Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 13 (20.3.1936)
- Date
- 1936-03-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 13 — 20. März 1936 Seite Vortragsprogramm der Jugend-Union Klubheim: I., Schottenring 25. Mittwoch, den 25. März, präzise halb 9 Uhr abends Prof. Dr. Harry Sicher, Präsident der Gesellschaft für Anthropologie und Soziologie des Judentums, über DAS RÄSSENPROBLEM. Die weitere Vortragsfolge wird nächstens bekanntgegeben. Rechte würdig und ist mit resoluter Entschlossenheit gewillt, im Bewußtsein seiner staatsbürgerlichen Pflichterfüllung für die ungeschmälerte Unversehrtheit dieser Rechte in die Schranken zu treten. Der Präsident berichtete, daß angesichts all jener Erscheinungen, die der ungarischen Judenheit in der letzten Zeit Anlaß zu Besorgnissen gaben, an zuständiger Stelle um den Schutz der dem Judentum gesetzlich zugesicherten Rechte und Freiheiten ersucht worden sei. Außer dem mannhaften Ausharren in den vitalen Fragen stellte Präsident Hofrat Stern die Verhinderung der Fahnenflucht an die Spitze des Gemeindeprogramms. Zum Schluß gab der Präsident dem Wunsche des ungarischen Judentums Ausdruck, in einer Atmosphäre der Gleichheit der Rechte und Freiheiten allezeit für das Vaterland wirken zu können, wie dies auch in der Vergangenheit der Fall war. Befohlene Umbildung des Berliner Gemeindevorstandes. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit: Infolge einer Anordnung des Herrn Staatskommissars für die Hauptstadt Berlin hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Umbildung erfahren. Es mußte die Zahl der Vorstandsmitglieder auf sieben bemessen v/erden. Der Vorstand setzt sich nunmehr aus folgenden sieben Herren zusammen: Heinrich Stahl, Adolf Schoyer, Karl Fuchs, Georg Kareski, Dr. Alfred Klee, Moritz Rosentahl, Kurt Tuchler. 70. Geburtstag. Der Bethaus-Vorstand, die Chewra Kädischa und der Talmud Thora-Verein im 18. Bezirke vleranstalten aus Anlaß des 70. Geburtstags ihres verehrten Obmannes Herrn Medizinalrat Dr. Ignaz Winter am 21. März, um 9 Uhr vormittags, einen Fest-Gottesdienst im Tem- -peL XVIII., Schopienhauerstraße 39. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen in Wien. Die diesjährige Generalversammlung fand am 15. März in den Räumen des Israelitischen Humanitätsvereines B'nai B'rith unter Vorsitz des Vizepräsidenten. Dir. Ernst Goldschmidt, statt. Herr Sekretär Dir. S. Kuhner verlas den ausführlichen Jahresbericht und gedachte in herzlichen, warmen Worten des dahingeschiedenen Präsidenten Dr. Paul Raumann, der durch viele Jahre sich in mustergültiger, aufopfernder Weise dem Verein widmete und dem leider nur eine so kurze Zeit gegönnt war, die Geschäfte eines Präsidenten zu führen; er hob weiters die großen Verdienste des verstorbenen Schriftführers Amtsdirektor |Reg.-Rat Guido Fuchsgelb hervor, der durch 13 Jahre dem Vorstand angehört hatte. Im Knabenwaisenhaus (XIX., Probusgasse 2) wurden zu Ende des verflossenen Geschäftsjahres 63 Knaben, im Mädchenwaisenhaus (XIX., Bauernfeldgasse 40) waren im gleichen Zeitpunkte 76 Mädchen betreut. Die auf den Waisenverein entfallenden Erhaltungskosten und Regien für das verflossene Jahr betrugen S 120.804.11, iii welcher Ziffer die von der Merores-ltzeles-Stiftung beigesteuerten Erhaltungskosten von drei Achtel der Betriebsspesen des Mädchenwaisenhauses nicht enthalten sind. Nac[i Erstattung des Kassaberichtes, der mit einem Abgang von S 34.537.24 schließt, durch Schriftführer Eduard W i d r i c h und nach Erstattung des Revisionsberichtes^'ohstatierte der Vorsitzende, daß der von dem damaligen '-Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Josef Ritter von