Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 14 (27.3.1936)
- Date
- 1936-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 14 — 27. März 1936 Seite 3 „Gemildertes" polnisches Schacht" verbot. Der polnische Sejm hat in der Sitzung am Freitag, den 20. März, nachts, ein Gesetz über das Sehlachten von Tieren in zweiter und dritter Lesung „durchgepeitscht", das zwar nicht so weit geht, wie der Antrag der Frau Prystor, der aui ein totales Schächtverbot abzielte, aber — in Anlehnung an die Vorlage der Regierung — das betäubungslose Schlachten au! dem ganzen Gebiet der polnischen Republik verbietet und hievon lediglich ein engbegrenztes Kontingent von Schlachtvieh für die ausschließlichen Bedürfnisse der jüdischen, karäischen und mohammedanischen Bevölkerung ausnimmt. Die Schächtgegner haben aber A bänderungen des Regierungsentwurfs durchgesetzt, die weitere Härten für die Juden bedeuten. Das Schächten von Geflügel wurde ebenfalls kontingentiert und die Kontrolle des Verkaufs von geschächtetem Fleisch so umgrenzt, daß der jüdische Fleischhandel in eine fast untragbare Lage kommt, ganz abgesehen davon, daß die Mehrheit der Fleisch'händler überhaupt aus dem Fleischhandel ausgeschlossen wird. Es ist vorgesehen, daß das vom Seim endgültig verabschiedete Gesetz noch vor den Osterferien den Senat passiert und am 1. Jänner 1937 in Kraft tritt. leichtverdaulich Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt halt- -bar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das100%reine Kokosnußfett kii Nur echt in Originalpackung! Die Lage der Juden in Rumänien. Von besonderer Seite. 1. Die politische Situation. Will man die augenblickliche Lage der Juden in Rumänien mit einem Wort charakterisieren, so kann man sagen, sie ist sehr bedroht, aber nicht hoffnungslos. Die Juden blicken voll Zutrauen auf C a r o 1 11. Er ist klug, intelligent und dürfte einsehen, daß eine faschistische Rechtsregierung seine unzweifelhafte Machtstellung im Staate untergräbt. Es ist unwahrscheinlich, daß er nach dem Abtreten der liberalen Regierung der nationalchristlichen Front Cuza-Goga die Regierung übertragen wird, insoweit ist die Lage nicht trostlos. Es gibt aber eine viel gefährlichere Rechtspartei, die sehr ernst zu nehmen ist. Es ist die Partei der „Eisernen G a r d e", die unter dei Führung des Cornelius Codreanu steht und sich als politische Partei unter dem Namen „totul pentru tara" — Alles für das Land — konstituiert bat. Formell ist General a. D. Cantacuzino Präsident der Partei, aber in seinen Manifesten nennt er Codreanu seinen „Führe r". Corneliu Codreanu ist jener junge Mann, der im Jahre 1924 den Präfekten Manciu in Jassy erschossen hat und von den Geschworenen freigesprochen wurde. Er ist ein ehrlicher Fanatiker, wird von der Jugend wie ein Heiliger verehrt, hält sich im Hintergründe, hat aber alle Fäden in der Hand. Bei den Parlamentswahlen vor zwei Jahren hat der damalige Ministerpräsident D u c a die „Eiserne Garde" aufgelöst und sie von der Kandidatur im Parlament ausgeschaltet. Die Antwort war ein Todesurteil gegen Duca. Er wurde ermordet. Seitdem sihd zwei Jahre verflossen. Neben den drei Mördern (Studenten) saßen auch die Führer der „Eisernen Garde" (Codreanu und Cantacuzino) auf der Anklagebank. Obwohl ihre moralische Urheberschaft von niemandem bezweifelt wurde, wurden sie freigesprochen. Der neue Ministerpräsident Tartarescu setzte die scharfe Politik Ducas nicht fort. Er gestattete die Konstituierung der Eisernen Garde als politische Partei und er duldet es, daß sie ihre Tätigkeit im ganzen Lande entfaltet. Selbstredend ist diese Partei durchaus antisemitisch. Der Kampf g«gen die Inden ist ja am leichtesten. Die Eiserne Garde wird zur Regierung nicht iierufen werden, aber es besteht die Gefahr, daß sie sich auf revolutionärem Wege die Regierung nimmt. Die Garde besitzt nämlich Waffen. Vor kurzem war ein Putsch geplant. Ausdrücklich war verordnet, daß bei diesem Putsch die jüdische Bevölkerung in. Ruhe zu lassen sei. Die Führer wollten nicht, daß dieser erste Putsch sich vor der Oeifentlichkeit mit Plünderungen und antisemitischen Greueln beflecke. (Ob man sich bei einem zweiten Putsche ebenso verhalten würde, ist nicht wahrscheinlich.) Auch Hitler ist nicht sofort nach Eroberung der Macht gegen die Juden vorgegangen. Der geplante Putsch wurde entdeckt, hintertrieben, aber man hat nichts von irgendwelchen