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Die Wahrheit · 1936-04-24 · Heft 18 (24.4.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 18 (24.4.1936)
Date
1936-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 18 — 24. April 1936 Ohne die Fehler des politischen Zionismus wäre das Verhältnis der Juden sowohl zuj englischen Regierungsmacht als auch zu den Arabern ohne Zweifel viel freundlicher. Denn diese Antagonisten ziehen beide aus der jüdischen Immigration die größten Vorteile. Für England ist Palästina das einzige Verwaltungsgebiet, das. statt Geld zu kosten, noch welches einbringt. Und daß die Araber von den Juden, die Kapital, Arbeit und Zivilisation ins Land bringen, reichlich profitieren, steht außer Zweifel, schürt allerdings den Haß der Mufti, die die geistigen und materiellen Ansprüche ihrer bisher auf primitivster Lebemsstufe vegetierenden Fellachen mit Sorgen wachsen sehen. Diese Mufti sind denn auch die eigentlichen Inspiratoren und agilsten Führer der arabischen Bswegung gegen die europäische Invasion der Engländer und Juden. Ihr Haß gegen Europa hindert sie aber nicht, von dort ihre geistigen und faktischen Waffen zu beziehen. Hitler schickt Geld, Munition und — die „Protokolle der Weisen von Zion" in arabischer Ueber- . setzung. Sogar das Ritualmordmärchen haben die Nazi als europäische Kulturpioniere in Palästina eingeschmuggelt. Zum Glück sind die Araber von dieser europäischen „Kultur" doch noch nicht so tief durchdrungen, um solchem Schwindel dauernd aufzusitzen. Darauf bauen sich heute, da die Weltjudenheit. erschüttert durch die grauenvollen Ereignisse in Palästina, deren rasches Ende erwartet die jüdischen Hoffnungen. * Letzte Nachrichten aus Palästina. Seit Dienstag im allgemeinen Ruhe. — Arabischer Generalstreik. Nachdem die Nacht von Sonntag auf Montag und der frühe Vormittag des Montag ruhig verlaufen waren, ist es in den späteren Vormittagsstunden des Montag unbeschadet der starken Wachsamkeit der Polizei und der Erklärung des Distriktsgouverneurs Major Crossbie, daß die Regierung vollkommen die Lage beherrsche, neuerdings zu einem Angriff größerer Gruppen Jaffaer Araber auf Einwohner von Tel Aviv gekommen. Obwohl die Angreifer nicht sehr weit vordringen konnten, war doch der Zusammenstoß ein sehr schwerer. Neuerdings büßten fünf Juden das Leben ein und 31 wurden mehr oder weniger erheblich verletzt. Am Montag, 4.30 Uhr morgens, wurden auf dem Friedhof in Tel Aviv die zehn jüdischen Opfer der Zusammenstöße am Sonntag zu Grabe getragen. Viele Tausende jüdische Einwohner von Tel Aviv gaben den Toten das letzte Geleit. Vom Balkon des Stadthauses hielt Bürgermeister Meir Dizengoff die Trauerrede. Die Menge bewahrte mustergültige Ruhe. Drei der Getöteten wurden namenlos bestattet, da ihre Identität nicht ermittelt werden konnte. Dienstag früh morgens fand die Beerdigung der fünf jüdischen Todesopfer vom Montag — wiederum bei ungeheurer Beteiligung der Tel Aviver Einwohnerschaft — statt. Die Totenfeier verlief außerordentlich eindrucksvoll. Trauerreden hielten Oberrabbiner Usiel, Vizebürgermeister Rekeach und das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Jizchak Grünbaum. Nach den bei Redaktionsschluß eingetroffenen Nachrichten herrscht seit Dienstag im allgemeinen Ruhe. Amtlicherseits wird mitgeteilt, daß die Situation als gebessert anzusehen sei. Amtlich wurde am 21. April die Zahl der Opfer der Ausschreitungen in Jaffa und zwischen Jaffa und Tel Aviv mit insgesamt 19 Toten und 130 Verletzten — Juden und Araber — angegeben. Das von jemenitischen Juden bewohnte vorstädtische Viertel von Tel Aviv „Neveh Scha 1 om", das meist aus Holzhäuschen besteht, wurde mehrmals in Brand gesteckt und soll vollkommen zerstört sein. Die Juden bemühen sich, Verfolgungen zu