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Die Wahrheit · 1936-03-13 · Heft 12 (13.3.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 12 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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!D!E WAHRHEIT Nr. 12 — 13. März 1936 Seite 5 trotzdem eine der höchsten offiziellen Stellen, der Generalstab, der die Hoffnung der ganzen Nation bildete, sich "auf Seite der Verleumder verschanzt hatte, so wurde mit der Machtergreifung Hitlers der Weg in Deutschland verrammelt. Erst als der Nazismus zur Macht gelangte, gingen schleusenartig die Zeitungsartikel über jüdische Leistungen los, von jüdischer und nichtjüdischer Seite. Im Jahre 1934 schrieb aucü Schalom Asch seinen Artikel ..Jüdische Leistungen", mit der Aufforderung, sie zu demonstrieren. Silberschatz hat also zuerst die Lage klar erfaßt und sich rechtzeitig bemüht, die Oeffentlichkeit in großzügiger Weise aufzuklären und zu bearbeiten. Bei der Herstellung des Standardwerkes wird es auf die dauernd einprägsame Art der Darstellung und auf die Art der Verbreitung ankommen. Silberschatz hat in den obengenannten Artikeln in der „Wahrheit"" einen Teil seiner Ansichten niedergelegt. Einen Blick in seius Gedankengänge bieten folgende Zeilen: Organisierte Aktionen gegen Juden pflegen fast immer durch Verleumdungen vorbereitet zu werden, sei es durch das infolge geistiger Fäulnis und Lagerung auf Gerichtsabfällen penetrante Argument vom Ritualmord oder eine andere aufgewärmte oder frischgebackene, aber trotzdem ranzige Verleumdung aus der uralten Sudelei des Antisemitismus. Es ist nun interessant, zu verfolgen, welche pikante Antwort die Geschichte auf die Verleumdungen gegeben hat: Zahllose Juden sind unter der wahnsinnigen oder teuflisch-boshaften Beschuldigung, den Schwarzen Tod verbreitet zu haben, ermordet worden; aber Hafkine hat sich unsterbliche Verdienste um die Bekämpfung der.Pest erworben und ehrlich und Wassermann haben eine der grauenerregendsten Seuchen der Menschheit, die Lues, eingedämmt. Wurden nicht die Juden als Blutzapfer für ..rituelle" Zwecke, und also auch als Folterer hingestellt (die Juden, die, im Gegensatz zu anderen Völkern, nie m ihrer Geschichte eine Folter angewendet)? Aber Landsteiner vollzog den Aufbau der Blutgruppentheorie, die Verblutenden rascheste Hilfe durch Transfusion ermöglicht und Sonnenfels schaffte die Folter ab, unter der doch Christen, infolge ihrer ungeheueren Ueberzahl, am meisten zu leiden hatten. Die Juden wurden in Ghetti gesperrt; eine Antwort darauf war ihr Beitrag zum gewaltigen Aufschwung von Städten. Den Juden war der Zutritt zu den Schulen erschwert; sie revanchierten sich mit dem Kampf für die allgemeine Volksbildung. Dies nur einige jüdische Erwiderungen auf schmachvolles Unrecht, wodurch auch die Mär vom „alttestamentarischen" Vergeltungstrieb des Juden grell beleuchtet wird. Man beachte nun die Gegenreaktion auf Kulturleistungen der Juden: Jüdische Studenten wollen zur Hochschule, um z. B. Medizin von Dittel, Ehrlich, Landsteiner, Neisser, Pollitzer, Wassermann, Chemie von Haber, Willstätter usw. und sonstige von zahlreichen anderen Juden g e s c h a i- &ie Juden Wiens und der Provinz sind ZOT OberZCIlgllllg gelängt, daß die weltberühmten raazzom der Pester Israeli! Kalfasgememde, „„„eicht an Qualität und GeSdMiadf sind. Nach einem Versuch kauft jeder die guten PeSfer OUalitSIS"l*laZZOtll, dünne und (runde) dicke, sowie Mazze- Grieü, Farvel und Mazzemchl. In allen einschlägigen Gesdläilen erhältlich. Alleinvertretung mr OsierreMh: IQNAZFROST Lebensmlltelhandlung Wien II., naldgasse Nr. 9 - Telephon \ 49-3-84 rene Wissenschaften aus dritter Quelle zu lernen: sie werden mein zugelassen oder hinausgeprügelt. Der Jude entdeckt die Radiowellen (Hert/) und schafft die Radioröhre (Lieben); aber eine jüdische Sendung durch das Radio? Sehr selten läßt man sie zu; es könnte eine Dissonanz im Aether-Konzert hervorrufen. Der Jude schuf das Automobil (Marcus); aber in vielen Staaten wird ein Jude, der sich dem Char.netirberuf zuwendet, als Eindringling angesehen. Dies alles war notwendig darzulegen, um nachdrücklich zu verlangen, man möge jetzt keinen Schritt ohne Silberschatz machen. Es sei an