Wertheimer, gegründete Waisenverein hiemit sein 75, Geschäftsjahr abgeschlossen hat und daß dem künftigen Vorstande der Entschluß vorbehalten hleiben solle, ob und inwieweit der Verein dieses Jubiläum feiern wird. Hierauf entrollte. der Vorsitzende die Entstehungsgeschichte des Vereines und skizzierte in großen Umrissen die weitere Entfaltung und die wichtigsten Ereignisse. Mit warmen Worten gedachte, der Vorsitzende . aller jener hervorragender Persönlichkeiten, die sich in der 75jährigen Geschichte ein ehrendes Denkmal gesetzt und hob ganz besonders die Verdienste hervor, die sich die Familie Gebrüder. G u t m a n n um diesen Verein erworben hat, die seit Bestand in die vielen hunderttausende Goldkronen gehende Zuwendungen gemacht hat,'so unter anderem, für den Bau des Mädchenwaisenhauses allein über 500.000 .Goldkronen, abgesehen von den vielen sonstigen Zuwendungen und jährlichen Erhaltungsbeiträgen. Besonders rühmenswert fand der Vorsitzende, daß diese Familie in dritter Generation immer noch zu den größten Spendern des Vereines zählt und durch Herrn Vizepräsidenten Hans v. Gutmann im Vorstande repräsentiert wird. Der Vorsitzende;richtete schließlich an die Erschienenen einen Appell, aus, der Geschichte des Vereines zu lernen, wie durch einen Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde der Verein ins Leben gerufen, gefördert und betreut wurde, wie zahlreiche edle Gönner sich in den Dienst der Humanität gestellt haben und durch 75 Jahre ein so edles Werk gefördert haben und bittet, die religiöse Gemeinschaft Wiens möge alles dazutun, dieses Werk aufrecht zu erhalten. Die Wiener Kultusgemeinde hat durch so viele Jahre in der Tätigkeit des Vereines ihre Ergänzung gefunden, der Verein hat ihr die ihr obliegende religiöse Erhaltungspflicht abgenommen, und wurde, soweit dies notwendig war, unterstützt. Heute ist die finanzielle Lage der Juden eine prekäre, die Anzahl und Leistungsfähigkeit der Gönner eine kleinere, die Anzahl der bedürftigen Waisen aber eine größere, darum wächst die Pflicht der Gemeinde, dem Verein beizuspringen. Bei Eingang in die Debatte erklärte der im Namen des Präsidenten der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. Friedmann erschienene Delegierte K'ultusvorstand Dr. KI ab e r, daß er der Tätigkeit des Vereines die vollste Anerkennung zolle und daß die Kukusgemeinde den Verein fördern wolle, die Subvention für diesen Zweck betrage bereits jetzt S 17.000.—, die Gemeinde wolle aber darüber hinaus noch weitere S 2000.— dem Verein zukommen lassen. Der Vorsitzende dankt Dr. Klaber für das gespendete Lob, bemerkte aber, daß er die von Dr. Klaber angeführten Ziffern richtigstellen müsse, die Subvention, die in die Kassen des Vereines einfließe, betrage nicht S 17.000— oder 19.000—, sondern richtig S 7000.— und werde unter Spenden ausgewiesen. Die übermittelte Subvention im Betrage von S 8550.— muß vertragsmäßig mit der Merores-Stiftung geteilt werden, so daß dem Verein nur S 7000.— verbleiben, die weiters eingerechneten Beträge sind Kostgelder, von denen wiederum ein Teil an die Merores- Stiftung verrechnet werden muß und die die Kultusgemeinde für jene Kinder bezahlt, die sie selbst bei uns unterbringt und die durchwegs nicht nach Oesterreich zuständig sind. Was schließlich die hier eingerechneten Beträge von S 500.— und S 2000.