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Die Wahrheit · 1936-04-17 · Heft 17 (17.4.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 17 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 17 — 17. April 1936 Seite 7 Wien Im Seitenslettengasse 2 XI., Zentralfrfedhof neben dem I. Tor _Samstag geacfaloasopl Freude in ihr trauriges Dasein zu bringen und ihnen so Lebenswerte einzuprägen, die dem Judentum dauernd wertvolle Mitglieder zuführt. Hierauf überreichte Frau Ehrlich Präsidentin Sofie Griinfeld eine Adresse, welche in einer Lederkassette mit Goldschnitt ruht. Zwei pastos gemalte Aquarelle des „Sofie Grünteld-Ferienheiin*' in Bad Vöslau, umrahmt von Lorbeergewinden, die von Kindern getragen werden, und des „Oesterr. Seehospiz in Grado", umrankt von Epheugirlanden, die sich Putten gegenseitig reichen, gemalt von Emmy Schur-Goldschmid. Die Adresse ist von mehr als 500 der prominentesten Frauen, an deren Spitze sich Marianne Hainisch mit einer Gratulation eingetragen hat, unterschrieben und legt beredtes Zeugnis dafür ab, welcher Wertschätzung sich Präsidentin Soiie Grünfeld in allen Schichten der Wiener Gesellschaft erfreut. Die Präsidentin der „Weiblichen Fürsorge", Frau Regine Ullmann, dankte Sofie Grünfeld für die wertvolle Arbeit bei der Gründung der „Weiblichen F ü r s o r g e'\ für die vielen Anregungen, deren Fruktiiizierung allen jüdischen Vereinen Vorteile gebracht, für die wirksame Unterstützung jegLicher Anregung anderer, für die instruktive Arbeit, die imstande war, Nachfolgerinnen heranzuziehen. Nach dem offiziellen Teil der Feier trug Schriftsteller Dr. Oskar Bendiener ein von ihm verfaßtes stimmungsvolles Poem an Sofie Grünield vor und Direktor Hugo K n e p 1 e r sprach in launigen Worten seinen tiefgefühlten Dank aus, der in dem geistvollen Wunsche ausklang, Sofie Grünfeld möge als „Ewige Jüdin" noch lange ihr verdienstvolles Wirken fortsetzen. Präsidentin Soiie Grünfeld, die durch die ihr dargebrachten Ovationen aufs tiefste gerührt war, «ab ihren Gefühlen in so formvollendeter Weise Ausdruck, daß die Anwesenden in begeisterte Zurufe in diese herrliche Frau ausbrachen. Zur Gratulation hatten sich außer den schon erwähnten Vereinigungen noch eingefunden: Für die „Union österreichischer Juden" Ehrenpräsident Dr. J. 0 r n s t e i n, Präsident Reg.^Rat Dr. Hermann Oppenheim, Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Chefredakteur Oskar H i r s c h f e 1 d, für den Verband der Humanitätsvereinigungen „Bnai Brith" Komm.-Rat Karl Klemperer, für die „Wien" Bnai Brith Hofrat Dr. Werner, Direktoi Ernst Goldschmidt, für die „Eintracht" Bnai Brith Franz Plautus, für die Schwestervereinigung „Wien" Frau Erna Schwarz-HiHer, für den Union-Frauenklub Frau Reg.-Rat Stella Oppenheim, Frau Dr. J. Ticho, Frau E. Gotdschmidt, Frau Thekla Widricfc, für das „Merores-Waisenhaus" Frau Komm.-Rat Stöckler, Frau Justizrat Adler, für den Verein „Bikkur Chaulim" Präsidentin Frau Irma Rosenberg, für den Verein „Ohel Rahel" Präsidentin Frau Henriette Fuchs, für die Frauenvereine II. Bezirk Frau Dr. Kaminka, VIII. Bezirk und „Philanthropia" Vizepräsidentin Frau Leontine Samek und Frau Rabbiner Bauer, für den IX. Bezirk Präsidentin Frau Hedwig Massarek, für den X. Bezirk Präsidentin Frau Anna Mandel, für den XIX. Bezirk Frau Ella Fränkl, Frau Fanny Aschkenasy und Frau Anny Kohn, für den XX. Bezirk Präsidentin Frau Olga Friedmann. Außerdem waren der Gesamtvorstand des „Fe- rienheim" und des „Oest. Seehospiz" und noch viele andere erschienen. 