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Die Wahrheit · 1936-03-13 · Heft 12 (13.3.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 12 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 12 — 13. März 1936 DIE WAHRHEIT Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern solche für jedermann deutlich erkennbar. Ihre eigenen Parteigenossen werden sich des Lachens nicht enthalten können, wenn sie sie lesen. Wir sollen, so wird behauptet, einen „Kampf gegen die Selbständigkeit und Autonomie der Gemeinde" führen. Führt derjenige einen Kampf gegen die Gemeindeautonomie, der die Korruption in der Gemeinde bekämpft und alles mögliche tut. damit Unsauberkeit von der Gemeinde ferngehalten werde? Denn die Autonomie kann nur dann gedeihen, wenn die Funktionäre der Gemeinde sich durch die Art der Führung der Verwaltung allgemeiner Achtung erfreuen können. Wenn aber freigewählte Mandatare, welche unabhängig und ehrenamtlich ihre Stellen zu bekleiden haben, die ihnen durch das Vertrauen der Wählerschaft verliehenen Ehrenstellen nur zu dem Zwecke autgeben, um dafür bezahlte Beamtenposten zu erlangen, dann kann niemand sagen, daß hiedurch die Autonomie der Gemeinde gefördert wird. Oder sind Sie der Ansicht, daß wir schweigen sollen, schweigen und alles erdulden, um hiedurch berechtigte Angriffe gegen die Art Ihrer Verwaltung verstummen zu machen? Wenn in der demokratischen Aera ein freigewählter Gemeinderat seinen Bruder beim Magistrat oder wenn ein Reichsratabgeordneter einen Schwager in der Staatsbürokratie versorgte, entrüstete sich mit Recht die Oeffentäichkeit über Korruption. Sie, verehrte Herren, finden Ihre Versorgungskandidaten noch viel näher. Viel enger verwandt als mit Ihren Brüdern, Ihren Schwägern sind Sie ohne Zweifel mit sich selbst. Daher benützen Vorstandsmitglieder Ihrer Partei ihre Stellung im Kultusvorstand, um sich selbst zu versorgen. Und dann wundern Sie sich darüber, daß die jüdische Oeffentiichkeit sich diese u nerhörte Korruption nicht gefallen läßt, und wenn „Die Wahrheit" in scharfen Worten gegen diese Korruption Stellung nimmt, entziehen Sie ihr die „Unterstützung", nur weil Sie Kritik nicht vertragen. Der Kampf der „Wahrheit" gegen die Autonomie steht nur in Ihrer Einbildung. Fähren Sie die Verwaltung der Gemeinde so, daß sie berechtigten Angriffen keine Nahrung gibt, dann wird „Die Wahrheit" keine Gelegenheit haben, eine Ihnen unerwünschte Kritik zu üben. Sie werfen uns ferner vor. daß wir andere Juden diskriminieren. Wie ungerecht dieser Vorwurf ist, haben wir erst letzthin in! unserem Blatte bewiesen. Der jüdische Nationalismus hat sich ein ganzes Arsenal vergifteter Waffen geschaffen, mit denen er seit seiner Entstehung andersdenkende Juden in rüdester Weise attackiert. Wer erinnert sich nicht der wüsten Beschimpfungen, die den Unionisten zur Zeit ihrer Herrschaft in der Kultusgemeinde von jüdischnationaler Seite zuteil wurden. Obwohl die jüdischnationalen Blätter in jener Zeit von ihrer Schimpf- und Diskriminierungskunst stets reichlichen Gebrauch machten, ist es keinem unionisläschen Machthaber in der Wiener Kultusgemeinde, die durchwegs sozial und charakterologisch hochstehende Persönlichkeiten und keine getarnten Postenschnorrer gev/esen sind, jemals eingefallen, für diese Diskriminierung von Juden durch Juden die Leser der jüdischnationalen Schimpfblätter durch Vorenthaltung der amtlichen Kundmachungen über den Beginn von Gottesdiensten und Predigten zu bestrafen. Erst Ihrem Amtsdirektor blieb es vorbehalten, nach nationalsozialistischem Muster Rache an einem gegnerischen Blatte zu üben, am liebsten würde er die Einstellung des