seine Rolle in Sachen der Kalenderreiorni erinnert. Eine Reihe von Per sönlichkeiten hat damals einen mächtigen Apparat aufgeboten und eine Konferenz ims der ganzen Welt zusammengerufen, auf der eine Resolution beschlossen wurde, die der jüdischen Delegation in Genf eine historische Blamage eingetragen hätte; eine weitere Kette von Fehlern iolgte. Erst das Eingreifen SÜberschatz' von Wien aus hat die Situation gerettet. WIEN Ii., Protersiraße Telephon D 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— auhv. Hochzeiten, Diners ut>d andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Palästina ohne Illusion. Die jüdischnationale Presse wird nicht müde, über die Erfolge der zionistischen Idee bei den Nichtjuden zu triumphieren. In allen Staaten gäbe es schon „Pro-Palästina"-Koinitees, in deren Rahmen sich die bedeutendsten Politiker des Landes zugunsten der jüdischen Heimstätte betätigen. Die Wirklichkeit bestätigt, ja übertrumpft sogar gelegentlich diese zionistischen Reklame-Ergüsse. Haben wir es doch jüngst erlebt, daß sich der polnische Senat als „Pro-Palästina-Komitee" fühlte und seiner Regierung auftrug, sich aufs energischeste für die Vermehrung der Palästina-Zertifikate für die polnischen Juden einzusetzen, damit Polen möglichst bald judenfrei würde. Daß Hitler- Deutschland dieselbe Lösung der Judenfrage anstrebt, ist bereits hinlänglich bekannt und auch anderen Staaten ist die Sympathie mit der Parole ..Die Juden gehören nach Palästina!" ohne weiteres zuzutrauen, so daß es sicherlich bedeutungslos wäre, daß nur ein einziger Staat, besser gesagt: eine einzige Staatsregierung der entgegengesetzten Ansicht huldigt, wenn nicht — schicksalhaftes Pech der Zionisten!, — diese einzige Macht, die sich abseits hält, ausgerechnet England wäre, dem der Völkerbund bekanntlich das Mandat über Palästina mit dem ausdrücklichen Auftrag, dort eine jüdische Heimstätte zu schaffen, übergeben hat! Mit welchem Eifer England sich dieses Auftrags entledigt, das hat jüngst Dr. Josef K a s t e i n in einem Vortrag über „die Wirklichkeit Palästina" im Wiener Offenbaclisaal in die Worte gefaßt: „Es muß generell gesagt werden, daß fast alle Fortschritte im Lande nicht infolge, sondern trotz der Mandatsverwaltung gemacht worden sind. Ein großer Teil der entscheidenden Regierungsbeamten sind ganz offen Antisemiten und Proaraber. Es gibt gewiß heute noch Träumer, die die Balfonr-Deklaration als ein Geschenk Englands an das jüdische Volk ansehen, aber es gibt auch schon realpolitisch denkende Juden, die endlich verstehen, daß auch die Balfour-Deklaratlon nur eine Handhabe für England .gewesen ist, sich Palästina zu sichern. Inzwischen hat sich die angebliche Mandatspolitik längst als englische Kolonialpolitik herausgestellt." Aber die ziemlich illusionslose Schilderung des geistreichen Redners vom heutigen Palästina erkennt außer den Engländern noch andere Saboteure des jüdischen Aufbauwerkes und das sind, wenn wir das Fazit aus seinen interessanten Ausführungen ziehen, die Zionisten. Kastein sagt das nicht so direkt heraus, zählt er sich doch selbst zu ihnen. Aber die ideelle Sympathie für sie hindert ihn nicht, ihnen lehrreiche Wahrheiten zu sagen, die für sie sehr bitter sind, während er selbst dort, wo er ihrer Ideologie erliegt, sofort deutlich in die Irre geht. Kastein entwirft ein ergreifendes Bild von den Mühen und Opfern der jüdischen Landwirtschaft, die mit einem Nichts an Mitteln und Erfahrungen begann, aber schließlich Erfolge erzielt hat, die jedem tiefen Respekt abnötigen. Aber diesem positiven Arbeitswillen steht das zersetzende Element der politischen Spaltpilze gegenüber, die die Unfruchtbarkeit des europäischen Parteihaders ins Heilige Land verpflanzen, anstatt dort die versprochene eigene jüdische Kultur zu schaffen: „Die Kultur des Landes ist im Begriff, eine hebräische Kultur zu werden, das heißt: sie bedient sich mehr und mehr der hebräischen Sprache. Damit ist noch nicht gesagt, daß es schon eine jüdische Kultur ist. Ehe wir eine solche Kultur haben, werden noch Generationen vergehen, weil erst diese furchtbare Mischung der verschiedenen Völkerscharten zu einem einheitlichen Volke werden muß. .Heute sind wir noch kein Volk. Sondern eine