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Die Wahrheit · 1936-03-20 · Heft 13 (20.3.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 13 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 13 — 20. März 1936 Seite 5 &ie Juden Wiens und der Szovin% sind ZOT DberZeOgllllg gelangt daß die weit berühmten nazzofh der Pesier Israelit. ifuHusgemeinde, unerreicht an Qualität und GeSChinäät sind. Nach einem Versuch kauft jeder die guten Pe$fCr QnOlifOfSaPlQZZOfll, dünne und (runde) dicke, sowie Mazze- Grieß, Parvel und Mazzemehl. In allen elnSdUäglgen Geschalten erhältlich. Alleinvertretung iar OstcrrelA: IGNÜlI irost Lebensmlttelhandiuna Wien II.. Haldgasse Nr. 9 - Telephon A 49-3-84 kamen, sie überhaupt in die Minorität; bei diesen beiden Wahlen haben sich die Folgen der mehrfach erwähntem Abänderungen der Wahlordnung in krasser Weise gezeigt. Wir führen diese Umstände an, um zu dokumentieren, daß die von den Jüdischnationalen nun auch zu persönlichen und Parteizwecken mißbrauchte Herrschaft in der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde auf einer Zurückdrängung des Einflusses des in Oesterreich beheimateten positiv-religiös und vaterländischfühlenden Teiles der Angehörigen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde beruht. Mit Rücksicht auf den großen Umfang des Budgets der Kultusgemeinde, das auf der Ausgaben- und Einnahmenseite ein Revirement von 12 MIMotnjen Schilling aufweist, ist es untragbar, daß lejiner einzigen Gruppe jüdischnationaler Glauberrnsgenossen, die zum größten Teile ihre Mandate dem aktiven Wahlrecht der ausländischen Juden verdankt, die Sorge für das Wohl der Wiener Juden überantwortet wird. Die „Union österreichischer Juden" ist die Organisation aller Wiener Juden, die auf diesem positiv-religiösen und vaterländisch-österreichischen Boden stehen. Wir stehen fest auf dem Boden dieses Staates, dessen Schicksal wir seit Jahrhunderten in Leid und Freud geteilt und für den wir allezeit gerne Opfer bringen. Oesterreich ist unser Vaterland" und unsere Heimat. Wir lehnen jede nationalle Absonderungspolitik ab, wir wollen als österreichische Juden keine Sonderstellung im Staate, und wenden uns insbesondere dagegen, daß die Kultusgiemeinde, die zur Sorge für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Angehörigen berufen ist, zu national-politischen Zwecken mißbraucht wird. Wir stellten den Antrag, im Sinne des § 30 und 32 des Gesetzes vom 21. März 1890 vorzugehen, da einerseits gemäß § 7, Absatz 2 des Statutes der Wiener Israelitischlen Kultusgemeinde nach Ausscheiden der unionistischen Kultus Vorsteher die Beschlußunfähigkeit des Vorstandes der Kultusgemeinde gegeben ist, andererseits, abgesehen von der Beschlußunfähigkeit, jedenfalls auch eine Ueberschreitung des Wirkungskreises gegeben sein wird, wenn düe verbleibenden 17 Jüdisch- .nationalen die Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor vornehmen, worin auch eine Verletzung des § 6, Absatz 2 des Statutes der Wiener Israelitischen Kultusgemeimde zu erblicken wäre. Dazu kommt, daß durch die Nichtheranziehung der vier Nachmäruner auf der Liste der .