Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 18 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 18 — 24. April 1936 DIE WAHRHEIT DIE W Der llnlon-Franen-Kliib arrangiert von nun ab jeden Sonntag und Donnerstag ab 4 Uhr nachm., ein Bridge-Cercle im Klubsaal, I., Schottenring 25. Gäste willkommen! nadenkonzert der Mozart-Gemeinde im Hoi des iürsterzbischöflichen Palais und der Rhythmus der Kaftanjuden verschiedenster Schattierung im Kongreßsaale, der jüdische Bauer Jankel vor dem Riesenrad des Praters und in der endlosen Mariahilferstraße: der heimgekehrte Am Haarez in ..Großvaters Zimmer". Da sibt es Poesie, Humor und die „heilige jüdische Ironie" über die tiefsten und simpelsten Dinge des Judentums. Da gibt es die Erzählung: wie gerade aus einem Aeußersten an Jüdischkeit der Bruder abtrünnig wurde. Nirgends aber gibt es Schwarz oder Weiß, Tragisches oder Lächerliches, Pathos oder Moralkritik, Out oder Böse: sondern alles, was geschieht, entsprießt der menschlichen Natur, der jüdischen Substanz der dargestellten Personen und der jüdischen Substanz des Erzählers. Ein Volljude schrieb aus liebendem Herzen ein wirklich jüdisches Buch, ein in der heutigen jüdischen Literatur deutscher Sprache einzigartiges Buch. Kurt P i n t h ii s. Wiener Schachvereine gegen die deutsche Schacholympiade. In einer Erklärung richten dreißig der dreiundvierzig Wiener Schachvereine an den Vorstand des Wiener Schachverbandes das Ersuchen, von der Beschickung der Schacholympiade im August in München Abstand zu nehmen. Es wird darauf verwiesen, daß sich unter den Vereinen, die diese Erklärung abgegeben haben, kein einziger ausgesprochen jüdischer Verein befindet. Die Ablehnung, an der Münchner Schacholympiade teilzunehmen, begründen die Vereine mit ihrem Bekenntnis zur Freiheit des Sports, zum heiligen Ideal der Humanität, des Friedens'und der Brüderlichkeit unter den Völkern. Herrn Pater Bichlmair ins Stammbuch. Eine Nazi-Blütenlese. „Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt einmal die Forderung der Nächstenliebe. In der uneingeschränkten Form, wie sie Jesus lehrte, ist sie für das praktische Leben schlechterdings unbrauchbar. Die strenge Befolgung von Jesu Lehre würde den Sieg des bösen Prinzips bedeuten. Kein Mensch, der im Lebenskampf steht, kann die Forderung Jesu ohne Pflicht- und Ehrverletzung restlos erfüllen." Reichswart, Folge 11, 14. März 1936. ..Am 7. Februar 1936 hielt der Herr Kaplan eine Klassenarbeit ab. Die Schüler mußten vier Fragen beantworten. Die beiden letzten lauteten: o. ,Was mir am jungen Samuel gefällt'; 4. .Was hat Da\'id über den Erlöser vorhergesagt?' Mein Sohn weiß in der Rassenfrage Bescheid. Und deshalb schrieb er folgende Antworten: 3. .DieJuden sind unser Unglück': 4. .Samuel und David sind solche gewesen.' Einige Tage später bekam mein Sohn seine Klassenarbeit zurück. Die beiden letzten Fragen waren mit Note 4 zensiert!!! Ph. Gh. Und wir vom „Stürmer" fragen: Wer ist der Gescheitere? Der kleine Karl oder der Herr Kaplan Springmann? Der Herr Kaplan Springmann verteidigt nämlich die Juden und erklärt zum Beispiel: .lud David wäre ein besserer Mensch gewesen wie so mancher Deutscher." Der Stürmer, Nr. 10, Nürnberg, März 1936. Die neue Adresse der „Union österreichischer Juden" lautet: I. Schottenring 25 Romain Rolland und die Judenfrage. Im Zusammenhang mit der in unserer letzten Nummer veröffentlichten mutigen Erklärung Romain Rollands gegen die polnischen Judenverfolgungen werden wir von geschätzter Seite auf folgende interessante Stelle aus dem Buche von Romain Rolland „Johann Christophs Jugend" aufmerksam gemacht: „Man wirft den Israeliten sehr mit Unrecht vor, keiner Nation anzugehören und von einem zum anderen