Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 14 (27.3.1936)
- Date
- 1936-03-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile b Nr. 14 — 27. Mär/, \936 DIE WAHRHEIT u Sondergebiete der jüdischen Wissenschaft und zeigt an klassischen Beispielen, wie jedes einzelne von ihnen, wie üelehrtengeschichte, wie Kultur- und Spezialgeschxlite. wie Chronologie, Bücher-, Inschriften- und Münzkunde zu behandeln und für die Wissenschaft des Judentums nutzbringend zu verwenden sei. Durch seine zahlreichen Werke, seine vielen Aufsätze und Vorlesungen über jüdische Geschichte und Literatur und nicht zuletzt durch seine Charakterfestigkeit hat der stille -Gelehrte die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gelenkt. Zunz galt „als der bedeutendste jüdische Gelehrte seiner Zeit" 1864 errichteten Zeitgenossen dem Meister anläßlich seines 70. Gcbuitstages eine „Zunz-Stiftung". die, „ein Zeichen und Zeugnis der Verehrung und Dankbarkeit, in Würdigung der großen Opfer, welche Dr. Zunz während seines ganzen Lehens der Arbeit für die Wissenschaft gebracht hat und auch noch im hohen Alter zu bringen nicht ermüdet", der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten im Geiste von Zunz dienen sollte. Als Zeichen und Beweis der Anerkennung und Verehrung gab das Kuratorium der Zunz-Stiftung auch zum 90. Geburtstage C1SS4) e'ne „Jubelschrift" heraus, zu der namhafte Gelehrte und Forscher in Verehrung für den Altmeister literarische Beiträge geliefert haben. Bis in das hohe Greisenalter blieb Zunz schriftstellerisch tätig. Erst ais diem kinderlosen Manne die treue Gattin durch den Tod entrissen wurde, nahm er als Achtzigjähriger Abschied von der Feder und dem öffentlichen Leben. Die letzten Jahre seines reichen Daseins verbrachte der Greis, dessen Name mit goldenen Lettern für alle Zeiten in die Anr.alen der Wissenschaft des Judentums eingeschrieben ist, in stiller Zurückgezogenheit, bis er am 18. März ISS6') ..alt und lebenssatt" in die Ewigkeit einging. — Nun ist ein halbes Jahrhundert seit dem Tode des Altmeisters der Wissenschaft des Judentums verflossen w;d in pietätvoller Dankbarkeit und tiefster Verehrung gedenkt das Judentum in diesen Tagen des Begründers und Schöpfers der jüdischen Wissenschaft, die nach den eigenen Worten des Meisters, „allein aus dieser Sintflut unvergänglich auftaucht", und ein lebendiges Zeugnis von der unverwüstlichen Lebenskraft und Lebensfähigkeit des Judentums darstellt. An den Schluß dieser Würdigung des großen Lehrers, der sich unsterbliche Verdienste um das Judentum und d:e Wissenschaft Charakterisierung des Forschers die Worte Heines gesetzt: ..Ein <ler Tat, hat er geschafft und träumten und mutlos hinsanken". Dr. Alfred W i 11 m a n u. Rabbiner in Nikolsburg. Benützte Literatur: Jüdisches Lexikon, V. Band, S. 1643 ff. Braun. Geschichte'der Juden. S. 163 ff. Müller, Jüdische Geschichte. S. 318 ff. Bernfeld, Juden und Judentum im 19. Jahrhundert. Niedriger hängen. rtuf die sechzehn Spalten langen Artikel der ..Wahrheit", die sich mit den Budgetreden des Herrn Präsidenten und Finanzreferenten ad hoc Dr. Friedmann und des Herrn Vizepräsidenten Dr. Ehrlich befaßten, hat deren Organ „D i e Stimme" keine Antwort gegeben. Eine sachliche Antwort war ausgeschlossen, es wäre der „Stimme" höchstens nur übrig geblieben, in gewohnter Weise zu schimpfen und zu verleumden und durch diese sattsam bekannten Methoden die Leser dieser Zeitung über die wahren Tatsachen hinwegzutäuschen. Den jüdischnationalen Artikelschreibern der „Stimme" scheint es endlich bekannt geworden zu sein, daß ihre sich immer wiederholenden Beschimpfungen nicht mehr jene Wirkung haben, die diese Herren erhofften. Sie haben daher in der „Stimme" vom 20. März 1936 aus den in unserem Blatte vorgenommenen seitenlangen Berichtigungen der Rede des Herrn Dr. Ehrlich einige Zeilen herausgerissen und diese Zeilen den angeblichen Ausführungen des Herrn Dr. Ehrlich gegenübergestellt. Was diese Gegenüberstellung bezweckte, ist aus dem Schlußabsatz zu ersehen. Die ..Stimme" will der Oeffentlichkeit dokumentieren, daH sie in die Reihen jener Antisemiten eingetreten ist, die den Juden fälschlich zum Vorwurfe machen, daß sie im Kriege nicht ihre Pflicht erfüllt hätten, sondern im Hinterlande geblieben wären. Diese Methoden des politischen Kampfes der Jüdischnationalen reihen sich würdig an die ihnen zur Gewohnheit gewordenen Methoden der Verleumdung, Beschimpfung und Diskriminierung des politischen Gegners. Mit solchen Methoden kann nur eine Partei kämpfen, die nichts mehr zu verlieren hat. erworben, seien zur und Menschen Zunz Mann der Rede und gewirkt, wo andere Fiüchtlings-Konferenz in Genf. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an alle Regierungen der Mitgliedstaaten des Völkerbundes sowie an die R e g i e r u n g e n d e r Vereinigten Staaten von Nordamerika und der Vereinigten Staaten von Brasilien ein Rundschreiben gericliter, in welchem er an die Be-^ Schlüsse des Rates vom 24. Jänner 1936 bezüglich des Schutzes der Flüchtlinge aus Deutschland erinnert und den Regierungen mitteilt, daß die in diesen Beschlüssen vorgesehene zwischenstaaliche Konferenz zwecks Festsetzung eines legalen Statutes für die Flüchtlinge aus Deutschland für den 2. Juli 1936 einberufen wird. Die Regierungen werden gebeten, spätestens bis zum 15. Mai 1936 dem Generalsekretär mitzuteilen, ob sie die Absicht haben, sich auf dieser Konferenz vertreten zu lassen, bejahendenfalls die Namen der von ihnen entsandten Vertreter anzugeben. Gleichzeitig überreicht der Generalsekretär den eingeladenen Regierungen eine vom Hochkommissar General Sir Neill Malcolm ausgearbeitete provisorische Tagesordnung der Konferenz. In dieser schlägt der Hochkommissar — im Hinblick auf die Dringlichkeit der zu behandelnden Fragen — vor. daß in erster Linie provisorische zwischenstaatliche Vereinbarungen getroffen werden, die ohne weiteren Aufschub in Kraft treten könnten. In zweiter Linie möge dann die Konferenz die Frage einer internationalen Konvention fUr den rechtlichen Status der Flüchtlinge behandeln und in dritter Linie die Frage der Ausfolgung von Identitäfspapieren an die Flüchtlinge. WIEN Ii.. Praferslraße Telephon D 41-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Für Sederabende Voranmeldung erbeten! ') S. BernfeM gibt a. a. O. den 13. März 1886 als Sterbetag an. Eine deutsche tiakenkreuzzeitung in Jerusalem. Wie Palcor meldet, beginnt in Jerusalem eine deutsche Tageszeitung zu erscheinen, die im nationalsozialistischen Geist gehalten ist. Die Herausgeber des Blattes sind deutsche Christen. „Mischehe." Herr Leopold H i ch 1 e r hat einmal zwei ganz gute jüdische Romane geschrieben. Das berechtigt ihn noch nicht zu der Annahme, daß er ein ganz guter Dramatiker wäre und daß auch das Wiener Publikum das annehmen werde. War er aber bisher dieser selbstsüchtigen Meinung, die ihm jeder halbwegs bühnengewandte Dramaturg hätte ausreden können, so ist er nun nach der ablehnenden Aufnahme seines am Dienstag in den K a m m e r s p i e- 1 e n uraufgeführten „Wiener Stückes" durch Publikum und Presse gewiß eines Besseren belehrt worden. Wir müssen sagen, daß diese Ablehnung, die sich bis zu dem Vorwurf eines „vehementen Angriffes auf den guten Geschmack" verstiegen hat, durchaus berechtigt ist. Was da gezeigt wird, ist wirklich so geschmacklos, daß — abgesehen davon, daß es schade um den Raum wäre — jede Besprechung des Inhaltes des Stückes oder der Versuch, seine ..Problemstellung" zu untersuchen, eine Ueberflüssigkeit ist. Zur gleichen Zeit, da im T h le a t e r i n der Josef Stadt das klassische Werk der christlich-jüdischen Beziehungen „Nathan der W eise" in so künstlerisch vollkommener Weise dargeboten wird, in einem leerstehenden Wiener Theater, dessen Direktion öffentlich von der Aufführung abrückte, mit beschäftigungslosen Schauspielern, auch guten, die natürlich mit ihren unmöglichen Rollen nichts anzufangen wußten, einen solchen Stumpfsinn aufzuführen, ist tief bedauerlich und kann nur auf christlicher wie jüdischer Seite empörte Ablehnung finden. Für den Seder empfiehlt sich. ehem. Kantor. Zuschriften an die Administration. Wozu Magensäure, wenn jeder zu Pe&MMD durch Benützung von Shemen-Ollvenöl (Speiseöl) es sich ersparen kann, daher benütze nur: Shemen-Ollvenöl in Orig. Packung, Stiemen Salatöl, Kodi- und Speiseöl | Benützet