Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 15-16 (6.4.1936)
- Date
- 1936-04-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 15/16 — 6. April 1936 Seite 3 Statuten und der Autonomie ein Schnippchen schlagen will, ist gar zu dürftig. „Mit der Anlage der Wählerlisten wird sofort begonnen. Die Arbeiten werden mit Rücksicht darauf, daß ein Wählerkataster nicht existiert und daß das Steueramt mit laufenden Arbeiten überhäuft ist, längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Wählerliste wird ungefähr 54.000 Wähler enthalten." Wieso weiß man, daß es 54.000 Wähler geben wird, wenn mit der Anlage der Wählerlisten erst begonnen wird? Ja, die Jüdischnationalen besitzen die Gabe der Prophezeiung. Warum sind die Wählerlisten nicht schon angelegt, da im Jahre 1936 die Neuwahlen normalerweise hätten durchgeführt werden müssen? Wairum werden die Wählerlisten nicht laufend geführt? Warum existiert kein1 Wahlkataster? Das Steueramt ilst wohl mit laufenden Arbeiten überhäuft, weil die Usurpation der Führung des Kultusvorstandes sich darin auswirkt, daß die Anhänger der „Union" mit Steuererhöhungen, Steuermandaten und Steuerexekutionen drangsaliert werden. Die Jüdischnationalen haben doch soviel von Hitler gelernt und sind doch im Ziele der Jüdenpolitik mit ihm vollkommen] einig. Warum haben sie ihm nicht auch abgeguckt, wie man zirka 45 Millionen Wähler kaum innerhalb von 4 Wochen registriert und auf die Beine bring*? Die Jüdischnationalen haben auch vergessen nachzuschauen, welche Frist zwischen Ausschreibung der Neuwahlen und Durchführung derselben bei normalem Ablauf der Funktionsdauer im Jahre 1932, 1928 und 1924 verstrichen ist, wo keine Eile geboten war, da der Vorstand aus 36 Mandataren bestand und in seiner Aktionsfreiheit durch das Sinken der Mandatare auf die Hälfte und unter die Hälfte nicht beschränkt war. Diese Fristen haben kaum zwei Monate betragen. Und jetzt wird zwischen Niederlegung der Mandate und Durchführung der wähl eine Frist von 9 Monaten gelegt. Aber man klammert sich an seine Mandate. Man möchte solange als möglich provisorischer Garantiert ■ .. Kunerol ist vollständig reines Fett . aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. \wsm Das100% reine Kokosnußfett <r* sffj>t Y*»«««« Nur echt in Originalpackung! Amtsdirektor und Erster Sekretär sein. Man hofft auf ein Wunder, daß die Empörung aller jüdischen Kreise Wiens über die Korruptionswirtschaft, den Fall Rath und Löwenherz sich mit dem Zeitablauf legen könnte. Zeit gewonnen, alles gewonnen. Aber die Jüdischnationalen werden eine große Enttäuschung erleben. Der Phönix wird nicht wieder aus der Asche emporsteigen. Mit vereinten Kräften! In den Straßen Wiens und aller österreichischen Ortschaften wehen Fahnen. Der festliche Schmuck gilt der Wiedereinführung der allgemeinen Dienstpflicht und gibt dem opferfreudigen Verständnis der Bevölkerung für das Qebot der Stunde Ausdruck, m der es gilt, die ruhmreiche Tradition der Ostmark, ein1, Bollwerk der abendländischen Kultur gegen den Ansturm wüster Barbarei zu bilden, wieder zu Ehren zu bringen. Wollten einst Hunnen und Avaren, Mongolen und Türken ganz Europa überschwemmen und seine Geisteswerte in den Strudel tödlicher Vernichtung ziehen, so droht heute dieselbe Gefahr seitens der braunen Horden, die sich im Dritten Reiche gegen die geistigem und