— anbelangt, so sind dies Mietgelder dafür, daß die Kultusgemeinde 500 Kinder aus ihrer eigenen Ferienaktion im leerstehenden Waisenhause in der Probusgasse unterbringt. Diese Kinder haben den Garten in eine Wüste verwandelt und wie Vandalen dort gehaust, die Unterbringung dieser Kinder hat dem Verein noch Ansprüche der Gemeinde für Steuern eingetragen. Der Präsident des Israelitischen Humanitätsvereines B'nai B'rith „Wien" beglückwünscht den Verein zu seinem Jubiläum und MÖBEL Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. spendet der Tätigkeit Worte der Anerkennung. Auf Grund der vorgenommenen Wahlen erfolgte folgende Konstituierung des Vorstandes: Präsident: Dir. Ernst Goldschmidt; Vizepräsidenten: Dr. Rudolf Brichta, Hans von Gut mann, Eduard Widrich; Schriftführer: Ing. Georg Spielmann; Schriftführer- Stellvertreter: Dr. Richard Weiß; Kassier: Kommerzialrat Sigmund F e I d m a n n; Kassier-Stellvertreter: Alfred Feuerstein. Tempelverein „Aeschel Awrohom", IL, Pazmanitengasse. Sonntag, den 15. März fand die diesjährige Generalversammlung statt Obmann Oskar Schratnek begrüßte die Erschienenen, den Delegierten der Kultusgemeinde Dr. Isidor Klaber. den Delegierten des Verbandes der Tempelvereine Dr. Leo Landau, Delegierte des polnischen und des Landstraßer Tempels. wie viele Vereinsmitglieder. Den im Vorjahre verstorbenen Ver- . einsmitgliedern hielt er einen Nachruf. Sodann hielt der Schriftführer, Amtsleiter Rudolf Kraus, den Tätigkeitsbericht, erwähnte vor allem das 60jährige Vereinsjubüläum. das Werden und Aufblühen des Vereines, der vor 60 Jahren in einem kleinen Mietraum seine Tätigkeit begann, später in die Fugbachgasse zog. wo bereits ein größerer Saal als Bethaus adaptiert wurde: erst 1913 wurde über Anregung des damaligen Oibmannes kais. Rates Adolf Schramek der große Prachtbau des Tempels nach den Plänen des Architekten Ignaz Reiser errichtet Die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1935 war vielseitig; nebst dem Tempel erhält der Verein bekanntlich eine BibeKTalmud Thora)Schule. die von 140 Kindern besucht war: zu Chanuka wurde eine große Zahl dieser Kinder bekleidet, ein sehr schöner Chanuka-Gottesdienst fand statt und resultierte aus dem Erlös von Eintrittskarten ein ansehnlicher Betrag: zu Pessach erhielten viele Bedürftige Mazzes und diverse Lebensmittel. Es fanden 1935 95 Trauungen und 30 Barmizwahfeiern statt. Der vom Kassier Max R a s c h d ov i t z erstattete Rechenschaftsbericht konnte davon berichten, wie sich die heutige schwere wirtschaftliche Not in allen Einnahmen und Ausgaben auswirkt. Der Verein hatte ein ziemliches Passivum in den letzten Jahren, dieses ist leider wieder gewachsen. Alle Sprecher forderten die Anwesenden auf, den Verein durch Spenden und hauptsächlich durch den Beitritt als Mitglieder nach Möglichkeit zu fördern. Bekanntlich ist der Gottesdienst besonders, schön und würdig, sowohl dem Rabbiner Dr. Taub es-wie dem Oberkantor Müller und Kantor Stift als auch dem Chore (Leiter B. Hirschmann wurde von der Versammlung Lob und Anerkennung ausgesprochen. Neu gewählt wurden: als Vorsteher die- Herren Komnv-Rat Julias Herzog, Oberbaurat S. Morgenstern. Sah Brainin; als Revisor: Hermann Feder. Die zur Wiederwahl in Vorschlag gebrachten Vorsteher und Revisoren wurden wiedergewählt. k. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-31 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenffirKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Legitimistische jüdische Frontkämpier im Eisernen Ring. Donnerstag, den 26. März, 20 Uhr, findet im Saale der Gastwirtschaft Trünke), XVIII., Miclmelerstraße Nr. 15 eine im Einvernehmen mit der Vaterländischen Front veranstaltete W e r b e v e r s a m m I u n x für den XVIII. und XIX. Bezirk statt. Es sprechen unter anderen Fürsorgerat Hans Prisching, weiters die Kameraden Dr. Noufeld, Komm.