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Die Wahrheit · 1936-03-13 · Heft 12 (13.3.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 12 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 12 — 13. März 1936 Seite 3 [ Jetzt wird es Zeit Ihren Bedarf zu decken an den berühmten $dim.idl- Jtlazzottk £tn Versudk rmird £ie fi6ci*eu^enf Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad JlatSmn <&Todetz&v Xcntratc: "Wien, 2. röezirß, Xeopofdsgasse %3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63, Die $tfkmidl~yiIax.xott* und das Fabrikat JTTarfte SttkmAMJt. (Mazzoth, Orieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. %t könne, erfolgte seitens des in einen einfachen Finanzreferenten verwandelten Herrn Präsidenten Dr. Fried mann und seitens seines ebensowenig assimilierten Bundesbruders Vizepräsidenten Dr. Jakob Ehrlich — in der heiligen Beobachtung des deutschnationalen studentischen „Brauchtums" nehmen sie es mit jedem Urteutonen auf — eine solche ununterbrochene Flut der Beschimpfungen der „Union" und der Assimilation, der sie doch alle ihr merschenwürdiges Dasein verdanken, daß man glaubte, einer Vorlesung des „Stürmer" oder noch besser der „Stimme" anzuwohnen und nicht der sogenannten Budgetdebatte in der Wiener Kultusgemeinde. Anfangs schien es so, als ob Dr. Ehrlich sich tatsächlich mit dem Budget befassen wollte, aber er brachte, weil ihm das Thema ebenso geläufig ist wie seinem „Bundesbruder" Dr. Friedmann, nur Unwahres, Falsches und Entstelltes vor. fülirungen des Herrn Vizepräsidenten Dr. Jakob Ehrlich über das Budget. Und jetzt folgt eine Flut von Unwahrheiten, Verdrehungen, Verleumdungen und Entstellungen seitens des Vertreters der israelitischen Religionsgesell-schaft — wohl gemerkt, nicht der jüdischen Volksgemeinde — im Rate der Stadt Wien, mit denen wir uns nur insoweit befassen wollen, als dies ohne Feuerzange möglich ist. Nach Dr. Jakob Ehrlichs tiefschürfender Ueberzeugung gibt es in der Kultusgemeinde keine Krise. Also gut, Herr Vizepräsident Dr. Jakob Ehrlich sieht die gegenwärtigen Verhältnisse in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien als N o r m a 1zustandan. „Bs wird keine Krise geben, solange wir Zionisten (lies Jüdischnationalen; warum plötzlich so verschämt, Herr Dr. Ehrlich?) den a usschlaggebenden Einfluß ausüben werden." Kehle stecken geblieben) in seine feste (o, weh) Hand genommen usw." Hosiannah, ein Held, ein Retter war erstanden. Dr. Desider Friedman n, der sich dann bis zur ruhmreichen Rettung der Mandate der „Union österreichischer Juden" nach den Februarereignissen des Jahres 1934 in dieser seiner Eigenschaft als Retter in den wohlverdienten zeitweisen Ruhestand zurückzog. Vor dem unersättlichen Appetit seiner Parteigenossen aber hat er die Kultusgemeinde nicht retten können. Nach diesem Ausflug in die ruhmbedeckte Geschichte und Vergangenheit der Minorität kehrt der edle Sprecher in die jüngste Gegenwart zurück. Da läßt ihn sein „sagenhaftes" Gedächtnis im Stich. E r erzählt nicht von Rath, er spricht nicht vom Liiwenherz, nicht von der sonstigenVergeudungvonGemeindemitteln für Parteizwecke. Auch sein Gehör ist nicht ganz auf der Höhe. Er hört nicht, daß die Wirtschaft der Jüdischnationalen zum Himmel „schreit", (auch sein Geruchssinn hat offenbar gelitten), dagegen hört er den „Schrei" der Unionisten nach dem Regierungskommissär, der nie erklungen ist. Wir Unionisten verlangen nur, daß die korrupte jüdischnationale Wirtschaft baldigst ein Ende nehme und daß die Kultusgemeinde wieder korrekt, anständig, solid und reinlich geführt werde, wie es unseren Sitten und Gebräuchen und unserer jüdischen Tradition entspricht. Zu den abgebrauchten Kampfmitteln der Jüdischnationalen gegen die „Union" gehört auch die Behauptung, daß die „Union" auf Hintertreppen und Schleichwegen „ihren Einfluß erhöhen wolle". Mit einer solchen Behauptung hat sich schon Kollege Vizepräsident Stricker eine „Abfuhr" geholt, wie es im assimilierten Komment heißt. Wir vertreten unser gutes Recht und die Ehre der österreichischen Juden offen und frei vor jedermann. Wir gehen JUGEND-UNION Jugendgruppe der Union österreichischer Juden Sekretariat und Heim: Wien I., Schottenring 25 Telephon A-i 9-2-77 IM NIUIN HIDM am Samstag, den 21. März, *A9 Uhr abends Mitternachtsakademie Kapelle Isy Geiger I., Schottenring 25 Eintritt incl. Garderobe Schilling 3.