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Die Wahrheit · 1936-04-17 · Heft 17 (17.4.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 17 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 17 — 17. April 1936 DIE WAHRHEIT Romain Rolland gegen die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit. Die Warschauer Zeitung „0 b 1 i c z e D n i a" veröffentlicht einen Brief des berühmten französischen Schriftstellers Romain Rolland, in welchem Rolland erklärt, seine volle Unterstützung gelte allen denen in Polen, die sich gegen die gegenwärtige antisemitische Aktion wenden. Rolland schreibt: „Es machl mich bedauern, daß ich kein Jude bin, weil ich mich meiner Brüder, der Christen, schäm e." „Diese Epidemie in Europa, welche seit den Zeiten des finstersten Mittelalters verschwunden schien, wurde dank den reaktionären Kräften in Europa wieder lebendig gemacht, welche danach streben, die armen Klassen der einen Rasse gegen die armen Klassen der anderen Rasse und Religion aufzuhetzen. Wir erstreben eine geistige Verständigung mit allen guten und edlen Elementen des jüdischen Volkes ebenso, wie mit allen Völkern der Erde. Das edle Polen von Mieckiewicz, das selbst so viel gelitten hat, hat kein Recht, anderen Leiden zuzufügen. Seine heilige Mission wäre es, seine Sympathie denjenigen zu bezeugen, die leiden, und denen Hilfe zu bringen, die, wie Polen selbst in seiner Vergangenheit, verfolgt werden. Helft uns, die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit gutzumachen. Laßt uns vereint Schulter an Schulter kämpfen, daß die Völker eine bessere menschliche Gesellschaft schaffen, die auf Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit aufgebaut ist." Gegen den jüdischen Weltkongreß. Die maßgebende Londoner jüdische Zeitung Jewish ChronicI e" schreibt anläßlich des neuerlichen Versuches, einen „Jüdischen Weltkongreß" einzuberufen, folgendes: „Wir müßten uns die größtmögliche Gewißheit darüber verschaffen, daß wir keiner Selbsttäuschung unterliegen, daß es sich nicht nur um eine prächtige Fassade handelt, hinter der nichts ist Die Pläne zu einer Mobilisierung der jüdischen Demokratie hören sich sehr schön an. Umfassen sie aber auch die jüdische MUlionenbevölkerung in Rußland und in Deutschland? Wird es möglich sein, ein haltbares Abkommen betreffs der einzuschlagenden Politik innerhalb des parteizerrissenen polnischen Judentums zu gelangen? . . . Wird es gelingen, sich auf ein wertbeständiges Programm zu einigen oder wird irgend ein Kompromiß zustande kommen, das die Reisespesen der Delegierten nicht lohnt? Will man wirklich demokratisch sein, so müßte man den auf dem Kongreß vertretenen Gemeinschaften aus aller Herren Länder doch das Recht geben, bei allen wichtigeren Beschlüssen die Zustimmung ihrer Wählerschaften einzuholen und Anträge zu stellen. In diesem Falle aber würde die Kongreßmaschinerie mehr als schwerfällig werden und würde sicher nicht wirkungsvoller, wahrscheinlich sogar mit einem geringeren'Wirkungsgrad funktionieren als die heutigen Methoden. Werden wiederum derartige Rechte nicht eingeräumt, dann ist das demokratische Prinzip bereits in hohem Maße verwässert. Ein internationaler jüdischer Kongreß kann auch zu einer leicht zu handhabenden Waffe in der Hand unserer skrupellosen Feinde werden. Ob aber die Regierungen für die Stimme des Weltkongresses eher ein Ohr haben werden als für die Stimmen der bestehenden Körperschaften, die als Vertreter von eigenen