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Die Wahrheit · 1936-04-17 · Heft 17 (17.4.1936) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 17 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 17 — 17. April 1936 DIR WAHRHEIT Veranstaltungen der Jagend Union. _Hinphelni: I, Sdiottenrlng *5_ Mittwoch, den 22. April, V*9 Uhr abends. Dr. Maximilian Stiglitz: „Unionismus und jüdischer Nationalismus". Samstag, den 25. April, V-9 Uhr abends. Geselliger Abend mit Tanz. Sympathie für das Tier als von antisemitischen Vorurteilen herrühren. Auch Prof. Nowak (Krakau) unterstreicht, daß die rituelle Schichtung die beste, die sanfteste und die humanitärste Tötungsart der Tiere sei. Hervorgehoben sei die Aeußerung des Prof. Dr. Klein, Direktors des Institutes für Anatomie, Physiologie und Hygiene der Tiejre in Bonn: Meiner Ansicht nach sind die Tierschutzvereine überhaupt nicht berufen, irgendein Urteil in der Schlachtfrage abzugeben. Die Tätigkeit dieser Vereine sollte sich darauf beschränken, um die Tiere vor bösen und brutalen Menschen zu schützen. Auf dem Gebiete der Schlachtung jedoch haben diese Vereine nichts zu suchen. Es ist ungeheuerlich und strafbar, in den Schlachthäusern Experimente und Schlachtungsproben in Gegenwart von Laien durchzuführen. Bei empfindlichen Menschen ruft die Tötung eines Tieres ein erschütterndes Erlebnis hervor und der Laie vermeint in den Augen des Tieres irgendwelchen Schrecken lesen zu können. Auf Grund vieljähriger Erfahrung muß ich jedoch feststellen, daß diese Eindrücke eine Täuschung seien, weil das Tier sich vor dem Tode nicht fürchte. Die Bevölkerungsbewegung der Juden in Wien. Nach Mitteilungen des Matrikelamtes der Israel. KuttuSgemeinde in Wien. Im Jahre 1935: Geburten........ 735 Sterbefälle ....... 2815 Eintritte ........ 369 Austritte........ 500 Vom Jahre 1923 bis inklusive 1933 ergibt sich bei der jüdischen Bevölkerung in Wien, errechnet aus der Differenz zwischen dem Zuwachs und dem Abgang (Geburten, Eintritte, — Sterbefälle, Austritte) ein natürlicher Abgang von 18.012 Seelen. Diese Ziffer erhöht sich mit Schluß des Jahres 1935 auf 22.078. In den Wiener Tempeln wurden im Jahre 1935 1211 Trauungen vorgenommen, im Rabbi nate der Israel. Kultusgemeinde fanden 382 Ehescheidungen statt. Die Zahl der Jaden in den einzelnen Bundesländern: Wien ........ 176.034 Niederösterreich .... 7.716 Oberösterreich .... 966 Salzburg....... 239 Steiermark...... 2.195 Kärnten ....... 269 Tirol ........ 365 Vorarlberg...... 42 Burgenland...... 3.632 Die Juden in Wien. In Wie n leben, wie die letzte Volkszählung vom 22. März 1934 ergab, 176.034 Juden, das sind £»1,9 Prozent aller in Oesterreich lebenden Juden und 9,4 Prozent der Wiener Bevölkerung. Auf die einzelnen Gemeindebezirke verteilen sich die 176.034 Juden wie folgt: Innere Stadt: 39.936 Einwohner, davon) 9621 .luden (24.07 Prozent); Leopoldstadt: 149.861 Einwohner, davon 50.922 (33.98 Prozent) Juden; Land Straße: 141.810 Einwohner, davon 12.947 (S.75 Fro*m) Juden; Wieden: 53.063 Einwohner, davon 5125 (9.67 Prozent) Juden; Margareten: 87.767 Einwohner, davon 3837 Juden; Mariahilf: 49.785 Einwohner, davon 7530 (15.1 Prozent) Juden; Neubau: 58.571 Einwohner, davon 8679 (14.82 Prozent) Juden; JosefStadt: 44.321 Emtwohner, davon 5841 (13.17 Prozent) Juden : Aisergrund: 83.407 Einwohner, davon 19.421 (23.29 Prozent) Juden; Favoriten: 157.533 Einwohner, davon 3642 Juden; Simmering: 52280 Einwohner, davon 515, das ist nicht ganz 1 Prozent. Juden; Meid Ii ng: 109.499 Einwohner, davon 2489 Juden; Hietzing:I41.307 Einwohner, davon 5564 Juden; Rudolfs heim: 69.470 Einwohner, davon 3000 Juden; Fünfhaus: 54,440 Einwohner, davon 2575 Juden; Ottakrüng: 150.379 Einwohner, davon 4112 Juden; Hernais: 84.407 Einwohner, davon 3020 Juden; Währing: 