— Kalten im Vorverkauf: Sekretariat der „Union", I., Schottenring 25, Tel. A-19-2-77 ■ Redaktion „Die Wahrheit", II., Heinestraüe 13, Tel. R-46-2-16 ■ und bei den Mitgliedern des Komitees Richtig ist, daß die Verwaltung der „Union" durch ihre Voranschläge erst Ordnung in die durch die Iniration zerrütteten Finanzen der Gemeinde gebracht hat und daß das Schema des Budgets, wie es der Finanzreierent der „Union" aufgestellt hat, noch heute mustergültig ist und trotz der sehnsüchtigsten Bemühungen nicht abgeändert werden kann. Aber mit dem Schema allein ist es nicht getan, es muß auch derselbe Gemeingeist herrschen, wie unter der unionistischen Verwaltung, der es gelungen ist, unter den schwierigsten Verhältnissen nach der Inflation nicht nur die Ordnung wiederherzustellen, sondern die Einrichtungen auszugestalten und im wahrsten Sinne des Wortes aufzubauen, wie z. B. die neue Zeremonienhalle auf dem Zentraliriedhoie mit einem Kostenaufwande von zirka 2 Millionen Schilling, und das alles bei energischer Abwehr aller jüdisclinationalen Vorschläge, es doch so zu machen, wie alle übrigen Gemeinden und öffentliche Körperschaften, statt zu sparen und mit den anvertrauten öffentlichen Geldern hauszuhalten, Anleihen aufzunehmen. Herr Dr. Jakob Ehrlich läßt seinem Namen keine Genugtuung widerfahren, wenn er das aus den Zeiten der „Union" stammende „Gebarungsdefizit" mehr als verdoppelt. Er nennt eine Ziffer von S 300.000.—, obwohl er weiß oder wissen müßte, wenn er über solche Themen spricht, daß nur eine Ziffer von zirka S 140.000.— richtig isr und daß dieses Defizit aus der Inflation und aus dem Bau der Zeremonienhalle herstammt, alsq^aus einem außerordentlichen Aufwand von zirka 2 Millionen Schilling. Herr Dr. Ehrlich will auch davon nichts wissen, daß der größte Teil des Defizits 1931, nämlich zirka S 100.000.— im Jahre 1932, im letzten Jahre der unionistisohen Majorität, abgebaut wurde, ein Resultat, das die Jüdischnationalen bisher nicht erreichen konnten. Mit den unrichtigen Angaben der Detizite enden die Aus- Ja, wenn man Krise und Katastrophe Normalzustand nennt, dann wollen wir es gerne glauben, daß sich die Kultusgemeinde in dieser Lage beiinden wird, solange die Jüdischnationalen ihren Einfluß üben. Aber dem Himmel sei Dank, in ein paar Monaten spätestens ist es definitiv vorbei mit dein „maßgebenden Einfluß". Wenn die ..Union" noch länger der Korruptions¬ und Freunderlwirtschaft dieser Gesellschaft zur gegenseitigen Versicherung von Einkommen aus öffentlichen Mitteln zugesehen hätte, dann wäre an Stelle der Krise in der Kultusgemeinde eine Krise der „Union" getreten, deren Mandatare von der öffentlichen Meinung wegen Beihilfe zur Bereicherung öffentlicher Funktionäre aus öffentlichen Mitteln hinweggefegt worden wären. So können wir aber die Herren beruhigen; das energische Auftreten der „Union" gegen die Korruption führt ihr immer neue Anhänger selbst aus dem Kreise der Zionisten zu. Und dann kommt zur Abwechslung wieder ein kleiner Ausflug ins Märchenland, in die sagenhatte Zeit der Inflation: Die Kultusgemeinde lebte von der Hand in den Mund, die Gehälter zerrannen den Angestellten in den Händen, sie hungerten buchstäblich — Gott sei Dank, Rath und Löwenherz waren damals noch nicht Beamte der Kultusgemeinde — .... die Kultusgemeinde schien sich dem Abgrund zu nähern. Gruselts Euch!? Rettung naht! Wozu hatten wir unsere tapfere jüdischnationale Minorität. Ob Majorität, ob Minorität ist einerlei. Das Retten ist eben unser spezielles Metier. „Wir zwangen die mutlosen Unionisten zu bleiben, und unser heutiger Präsident hat damals das Ruder der Kultusgemeinde (das Wort „Steuer" ist dem begeisterten Panegyriker wegen seiner Zweideutigkeit in der keine Hintertreppen „auf dem Naselstoek" gestützt (war das zu wenig deutlich?); wir gehen nur die Freitreppen, es dauert vielleicht länger, aber führt unsere gerechte Sache zum sichern Siege. Wir sind gar nicht enttäuscht, daß noch kein Regierurigskommissär bestellt ist; wir erwarten die Ausschreibung der Wahlen spätestens am 4. April und die Durchführung der Wahlen ohne „corriger la fortune" durch die Jüdischnationalen. In dieser Hinsicht haben wir allerdings zu Friedmann, Löwenherz, Ehrlich und Konsorten nicht das mindeste Vertrauen. Was von jetzt ab kommt, kann kaum mit der Feuerzange angefaßt werden. Lügen, mehr oder weniger versteckte Verleumdungen und Denunziationen, die beweisen, daß die „Stimme" ein Organ des Dr. Ehrlich ist. Erlogen ist es und eine ehrabschneiderische Verleumdung des reichsdeutschen Centrai-Vereines, wenn behauptet wird, daß er in einem anderen Verhältnis zu den j ü d i s c h- Für die israelitische Volksschule in Graz mit Oeffentlichkeitsrecht wird eine Lehrperson (Lehrer oder Lehrerin) aufgenommen. Der Dienstantritt erfolgt sofort oder aber gegebenenfalls mit Beginn des neuen Schuljahres am 1. September. Ausführliche Bewerbungsschreiben mit Lebensbeschreibung, belegt mit Personal- und Studienzeugnissen, sind zu richten an die Direktion der israelitischen Volksschule in Graz, Grieskai 58.

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