9emeinde€hronifc. „Maimonldes Institut", IL, Praterstraße 11. Wie alljährlich, wurde auch in diesem Jahre am Schabos hagodaul das Wintersemester mit einem Vortrage des Institut-Leiters, Herrn Rabbiner Dr. Armand Kaminka beschlossen. Dieser konnte unter den vielen anwesenden Damen und Herren als Gäste den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. D. Friedmann und Kultusvorsteher Dr. L. Landau begrüßen. Herr Dr. Kaminka/ erklärte vor allem die Bedeutung des Schabos hagodaul. Auf Grund von Aussprüchen berühmter Kommentatoren der biblischen Schriften sprach er über die Pesach Hagada. Er wies auf die vorbedachte Einteilung der dort enthaltenen Stellen" hin. welche einerseits für die Jugend besondere Eignung haben und anderseits für die Erwachsenen und deren gerstfge Auffassung ihre Scmderbedeutung zeigen. In sinniger Weise brachte er aus seinem profunden Wissen Deutungen über die Fragestellungen der vier Arten von Kindern, welche sich — je nach der Reife ihres Verstandes — über die Tendenz des Pesachfestes erkundigen. Er brachte Erklärungen über die sonderbare Vorschrift, daß bei der Sederfeier — bei vier Abschnitten der Hagada — ein Becher Wein getrunken werde, sowie sinnige Aussprüche über die drei Symbole des Festes: Pesach — Mazzo — Moraur. Großes kulturhistorisches Wissen zeigte der Vortragende bei der Schilderung verschiedener Geschichtsperieden im Lebendes jüdischen Volkes seit dem Auszuge aus Aegypten bis auf die Neuzeit, und verstand es, in packender Weise viel Interessantes, wie auch Aktuelles zu bringen. Der Vortragende schloK seine Ausführu.tgen: Trotz aller Zeitveränderungen und der schwersten Drangsalierungen sowie der grausamsten Behandlung unter allen Völkern, bei denen die Juden lebten, sind sie einzig allein durch ihre unerschütterliche Treue und Anhänglichkeit an den einig einzigen, unsichtbaren Gott als ihrem Erlöser bis heute erhalten geblieben. Der gedankenreiche Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Sedann sprach für den Institutsvorstand Herr I n t r a t e r über die Vorträge der 4 Lektoren des Instituts: der Herren Rabbiner -Dr. Karhinka. Studienrat Dr. Bauer und Z i c k i e r, sowie Herrn Prof. Dr. Rapaport. Er dankte i.i herzlichen Worten, die auch sein hervorragendes jüdisches Wissen bekundeten, den genannten Gelehrten für ihre Mühe und ihre Lehrtätigkeit. Schließlich forderte er die Anwesenden auf. sich als Mitglieder zu melden und das Institut nach Möglichkeit materiell zu fördern. Das Sommer-Semester beginnt Samstag, den IS. Aprili. 4 Uhr nachmittag mit einem Vortrage des Herrn Dr. K a m i n k a über Sidra und Pirke owaus. Rudolf Kraus. Bethausverein „Chewra Beth Hatfilah". Alsergrund (Müllnertempel). Am Montag, den 30. v. M. fand die 68. ordentliche Generalversammlung dieses Tempelvereines unter dem Vorsitz des Obmannes Max E i s n e r statt, welcher nebst den zahlreich erschienenen Mitgliedern als Delegierten der Kultusgemeinde Herrn Kultusvorsteher Graubart, als Delegierten des Verbandes der Tempeivereine und des Synagogenvereines Leopoldsgasse, Herrn Dr. Leo Landau, als Delegierten des Jüdischen Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeisungsvereines dessen Obmann Herrn Josef Klein, für den Bethausverein „Ohel Abraham" dessen Obmann Herrn S. Kohn und für den Krankenunterstützungsverein „Chewra Bikur Cholim" im 9. Bez. Herrn Backenroth begrüßen konnte. Aus dem zum Vortrag gelangten Rechenschaftsbericht konnte man ersehen, daß auch dieser so angesehene Tempelverein sehr schwer unter der Not der Zeit leidet, daß