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Die Wahrheit · 1936-03-27 · Heft 14 (27.3.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 14 (27.3.1936)
Date
1936-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE.WAHRHEIT Nr. 14 — 27.-März 1936 Seite 5 Also wir treffen uns bestimmt an den Sederabenden bei Ä. BARSCHAK Wien Ii., €roöe Schlfiitasse Nr 3 Teiepbon A 46-4 39 Unter Aufsiebt Sr. Etirw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästinaweine, Meth, Slibowitz, Kognak von S 2. - per Liter aufwärts. Besonders empfehlenswert: seine streng koschere Küche nos bar nwa KUNDMACHUNG Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-KoschermilCh in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die PeSSach - KOSChermllCh wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe dtopd erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive mit einer Schleife versehen mit dem Aufdruck: noD iü -nw 2bn Vom 6. April bis 14. April in _ _ _ allen Verkaufsstellen erhälflidb. Wiener MOlKerei. Heimkomitees. Sie folgten mit viel Vergnügen den gediegenen Vorträgen der ersten künstlerischen Akademie, die im neuen Heim stattfand und die durch die Klänge des Waldhornquintetts der Wiener Staatsoper stimmungsvoll eingeleitet wurde. Dann kam ein besonderer künstlerischer Genuß. Univ.-Prof. Dr. Hugo Stern sang eine schöne Komposition der berühmten Ballade Heines „Belsazar". Das Publikum spendete lebhaften Beifall dem von Bernard Eckstein begleiteten Sänger, dessen prächtige Stimme wie eindrucksvoller Vortrag gleich begeisterten. Sehr beifällig aufgenommen wurden die heiteren Gesangsvorträge der Frau Käthe v. Qutmann und die künstlerischen Gesangsvorfcräge der Frau Marianne Mislap-Kapper. Wahre Lachstürme entfesselte der Humorist Hans K o 1 i s c h e r. In Conference und Solo bewies Hugo K n e p 1 e r wieder sein großes Können. Animiert verblieben die Gäste, von denen viele dem neugegründeten „U n i o n - K1 u b" beitraten, noch lange in den schönen Räumen. Viel Zuspruch fand das vom „Union-Frauenklub" beigestellte und geleitete Büfett. Samstag, den 21. d. JVU fand der Eröffnungsabend der „Jugend-Union" statt, die ebenfalls in einem der schönen Räume ein würdjges Heim gefunden hat. Auch dieser Abend verlief bei starker Beteiligung sehr stimmungsvoll, die künstlerischen Darbietungen, unter denen besonders die heiteren Klaviervorträge des Herrn Hans H o r o w i t z hervorzuheben sind, fanden viel Beifall, der Einladung des Obmannes Dr. Bruno David, dem Vereine beizutreten, folgten zahlreiche der jugendlichen Besucher. Die „J u g e n d - U n i o n" ^darf mit dem Erfolg des Eröffnungsabends im neuen Heim sehr zufrieden sein, sie hat dort ihre Tätigkeit, über die noch ausführlich berichtet werdensoll, bereits aufgenommen, und wird nun, dessen sind -wir sicher, einen weiteren schönen Aufschwung nehmen. Leopold Zunz. Zu seinem 50. „Nennt man die besten Namen,';' '■ So wird auch der seine genannt." Das neunzehnte Jahrhundert, das eine der wichtigsten und fölgereichsten Epochen der jüdischen Geschichte bildet, weü in ihm in den meisten europäischen Kulturstaaten die Emanzipation und mit ihr der Weg zum Licht errungen wurde, ist auch die Geburtsstunde der jüdischen Wissenschaft Als der Schöpfer und Altmeister der Wissenschaft des Judentums gilt unstreitig Leopold Zunz, dessen Todestag am 18. März dieses Jahres sich zum 50. Male jährte. Wenn auch andere große Männer an der Begründung der jüdischen Wissenschaft regen und eifrigen Anteil genommen haben, so überstrahlt doch alle „Großen in Israel" Leopold Zunz, der in seinem Schaffen und Wirken als ein Bahnbrecher der Kenntnis des Judentums neue Wege einschlug und neue Quellen der Belehrung erschloß. Die Wiederkehr seines SO. Todestages bietet einen willkommenen Anlaß, dem gegenwärtigen in bewegter Zeit und in seelischen Nöten lebenden Judentum die in Vergessenheit geratene Persönlichkeit Zunzens und sein vielseitiges Wirken im Dienste der jüdischen Wissenschaft in deutliche Erinneruitfep.