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Die Wahrheit · 1936-03-20 · Heft 13 (20.3.1936) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 13 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 13 — 20. März 1936 DIE WAHRHEIT Der Wille zu Österreich. Vortrag von Joseph August Lux in der „Union österreichischer Juden" am 4. Februar 1936. I (Schluß.) Das sittlich religiöse Gesetz, also die religiöse Idee, war der eigentliche Grundpfeiler des heiligen römischen Reiches, über das heute so viel zusammengeredet wird und das man nur von diesem Gesichtspunkt aus, auch staatspolitisch, richtig versteht als eine übernationale und überstaatliche Konstruktion . zur Wahrung der Rechte der Völker und Menschen, der legitimen Rechte, die aus Gott sind, wie nun auch wieder die österreichische Verfassung besagt Ein heiliges römisches Reich deutscher Nation im Sinne einer nationalen Begrenzung hat es nie gegeben; dieser Begriff wäre geradezu eine Häresie. Die heilige römische Kaiserwürde, an die das religiöse Sittengesetz geknüpft war, ist darum über alle Völker und Staaten gesetzt als Gnaden- und Rechtsquelle, auch über die Könige von England und Frankreich, sie ist eine universelle, im tiefsten Wesen religiöse Institution. Von hier aus wird man die Sendung des Hauses Oesterreich verstehen, dem seit 600 Jahren die Kaiserwürde anvertraut war und das dieser übermenschlichen Aufgabe in heroischer Weise gedient hat. Kraft seiner religiösen und universellen Sendung war es das Reich geworden, in dem die Sonne nicht unterging, und auch heute noch bei aller Kleinheit muß es, wenn es seiner Bestimmung getreu bleibt, das Reich sein, in dem wenigstens geistig die Sonne nicht untergeht. Auf dem Gipfel seiner Machtentfaltung als universelle Weltmonarchie zur Zeit eines Prinz Eugen hat es dieses heilige römische Reich von hier aus repräsentiert als die Monarchia latina trionfante, die triumphierende lateinische Monarchie, die selbstverständlich die deutsche Nation und die deutsche Kultur grundlegend mitinbegriff, soweit sie an der lateinischen christlichen Kultur teil Hatte. Die Kaiserfestspiele, Uie sogenannten Ludi Caesarei unter Leopold I. bis Karl VI. haben besonders mit dem Festspiel von Nicolo Minato „La monarchia latina trionfanta" mit den größten künstlerischen Mitteln diesen staatspolitischen Anschauungsunterricht erteilt, die welthistorischen Ideale des Hauses Oesterreich, die dieses heilige Reich verkörpern, das nach den Weissagungen Daniels ewig sein wird. Dieses Reich, als der'Friedenshort der Völker' unter der Herrschaft des religiösen Sittengesetzes, hatte einen berechtigten Nationalismus nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil, es huldigte einem christlichen Nationalismus, der die heiligen Güter nicht nur des eigenen Volkes, sondern auch der anderen Völker hütet und verteidigt. Diese heiligen Güter sind die göttlichen Naturrechte, die autonome Entfaltung des Volkstums, die jede Unterdrückung verbietet, auch die der Sprache, und vor allem das heiligste Gut: die Religion. Wir wissen, in welcher Weise der sich vergottende Nationalismus von heute, mit der Tendenz der Unterd rückung anderer, dagegen sündigte! In wahrhaft vorbildlicher Weise hat das Haus Habsburg seine Mission den Völkern gegenüber im Sinne des christlichen Nationalismus erfüllt. Seinem Schutz war ja auch die Judenschuft anheimgestellt, der Kaiser war ihr Schutzherr kraft des sittlich religiösen Gesetzes, das die Naturrechte des Menschen und die heiligen Güter der Völker, vor allem die Religion zu verteidigen hatte. Dieses Verhältnis zum Kaiser entspricht ja auch durchaus dem Wesen des Judentums, das der heiligen Schritt nach tlieokratisch und monarchisch eingestellt ist, wie schon gesagt wurde. Gerade die Bedachtnahme auf die Judenschaft war es, warum Franz Joseph I. sich geweigert hatte, Lueger zu bestätigen, weil er, der Kaiser, den Antisemitismus nicht gutheißen konnte. Diese welthistorischen Traditionen sind es aber auch, die Oesterreich lebensfähig erhielten und ihm die schier wunderbare Kraft gegeben haben, die beiden vernichtenden Strömungen des Bolschewismus und Nationalsozialismus zu überwinden und seine welthistorische Sendung zu bewahren. Es sind jene geheimen sittlich religiösen Kräfte, aus denen Dollfuß schöpfte, um die Wiedergeburt Oesterreichs