„Urion österreichischer Juden" jeder seit dein 20. Februar 1934 gefaßte Beschluß des Wiener Kultusvorstandes gemäß $ 13. Absatz 2 der Statuten ungültig ist. Ergebenst Für die „Union österreichischer Juden" Der Präsident: Dr. Hermann Oppenheim m. p. Der Schriftführer: Dr. Max Lenk m. p. Das Exekutiv-Komitee: Dr. Josei Ticho m. p., Dr!" Karl Steiner m. p.. Heinrich Popper m. p., Eduard Widrich m. p.. Dr. Emst Feldsberg m. p. Auch als Steuerträger der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Ein Freudentag der „Union". Der 15. März 1936 wird mit goldenen Lettern in den Annalen der „Union österreichischer Juden" verzeichnet werden müssen. An diesem Tage des 50. Bestandsjahres der „Union" ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: die „Union" bezog im Mezzanin des Goldschmidt-Stiftungshauses, I., Schottenring 25, ihr neues schönes Klubheim. Seit vielen Jahren bestand in weiten Kreisen der „Union" der Wunsch nach Errichtung eines solchen, dem Ansehein dieser Organisation würdigen Heimes, seit mehreren Jahren waren einige Mitglieder des Zentralvorstandes unermüdlich tätig, um diesen sehnsüchtigen Wunsch zu realisieren, und nun ist es so weit: die vornehmen Räume des Union-Klubs sind zum Empfange seiner Mitglieder bereit. Sie werden sich da, dessen sind wir sicher, wohl fühlen: im prachtvollen Festsaal auf der Schottenringfront werden sie interessante Vorträge hören und gediegenen künstlerischen Veranstaltungen beiwohnen, im Klubzimmer an der Deutschmeisterfront der Zeitungslektüre sich hingeben und die Bibliothek benützen, wie auch bei geselligem Beisammensein sich unterhalten können, im anschließenden Räume wird die Jugend-Union ihre Mitglieder zu ernster Arbeit vereinigen. Auch das Sekretariat der „Union" ist daneben untergebracht. Ein Prachtstück des Heimes ist die marmorne Feststiege, die zu ihm hinaufführt, und Eingang findet man durch eine schöne Hall, in der die Garderobe und nebenan die Küche untergebracht ist. Mühselige Arbeit galt es zu leisten, ehe alle diese herrlichen Räume in jener Vollkommenheit hergestellt waren, in der sie sich bei den Eröffnungsfeierlichkeiten am vergangenen Sonntag den Augen der entzückten Besucher darboten. Inniger Dank gebührt den Männern, die da am Werke waren, den Initiatoren und Ausführern im Heimkomitee der „Union", dem uneigennützigen Bauleiter und den Professionisten, den Spendern von Geld und Naturalien, den freiwilligen Mithelfern im Union-Frauenklub u. v. a. Dolmetsch dieses heißen Dankes war bei der Eröffnungsfeier Vizepräsident Dr. Josef T i c h o. und als er in seiner Rede die Namen dieser werklätligen Männer und Frauen nannte, da tönte jedesmal begeisterter Beifall als Ausdruck der Gefühle, die die „Union" in Würdigung der großen Verdienste dieser eifrigen Mitarbeiter am schönen Werk beseelt. Der schönste Dank für diese Menschen, die ihre Liebe für die „Union" in so hochherziger Weise bekundeten, ist aber das Werk selbst, das mitgeschaüen zu haben sie mit Stolz erfüllen muß. Dieser Stolz mußte sie insbesondere beseelen am Eröffnungstage, da das Heim zum erstenmal seine Pforten öfinete und zunächst am Vormittag zahlreiche Festgäste zur Einweihungsfeier aufnahm. Es waren prominente Angehörige des Wiener Judentums gekommen, die alle begeistert waren über die vornehme Gediegenheit des Heimes, in dem die „Union" nun tätig sein wird. Unter anderen waren erschienen: die Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g und Dr. Täglich t, die Rabbiner Dr. Frankfurter, Dr. Kamink a und Dr. Roseniii a n n, Bundeskulturrat Hofrat Dr. S. Frankfurter, in Vertretung des Referates für jüdische Volksbildung Prof. Dr. M. Pap o, die Professoren Generalstabsarzt D.r. Alois Pick, Heinrich Glücksmann und Jul.tisz W o 1 f s o h n, General Sommer in Vertretung der legitimistischen jüdischen Fontkämpfer mit einer uniformierten Abteilung des Jungbundes dieser Organisation, für den Bund jüdischer Frontsoldaten der Landesführer für Wien Dir. Lassner und der Landesführer für Niederösterreich Dr. Lamberg in Uniform, der Präsident des Kantorenverbandes Oberkantor L ö w i t, zahl- Kleino Tube S — 90 Groß« Tuba 3 1.40 reiche Vertreter von Tenipelvereinen und humanitären Institutionen u. v. a. Von nah und fern waren ungemein viele Glückwunschschreiben und Telegramme eingetroffen, von denen einige besonders markante unter lebhaftem Beifall zur Verlesung kamen. Eingeleitet wurdja die Feier durch ein weihevolles Harmoniumvorspiel des Herrn Univ.