vermeiden, indem sie sich in den großen Städten konzentrieren. Sie räumen jene Ortschaften, wo sie zerstreut leben und daher leicht Angriffen ausgesetzt sind. Die Juden räumen beispielsweise weiter in Massen Jaffa, um sich in Tel Aviv zu sam- Bücher Sii ScliwetfenöriicRe Wien I., Fianz-Josefs-Kai 7 > Neue Bücher beiter Autoren zu tief reduzierten Preisen + Katalog gratis mein, doch werden die aufgelassenen Wohnungen sofort in Brand gesteckt. Durch den Wind begünstigt, sind zahlreiche Brände ausgebrochen. Tausende von Häusern sind den Flammen zum Opfer gefallen, die die Feuerwehrleute nicht meistern können. Die Araber haben einen Generalstreik für unbestimrate Zeit proklamiert, um, wie sie erklären, einerseits die Regierung zui Einstellung der jüdischen Einwanderung und zum Verbot des Grundkaufes für Juden zu zwingen, anderseits die Juden von der Einwanderung nach Palästina abzuschrecken. Die meisten arabischen Geschäftsläden sind geschlossen, während die der Juden nur in den jüdischen Vierteln geöffnet sind. Weltversöhnung durch die Konfessionen. In den letzten Tagen ging die kleine, .aber jeden Kulturmenschen tief erschüliternde Notiz durch die Presse, daß in Spanien seit den letzten Wahlen 68 katholische Kirchen zerstört und in Asehe gelegt worden sind. An die verdammenswerte Gottlosenbewegung in Sowjetrußland und die erbärmlichen Christenverfolgungen in Mexiko reihen sich nun die verbrecherischen, allem menschlichen Empfinden hohnsprechenden Ausschreitungen kommunistischer und nihilistischer Rowdies in Spanien. Wir Juden haben es jahrhundertelang am eigenen Leibe verspürt und — verspüren es in gar manchen Ländern noch heute, was religiöse Unduldsamkeit und heidnischer Unglaube vermögen. Es kann keinen Trost bieten, daß erfahrugsgemäß kein Land zu gedeihen vermag, in dem der Haß zwischen den Konfessionen geschürt wird, daß noch jeder Staat bitteres Lehrgeld zu zahlen hatte, in dem der Unglaube, von hemmungslosen Demagogen in die Volksmenge getragen, sich zu solch wahnwitzigen Orgien hinreißen ließ, wie jetzt in Spanien. Schon einmal sank dieses Land aus stolzer Höhe herab zur verzweifelnder Armut, nachdem es, getrieben von religiöser Intoleranz, mit Schwert und Feuer die Juden verfolgt und vom heimatlichen Boden verwiesen hatte. In uns Juden, die die Erinnerung daran, daß wir Sklaven waren im Lande Egypten, stets wachhalten und deren Vorfahren vor Jahrtausenden bereits eine vorbildliche, noch heute unerreichte Fremdengesetzgebung haften, ist kein Platz für Unduldsamkeit, kein Antrieb zur Bedrängung und Verfolgung Andersdenkender und Andersgläubiger. Die Trotzkys und Kuns sind vom Judentum ebensoweit entfernt wie die Lenins und Liebknechts vom Christentum. Die Quelle aller Intoleranz ist der Maugel an Gefühl für Gerechtigkeit. Und diesen Mangel zeigen bedauerlicherweise auch gewisse christliche Zeitungen. Darunter jüngst ein katholisches Blatt eines österreichischen Alpenlandes, das, von recht eindeutigen Absichten geleitet, seinen Lesern weismachen wollte, die Juden, die „wegen der Nürnberger Gesetze einen Wdtlärm machen, aber noch niemals gegen die Verfolgung der christlichen Religion, so z. B. in Mexiko und Sowjetrußland protestiert hätten", haben gar keinen Anspruch, für sich die Teilnahme und den Schutz der christlichen Welt anzurufen. Politische Vernunft, religiöses Gewissen und Gerechtigkeitsgefühle sollten in gleichem Maße gerade in solch einer Frage der Wahrheit die Ehre geben. Sollte es der Aufmerksamkeit dieser moralischen Kritiker entgangen sein, daß — um nur ausländische Blätter heranzuziehen — z. B. die „Central-Vereins-Zeitung", das Organ des Centraivereines der Juden in Deutschland, das eine Auflage von rund 50.000 Herzd. Franenheilbadj Tafzmainisdorfj (Durgenlond) [ Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.: Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Re-; : staurants. —Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung ■ ■ Wien I., Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104 i ■ Z;Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in! allen Apotheken erhältlich.; Exemplaren besitzt, am 4. Mai 1928 einen aus der Feder des Rabbiners Dr. Baerwald (München) stammenden, wiederholt reproduzierten, umfangreichen Artikel veröffentlichte, der sich in entschiedenen Worten gegen die Christenverfolgungen in Mexiko wendete? Es soll der Vergessenheit entrissen werden, daß im Jahre 1930 und 1931 in Wien, Berlin, Frankfurt a. M. und anderen Großstädten gemeinsame Versammlungen der drei großen religiösen Gemeinschaften gegen die Religionsverfolgungen in Rußland abgehalten und nach Ansprachen der Vertreter der Religionsgenossenschaflen gemeinsame Protestresolutionen gefaßt worden sind. Quousque tandem . . . Was muß denn noch in der Welt geschehen, bis allgemein erkannt werden wird, daß die Weltversöhnung nur durch die Konfessionen und deren Zusammenarbeit gegen die Gottlosigkeit herbeigeführt werden kann? Dr. L e n k. Union-Klub. Der Union-Frauen-Klub veranstaltete am Samstag, den 18. d. M., in den herrlichen Sälen des neuen Heims einen Geselligen Abend, der einen ganz besonders animierten Verlauf nahm. Das den großen Festsaal bis aufs letzte Plätzchen füllende Publikum, unter dem sich die mit großem Beifall begrüßte Frau Sofie Grünfeld befand, folgte den künstlerischen Darbietungen mit gespannter Aufmerksamkeit und sichtlichem Vergnügen. Die Einleitung des Abends bildeten — nach einer kurzen Begrüßungsansprache der künstlerischen Leiterin des Abends Frau Direktor Goldschmidt — Klaviervorträge der rühmlichst bekannten Konzertpianistin Renee Gärtner. In ihnen paarten sich technische Vollendung und individuelle Auffassung zur höchsten Vollkommenheit. Eine wahre Sensation des Abends brachte Frau Olga Fuchs vom Staatstheater in Dresden, besonders durch den wirkungsvollen Vortrag der Schlußstellen aus Hölderlins Briefroman „Hyperion". In ihren einleitenden Worten brachte Frau Fuchs in feingeschliffenen Sätzen zum Ausdruck, wie wenig bekannt Hölderlins dichterisches Schaffen und wie sehr beziehungsreich gerade jene Stellen aus „Hyperion" seien, die der Griechenschwärmer Hölderlin der markanten Kennzeichnung des deutschen Menschen widmete. Mit tiefer Ergriffenheit folgten dann die Zuhörer den Worten des Dichters aus dem zu Ende gehenden 18. Jahrhundert, einer Charakterisierung des deutschen Wesens, wie sie nicht treffender der Feder eines um das Deutschtum besorgten, über die Schändung der europäischen Kultur empörten Zeitgenossen des Dritten Reiches ,entströmen könnte. Die Spannung der in ihren Gefühlen aufgewühlten Zuhörer löste sich — dank dem ausgezeichneten Arrangement — durch das nun folgende hervorragende hochkultivierte Spiel der Cellistin Regine Schein, die, begleitet von Pianistin Robert W. Spitz, Proben ihrer seltenen Kunst bot. Den Abschluß der Akademie bildeten die charmanten Darbietungen von Ella Firbassi, die, stimmungsvoll am Flügel begleitet von Luise Kanitz, mit entzückenden Chansons das Publikum in die aniimierteste Laune versetztet. Den zweiten Teil des Abends verbrachten die MitglrJader und Gäste des Union-Klubs in angeregter Unterhaltung bei Tanz und Bridge sowie an dem von Damen des Klubs umsichtig geführten Büfett. J«——■■■■■■■«■■■■■■■»—■■■■■■■■■■■■■■;; Idank sagung! Es ist mir ein Herzensbedürfnis, al- \ ten Institutionen, Freunden und Gön- \ nern, die midi zu meinem Geburtstag \ durch so viele Beweise ihrer Anerkeni nung und Zuneigung geehrt und erfreut \ haben, hiemit meinen Innigsten Dank \ zusagen. Sofie Grünfeld t

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