Staatsangehörigen mit ihnen sprechen können, bleibt dahingestellt. Wir sehen keinerlei neue konstruktive Ideen und nicht einmal eine Sicherheit dafür, daß, wenn wir „unsere philanthropischen Institutionen demokratisieren" und unsere „Wohltätigkeitsbarone" nach Hause schicken, die Gelder Lesen Sie nächsten Montag im Wiener Montagblatt den Roman von SchalOttt Asch Der elektrische Stuhl künftig aus den Taschen unserer verarmten jüdischen Massen in die öffentlichen Kassen fließen würden. Große Reden allein werden da nicht viel helfen. All dies und anderes werden die Vertreter der englischen Judenschaft ernstlich in Erwägung ziehen müssen, bevor sie eine Verpflichtung zur Unterstützung des vorliegenden Planes auf sich nehmen könnten." Die Gefahren des Herbert Samuel- Planes. In der Londoner jüdischen Wochenschrift „Wor 1 d Jewry" schreibt William Zuckermann zum geplanten „Exodus der Juden aus Deutschland" folgendes: „Es ist eine Verleumdung, von den J udenderWeltzu behaupten, daß sie i h r e H e imatländer, in denen sie seit hunderien von Jahreng-elebt haben, so leicht, wie die Zigeuner ihre Zelte, wechseln könnten . . . Wie können die jüdischen Gentlemen in England eine derart unkluge „Lösung" für die deutschen Juden vorschlagen, deren Geschichte in Deutschland 700 Jahre früher begonnen hat als die Geschichte der Juden in England? ... Die Nazis sind es doch, welche meinen, daß die Juden ein Fremdvolk in Deutschland seien, ungeachtet dessen, daß sie seit zehn Jahrhunderten auf deutschem Boden leben; daß die Juden kein Teil des allgemeinen Körpers 'seien und es nie werden könnten, daß sie Deutschland zu verlassen haben. Der Plan eines „Auszuges der Juden aus Deutschland" ist seinem Wesen nach ein Nazi-Plan. Diicher 52 Scfiüjedßnbrückß Wien f., Franz-Josefs>Kal 7 + Neue BüAer b e t e r Autoren zu tief reduzierten Preisen ♦ Katalog gratis . . . Und dieser Plan ist mit einer noch größeren Gefahr verknüpft. Wenn nur die vollständige Auswanderung die Lösung des jüdischen Problems für Deutschland darstellt, warum nicht auch für Polen, jsumänien und andere Länder? Auch-dorkist -doch der Antisemitismus bereits reif genug. In jedem dieser vLänder ist man ebenfalls der Meinung, daß die jüdische Bevölkerung überschüssig sei. Wenn der Nazibluff gelingen sollte und die deutschen Judenverfolgungen das Ergebnis haben werden, die Juden zur Auswanderung aus Deutschland zu bringen — zu einer von Juden selbst finanzierten Auswanderung — dann kann eine Woge von Verfolgungen und Pogromen auch in anderen Ländern entstehen, die alles übersteigen wird, was unsere Zeit bis jetzt kennen gelernt hat." So bestraft England antisemitische Propaganda. Zwei strenge Urteile wegen antisemitischer Propaganda wurden von einem Londoner Gericht gefällt. Zwei Mitglieder der englischen faschistischen Liga hatten auf das Auto des Londoner Vizebürgermeisters einen Zettel mit der Aufschrift: „Jude!" aufgeklebt. Beide wurde verhaftet und hatten sich nunmehr vor Gericht zu verantworten. Der eine Angeklagte namens Matthews wurde zu 40 Schilling oder 1 Monat Gefängnis, ferner zum Erlag einer Kaution von 25 Pfund für 12 Monate verurteilt, der zweite Angeklagte Williams erhielt eine Strafe von 40 Schilling oder 1 Monat Arrest, weiters 5 Pfund oder 1 Monat Arrest, außerdem wurde er zum Erlag einer Kaution von 25 Pfund für 12 Monate oder Gefängnis von 6 Monaten verurteilt. Der Richter erklärte in seiner Urteilsbegründung: „Wenn solche Subjekte wie diese beiden Angeklagten Mitglieder der englischen f a s c h i s t i s c h e n L i g a sind, dann muß dies eine furchtbare Bewegung sein." So bestraft Polen jüdische Notwehr. Das Wilnaer Gericht verurteilte die jüdischen Kaufi eu te Abraham Mapsay und Schloime Chelm zu d r e i Jahren, bzw. einem Jahr Gefängnis, weil sie sich gegen einen. sie in der Nacht attackierenden Huligan so zurWehrgesetzt hatten, daß dieser laut Meinung des Gerichts infolge der ihm zugefügten I Sehr schönes Büro j : I. 