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Die Wahrheit · 1936-03-27 · Heft 14 (27.3.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 14 (27.3.1936)
Date
1936-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 14 4-27. März 1936 DIE WAHRHEIT - und bei MensiShen ist "dies trotz aller Gesetze glücklicherweise nicht möglich gewesen — muß die Art verkümmern. In einem nichtig gebauten Staate ist das Weib, das nicht geboren hat, unehrenhaft. Zur Begattung der vorhandenen Frauen und Mädchen f i n d e n s i c h w i 1 I i g e u n d fleißige Männer und Jünglinge genug, und glücklicherweise genügt ein flotter Bursche für zehn bis zwanzig Mädchen, die den Willen zum Kinde noch nicht «rtötet haben, bestände nur nicht der naturwidrige Kulturunsinn der monogamen Dauerehe." Der Verfasser dieser Zeilen ist ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Leipzig und Referent des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Kommentar überflüssig. ®ie Juden Wiens und der Stovmx xsind zur ftoerzengung gelangt, daß die weit berühmten Mazzolh der Pester Israelit. Kaltasgemeinde, J an QntllllQI und OCSdlinadi sind. Nach einem Versuch kauft jeder die-guten '"PeStCr QDalltätS"fIaZZOlll» dünne und (runde) dicke, sowie Mazze- 'Grieß, Farvel und Mazzemehl. In allen elnSdUagltfen GeSdltHten erhältlich. - AllemYertrelung lfir OslerrelA: IGNAZFROST t Lebensmltfelhandiung Wien Ii., naidgasse Nr. 9 - Telephon A 49-3-84 Der Judenstaat — ein Wunschtraum. Der „Judenstaat" ist eine Utopie. Wenn wir immer wieder diese unwiderlegliche Behauptung aufstellen, regen sich die Herren Jüdischnationalen, insbesondere die weniger zahflreichen, dafür mm so lauten Männer der Judenstaatspartei gewaltig auf. Nun, vor kurzem mußten sie sich über eine ähnliche Aeußerung eines englischen jüdischen Staatsmannes ärgern, dessen Name gerade jetzt wieder im Zusammenhang mit dem großzügigen Projekt der Auswanderung von 250.000 deutschen Juden viel genannt wird, aüs dessen Initiator und Förderer er anzusehen ist. Wir meinen den ersten High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Sam u e 1, der bekanntlich jüngst in Amerika weilte, um dort mit den maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten und Organisationen über einten gewaltigen Flüchtlingsplan zu beraten. Dieser erste High Commissioner von Palästina hat vor einiger Zeit eine Rede in der Londoner jüdisch-historischen Gesellschaft gehalten, ein fesselndes geschichtliches Expose, dem auch das höchste Interesse des Nichtzionisten gebührt. Sir Herbert Samuel erzählte, daß er am 9. November 1914 dem damaligen englischen Außenminister Sir Edward Grey in einer längeren Aussprache die Idlee des Judenstaats in Palästina als eines politischen KrSegsziels vorgetragen habe. Palästina solle neutralisiert und der freie Zutritt zu den heiligen Stätten für christliche Pilger gesichert werden. Wie G r e y so stand später auch Lloyd George positiv zu diesem Gedanken und äußerte zu Sir Herbert Samuel, er wünsche sehr, daß in Palästina ein Judenstaat entstehe. In dem Bericht der Jüdischen Telegraphen-Agentur über die Samuel-Rede heißt es dann weiter: „Es zeigte sich bald, daß der Plan eines autonomen Judenstaats angesichts der Tatsache, daß damals fünf Sechstel der palästinensischen Bevölkerung aus Arabern bestand, sowie aus anderen. Gründen praktisch undurchführbar war. Die Interessen Englands und des jüdischen Volkes wiesen