aber der Vorstand ganz Außerordentliches geleistet hat, um den Gebarungsabgang aui ein verhältnismäßig geringes Ausmaß herabzudrücken und trotzdem den geradezu vorbildlichen Gottesdienst im Müllner-Tempel auf seiner bisherigen Höhe zu erhalten. Hiefür sprach der Delegierte des Kultusvorstaudes, Herr Kultusvorsteher Graubart, dem Tempelvor- MÖBEL Moderne Küchen« Vorzhnmer- Wohnximmcr- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. SchmOchung von Grünen und Grabern LeopoldfleutschJißnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen stand und ganz besonders dem so rührigen Obmann Herrn Max Eisner die wärmste Anerkennung und den Dank aus. Nachdem auch die Herren Dr. Landau, Klein und Kohn namens der von ihnen vertretenen Vereine dem Vorstand des Müllnertempels für seine rastlose Arbeit Dank und Anerkennung zollten, erstattete Herr Rudolf Rudinger den Revisorenbericht, auf Grund dessen dem Vorstand einstimmig das Absolutorium erteilt wurde. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl, bei welcher die Herren Paul Fries und Leo Teltscher als Skrutatoren fungierten, wurden in den Vorstand die statutengemäß ausgeschiedenen Herren Josef Fuchs, Dr. Wilhelm Knöpfmacher und Isidor Trebitsch, in den Ausschuß die Herren Hermann David, Rudolf Hendl, Heinrich Keßler, Salamon Oesterreicher, Otto Pollak, Ignaz Walzer, Leo Weill und Kommerzialrat Michael Max Weiß wieder- und Herr Direktor Josef Karpeles neugewählt. Josefstädter Tempelverein. Sonntag, den 19. April d. J., findet um 10 Uhr vormittags im Tempelgebäude, Wien VIII., Neudeggergasise 12, die ordentliche Generalversammlung statt. 70. Geburtstag. Am 13. & M. feierte der bekannte Wiener Rechtsanwalt Dr. Siegfried Spitzer in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist in weitesten Kreisen, insbesondere in denen der „Union österreichischer Jude n", der er als treues Mitglied seit langer Zeit angehört, wegen seiner Hilfsbereitschaft und seines vornehmen Charakters sehr beliebt. 75. Geburtstag. Am 8. April feierte in einfacher Weise der weit über den 10. Bezirk hinaus bekannte und überall sehr verehrte Hofrat Dr. H a n d 1 seinen 75. Geburtstag. Hofrat Handl, der lange Jahre hindurch klinischer Assistent war, etablierte sich vor rund 40 Jahren als praktischer Arzt im zehnten Gemeindebezirk. Außer seiner Tätigkeit als Kassenarzt hatte Hofrat Handl noch die schwere Stelle eines Polizeiarztes zu versehen. In vorbildlicher Weise, im ärztlichen und menschlichen Sinne, versah er jahrzehntelang diese beiden Aemter. Hofrat Handl, der noch heute als praktischer Arzt sich des allerbesten Ansehens erfreut, gehört zu den Aerzten, die Güte und Pflichterfüllung in hervorragender Weise auszeichnet. Sein allgemeines Wissen, seine Regsamkeit auf allen Gebieten der Wissenschaft und Literatur (der 75jährige betreibt noch sehr ernstlich französisches und englisches Studium) lassen ihn mit Recht der so angesehenen alten Wiener Schule einreihen. Dr. Handl, ein treuer Jude, ist jahrzehntelang Mitglied der „Union österreichischer Jud e n". Seine vielen Verehrer wünschen ihm vom ganzen Herzen noch lange Jahre Wirksamkeit zum Wohle seiner Kranken. Todesfälle. Vor kurzem wurde unter starker Beteiligung Herr Alexander Steiner zu Grabe getragen. Der Verblichene genoß große Wertschätzung, die allgemeine Teilnahme wendet sich seiner Gattin Marie Steiner zu*, die in verschiedenen weiblichen Fürsorgeorganisationen unermüdlich tätig) ist. Zahlreiche Mitglieder dieser Vereine bekundeten dieser edlen Frau durch ihr Erscheinen