ShCnieil-Toiletteu- Haushaltseife, Shemeil-Zahnpasta und Zahnseife, wie auch Jalla-Orangen und Ifarmef Orlfi. Weine. Sämtliche Produkte UUSb IttD Generalvertreter für Österreich: S. RABINOWITSCH Wien IL, Zirkusgasse 10, Telephon R 48-7-38 Rektor Ludwig Blau, Budapest. Einer der Letzten aus jener Schule der jüdischen Gelehrten, deren Weitblick das ganze Gebiet der jüdischen Kultur und Geschichte überschaute, die das uferlose „Meer des Talmuds" als Spiegel ewigen Volksgeistes betrachteten und durchforschten, jener ganz Großen, deren Namen zum großen Teil mit dem 6Ujährigen Wirken des Budapester Rabbinerseminars verbunden ist. ist mit dem pensionierten Rektor dieser Anstalt dahingegangen. Prof. Dr. Ludwig Blau war der Prototyp der „Zisterne, die keinen Tropfen verliert": was er in seiner Jugend an ungarischen Jeschiwoth, an europäischen Hochschulen gelernt, was er dann durch fünfzigjähriges Dozieren und Studieren sich angeeigr net hatte, das blieb als wohlgeordnetes, systematisches Wissen im verblüffenden Gedächtnis des Forschers. Und Blaus Wissen gehörte nicht nur seinen Hunderten von Hörern, die er seit 1886 als Professor, seit 1913 als Rektor des Seniinars herangebildet hatte, sondern auch den Lesern in weiter Ferne. Anläßlich seines vierzigjährigen Schriftstellerjubilätuns vor zehn Jahren, als ihm zu seinem 65. Geburtstage ein zweibändiges Festbuch in ungarischer und hebräischer Sprache überreicht wurde, erschien darin die Bibliographie seiner Publikationen. Sie zählte damals nicht weniger als 720 wissenschaftliche Aufsätze auf, darunter 48 selbständige Werke*). In Fragen der Talmudkunde, der Massoretik, der verschiedensten Zusammenhänge zwischen Talmud und antiken Kulturen war Blau anerkannte europäische Fachautorität, aber auch sonst blieb ihm kein Gebiet jüdischer Geistestätigkeit fremd. Am auffallendsten zeigt sich dies in seinen Tausenden von Bücherbesprechungen, die er in den Zeitschriften des In- und Auslandes veröffentlicht hat, und in denen sozusagen die ganze zeitgenössische Literatur an uns vorüberzieht: von Blatt nicht bloß registriert, sondern auch kritisch revidiert und ergänzt. Seine eigene Zeitschriti, den hebräischen Hazoieh sowie die Magyar Z s i d 6 S z e m 1 e hat er zum großen Teile selbst vollgeschrieben. Infolge seines internationalen Rufes erhielt Prof. Blau nicht selten verlockende Anträge, die ihn in die großen Zentren jüdischer Gelehrsamkeit beriefen: in Breslau wurde ihm der Lehrstuhl Grätz's angeboten, die Jerusalemer Universität wählte ihn auf die erste Kanzel für Theologie, auch Cincinnati wollte ihn für sich sichern, r.ber Blau blieb den Budapester Traditionen eines Bacher, Bloch und Kaufmann treu, deren Erbe er treu verwaltete. Mit Recht rühmt ihm die Traueranzeige des Budapester Rabbinerseminars nach: .Fr hat durch seine wissenschaftliche Tätigkeit senem Vaterlande und seiner Konfession in der ganzen Welt Ruhm und Ehre eingetragen." Bei dem Begräbnis Prof. Blaus, bei dem sich auch die Regierung vertreten ließ, schilderte Großrabbiner Simon Hevesi die Persönlichkeit des Dahingegangenen, Großrabbiner Arnold K i s s aus Ofen spracli im Namen des Rabbinerverbandes, Franz S z e k e 1 y als Vorsitzender des Kuratoriums, Direktor A. Wertheimer für die Israelitische Ungarische Literaturgesellschaft. Prof. Sam. K r a u s z überbrachte die letzten Grüße der Wiener Theologischen Lehranstalt, während Prof. Mich. Guttmaun, der derzeitige Rektor, auch das Beileid des Breslauer Seminars verdolmetschte. -- Dr. A. Fürst. *) Seine bekanntesten Bücher sind: Masoretische Untersuchungen 1891, Das altjüdische Zauberwesen 189S, Das althebräische Buch 1902, Die aramäischen Papyrusse aus Assuan und Elephahtine 1908, Die Geschichte des jüdischen Scheidebriefes 1912. Lehrreiche Abhandlungen schrieb er auch über Leopold Zunz und Leon da Modena, eine apologetische ungarische Untersuchung über die „Ethik im Talmud" 1920. Gefeefeffir Rabbiner unöRafllopen bei Leichenbegängnissen Kantonale Rezitative Responsen und Chorgesänge bei Leichenbegängnissen von S^alpmon Snlzer und dessen Bild reit Unterschrift!im kleinen Format) Zn bezieben durch den Herausgeber Max. Schwager, IL, Zirkusgasse Nr. 5ft