auf folgende Lösung hin:' Errichtung einer englischen Oberherrschaft bei gleichzeitiger Förderung der Jüdischen Einwanderung und Gewährung des unter den gegebenen Bedingungen größtmöglichen Maßes von Autonomie an die neue jüdische Gemeinschaft." Auf dieser Konzeprion, die wohl das geschichtliche Endle des Judenstaatgedankens bedeutete, beruhte dann die fBalfour-Deklaration von 1917 und somit die heutige jüdische Siedlungstätigkeit im englischen Mandatsgebiet Palästina. v- Das historisch Wichtige an dem Bericht Sir Herbert Samuels ist dfe darin so klar und beweis- Hornyphone und alle anderen Radio-Apparate auch auf Teilzahlung, Plattensplel-Grammophone, Schallplatten I. RadtOllänS am BaihMupUilz 9 Telephon-H>A3S^O ' ' * kräftig ejrfolgte Bestätigung,! daß der Judenstaat heute nur noch ein Wunschtraum und somit die eigentlichste ideologische Zielsetzung des politischen Zionismus irreal geworden ist Unumstößlich richtig bleibt dann für Palästina nur eines, wofür wir stets eingetreten sind, nämlich die (mit nichtzionistischer Hilfe zustandgekommene) Siedlungs- und Existenzmöglichkeit in Palästina, die im Rahmen des immer brennender gewordenen, weltweilten jüdischen Wanderungsproblem einen beachtlichen Beitrag darstellt. Konstituierung des Union-Klubs. Die allgemeinen Verhältnisse müssen auch die österreichische Judenschaft dazu bestimmen, sich nicht nur religiös und politisch, sondern auch gesellschaftlich und kulturell zusammenzuschließen. Der Aufgaben auf diesem Gebiete gibt es sehr viele. Nicht nur die Aufklärung über die politische und kulturelle Entwicklung unserer Zeit, sondern auch die Erörterung und Klarstellung der Probleme auf diesen Gebieten und die entschlossene Stellungnahme vom Standpunkte der österreichischen Juden erfordern systematische Arbeit und entschlossenes geistiges Zusammenwirken. Die Stätte, an der sich diese Arbeit vollziehen soll, will der Heuerrichtete Union-Klub dadurch schaffen, daß er sowohl durch ernste Arbeit als auch durch geselliges Zusammensein, durch Veranstaltungen auf allen Gebieten kulturellen und geselligen Wirkens seine Mitglieder einander näherbringt. Von der Information durch Zeitungslektüre angefangen, eine gediegene Bibliothek, die geschaffen werden soll, bis zur Veranstaltung gemeinsamer Reisen sollen alle gesellschaftlichen Möglichkeiten benützt werden, um auch auf diesem Gebiete jenen Kreisen, die dieses Zusammenseins in unserer ernsten und schweren Zeit mehr denn je bedürfen, diese Gelegenheiten zu bieten. Auch die Jugend soll in diesem Kreise ebenso zu ihrem Rechte kommen wie die Frauen; für beide, sowohl für die Jugend wie für die Frauen, sind eigene Spezialorganisationen vorgesehen, die den besonderen gesellschaftlichen Wünschen dieser Gruppen genau so Rechnung tragen sollen, wie dies für jene Kreise geschehen soll, die ernstes kulturelles Streben und gediegene Arbeit wünschen. Die „Union österreichischer Juden" hat für alle diese Arbeiten die Voraussetzungen durch die Schaffung eines allen Anforderungen entsprechenden Heimes gegeben, das, günstig (Schottenring 25) gelegen und vornehm ausgestattet, den Zentralpunkt für alle diese Bestrebungen bieten kann. Es wird nun die Aufgabe der Leitung des Klubs sein, aber auch die Aufgabe aller Mitglieder, diese Möglichkeiten zu nützen und für sich sowohl wie für die alte Wiener jüdische Kultur einen neuen wertvollen Stützpunkt zu gewinnen. Soweit es an mir liegt, werde ich mein Möglichstes tun, von diesem weitgesteckten Programm einem guten Teil zur Erfüllung zu verhelfen. Dr. Rudolf B r i c h t a, Obmann. * Dienstag, den 24. d. M. fand im Festsaal des neuen Heimes der „Union" die konstituierende Generalversammlung des Union-Klubs statt. Den Vorsitz führte Reg.