sittlichen Fundamente der europäischem! Kuä'tur austoben und mit gleißnerischen Friedensangeboten nur über ihre Sehnsucht hinwegzutäuschen suchen, ihren fanatischen Haß gegen alle Geistesgüter, die den Stolz der zivilisierten Menschheit bilden, über ihre Landesgrenzen hinauszutragen. Ganz Europa fühlt sich in der Abwehrpflichlt gegen diese Gefahr solidarisch und es ist selbstverständlich, daß das zunächst bedrohte Oesterreich seine Söhne zur Abwehr aufruft und daß dieser Aufruf bei Jud und Christ dasselbe Echo pflichtbewußter Begeisterung findet. Die Katäholiken sehen sich in ihrer Glaubensfreiheit, die Juden darüber hinaus auch noch in ihrer Menschenwürde bedroht und es braucht daher nicht erst großer Worte, um ihre Solidarität gegen den gemeinsamen Feind ohne jeden Vorbehalt und auch ohne jene Zurückhaltung, die der Pater Bichlmair erst jüngst den Juden bei der Entfaltung ihrer staatsbürgerlichen Empfindungen empfehlen zu müssen glaubte, in Erscheinung treten zu lassen. Schon GriUparzer hat die Armee als das Lager Oesterreichs gepriesen, in dem alles Gemeinsame seiner Bürger süeghafte Gewalt über alles Trennende gewinnt und in diesem Sinne wirkte auch die Begründung des Dr. Resch, der dem Hause der Bundesgesetzgebung den neuen Gesetzentwurf über die Bundesdienstpflicht als einen Appell an die Vaterlandsliebe der Oesterreicher von überragender staatspolifischer, wirtschaftlicher und sozial erzieherischer Bedeutung empfahlt, überzeugend und Bundeskanzler S^chuschnigg vertiefte als nächster Redner diese Auffassung. Er schfflderte die Konsolidierung des 'Vaterlands und wandte, sich, von einem speziellen Falle, dem des „Phönix", ausgehend, gegen „politisch destruktive Demagogie", die der Bundeskanzler in der unsachlichen Ausdeutung des Falles erblickt. Wir sind dem Bundeskanzler für diese scharfe Zurückweisung unsachlicher Agitation dankbar. Denn allzu stark hat sich die „politisch destruktive Demagogie" in der letzten Zeit in Reden gegen die Juden ausgetobt. Vfzebürgermeister Dr. Kresse hat allerdings seine von uns jüngst glossierte Rede gegen die Juden dahin abgeschwächt, daß er nur die zugereisten Juden gemeint habe. Es wäre aber vom sachlichen Standpunkt gerechtfertigter, das konfessionelle Moment überhaupt aus dem Spiele zu lassen; denn die Anständigkeit ist weder religiös noch lokal gebunden. Wenn man sich daran gewöhnt, immer nur die Leistung für sich sprechen zu lassen, wird man bald die Erörterung der Judenfrage überhaupt als überflüssig erkennen. Leider zeigt eine antisemitische Spezialnummer des Organs des „Freiheitsbundes", welchen Umfang diese Erörterungen in der letzten Zeit schon angenommen haben. Für den Grad, in dem die Oeffenffiichkeift dem Gifte der Judenhetze bereits erlegen ist, ist es charakteristisch, daß sogar Kardinal Dr. Ironitzer sich gegen einen Entrüstungssturm wehren muß, die seine Absage an den Rassenantiseimtismus anläßlich der Einweihung des neuen Judenmissionsheims in Wien heraufbeschworen hat. In seiner Vertretung gab Sonnitag Konsistorialrat Engelhart einer im Wiener Rathaus abgehaltenen Massenversammlung der katholischen Männervereüne folgende Erklärung: „Es ist unverständlich, welcher Sturm sich gerade gegen diese Redie erhob. Es scheint, als ob alles ruhige Denken die Menschen in unserer leiden- ' schafterfüllten Zeit verlassen hätte. Glauben Sie, daß derselbe