ihre Anteilnahme an dem schweren Verluste, der sie betroffen hat. Oberkantor G. M a r g o 1 i e s versah in sehr ergreifender Weise die kantcrale Funktion. — In der Pessaeh-Woche verschied nach langen Leiden Herr Ignaz S t ö ß 1 e r, der seit dem Bestände der angesehenen Firma Bernhard Goldstein-Lilienleinwand-Unternehrnung diesem Hause als Prokurist angehörte, dessen Gründer sein Jugendfreund gewesen war. Herr Stößler leitete die unvergleichlichen Wohltätigkeitsaktionen seines Chefs. Kein Hilfsbedürftige/ ging unbeschenkt oder ungetröstet von ihm fort. Nach dem Tode seines Chefs widmete er sich ganz der Arbeit an der Firma, die er und die Juniorenchefs auf der Höhe halten konnten. Der Tod seiner Gattin, die wenige Tage vor ihm dahin ging, brach sein müdes Herz. Allgemeine Teilnahme wendet sich den tiefgebeugten Geschwistern zu, von denen der Bruder der Chefredakteur-Stellvertreter der „Volkszeitung" ist, sowie den Angestellten der Firma Litienleinwand-Unternehmung, die in Stößler einen zweiten Vater verlieren. — Herr Salomon Fricdländer, Gründer und Gesellschafter der bekannten Steinmetziirma F r i e dländer & Deutsch ist im 79. Lebensjahre verschieden. Er war der Sohn des Rabbiners Emanuel Friedländer in Bur St. Georgen bei Preßburg. Der Verblichene erfreute sich durch sein konziliantes Wesen allgemeiner Wertschätzung. Oesterreich auf der Levante-Messe in Tel Aviv. Wie die Oesterreichisch-palästinensische Handelskammer mitteilt, wird die österreichische Ausstellung auf der bevorstehenden Levante-Messe in Tel Aviv ein repräsentatives Bild tragen. Unter der Aegide des Außenhandelsdienstes der österreichischen Handelskammern wurde von einem Architekten die Ausgestaltung und Verteilung der Kojen vorgenommen. Eine besondere Attraktion wird die Ausstellung der österreichischen Verkehrswerbung, des Werbedienstes des Bundesmiuisteriums für Handel und Verkehr sowie der Fremdenverkhrsstelle der Stadt Wien darstellen. Die österreichische Abteilung wird offiziell vom Generalkonsul Dr. Jorda eröffnet werden. Aus Anlaß der Messe hat die Eisenbahnverwaltung ebenso wie alle anderen Bahnverwaltungen und Schifiahrtsunternehmungen eine namhafte Ermäßigung des Fahrpreises konzediert. Mimst und Xitewaiuw. Synagogales Konzert. Dienstag, den 21. April, 8 Uhr abends, findet im Tempel XIX., Dollinergasse, ein synagogales Konzert statt. Es wirken mit der Oberkantor der jüdischen Gemeinde Berlin, Karl N e u m a n n, das Männer-Sextett und der Knabenchor des Stadttempels unter der Leitung des Kapellmeisters Kurt Fuchsgelb. Restliche Karten von S 1.50 bis S 4.— erhältlich im Sekretariat des Tempels XIX., Dollinergasse. Telephon B 11-704. Der Wiener jüdische Gesangverein veranstaltet Samstag, den 18. April, 8 Uhr abends, im Festsaale des Cafe „Altes Rathaus", Wien I., Wipplingerstraße 26, einen Kneip-Abend mit Vorträgen und Tanz. Im Cafe-Restaurant „Fetzer" an der Schwedenbrücke (Besitzer: Fröhlich & Weiß) hat dieser Tage der bekannte Cafetier Herr Max Rechtschaffen die Geschäftsführung übernommen. Auch a>ur diesen Wege ergeht an alle Freunde und Gönner des aui Grund seiner bisherigen Tätigkeit allseits beliebten Herrn Max Rechtschatren die höil. Bitte, das nun unter seiner Geschäftsführung stehende Caie-Restaurant „Fetzer" recht zahlreich zu besuchen. Die ausgezeichnete Küche, der bekannt gute Kaifee und die zivilen Preise werden allen Besuchern neuerlich die Erstklassigkeit dieses gut bürgerlichen Caie-Restaurants dokumentieren.

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