-Rat Dr. Max Lenk, als Schriftführer fungierte Dr. Julius Grünwald. Nach Veilesung der von der Behörde genehmigten Klubstatuten erfolgte über Vorschlag des Herrn Eduard W i d r i c h die einstimmige Wahl der Leitung, die folgendes Ergebnis zeitigte: Dr. Rudolf B r i c h t a, Dr. Bruno David, Med.-Dr. Siegfried Diamant, Friedrich Feuer, Rechtsanwalt Dr. Julius Grünwal d, Dir. Komm.-Rat Wilhelm Hin er, Dr. Emil Kollek, Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Frau Dr. Stella Oppenheim, Komm.-Rat Alexius S a 1 z e r, Paul S c h w a r z s t e i n, Dr. Robert S i e g m a n n, Berthold Sinai, Rechtsanwalt Dr. Maximilian Stiglitz, Frau Dr. Else Ticho, Dir. Jacques W e i g e r. Auf Antrag des Herrn Dir. J. W e i g e r wurde unter lebhaftem Beifall der Versammlung der Präsident der „Union", Herr Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, zum Ehrenobmann des Klubs, Herr Architekt Dr. Hans B e r g e r zum Ehrenmitglied ernannt. Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim dankte in herzlichen Worten für die ihm gewordene Ehrung und wünschte dem Klub, der eine Ergänzung der „Union" auf kulturellem und gesellschaftlichem Gebiete bedeuten soll, viel Glück für seine fernere Tätigkeit. Zu Revisoren wurden die Herren Geza KHnger und Börserat Heinrich Popper, zu Schiedlsigerichts-Obmännem die Herren Dr. Ernst Feldsberg, Dr. Leo Horow i t z und Dr. Josef Ticho gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wurde (inklusive „Union'-Mitgliedsbeitrag) für männliche Mitglieder mit S 5.— pro Monat, für weibliche mit S 2.— pro Monat festgesetzt. Die von Herrn Dr. J. Grünwald vorgeschlagenen Statutenänderungen wurden angenommen. Im Anschlüsse an die Generalversammlung fand die Konstituierung der neugewählten Leitung statt. Es wurden einstimmig gewählt: Obmann: Dr. Rudolf Brichta. Obmann-Stellvertreter: Dir. Jacques W e i g e r, Friedrich Feuer. Schriftführer: Dr. Julius Grünwald. Schriftführer-Stellvertreter: Frau Dr. Stella Oppenheim. Kassier: Paul Schwarzstein. Kassier-Stellvertreter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Der neugewählte Obmann, Herr Dr. Rudolf Brichta, dankte in seinem und seiner Kollegen Namen für die Wahl, skizzierte in ähnlicher Weise wie an der Spitze dieses Berichtes die Aufgaben und Ziele des Union-Klubs und bat um Unterstützung bei der großen Arbeit, die nunmehr mit aller Energie aufgenommen wird. Das neue Klubheim der „Union", I., Schottenring 25, hat nun schon zweimal seine besondere Eignung für vornehme jüdisch-gesellige Verunstaltungen bewiesen. Gleich am Eröffnungstaglei konnte diese Eignung von jenen zahlreichen Mitgliedern und Freunden der „Union" festgestellt werden, die den überaus "gelungenen Empfangsabend besuchten. In allen Sälen herrschte lebhaftes Treiben, in froher Stimmung bewunderten die Gäste, die im Namen des Zentralvorstandes Dr. Feldsberg in einer Rede begrüßte, die Herrlichkeit der Räume, beglückwünschten die! „Union" zu diesem schönen Heim und lobten die Tätigkeit des Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen

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