vorzubereiten, hn Sinne seiner universellen abendländischen Bestimmung, die in der Reich-Gottes-Idee liegt, hat Oesterreich eine Aufgabe zu erfüllen, die sich in grundsätzlichster Weise von allem unterscheidet, was sozialrevolutionär oder nationalistisch ist und etwa im Dritten Reich geschieht Jede Nachahmung, die immer nur der Ausdruck der Schwäche ist un'1in der Schwächlichkeit stecken bleibt, ist ein Abirren von dem geschichtlicher Lebensgesetz, das allein die Dauer, den Bestand, die Selbständigkeit und Freiheit verbürgt. Die Bewahrung der europäischen Kultur ist die besondere Aufgabe Oeslerreichs. Das zeigt sich auch in der Stellung zur Judenschaft, die grundsätzlich eine andere sein muß, wie die des Nationalismus. Die Formel: „Ein Volk, ein Staat, eine Religion", ist nicht österreichisch und ist nicht katholisch. Sie ist eine schwächliche Anlehnung an die nationalsozialistische Terminologie „ein Volk, ein Reich". Sie wurde' in weiterer Konsequenz zu der Auffassung gegenüber der österreichischen Judenschaft als eines bloßen Gastvolkes und schließlich Fremdkörpers und letzen Endes zu dem führen, was zum Entsetzen der Menschheit im Dritten Reich geschehen ist. Das wäre nicht österreichisch und nicht katholisch, weil beides die Naturrechte und die Wahrung heiliger Güter zum Zweck hat. Es wäre ja auch ein Unrecht gegen jene guten Oesterreicher die Protestanten oder Juden sind und zu Oesterreich wollen, und die der Mahnung der. Propheten Jeremias eingedenk sind: „seid gute Bürger, des Landes, das ihr bewohnet":' Der großherzige Gedanke Theodor Herzls, Palästina wieder zu besiedeln und jene Juden dort zu verwurzeln, die Neigung und Voraussetzungen besitzen, erseneint gerade heute gegenüber den erwähnten bedauerlichen Erscheinungen als segensreich, wenn er auch nur für einen Bruchteil der Judenschaft in Betracht kommt, keineswegs für alle, weil durchaus nicht alle nach Palästina zurückkehren können und wollen. Ich glaube, daß die zionistische Bewegung vor allem ihren Grund in der altruistischen und religiösen Gesinnung ihres Urhebers hat, und nicht in einer rationalistischen Tendenz von der extremen heutigen Auffassung. Hier ist die Frage nur insofern von Belang, als sie Oesterreich betrifft Es ist nicht meine Absicht, mich in einen Familienstreit einzumischen; wenn es aber Sasels SelftwiB-BtsU WIEN II.. Prafersiraße SS Telephon B 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere- Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. jüngere Kreise gibt, die auf dem Standpunkt stehen, nicht Oesterreich ist unser Vaterland, sondern Palästina, so giaube ich, daß dies nicht die Auffassung der österreichischen Judenschaft ist. Auch uns Katholiken ist das heilige Land eine Herzensangelegenheit, auch für uns ist es, soweit die heiligen Stätten in Betracht kommen, das irdische Gleichnis des heiligen Zions oder des himmlischen Jerusalems, für das Kreuzzüge unternommen worden sinn, von denen man annehmen darf, daß sie in keiner Forni Wiederholung finden. Trotz dieses inneren, religiös und geschichtlich bedingten Zusammenhangs mit dem heiligen Land oder mt Palästina bleibt unser irdisches Vaterland, „wo uns're Wiege stand", nämlich Oesterreich, das wir wollen müssen, um es zu haben. Ich habe Sie als meine österreichischen Landsleute begrüßt weil Sie mit allen Konsequenzen zu Oesterreich gehören, unlösbar und aus der österreichischen Kultur gar nicht wegzudenken sind, ohne daß es einen Kulturnruch gäbe, was ich schließlich auch von dem vierten Punkt aus. dem kulturellen, begründen kann. * Dieser wesentliche Anteil der österreichischen Kultur tritt nach den Toleranzakten und Gleichberechtigungserklärungen seit Maria Theresia und Joseph 11., besonders aber nach der Begründung des österreichischen Kaiserstaates besonders klar in die Erscheinung, als die aristokratische Barockzeit von der bürgerlichen Kultui abgelöst wurde, in der Zeit Schuberts und Grillparzers. und die Salons der Perera und Eskeles, um nur einige zu nennen, an der Kulturmission einen bedeutenden Anteil hatten, was in noch größerem Maße unter Franz Joseph 1. der Fall war. Auf allen Gebieten der Künste finden wir große Förderer und Ausübende. Ich erinnere vor allem an Hugo von Hofmannsthal, als einen der glänzendsten Repräsentanten der österreichischen Literatur nach