-Rat Loewin, Heimann und Redakteur Hans Kandl. Eingeführte Gäste willkommen! Der „Israelitische Bethausverein", III., Erdbergstraße 15, begeht dieser Tage seinen fünfzigjährigen Bestand und veranstaltet aus diesem Anlasse am Samstag, den 21. März, um 9 Uhr vormittags, einen Festgottesdienst. Der Brigittenauer israelitische Frauen-Wotaltätigkeitsverein (Präsidentin Olga Friedmann, XX.. Dresduerstraße 77, Tel. A-41-6-12) veranstaltet Sonntag, den 22. d. M., 5 Uhr nachmittags^im Festsaal des Hotel Continental, IL, TabcrstraBe 2, anläßlich seines 40jährigen Bestandes eine Fest-Akademie mit Tanz unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte und einer erstklassigen Jazzband. Regiebeitrag S 1.50. Ein zahlreicher Zuspruch liegt im Interesse der vielen von der rührigen Vereinslcitnng beiiirsorgten jüdischen Beziirksarmen. Hilfsverband der jüdischen Kriegsopfer. Invaliden. Witwen und Waisen in Wien. Am 15. d. M. fand ini großen Theatersaal des Cafe „Stadttheater" die diesjährige Generalversammlung des „Htitsverbandes" statt. An derselben nahmen einige hundert Mitglieder teil, so daß der geräumige große Saal die große Anzahl der Erschienenen nicht fassen konnte. Als Gäste nahmen unter anderen teil: In Vertretung der Kultusgemeinde Herr Ing. Buchbinder: die Herren Generalmajor Sommer, Chefredakteur Kandl und Oberleutnant Barbak in Vertretung der Legitimistischen jüdischen Frontsoldaten. In seiner Begrüßungsansprache konnte Präs. L a z a r auf die große Anzahl der erschienenen Mitglieder hinweisen, woraus zur Genüge hervorgeht, daß im Hflisverbande der jüdischen Kriegsopfer fast alle jüdischen Kriegsopfer Wiens vereinigt sind. Begrüßungsansprachen hielten ferner Herr Generalmajor Sommer, Herr Redakteur Kandl, sowie Herr Oberleutnant Barbak, welche alle die Kriegsopfer der warmen Unterstützung und Hilfsbereitschaft der ihnen so nahe stehenden legitimistischen jüdischen Frontkämpfer versicherten. Es sprachen ferner die Herren Dr. v. Weisl und Ing. Buchbinder. Aus dem von Prof. Lazar erstatteten Tätigkeitsberichte wäre hervorzuheben, daß mehr als ein Drittel der Bargeldeinnahmen allein für Bargeldunterstützungen verwendet, daß aber mehrere große Lebensmittel- und Bekleidungsaktionen, ebenso eine Kohlenaktion, bei der mehr als 5 Waggon Kohle an die Mitglieder vollkommen unentgeltlich verteilt wurden, durchgeführt worden waren. Zu erwähnen wäre noch ein einstimmig angenommener Antrag, mit welchem dem Präs. Lazar und dem Gesamtvorstande der Dank der General Versammlung ausgesprochen wurde. Bei der dann durchgeführten Neuwahl wurde der alte Vorstand mit Prof. Lazar an der Spitze wieder gewählt. Purimfeier. Wie in jedem Jahre, veranstaltete auch heuer die Döblinger Bibelschule eine Purimfeier, die am 9. d. M. im Cafe Döblingerhof stattfand. Herr Rabbiner. Prof. Dr. A. Frankfurter begrüßte die zahlreich erschienenen Kinder und deren Angehörige. Er sprach über die Purimfreude, dankte herzlich dem Vorstand des Döblinger Tempelvereines und dem Damenkonv.tee für die Bereitstellung der Mittel der Festjause und nicht zuletzt der Lehrerin der Bibelschule, Fräulein Edith Frankfurter, für ihre liebevolle Mühe. Nun sangen die Schüler und Schülerinnen, von Herrn D. Weißmann einstudiert, den Hvmnus Schoschanas Jaakow. Es folgte das Purimspiel „Das Geheimnis der Königin", von R----n. Die kleinen Künstler ernteten für ihr vorzügliches Spiel reichen Beifall. Es wurde nun den 133 Kindern eine überaus reichliche Jause von den Komiteedamen selbst serviert. Die schöne Feier wird allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. M. Gäl. Pessach naht und die Sorge der jüdischen Hausfrau wird genommen, wenn sie sich des Namens .,S c h m i d I" erinnert Man beeilt sich, rasch den Pessach-Bedarf an Scftmidi-Mazzoth bei der Firma N. Brodetzky, Ii., Leopoldsgasse 43, zu decken!!