Bischof, der die mangelnde Sittlichkeit der Christen beklagt den demoralisierenden Einfluß der Juden verteidigt? Bedarf es einer besonderen Erklärung, daß das Schlechte und Zersetzende bei allen bekämpft werden muß. gleichgültig, von wem es ausgeht? Die Menschen unserer Zeit sind derartig in nervöser Hast, daß sie auch bei Reden nur den einen oder anderen Satz herausgreifen, sich darüber ereifern und dabeiübersehen, was sonst noch gesagt wurde. Warum hat man es nicht beachtet, daß der Kardinal damals sagte: .Wir haben die ganze Judenfrage vom religiösen Standpunkt aus zu beurteilen. Gewiß läßt sich diese Frage auch vom kulturellen, nationalen, sozialen und ökonomischen Standpunkt aus betrachten. Wir werden daher für gewisse Notwendigkeiten für unser Volk nicht blind sein . . .* Er sprach von Gerechtigkeit und Liebe und vom elementarsten Naturrecht. Sind denn diese Forderungen nicht für alle Menschen zu erheben, die unsere Erde trägt? Man bemühe sich doch um die objektive Gerechtigkeit, hüben und drüben! Am besten wäre es einfach, die Zahlen der Statistik sprechen zu lassen und danach die Einflußsphäre zu begrenzen. Wenn Minderheiten auch ihrem E'niluß nach Minderheiten bleiben, wer wird sich daran stoßen? Zeigt nicht gerade dieses Beispiel, wie recht wir haben, wenn wir immer wieder die Forderung der sozialen Gerechtigkeit erheben?" Wie letzthin Pater Bichlmair sprach sich also jetzt auch Konsistorialrat Engelhart zu Gunsten eines der Verfassung widersprechenden numerus clausus für Juden aus. Berief sich dabei der Jesuitenpaiter auf die jüdische Apostasie durch die Ablehnung des Christentums und die schlechte biologische Erbmasse, die auch der jüdische Täufling nicht loswerden kann, so glaubt der Vertreter des Wiener Erzbischofs sonderbarerweise eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit (!) zu erheben. Seine Frage „Wer wird sich darani stoßen?" fand zufällig zur selben Stunde durch Staatsrat K u n s c h a k, der sich in Wiener Neustadt über das Echo seiner von uns jüngst niedriger gehängten Judenhetze sehr beschwerte, eine ziemlich erschöpfende Antwort: „Ich habe vor einiger Zeit die Hand auf ein« Wunde im österreichischen Volksleben gelegt. Seit ich das getan habe, sieht es aus. als ob über die ganze Welt ein elektrischer Alarmapparat gespannt wäre, den ich in Bewegung gesetzt hätte. Die ganze Welt schreit: Kunschak ist ein Stänkerer! Kunschak ist ein Antisemit! Diese Solidarität muß einen mit Staunen erfüllen. Wenn man im Leben jemanden auf das Hühnerauge tritt, dann schreit er. In diesem Falle aber ist gar niemandem auf die Hühneraugen getreten worden, ich habe nur mit den Fingern hingewiesen, und die ganze Welt schreit. Selbst in Amerika und Australien hört man das E c h o." Es ist sehr naiv, sich darüber zu wundern, daß die ganze Welt den Widerspruch brandmarkt, der darin liegt, einerseits die Wahrung der staatlichen Unabhängigkeit Oesterreichs von Hitler- Deutschland im Namen der einzigartigen österreichischen Mentalität zu verlangen, anderseits aber diese Mentalität dieselben Wege einschlagen zu sehen, die die deutsche Legislative nach Nürnberg geführt hat. Wo bleibt diese einzigartige österreichische Mentalität, wenn der Obmann der katholischen Männervereine Dr. Guggenberger sich in einer Zeit, da die Juden systematisch aus dem österreichischen Wirtschaftsleben aus-