Völkerschau." Das könnte wörtlich ein A s s i m i 1 a n t .gesagt haben und man darf getrost hinzufügen: Wenn sich schon in Palästina das Wort: „Wir Juden sind e i n Volk, ein V o I k!" als Illusion entpuppt, um wieviel verhängnisvoller ist seine Verkündigung in Europa, wo die kulturellen Unterschiede zwischen den jüdischen Qlaubensbekennern der verschiedenen Länder nicht einmal die in Palästina wenigstens für die Zukunft vorhandene Möglichkeit gegenseitiger Assimilation durch .das engere Zusammenleben finden! Was die Kritik Kasteins besonders hervorruft, sind die von ihm beklagten Tatsachen, daß einerseits die Bodenpreise schwindelnde Höhen erklimmen, während anderseits die jüdischen Menschen in der Tiefe der Ebene haften bleiben. Umgekehrt wäre es dem Redner lieber: Die Bodenpreise sollten sich in den Niederungen der jüdischen Kaufkraft halten, die jüdischen Kolonisten aber auf die Berge steigen. Das erste wäre die Aufgabe des Jüdischen Nationalfonds gewesen, der aber seinen Zweck, die Verhinderung der Bodenspekulation, in katastrophaler Weise verfehlt hat. Die zweite Forderung Kasteins erscheint uns allzu literatenhaft. Sein Hinweis auf die Landnahme unter .losua und den Richtern ist ja sehr geistreich, aber man darf sich durch Geistesbiitze nicht so weit blenden lassen, die verschiedenen psychologischen Triebkräfte bei der Ansiedlung des antiken und des modernen Menschen zu übersehen. Im Altertum und Mittelalter boten die Berge und Höhen größeren strategischen Schutz als die offene Ebene. Heute hat die Aviatik diesen Unterschied nivelliert. Auch betrachtet man jetzt den Krieg doch nicht mehr so ausschließlich als den natürlichen Normalzustand wie einst und für die friedliche Kulturentwicklung ist die Ebene ungleich vorteilhafter als die unfruchtbaren Felsen. Schon au diesem Beispiel erkennt man, wie sehr die klare und nüchterne Beobachtungsgabe Kasteins getrübt wird, wenn sie von des Gedankens Blässe angekränkelt wird. Noch krasser macht sich dieses Fehlgehen dort bemerkbar, wo die Redner nicht eigenen Gedanken, die wenigstens durch Originalität bestechen, Ausdruck gibt, sondern längt widerlegte zionistische Hypothesen wiedergibt: Seine Ansicht, daß nicht die Not in der Galuth und die Prosperity in Palästina, sondern nur die zionistische Idee das jüdische Nationalheim schaffen könne und daß die Idee nicht durch die Wirklichkeit zerstört werden dürfe, widerspricht jeder Erfahrung. Die jüdische Heimstätte in Palästina kann nur aus der harten Arbeit der aus Not und Verfolgung in eine selbstgeschaffene Prosperity flüchtenden Tatmenschen erstehen, während die ..idealistischen" Theoretiker die Vortrags- und Versammlungssüie der „Galuth" füllen und sich an blendenden, aber unfruchtbaren Worten berauschen. Könix Georg von Griechenland über die Aufgaben der Juden im Staate. König Georg Ii. von Griechenland hat den einzigen jüdischen Abgeordneten des neuen griechischen Parlaments, Albert T s c h e n i o, in Audienz empfangen und mit ihm eine Reihe von Problemen der griechischen Jndenheit besprochen. Der König bekundete lebhaftes Interesse für die Erscheinungen des innerjüdischen Lebens und brachte die Hoffnung zum Atisdruck, daiJ die Juden ebenso wie die übrigen Teile der griechischen Bevölkerung a u f die Beseitigung von Gegensätzen und die Wiederherstellung harmonischen Zusammenlebens hinwirken würden. Die Pester Mazzoth eine Sensation! Beim heurigen Pessachfeste werden die Juden Wiens und der Provinz eine neue Delikatesse auf ihrem Festtische liegen haben. Das sind die weltberühmten Mazzoth der Pest er israelitischen Kultusgemeinde, die die größte und hygienischeste Mazzoth-Fabrik Europas besitzt. Aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt, sind die Pester Mazzoth an Qualität und Geschmack unerreicht. Die Aufsicht hat Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Bezallel Fischer inne. Die Alleinvertretung liegt in Händen des in der Lebensmittelbranche bestbekannten Großkaufmannes Ignaz Frost, Lebensmittelhandlung, IL, Haidgasse 9, Telephon A-49-3-84. Erhältlich auch in allen einschlägigen Geschäften. Ein Versuch und auch Sie kaufen nur Mazzoth der Pester israelitischen Kultusgemeinde.

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