-,»-.' bringen, damit vor allem die jüdische Jugend in unserer schweren und harten Zeit an diesem charakterfesten, von glühendster Liebe zu seinem Judentum erfüllten Gelehrten, der bis in sein hohes Greisenalter literarisch tätig war, sich aufrichte und sich in die jüdischen Geistesschätze vertiefe! Zunz wurde am 10. August 1794 zu Detmold geboren und kam, früh verwaist, in die Samscn-Schule zu Wolfenbüttel und dann auf das dortige Gymnasium. Sechs Jahre später bezog er die Universität zu Berlin und blieb nach Beendigung seiner Studien mit geringer Unterbrechung — 1835/36 bekleidete er in Prag die Stelle eines Predigers bei dem Vereine zur Errichtung eines geordneten Gottesdienstes — in dieser Stadt, in der er nacheinander als Prediger, als Leiter der jüdischen Gemeinde-Schule wirkte und im Jahre 1840 Direktor des neueröffneten Lehrerseminars wurde. Schon im Jahre 1818 veröffentlicht der junge Gelehrte das Schriftchen „Etwas über die rabbinische Literatur", in dem er einen Ueberblick über sämtliche Zweige der jüdischen Wissenschaft gibt. Im Jahre darauf, am 7. November 1819, konstituierte sich in Berlin auf seine Initiative hin der „Verein für Kultur und Wissenschaft des Judentums". Als das erste Werk des neuen Vereins erschien die „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums", deren Leiter und Herausgeber Zunz wurde. Die Zeitschrift übertrug den Geist und die Methode der klassischen Philologie auf die jüdische Literatur. — Todestage. j Nicht umsonst hatte Zunz irair der Berliner Universität die aufschlußreichen Vorlesungen' des berühmten Philologen Boeckh besucht, die auf ihn einen nachhältigen Einfluß übten. — Zunz zeichnete in einem Aufsatze über „Raschi", den großen Bibelkommentator aus dem 11. Jahrhundert, mit unübertroffener Meisterhand das Lebensbild dieses Geistesheröen mit allen Hilfsmitteln der modernen Wissenschaft. Ueberhaupt suchte er das Judentum wissenschaftlich Sn seiner geschichtlichen Entwicklung zu erfassen (dte historische Methode). - (Vielleicht darf im Zusammenhange damit auf einen älteren Vorläufer dieser Richtung und Methclde hingewiesen werden, nämlich auf'Asaria de Rossi (1514— 1578), der gleichfalls historisch und philologisch geschult in seinem Hauptwerke „Meojr Enajim" (Augenleuchte) die wissenschaftliche Kritik und die historische Methode in die jüdische Literatur einführte.) Diesem Muster einer Biographie folgte im Jahre 1832 sein klassisches Werk: „Die gottesdienstlicben Vorträge der Juden, historisch entwickelt". In diesem epochalen Werke führt Leopold Zunz den wissenschaftlichen Beweis, daß die Predigt, das lebendige Wort religiöser Belehrung, nicht nur nicht .vunjüdisch", sondern im Gegenteil ganz auf dem Boden des Judentums entstanden sei und zu allen Zeiten wesentlichen Bestandteil des Gottesdienstes gebildet habe. „Möge der Vortragende Prediger oder Rabbiner, Lehrer öder Redner heißen, wenn er nur aus Bibel und Hagadah das Wort Gottes, aus alten und neuen Leistungen das echte Gold, in der Gegenwart den wahren Beruf und für die Herzen die rechte Sprache zu finden weiß . . . Beglückter als Propheten und Emoras (die Gesetzeslehrer in Palästina und Babylonien nach Abschluß der Mischnah, anfangs des dritten Jahrhunderts), Hagadisten und Darschanim, Prediger in altjüdischer Weisung, soll die Predigt der Rabbiner, der Vortrag des Religionslehrers neben Trost und Hoffnung, neben Lehre und Erbauung, auch Segen und Freude gewähren, Segen dem freien Israel, Freude aber dem .versöhnten Europa." (Gottesdienstliche Vorträge, S. 496, 2. Aufl.) Eine zweite Reihe vorzüglicher Untersuchungen widmete der Historiker Zunz der Geschichte des Gebetes bei den Juden. Diese sind festgehalten in den Werken: „Die synagogale Poesie der Juden" (1855), „Der Ritus des synagogalen Gottesdienstes" (1859), „Literaturgeschichte der synagogalen Poesie" (1865) und „Nachtrag" zu dem letzteren Werke (1867). In diesen ven rrofunden Kenntnissen der jüd'schen