81.901 Einwohner, davon 5051 Juden; Döbling: 58.641 Einwohner, davon 5282 (9 Prozent) Juden; Brigittenau: 98.021 Einwohner, davon 15.014 (15,3 Prozent) Juden; Flor i d s d o r f: 107.804 Einwohner, davon 1S57 Juden. Jüdische Alltagstragödie in Deutschland. Justizrat Dr. Ludwig Sandberg, 72 Jahre alt, eine in deutschen Anwaltskreisen in hohem Ansehen stehende Persönlichkeit, hat Selbstmord verübt. In einem hinterlassenen Schreiben gibt er als Motiv an, er" habe die Degradierung der Juden im Dritten Reich nicht überwinden können. Justizrat Sandberg war früher Ehrenbürger von Ebers waide, hat aber diese Würde niederlegen müssen. Ritualmord-Legende in Haifa — eine Folge der Nazipropaganda. Am ersten Pessach-Tage wurde unter den Arabern in Haifa das Gerücht verbreitet, daß die Juden für das Pessach-Ritual vier Hauraner geschlachtet haben und daß die Polizei die Leichen verborgen hält. Der'aufgehetzte Mob begab sich in die jüdischen Stadtteile. Mehrere Juden wurden attackiert und verprügelt, dann wurde die Polizeistation, in der angeblich die Leichen verborgen sein sollten, angegriffen. Der Polizei gelang es nur mit Mühe, die Menge von der Grundlosigkeit der Gerüchte zu überzeugen und die Ordnung wieder , herzustellen. Polizisten mit Stahlhelmen patrouillierten nachts durch die Stadt. Wie die hebräische Zeitung „Doar Hajom" ausführt, ist für den betrüblichen Vorfall eine gewisse Nazi- Propaganda verantwortlich zu machen. Ittels SilitMtg-KKU WIEN II.. Pratersfraoe SS Telephon n 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste BedieJning. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Für Sederabende Voranmeldung erbeten! Nobelpreisträger Prof. Barany gestorben. Der an der Universität Upsala wirkende Professor Robert Barany ist am 8. April plötzlich verstorben. Professor Robert Barany wurde am 22. April 1876 in Wien geboren, wo er auch seine Studien absolvierte und im Jahre 1900 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Nach kurzer Ausbildung im Städtischen Krankenhaus in Frankfurt am Main und an der psycniatrischen Klinik in Freiburg kam er nach Wien zurück und trat in die von Professor Pollitzer geleitete Ohrenklinik ein. Für seine hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten bekam er die Dozentur. Mit dem Namen Baranys sind die Methoden zur Prüfung des Labyrinths auf seine Funktionstüchtigkeit für immer verknüpft. Auch der sogenannte kalorische Nystagmus, ein Symptom, das die Erkrankungen des Innerohres und Abszesse im Gehirn zu lokalisieren vermag, verdankt Barany seine Erforschung. Aber nicht nur für die Ohrenheilkunde und die Chirurgie, sondern auch für die Nervenheilkunde sind Baranys Forschungen von grundlegender Bedeutung geworden. Zu Kriegsbeginn rückte Professor Barany ein und geriet im Jahre 1915 in der Festung Przemysl in Kriegsgefangenschaft. Als Kriegsgefangener erhielt er im Jahre 1915 den Nobelpreis für Medizin und wurde daraufhin von den Russen sofort in seine Heimat entlassen. Im Jahre 1917 folgte er dem Rufe der Universität Upsala, wo er seither als Professor der Otochirurgie wissenschaftlich tätig war. 6ebefe fBr Rabbiner nnö Rantoren bei Leichenbegängnissen Kantorale Rezitative Responsen und Chorgesange bei Leichenbegängnissen vod Salomen Sulz er und dessen Bild mit Unterschiift (im kleinen Format) Zu bezieben durch den Herausgeber Max Schwager, IL, Zirkusgasse Nr. 50 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant fSr Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Professor Robert Barany war der erste österreichische Nobelpreisträger. Pregel, Wagner-Jauregg und Landsteiner erhielten diese Auszeichnung erst später. Dr. Bernhard Kahn — 60 Jahre. Dieser Tage feierte der europäische Direktor des ..Joint" Dr. Bernhard Kahn, seinen 60. Geburtstag. Er wurde in