) Problem, ein Problem, das nicht in irgend einer „Erbmasse" oder ..Rassenanlage" begründet liegt, sondern in einer langen, historischen Entwicklung, in der die Schuld sehr gleichmäßig verteilt ist. Auf diesem Gebiet aber ist jede Generalisierung Demagogie .... Man sollte sich hüten, diese Blitzableitertaktik auch außerhalb Deutschlands und zumal in Oesterreich zu versuchen, Das, was man meint und worauf es ankommt, ist durch die Fragestellung „Jude" oder das Losungswort „gegen die Juden" nicht erschöpft und wenn man die Dinge, um die es z. B. auf sozialem Gebiet heute geht, auf diese Formel bringen will, so vergewaltigt man die Tatsachen und kommt in den Verdacht, daß man einen „Blitzableiter" sucht, weil man ihn eben dringend — braucht. Heute geht es in Oesterreich um die soziale Entscheidung, um nichts anderes. Und in diesem großen Kampt sind die Fronten eben keineswegs durch „Jude" und „Nichtjude" zu bezeichnen und wer es doch tut, ienkt vom wesentlichen ab, schadet also der sozialen Front, — von den außenpolitischen Verwirrungen abgesehen, die dadurch gerade in dieser Frage durch eine groteske Verdrehung von „Freund" und ..Feind" geschaffen werden. Man kann die antisemitischen Instinkte nicht nur dazu verwenden, die Energien der Masse fehlzuleiten und an der Durchsetzung sozialer Forderungen zu verhindern, sondern auch dazu, zu verschleiern, daß man selbst nichts durchgesetzt und erreicht hat. Und wenn man es ernst meint, so kommt man in Gefahr, ganz etwas anderes „abzuleiten" als den Blitz, nämlich die eigenen Energien, und zwar auf ein völlig unfruchtbares Feld, wo sie der wirklichen Gegenwartsaufgabe zum Gaudium derer, die man mit Recht bekämpfen will, nicht mehr dienen können." Moses schlug aber den Weg ein, der zu seiner Frau führte," und nur mit großer Mühe fand er sich zurecht Als er endlich das Zelt seiner Frau erreicht hatte, rief er: „Oeffne Deinem Gemahl Moses!" Die Türe wurde geöffnet, und auch die Frau, als sie bemerkte, wie Trauer auf seinem Angesicht lagerte und wie er am ganzen Körper zitterte, rief ganz entsetzt aus: „Mein Lieber, was ist denn vorgefallen, daß Du so betrübt, so ganz verändert aussiehst? Sind dir die Kamele entlaufen oder hast Du sonst einen Verlust zu beklagen?" Moses erwiderte: „Gott ruft mich und ich fürchte den Tod." „Wäre es möglich", rief die Frau, „daß auch derjenige, der mit Gott gesprochen, das Los der Sterblichen teilen sollte?" „Ja", sagte Moses, „er soll und wird sterben, wie auch Abraham und alle anderen Propheten gestorben sind." Moses fragte dann: „Wo sind unsere Kinder'^**' Die Frau antwortete: „Sie schlafen schon." Da verlangte er stürmisch nach ihnen, und sie Sing weinend an das Lager der Kinder, weckte sie vom Schlaf, faßte sie an den Händen und sprach zu ihnen: „Kommt zum Vater und weint um ihn, denn er wird bald für immer von uns scheiden!" Als die Kinder das verstörte Aussehen des Vaters l'c-merkten, fielen sie aufs Antlitz und begannen bitterlich zu weinen. Da weinte auch Moses und klagte: ..Wehe, wehe, wir müssen von einander scheiden," und auch die Mutter stimmte schluchzend in die Klage ein und rief: „Wehe! Wehe! Wir sehen uns nie wieder!" Und Moses nahm seine Söhne, den jüngeren Elieser auf das rechte und den älteren Gereon auf das linke Knie und segnete sie. Da sprach der jüngere zum älteren Bruder: „Von nun ab, da. der Vater von uns scheidet, werden unsere Feind'e uns fortjagen, und selbst die einst als unsere Fjreunde galten, werden sich nicht scheuen, uns Böses anzutun." Als Moses seine Kinder so reden hörte, begann er aufs neue zu weinen, und auch Himmel und Erde weinten mit ihm. Da sprach der Ewige zu Moses: „Warum weinst Du? Wird Dir die Trennung von der Erde so schwer? Fürchtest Du so sehr den Tod?" „Herr!" erwiderte Moses, „Mein Schwäher Jitro ist tot, auch mein Bruder Aaron ist gestorben, und wenn auch ich nun sterben soll, wer wird sich der Meinen annehmen?" „Siehe," sprach darauf der Ewige, „als Du geboren wurdest und Deine Mutter Jochebeth Dich in ein Schifflem legte und es im Schilf des Nils zurückließ, vergaß ich Dein? War ich es nicht, der Pharao den Mund schloß und im Herzen seiner Tochter Tarmuth die Liebe zu Dir nährte, so daß sie Dich betrachtete, als wärest Du ihr eigen Kind und vierzig Jahre lang Dich beschützte? So richte Dich doch aut, nimm Deinen Stab und spalte den Nil!" Mose tat, wie ihm befohlen ward, und er fand in der Tiefe des Nils einen großen rollenden Stein. Und wieder sprach der Herr: „Spalte auch den Stein!" Da spaltete Moses den Stein und gewahrte in dessen Höhlung ein auf grünem Gras ruhendes Würmchen, und er hörte, wie es sprach: „Gelobt sei der Herr, der mich auch in der Tiefe des Meeres nicht verlassen hat!" Und wiederum sprach Gott zu Moses: „Du hast Dich nun überzeugt, daß ich das Würmchen in der Tiefe des Meeres und in der Höhlung des Steines nicht vxrgessen habe, und Deiner Kinder sollte ich vergessen? O nein! Sie werden, wie das Würmchen, zu mir beten, und mir ein heiliges Unterpfand sein. Nun aber zögere nicht, küsse Deine Kinder und Deine Frau, denn schon nähern sich, die Deine Seele lösen sollen, und nie wieder wirst Du hierher zurückkehren!" Da umarmte ihn seine Frau zum letzten Mal und weinte an seinem Halse. Dann verließ Moses sein Haus, seine Frau und seine Kinder und irrte auf einem ihm unbekannten Weg traurig und mittles dahin. Plötzlich stieß er auf drei stattliche junge Männer, die auf treiem Felde ein Grab höhlten. Er bot ihnen Gottes Frieden zum Gruß und fragte sie, für wen sie das Grab errichteten. Und sie antworteten: „Für einen Mann, der ein Liebling Gottes ist." „Wenn dem so ist." sprach Moses, „so will ich mit Hand anlegen." Als sie bald darauf mit der Arbeit fertig waren, sprach Moses: „Nun bringt den Mann, den ihr bestatten wollt!" Da entgegneten die Männer, welche Engel waren: „Noch wissen wir nicht, ob das Grab für den Mann passen werde. Da aber Du in Deiner Größe dem Manne gleichst, so bitten wir Dich, in das Grab zu steigen, damit wir das richtige Maß feststellen können." Moses stieg in das Grab hinab, aber darinnen fand er den Todesengel, der ihm zurief: „Friede sei mit Dir. Moses ben Amram!" ..Der Friede", waren jetzt Moses letzte Worte, „komme über Dein Haupt!" Da starb Moses, und die Engel begruben ihn . . .