Grillparzer. Ich erinnere an Wärndort'er, den Mitbegründer der Wiener Werkstätten und an die Gesellschaft, die einen Genius Klimt beschäftigte, a!s die Universität in völliger Unkenntnis des Werkes den Künstler und seine Deckengemälde ablehnte. Das sind nur einige Hinweise, die sich durch unendliche Beispiele aus allen Gebieten der Wissenschaft, der.Technik und des öffentlichen Lebens vermehren ließen, um die Ver-, Union österreichischer Juden Donnerstag, den 26. März, 8 Uhr abends findet hn Festsaal des neuen Klubheims I., Schottenring 25, ein Vortrag des Herrn Dr. Willy Meyer, früher Nürnberg» über Die seelische Situation der deutschen Juden statt. Gäste willkommen! bindung des österreichischen Genius mit dem Judentum aufzuzeigen. Auf vielfältige Weise ist hier der Beweis erbracht, warum wir Oesterreich wollen und bejahen als ein Staatswesen, das dem Willen Gottes entspricht und dem Willen derer, die an Gott glauben, und die mit Richard von Kralik auf dem Standpunkt stehen, daß jede Nation ein Gedanke Gottes ist darin er die unendliche Mannigfaltigkeit dessen, was im Wesen und in der Idee der Menschheit liegt, ausdrückt. Ein solcher Gedanke Gottes ist Oesterreich, und insoweit es das ist, wird es ewig stehen, als Nation und ails Staat Aber wir können Oesterreich nicht wollen, ohne den Kaiser zu wollen. Im österreichischen Kaiser liegt die Erfüllung dessen was Oesterreich war, ist und sein wird, Vergangenheit und Zukunft, die Wiedergeburt Oesterreichs. Sie scheint Gott sei Dank nicht mehr fern. Daß sie früher komme als später, liegt an uns und liegt mit an Ihnen, die Sie wie wir alle und wie der Oesterreicher überhaupt, monarchisch eingestellt sind. Ich muß es mir versagen, im einzelnen darauf hinzuweisen, aber es liegt schon im Grunde aller dieser vielfachen Beweisführungen, daß nach einem Wort von Exzellenz von Wiesner der österreichische Mensch nicht leben kann ohne den österreichischen Kaiser. Wir können nicht leben ohne Gott, aber wir können auch nicht au? die Dauer leben ohne das Haus Oesterreich. Die Gesellschaft der soziale Mensch, die Persönlichkeit, die Freiheit und Selbständigkeit,, Oesterreich überhaupt, Kunst und Kultur, sie können nicht leben und gedeihen ohne den Kaiser. Und was den österreichischen Menschen betrifft, der alles dieses umfaßt und vertritt, so müssen Sie wissen, daß er all die Jahre her innerlich mit dem Kaiser in der Verbannung gelebt hat. Der Wille zu Oesterreich ist der Wille zu uns selber, zum Besten in uns, zu dem was Ewig ist Zum ewigen Oesterreich» dem habsburgischen Oesterreich. Gott will es! Edith TagKcht freigesprochen. Im Prozeß Schuhmann und Genossen vor dem Vierten Strafsenat des Berliner Kriminalkammergerichtes, in dem sich 21 Angeklagte wegen Hochverrates zu verantworten hatten, wurde die rrritangeklagte Tochter des Wiener Oberrabbiners Edith Tag licht freigesprochen. Sie konnte ihre vollkommene Unschuld vor dem Gericht nachweisen. Ihr Rechtsanwalt R o et h e ist der Sohn des berühmten deutschen Germanisten Professors Roethe. - Edith Taglicht war insgesamt 6% Monate unschuldig in Ha iL Sie ist durch einen unglücklichen Zufall mit diesem Personenkreis in Berührung gekommen, und alle Interventionen von österreichischer Seite und von seifen der Berliner jüdischen Gemeinde, um ihre Haft abzukürzen, Aaren vergeblich. Edith Taglicht ist nun wieder mit ihren glücklichen Eltern vereint. Gemeimdedkronifo. Die Repräsentanz der Pester Kultusgemeinde. Die neugewählte Repräsentanz der Pester Israelitischen Religionsgemeinde hielt im Gemeindehaus ihre konstituierende und Wahlversammlung ab. Die Generalversammlung hat mit allen abgegebenen 245 Stimmen Hofrat Samuel Stern neuerdings auf fünf Jahre zum Präsidenten und Oberhausmitglied Dr. Samuel Gluc'k'sthal zum Präsidenten-Stellvertreter gewählt. In seiner Antrittsrede erklärte Hofrat Stern: In diesem Zeitalter der Heimsuchungen muß es eine der wichtigsten Aufgaben unserer großen Pester Gemeinde sein, die erworbenen Rechte unserer Konfession zu verteidigen und die Lebensmöglichkeiten der Mitglieder unserer Glaubensgemeinschaft zu sichern. Das h e imis che Judentum hat in der Vergangenheit seine' Rechte mit Schweiß und Blut e r wo rben, es zeigt sich in der, Gegenwart durch Staatstre ife und Opfersinn dieser

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