-Prof. Dr. Hugo Stern. Herrlich klang jJas Spiel des virtuosen Meisters durch den akustischen Saal, in geradezu andächtiger Stille lauschten die Festgäste den Tönen, die bald brausend stark, bald zart leise aus dem Instrument kamen. Dann nahm Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g die religiöse Weihe des Heimes vor. In feierlichem Zuge schritt er unter Vorantritt zweier Leitungsmitglieder der Jugend-Union, begleitet vom Ehrenpräsidenten Dr. J. Ornstein und gefolgt vom Heimkomitee, zum Türpfosten, wo er nach altjüdischem Brauche die Mesusah befestigte. Die Anwesenden hatten sich hiebei von ihren Sitzet« erhoben. Oberkantor S. P o s t o I o w sang hierauf, begleitet am Harmonium von Prof. Dr. Hugo Stern, den Psalm ..Msmaur schir chanukas". Es ist keine Ueberrfeibung, wenn wir behaupten, daß diiei Zuhörer von diesem Gesänge bis zu Tränen gerührt waren, daß sie ergriffen waren von der grandiosen Meisterleistung des Oberkantors, der sich an diesem Tage selbst überbot. Nun ergriff Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g das Wort zu folgender Ansprache: Das sichtbare, äußere Zeichen, an dem ein jüdisches Haus und Heim erkannt werden, ist seit alten Zeiten die Pfostenrolle, in der ein Pergamentblatt liegt, aui dem das für snnz Israel geltende, bindende große Bekenntnis zum Einzigen Gotte geschrieben stellt, den mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft zu lieben, Wurzel und Grundlage des Judentumes seit Urzeit ist. Ferner stehen auf diesem Blatte: Verpflichtung, die Gebote der Lehre ziu beobachten: Verheißung von Glück und Gelingen auf allen Wegen — oder aber Verlust des Glückes und „des guten Landes", das Gott uns gegeben hat bei Nichtbefolgen« der heiligen Gebote. Die Weihe eines jüdischen Hauses und Heims ist äußerlich mit der Anbringung der Pfostenrolle (Mesusa> vollzogen durch die Erfüllung des ebenfalls aur dem, Pergamentblatte zweimal geschriebeneu Gebotes: ..Schreiben sollst du sie (diese Worte) an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore!" Alles, was in den so geweihten Räumen geschieht, soll den erwähnten Grundsätzen entsprechen. Sie sind tief und erhaben. Tier dem Sinne nach, erhaben dem Ziele nach. Ich folge der Erklärung der ältesten Weisen, wenn ich sage: Gottes Einzigkeit anerkennen heißt: Seine alleinige Macht und Herrschait in der ganzen Welt und Menschheit begreiien und ihnen gemäß zu leben. Ihn mit ganzem Herzen als jüdischer Mensch lieben heißt: Alle Handlungen so einzurichten, daß sie den sittlichen und religiösen Vorschriften und der jüdischen Lehre entsprechen, der Judenheit zur Ehre gereichen und zur wahren Menschenliebe iiihren. Mit ganzer Seele lieben heißt: nicht nur die gefühlsmäßige Hingebung an den Glauben, sondern die erkenntnisgemäße Erfassung durch Verstand, Wissen und Einsicht; durch Eindringen in das Wesen der Lehre in ihrer ganzen Tiefe und in ihrem ganzen Umfang; durch Kenntnis der Geschichte, Kultur und der Geistesschätze des jüdischen Volkes: durch Uebertragung dieser Erkenntnisse auf das jüdische Leben. Mit ganzer Kraft ihn lieben heißt: Einsatz :. Her physischen und seelischen Kräfte für Ehre, Schutz, Wahrung, Vermehrung und Verteidigung der jüdischen Güter; Bejahung des- Judeseäns um jeden Preis, selbst um den des eigenen Glücks und Lebens: Förderung alles

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