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Vor einer jeden falschen Beeinflussung durch irrige Lehren wissen sich wahre Katholiken durch mannhaften Glaubensmut selbst dort zu schützen, wo äußere Machtüberlegenheit und eigenartiges Zusammenwirken solcher Kräfte, dfe Katholiken gewohnt sind hochzuachten, darauf ausgehen, ihnen das Joch heidnischer Rückständigkeit aufzuerlegen. Weder das Martyrium der Katholiken noch die Verfolgungen, die durch die Uebergewalt des neuen Heidentums hervorgerufen werden, können die Lebenskraft katholischen Lebens und Handelns brechen. Katho*- lischer Getet nimmt seine Kraft und Beständigkeit nicht aus menschlichen Erfindungen, sondern aus dem Willen Gottes und seiner Weisheit! Um so stärker und entschiedener müssen sich die Katholiken von den falschen Propheten, von ihrer Lehre und jeglicher Gemeinschaft mit ihnen abwenden. Hier be? uns wirken doch nicht die Einflüsse, die schwächere und vor allem abhängige Katholiken zur Annahme dieser Irrtümer führen könnten. Die Pflicht vor der Kirche und dem Gewissen ruft zu einem starken und entschlossenen Widerstand a.ller wahren Katholiken gegenüber den Irrtümern, wie auch gegenüber allen Versuchen, in unsere Diözese unwürdige Druckmittel zu übertragen. Ein ehrlicher Katholik verkauft seine katholische Ueberzeugung nicht Auch kann man ihn niemals glauben machen, daß man am Katholizismus Verrat üben müsse, um ein rechter Sohn seines Volkes zu sein. Haltet Euch darum fern von allen Veranstaltungen falscher Propheten, um nicht einmal GeJegenheit zu geben, daß das Böse auf Euch einwirken könnte." (Aus dem Faisten-Hirtenbrief des Bischofs Dr. Adamski von Kattowitz, 1936.) Im September Prozeß Frankfurter. Die Basler „N a t i o n a 1 - Z e i t u n g" schreibt: Das Kantonsgericht von Graubünden wird sich mit der Aburteilung des jugoslawischen Medizinstudenten David Frankfurter, der am 4. Februar den Mord an dem nationalsozialistischen Gauleiter Wilhelm Gustloff in Davos begangen hat, in der Septembersession zu befassen haben. Der Attentäter befindet sich seither in der kantonalen Strafanstalt „Sennhof" in C h u r. Ob seine Verbringung in eine Anstalt zum Zwecke der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens erfolgen wird, steht noch nicht sicher. Von Leuten, die mit dem Gefangenen zu tun haben, wird Frankfurter als ein Mann mittlerer Größe und von strammer Erscheinung geschildert. Sein Schritt sei sicher, sein Blick heiter und offen und sein Betragen gebe zu keinerlei Klagen Anlaß. Gelegentlich, so wird über seinen Zustand gemeldet weint Frankfurter, zeigt sich aber im allgemeinen sehr gefaßt. Alles komme ihm vor wie ein Traum. Die Folgen des deutschen Antisemitismus. Paul Schiemann, einer der verdientesten auslandsdeutschen Führer, schreibt im „Neuen Wiener Tag'blatt", daß die „antisemitische Bewegung ihrem ganzen Wesen nach mit der minderheitsrechtüchen Position der Aus-

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