Ende Europas nur ein einziges gleichartiges Volk zu bilden, das den Einflüssen der verschiedenen Völker, unter denen sie hausen, unzugänglich ist. In Wahrheit gibt es keine Rasse, die leichter den Stempel der Länder, durch die sie hindurchschreitet, annimmt; und gibt es manche gemeinsame Charakterzüge bei einem deutschen und einem französischen Juden, so sind ihre Verschiedenheiten, die von dem neuen Vaterlande herrühren, dessen geistige üewohnheiten sie mit unglaublicher S c Ii n e 11 i g k e i t annehmen, docli noch größere: allerdings mehr den Gewohnheiten als dem Geist nach. Da die Gewohnheit jedoch allen Menschen zur zweiten Natur wird, für die meisten aber die einzige und alleinige Natur ist, so folgt daraus, daß die große Mehrzahl der eingeborenen Bürger eines Landes sehr Unrecht tut, den Israeliten das Fehlen eines tiefen und begründeten nationalen Geistes vorzuwerfen, den sie selbst nicht im geringsten Grade besitzt. WIEN II.. PrafersfraOe 33 Telephon D 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Für Sederabende Voranmeldung erbeten! Haß aus Prinzip. Dem (arischen) Verfasser des unter obiger Spitzmarke in der letzten Nummer dieses Blattes erschienenen, übrigens sehr gut gemeinten Aufsatzes, ist ein arger Irrtum unterlaufen, und zwar durch seine Behauptung, daß „der jüdische Gelehrte das Gebot aufstellte, man solle nicht den Fernen und Fremden, sondern den Nächsten lieben". Eine solche Lehre wurde nie aufgestellt, sondern die jüdische Lehre gebietet genau das Gegenteil, und zwar, daß das Fundamentalgesetz der jüdischen Religion: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (III. Buch Mose, 19. Kapitel, Vers 18) sich ausdrücklich auch auf den Fremden (Nichtjuden) bezieht, was das Gesetz der Thora in Vers 34 dieses Kapitels aufs nachdrücklichste mit dem Gebote betont: „Du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst". Und daß unter „Fremdling" tatsächlich auch jeder N i c h t j u d e verstanden ist, geht aus dem Nachsatze zu diesem Gebot hervor, welcher lautet: „denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Aegyptenland". Der mosaische Dekalog, die Grundlagen des jüdischen und des christlichen Glaubens, bildet in seinem Inhalt wesentlich eine Verstärkung des Gebotes der Nächstenliebe und macht keinen Unterschied zwischen Rasse oder Glauben des „Nächsten". Siegmund O r t o n y. Der Verein „OSTERR. SEEHOSPIZ IN GRADO" (Präsidentin SOFIE GRÜNFELD) sendet Anfang Juli zarte, anämische, za Katarrhen neigende jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren, unter ärztlicher und pädagogischer Anfaicbt, in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tftgiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) kostet S 5.— täglich. Der seit 44 Jahren bestehende Verein „FERIENHEIM" (Präsidentin SOFIE GRÜNFELD), entsendet auch heuer, während der Sommermonate, erholungsbedürftige jüdische Schulkinder im Alter von 7—13 Jahren in sein eigenes „Sofia OrUnfsId-Ferlenhalm" in Bad Vöslau. Verpflegungskostenbeitrag bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) und ärztlicher und pädagogischer Aufsicht S 3.— täglich. Freiplätze in beschränkter Anzahl an Vollwaisen. Anmeldung im Vereinsbüro IX., TürkenstraDe 17, von 10—13 Uhr, Telephen F. 51-5-63 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteifungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Sememdedkionifo. Der Bürgermeister von Wien hat an Frau Sophie G r ü n f e I d anläßlich ihres 80. Geburtstages folgendes herzliches Gratulationsschreiben gerichtet: Sehr geehrte gnädige Frau! Ihr 80. Geburtstag bietet mir Gelegenheit, Ihnen im Namen der Stadt Wien und im eigenen die aufrichtigsten Glückwünsche zu übermitteln. Sie können auf eine lange Zeit segenbringenden Schaffens in der privaten Fürsorge zurückblicken. Dafür sage ich Ihnen im Namen der Stadt Wien herzlich Dank. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch viele Jahre im Interesse der Jugend tätig zu sein. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung Schmitz m. p. Bethausverein „Chewra Beth Hatfilah", IX., Müllnertempel. In der am 16. d. M. stattgehabten konstituierenden Vorstandssitzung dieses Tempelvereines hat sich der Vorstand wie folgt konstituiert: Obmann: Max E i s n e r, Bankier, O bmann-Stellvertreter: Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, Schriftführer: Friedrich Kraus, Kaufmann, Kassier: Josef Fuchs, Kaufmann. Mistelbach. Der Geburtstag des verdienstvollen Tempelvorstehers der Kultusgemeinde Mistelbach, Herrn Ignaz Brünner, wurde zum Anlaß genommen, dem Jubilar für sein jahrzehntelanges ersprießliches Wirken als Tempelvorsteher den Dank auszusprechen. Am 15. d. M. begaben sich Deputierte der Kultusgemeinde und Tempelverwaltung in die Wohnung des Gefeierten und übergaben nach einer Ansprache ein sinnvolles Geschenk, wobei die Bitte und der Wunsch ausgesprochen wurden, daß Herr Vorsteher Brünner noch lange Jahre sein reiches Wissen in den Dienst der Kultusgemeinde stellen möge. Gedenktafel zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten des 2. Bezirkes. Wie seinerzeit berichtet, wird der Bund jüdischer Frontsoldaten, im Gemeindetempel, II., Tempelgasse, eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen oder an Kriegsverletzungen verstorbenen Kameraden errichten. Die Anbringung dieser Tafel soll in kürzester Zeit erfolgen und können nur mehr diejenigen Anmeldungen berücksichtigt werden, welche bis spätestens Ende April, schriftlich bei der Bezirksgruppc Leopoldstadt des Bundes jüdischer Frontsoldaten, II.. Prarerstraße 66 einlangen. Anzugeben sind: Truppenkörper, Charge, Auszeichnungen, Todestag und Ort des im 2. Bezirke wohnhaft gewesenen Kameraden, als auch Name und Adresse des Anmelders. Verein jüdischer Tierfreunde. Der Sicherheitsdirektor des Bundes für die bundesunmittelbare Stadt Wien hat die Statuten obigen Vereines genehmigt. Dieser nun in die jüdische Oeffentlichkeit tretende, un- . politische Verein hat statutengemäß folgende Zwecke: Zusammenfassung jüdischer Tierbesitzer; Kampf gegen Tierquälerei. Belehrende Vorträge über Fragen der Tierhaltung vom Standpunkte der jüdischen Interessen. Gerade jetzt zeigte sich z. B. in Polen, daß ein solcher Verein dort von Nöten war. Obmann und Cheftierarzt des Vereins ist Med. vet. Dr. Tuchner, gew. Militär- und Gemeindetierarzt, der alle in Betracht kommenden Wissenszweige aus praktischer Erfahrung beherrscht und bei Gutachten herangezogen wird. Jeder jüdische Tierbesitzer, jeder jüdische Viehhändler und Fleischhauer, jeder jüdische Gutsbesitzer trete in seinem eigensten Interesse diesem Verein bei. Vizeobmann des Vereines ist Herr phil. Dr. Sass, der vor kurzem im Verein für Jüdische Geschichte und Literatur einen großen Vortrag über „Jüdischen Tierschutz" hielt. Die Kanzlei ist in Wien IL, Praterstraße 40. Cheftierarzt Dr. Tuchner erteilt auch schriftlich (gegen Rückporto) alle Auskünfte. Dieser Verein wird auch im Ausland Zw ei gs te 11 en erhalten und erfreut sich schon jetzt der Sympathie all jener Personen, die das Märchen von der Tierfeindlichkeit der Juden zerstreuen wollen, in dem sie selbst gerade in der Tierhaltung sich ausgezeichnet und Preise auf Ausstellungen errungen haben. Auch wird der Verein durch seinen Cheftierarzt jenen Auswanderern, die sich in Palästina mit Tierzucht, z. B. Geflügelhaltung oder Milchproduktion befassen wollen und noch nicht über Fachkenntnisse verfügen, Fachunterricht erteilen lassen.