Geschichte und Literatur zeugenden Arbeiten gibt uns Zunz ein anschauliches Bild über das Wesen der gottesdienstlichen Poesie und deren Bedeutung für die Geschichte der jüdischen Vergangenheit. Diese Bücher setzen ein gründliches Studium des jüdischen Märtyrertums voraus und der Altmeister widmete Jahrzehnte seines Forschens der „Seücha-Dichtung" und dem „Pijut" überhaupt In unverdrossener Arbeit sammelte er das in den verschiedenen großen Bibliotheken Italiens, Frankreichs und Englands zerstreut liegende reichliche Handschrrftenmaterial und verfaßte mit genialer Meisterschaft die obgenannten historischen Werke. In der „synagogalen Poesie des Mittelaitors" zeichnet der Autor ein anschauliches Gemälde aus der Leidensgeschichte Israels, da spricht sein warmes Herz mit dem tiefen Gefühle eines Sehers von dem Martyrium seines Stammes. Lassen wir im fügenden Zunz mit seinen eigenen Worten ein Bild aus der Leidensgeschichte Israels im Mittelalter vorführen: dadurch gewinnen wir am besten Einblick in sein literarisches Wesen und seine universelle, alle Seiten des Judentums mit gleicher Liebe und gleichem Verständnis umfassende Gelehrsamkeit. — „So schrecklich das Los der Juden in jenen Jahrhunderten war, so kann man sich kaum darüber wundern. Geschehen ja vor unseren Augen in unzivilisierten Ländern ähnliche Dinge, und eben so schreckliches den Sklaven von den weißen Barbaren. Das Mittelalter ist die Zeit der Barbarei, das heißt der vereinigten Herrschaft von Faustrecht, Unwissenheit und Pfaffentum; in jenem goldenen Zeitalter wurden einige herrliche Erfindlungen gemacht, z. B. Ohrenbeichte und Cölibat, Bibelverbote und Karthäuser, Kreuzzüge und Hexenproziesse, Inquisition und Ketzerverbrennung. Pfaffentum und Raubgier haben den Flor der Prcvence zertreten, Spanien arm gemacht, Asien und Amerika entvölkert; Despoten und Priester haben auf Ihrer Spur mehr Brandstätten und Elend zurückgelassen als Skythen, Hunnen und Vandalen zusammengenommen. Unter Polen und Böhmen, Magyaren und Chorsaren, Franken und Bulgaren, Beduinen und Mongolen ist es ohne Fräse den Juden besser ergangen als unter den mittelalterlichen Christen. Die Geistlichen, deren Mordtaten um das Jahr 1150 und weiter in England überhand nahmen, haben in geopferten Albigensern, Waldensern, Protestanten und Ketzern ihre Milde hinlänglich bewiesen, und Israels Selicha (synagogaile Gedichte, welche dem Schmerz über dSe erlittenen Verfolgungen gewidmet sind) soll nur ein Blatt in diesem Buche bilden." — „Den Juden, die in England, Frankreich und Deutschland wie eine Ware aus einer Hand in die andere g'ngen, wurde baild von Priestern und Machthabern, bald in roher Weise vom Volke zugemutet, sich taufen zu lassen, und im Weigerungsfalle floß oft Blut. Ein tausendfältiges Echo schallt uns bei solchen Auftritten aus der synagogalen Poesie entgegen . . . Unter dem Drucke entlud das edlere Gemüt sich seiner schönsten Säfte, und die gepreßte Blume gab ihren Dtiit, und der Gekettete erschien freier als sein Büttel." (Die synagogale Poesie, S. 14—15, mitgeteilt in S. Bernt'eld: Juden und Judentum im 19. Jahrhundert. S. S8—89). Geradezu von prophetischer Kraft mid klassischer Diktion sind seine Worte, die auch für unsere Gegenwart eine besondiere Bedeutung und Aktualität besitzen: „Wenn es eine Stutenleiter von Leiden gibt, so hat Israel die höchste Stufe erstiegen; wenn eine Literatur reich genannt wird, die wenige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber?" Außer den zahlreichen einzelnen Abhandlungen, die Zunz verfaßt hat. welche in den „Gesammelten Schriften" vereinigt, im J;*hre 1874 zum 80. Geburtstage unter der Leitung des Mei-rers herausgegeben wurden, sei besonders die Sammlung hervorgehoben, die er unter dem Titel: ..Zur Geschichte tind Literatur" zum Abdrucke bringen lief!. In diesem Werke, das bereits 1845 die Druckerpresse verließ, gibt Zunz eine genaue Zielsetzung für die e'nze'nen

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