Repressalien gehört. Ueber die Geldquellen dieser Bewegung verlautet nichts, während angenommen wird, daß die Cuza-Goga- Front von der Hitlerregierung subventioniert wird. Alle Einsichtigen sehen die Gefahr für die Staatsordnung und insbesondere für die Juden in dieser, mehr unterirdisch arbeitenden Partei, die, wenn sie ans Ruder kommt, alle Minderheiten und insbesondere die Juden entrechten wird. Aber auch ohne Rücksicht aui jeden normalen oder anormalen Wechsel der Regierung ist die Lage der Juden in Rumänien in h o Ii e ni M a ß tbedr o Ii t. Die Gefahr besteht in der seit Hitler modern gewordener, engherzigen, egoistischen, die Minderheiten, insbesondere die Juden ausschließenden nationalistischen Bewegung, deren Parole lautet: „Rumänien den Rumänen". Diese Parole machen sich alle Parteien zu eigen, insbesondere der ehemalige Ministerpräsident Vaida. der aus der nationalen Bauernpartei hinausgegangen ist und für den sogenannten „Numerus V a 1 a c h i c u s" kämpft. Es handelt sich hierbei um einen Numerus clausus, der sich gegen alle Minderheiten richtet. Wohl hat die Neugründung dieser Partei Schiffbruch gelitten, aber es ist nicht abzusehen, ob nicht diese Formation neu ersteht und weitere Kreise zieht. Denn Vaida gilt als Vertrauensmann des Königs. Eine Formation unter Vaida wäre die einzige rechtsextremistische Partei, die wegen ihres gemäßigten Charakters noch einige Aussicht hätte, von der Krone mit der Bildung der Regierung betraut zu werden. Es ist aber immerhin ein Glück für die Juden, daß die drei antisemitischen Parteien, und zwar: Eiserne Garde, nationalchristliche Cuza-Goga-Front und die rumänische Front des Herrn Vaida m i teinander nicht einig sind. Wohl haben sich die beiden letzteren in Kammer und Senat als parlamentarischer Rechtsblock konstituiert, aber die Divergenzen zwischen beiden Gruppen sind groß. Vaida will nicht restloser Antisemit sein. Cuza aber will programmgemäß die Juden austreiben und ihr Vermögen expropriieren. Die gegenwärtige Regier u n g ist gemäß ihrer alten Tradition durchaus nationalistisch und antisemitisch. Immer hat sie die Cuzistischen Umtriebe geduldet und gefördert. Gegenwärtig tut sie es mit der deutlich erkennbaren Absicht, der anderen Regierungspartei der Nationalzaranisten (Bauernpartei) bei den Massen den Boden abzugraben. (Ein /.weiter Aufsatz folgt.) A ufnordungsrezepte. in Berlin ist ein von dem Arzt Duprc verfaßtes Buch „W elianschauung und Menschen- Züchtung" erschienen. Darin wird auch über die Art der Menschenzüchtung, wie sie sich gewisse nationalsozialistische Kreise vorstellen, berichtet. Es heißt in dem Buche wörtlich: „Erbtüchtige Frauen wählen unter den vom Rat der Alten zur Auswahl gestellten Männern mit hochwertigen Erbeigenschaften den zur eigenen Veranlagung passenden Partner aus und bleiben mit ihm in streng monogamer Zeitehe bis zur Befruchtung vereinigt. Das Paar wird dann getrennt und die werdende Mutter lebt bis zur Entbindung ehelos auf Kosten der Allgemeinheit. Nach etwa zwei Jahren wird sie in neuer fruchtbarer Zeitehe mit einem anderen hervorragend züchtungstüchtigen männlichen Partner zusammengegeben. Solche, natürlich uueh besonders mutterschaftstüchtige Frauen, sollen auf diese Weise etwa sechs Kindern das Leben schenken, während das zeugungsuntüchtige Weib von der Mutterschaft auszuschließen ist. (Wie anders?) Letztere sowie die von der Fortpflanzung ausgeschlossenen züchttingsuntüchtigen Männer sollen in der gewollt unfruchtbaren Zeitehe die Möglichkeit zu einer vernünftigen Befriedigung des Geschlechtstriebes finden. Die Kinder werden in besonderen F r a u e n h ä u s e r n gemeinschaftlich von erprobten Erziehern erzogen, die Knaben vom sechsten Lebensjahr an im M ä nn e r h a u s. Die erbtüchtige Mutter lebt im Schutz des Frauenhauses und empfängt auf Grund einer Vereinbarung mit ihrer Obermatrone in gewissen Zeitabständen ihren zeitelrelichen Partner. Es kann dann nicht mehr vorkommen, wie bisher, daß zahlreiche der erb- und gebärtüchtigsten Jungweiber aus Mangel an ehelustigen Bewerbern als alte Jungfrauen veikümmern oder in monogamer Dauerehe aus wirtschaftlichen Gründen steril bleiben." Der Naziprofessor Ernst Bergmann äußert sich in seinem Buche „Erkenntnisgeist und Muttergeist" über Einehe und Rassenzüchtung mit folgenden Sätzen: „Einehe auf Lebenszeit ist widernatürlich und artschädlich. Wo sie wirklich durchgeführt wird —