Blattes verfügen, wenn er hiezu die Macht hätte. Er haßt uns. Daran ist uns nichts gelegen. Aber wenn angeführt wird. daß wir „die Staatstreue jüdischer Gruppen in Zweifel gezogen" hätten, so müssen wir di?s. wie dies oft und oft genug wiederholt wurde, als leichtfertige Beschuldigung brandmarken. Daß sich aber gerade Ihr „provisorischer" Amtsdirektor hierüber aufhält, muß Befremden erregen. Denn" er hat hinlänglich bewiesen, daß er nicht an die Auswanderung nach Palästina denkt, sondern an sein Verbleiben in Oesterreich, er hat gestrebt und gestrebert, um in den ihm allerdings nicht heimatlichen Gefilden Wiens sein Auskommen zu erlangen. Sein Streben und Strebern war dank Ihrer gütigen Mithilfe — wenn auch nur „provisorisch" — von Erfolg begleitet. Dafür muß er sich erkenntlich zeigen, indem er sich bemüht, die Mehrbelastung des Gemeinde-Etats durch sein Gehalt auf dem Wege der Ersparung des Gemeinde- Pauschales für amtliche Kundmachungen in einem gegnerischen Blatte wenigstens zum Teil hereinzubringen. Daß er dieses. Pauschale eine „Unterstützung" nennt, ist allerdings eine Kühnheit, aber auch ein böser Lapsus. Ein Mann, der seine Stellung und sein Riesengehalt bekanntlich nur dem Mitleid seiner Parteigenossen im Kultusvor- .stand verdankt, sollte die bescheidene Bezahlung effektiver Leistungen anderer nicht eitel als ..Unterstützung" qualifizieren. Aber das wird sich geben. Nicht jedem ist Takt und Zurückhaltung angeboren und wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. Fragt sich nur, ob die Wähler so lange weirden warteM wollen. IM Cai€ Pension Echsiein Semmering EmolaSdioholaden — HDS bü — Speise-Sdiokoladen, Haselnuß: u. Bitter- Schokoladen Mokka-Bohnen, Kakao-Pulver in anerkannt bester Qualität, erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. Schenk in der Fabrik CHOKOLATERIE GOURMET CliG£N MOLNER, Wien IL, Gr. raohreng.19 Wir, die angeblichen Feinde der Gemeinde- Autonomie stehen in diesem Falle durchaus auf Seite jener Wähler, welche Reinheit und Sauberkeit der Verwaltung jedem Parteidogma vorziehen. Sie werden sich — das sei Ihnen, verehrte Herren, zum Schlüsse gesagt — täuschen, wenn Sie glauben, durch derartige „Strafen" uns zu treffen. Unsere Waffen werden hiedurch nicht stumpf gemacht. Nehmeini Sie zur Kenntnis, daß unsere Ueberzeugung für Geld nicht feil ist. Wir werden den Kampf führen, den Sie ums durch die Art Ihrer Verwaltung der altehrwürdigen Wiener Kultusgemeinde aufgezwungen haben, wir werden ihn führen bis zum siegreichen Ende, bis wieder Reinheit und Sauberkeit in dieser Kultusgemeinde herrschen. Für die Redaktion der „Wahrheit": Chefredakteur Oskar H i r s c h f e 1 d. Schächtverbot in Polen. Mit den Stimmen aller polnischen Mitglied e r gegen die zweier Ukrain'er und die des einzigen jüdischen Mitglieds hat am 5. März der Verwaltungsausschuß des polnischen Sejm den von der Abgeordneten Frau P r y s t o r, der Gattin des Sejmmarschalls Obersten Prystor, eingebrachten Antrag auf Verbot des jüdischen rituellen Schächtens „aus humanen und wirtschaftlichen Gründen" in seiner Sitzung am letzten Donnerstag abends angenommen. Somit hat das Verbotsgesetz den Sejm in zweiter Lesung passiert. Die Endentscheidung liegt jetzt beim Plenum des Sejm. Nach dem Ausgang der Abstimmung im Verwaltungsausschuß scheint aber kaum noch eine Hoffnung zu bestehen. Unter der Judenschaft Polens herrscht starke Erregung. Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses hatte zum Experten der Befürworter des Schächtverbots den Universitätsprofessor Pater Tses a k geladen, der ein bekannter Antisemit ist und in einer Flugschrift, in der er sich selbst als den „besten Talmudkenner" bezeichnete, die Behauptung aufstellte, die Schechita sei kein Religionsgesetz, sondern lediglich ein Brauch. Auf diese Schrift stützte sich Frau Prystor bei der Begründung ihres Schächtverbotsantrages. Abgeordneter Dr. Emil Sommerstein protestierte im Namen der polnischen Judenheit gegen die Bestellung eines Nichtjuden zum Experten wt einer jüdischreligiösen Angelegenheit, noch dazu eines Menschen, jder offenkundig mit der Materie vollkommen unvertraut ist. Als nun entgegen diesem Protest Pater Tsesak dennoch zum Experten bestellt wurde, verzichtete der Sejmdeputierte Rabbiner Rubinstein, der zum Experten für den jüdischen Standpunkt bestellt wurde, auf seine Expertise. Eine von 12.000 Rabbinern unterzeichnete Erklärung wurde dem Präsidenten der polnischen Republik Professor I. Moscicki überreicht; in der Erklärung wird festgestellt, daß das G e b o t der Schechita in de,r Thora verankert und für die Juden bindend sei. Gemäß dem Aufruf des Warschauer Rabbinats wurde der vergangene Donnerstag als Fasttag von Zehntausenden Juden in Warsch a u begangen. Auch alle jüdischen Gemeinden der polnischen Provinz haben gefastet. Die traurige Rolle des Dr. Jakob Ehrlich. Nach der vom parteipolitischen Geiste diktierten Budgetrede des „objektiven" Präsidenten der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. Friedmann hielt der als Vertreter der israelitischen Religionsgesellschaft bestellte Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, in der sogenannten Budgetdebatte eine Schimpf- und Schmährede gegen die „Union", die in der „Stimme" der Gemeinheit und Verleumdung als Abrechnung mit der „Union" bezeichnet wird. Die beiden Vertreter der Wiener Judenschaft in den öffentlichen Körperschaften haben da wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Wir haben es nicht gezählt, wie oft die Jüdischnationalen schon mit der „Union" abgerechnet haben wollen. Eines ist sicher: Ihre Abrechnung stimmt nicht und ergibt zu unseren Gunsten ein immer größeres Guthaben, dessen Begleichung am Wahltage erfolgen wird. Die jüdischnationalen Zionisten haben in pompösen Kundmachungen den Wiener Juden versprochen, daß sie dem „Pamphlet" der „Union", in welchem die Niederlegung der Mandate durch die unionistischen Kultusvorsteher mit der üppig in die Halme schießenden Korruption der Jiidischnationalen motiviert wurde, mit Tatsachen und Beweisen kommen werden, um vorder großen jüdischen Oeffentiichkeit zu bekunden, daß sie sich bei der Verwaltung der Kultusgemeinde nur vom Gemeinwohl und nicht vom Eigennutz haben leiten lassen. „Parturiunt montes, nascitur ridiculus mus." Aus dergroßenjüdischenOeffent- 1 i c h k e i t, an die die Jüdischnationalen zur Widerlegung der von der „Union" öffentlich erhobenen begründeten Anklagen der Korruption, Freunderl- und Parteiwirtschaft der Jüdischnationalen heranzutreten versprachen, wurde die Tischgesellschaft der siebzehn im Kultusvorstand zurückbliebenen „Unentwegten", die, um den Eindruck einer Plenarsitzung des Kultusvorstandes hervorzurufen, durch sechs Stenographen verstärkt wurden, die am Tische der Kultusvorsteher an Stelle der Unionisten Platz nahmen. Statt der Beweise für die Reinheit der Führung der Geschäfte durch die Jüdischnationalen, statt der Widerlegung der Anschuldigungen betreffend Moses Rath und Dr. Josef Löwenherz, statt der Feststellung, daß man auch „ohne jüdischnationale Großmutter" bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien angestellt und in das „Altersheim" und in das Spital der Gemeinde aufgenommen und von der „Fürsorge" bedacht werden

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