Oscarshamn in Schweden geboren und studierte in Deutschland. In den Jahren 1904 bis 1921 war er Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden und hat in dieser Eigenschaft ein großes Werk konstruktiver sozialer Hilfe für die Juden Osteuropas geleistet. Er war bemüht, die planlose Auswanderung durch organisatorische Maßnahmen in feste Bahnen zu lenken, die auswandernden Elemente in wirtschaftlich konstruktive Positionen zu bringen und für ihren kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg zu sorgen. Die Organisation des Schulwerks des Hilfsvereins der deutschen Juden im Orient und in Palästina hat Dr. Kahn mit Unterstützung von Dr. Paul Nathan und Dr. James Simon vollzogen. Im Jahre 1921 trat Dr. Bernhard Kahn, nachdem er schon während der Kriegsjahre an dem Hilfswerk des American Joint Distribution Committee für die Kriegsopfer der osteuropäischen Judenheit mitgearbeitet hatte, ganz in den Dienst dieser Organisation, wurde Direktor des europäischen Joint-Büros und ist seit 1924 Leiter der gesamten Europa-Arbeit des „Joint". Er hat in diesem Dienst wiederholt Reisen in die Siedlungsgebiete der osteuropäischen Judenheit, insbesondere nach Sowjetrußland und Polen unternommen und überall dahin gewirkt, die anfänglich reine Hilfsarbeit in ein System konstruktiver Maßnahmen zur Stützung des jüdischen Wirtschaftslebens und zur Erziehung der Jugend in wirtschaftlichen Berufen umzuwandeln. Bis zum Entstehen des Agro-Joint leitete Dr. Kahn mit Dr. Joseph Rosen auch das neue jüdische Kolonisationswerk in Rußland. Er ist auch Mitdirektor der von Joint und der JCA gebildeten American Jewish Reconstruction Foundation, die das kooperative Darlehenswesen der Juden in den mitteltind den osteuropäischen Ländern stützt und zu einem großen Teil selbst aufgebaut hat. Er genießt das uneingeschränkte Vertrauen der im Joint Distribution Committee repräsentierten amerikanischen Juden, ebenso wie das der europäischen Juden, und er ist einer der stärksten Mittler zwischen diesen beiden Judenheiten, die ihm an seinem Jubeltage noch viele Jahre befriedigender und wirksamer Arbeit zum Wohle notleidender Glaubensgenossen wünschen. Sofie Grünfelds 80. Geburtstag. Am Sonntag, den 5. April, versammelte sicli eine große Gemeinde von Anhängern der Präsidentin Sofie G r ü n f e 1 d in ihrer Wohnung, um den SO. Geburtstag dieser hervorragenden Frau zu feiern. Alle Vereinigungen, denen sie Vorbild und geistige und ideelle Anregungen bietet, hatten sich eingefunden. Den Reigen der Gratulanten eröffnete der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Desider Friedraann, der der Jubilarin den Dank der Kultusgemeinde und ihrer Fürsorgezentrale für die ersprießliche Tätigkeit, die Sofie Grünfeld seit fast fünf -Dezennien entfaltet, zum Ausdruck brachte. Nun schloß sich Prot. Dr. Z a p p e r t als Vizepräsident des „Oest. Seehospiz" an, der in launiger und tiefgründiger Rede den Vorzügen »der verehrten Präsidentin gerecht wurde. Dr. Jakob O r n s t e i n, der mit einer großen Abordnung der „Union österreichischer Juden" und des „Union-Frauen-Klubs" gekommen war, feierte nicht nur die in den Kreisen der „Union" so hochgeschätzte Jubilarin selbst, sondern gedachte in ehrender Weise des verewigten Präsidenten der „Union" Dozenten Dr. Josei Grünfeld, des Gatten der edlen Phüanthropin, der in jahrelanger glücklicher Ehe sich mit seiner Frau im edlen Streben öffentlicher Karitas eins wußte und sich gleich ihr segensreich betätigte. Nun folgte das Präsidialmitglied des „Ferienheim", Frau Else Ehrlich, die vom Frauenstandpunkt dte Verdienste der Führerin würdigte, insbesonders die soziale Tätigkeit der Präsidöhtin, die es versteht, Kinder nicht nur zu beköstigen und zu pflegen, sondern auch

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