Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 12 (13.3.1936)
- Date
- 1936-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen II In Deutschland verboten! isch e Die Wahrheit Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien I)., HeinesiraEe 13 — mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" nnnnnnnmininnnnniiiniiiiiiiniiiniiiniinniiiiiinp Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 13. März 1936 Nummer 12 Offener Brief an das derzeitige Präsidium der Wiener Kultusgemeinde. Geehrte Herren! Vor acht Jahren, als sich der Vorstand der Wiener Kultusgememde noch auf das ihm mit dem Stimmzettel votierte Vertrauen der Kultussteuerzahler stützen konnte, faßte er einstimmig den Beschluß, allen Wienern jüdischen Blättern ohne Unterschied der Partei seine amtlichen Kundmachungen zur Publizierung einzusenden und für den ihm und der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit mit dem Abdruck dieser Verlautbarungen rwiesenen Dienst ein entsprechendes Pauschale zu entrichten. Jetzt, wo sich ein vor dem Mißtrauensvotum aller nm die Reinheit der jüdischen Gemeindeverwaltung aufs höchste besorgten Kultuswähler zitternder Rumpf von zum größten Teile sich gegenseitig begönnernden Protektionisten in dem altehrwürdigen Saale der Kultusrepräsentanz trotz der statutengemäßen Einschränkung seiner Befugnisse breit macht, haben Site zwar nicht die Kourage, Ihre Machenschaften im Vorstand, als da sind: Gegenseitige Zuschanzung fetter Pfründe im Beamtemstand und: Mißbrauch einer auf diese korrumpierende Art freigewordenen fthrenstelle zur „Beschwichtigung" des „oppositionellen" Herrn Stricker, der Kritik der Wähler zu überantworten, dafür aber den traurigen Mut, die wirkliche Opposition der von Ihren Verwaltungspraktiken angewiderten Publizistik durch eigenmächtige und außerhalb Ihrer Kompetenz liegende Aufhebung des oben zitierten Beschlusses zu „bestrafen". Sie hatten sich vor allem die Frage vorzulegen gehabt, ob ein Präsidium, selbst wenn es zur Gänze vom gesamten Vorstand gewählt wäre, berechtigt ist, Plenarbeschlüsse, und noch dazu einhellig gefaßte, außer Kraft zu setzen. In der jüdischem Oeffentlichkeit ohne Unterschied der Partei hat unsere vorwöchige Mitteilung von der mit moralisch wie sachlich unzulänglichen Mitteln versuchten Gleichschaltung der jüdischen Presse die höchste Empörung erweckt. Wir stellen ausdrücklich fest, daß die allgemeine Entrüstung über derartige Hitler-Methoden auch von jenen jüdischnationalen Kreisen geteilt wird, welche unter Zionismus die Sehnsucht nach Palästina, nffcht aber die nach den Fleischtöpfen Aegyptens verstehen1, welche diese Sehnsucht nicht aufgeben, wenn es sich um einen noch so hohen Bezug und um einen noch so schönen Posten in der „Galuth" handelt. Ueber alle weltanschaulichen Differenzen hinweg muß sich eben eine Solidarität der Anständigen bilden, die sich auf dem allen Kulturmenschen gemeinsamen Boden von Recht und Sitte zur Abwehr der jetzt m> der Seitenstettengasse veirübten Anschläge auf die Moral zusammenfinden! und die den Anschlag auf das auch von Ihnen uns heuchlerisch zugestandene Recht freier und ungehinderter Kritik auch dann als das empfinden würden, was es in Wirklichkeit ist, wem; die Begründung Ihres Attentates auf die Pressefreiheit stichhältiger wäre, als sie ist. In einem Dokument von noch nicht dagewesener Köstlichkeit, um es nicht so zu nennen, wie es sich gebühren würde.'hiringt die Israelitische Kultusgemeinde in Wien, mit der Unterschrift des provisorischen Amtsdilrektors einem angeblichen Auftrag des Präsidiums an den Amtsdirektor, in Wahrheit ist es natürlich umgekehrt, die Pinstellung der „Unterstützung" unserer Redaktion zur Kenntnis, in einem Dokument, das in der Geschichte der österreichischen Aemter und Behörden, die den verdienten Jahrhunderte alten Ruf der größten Objektivität besitzen, ohne Beispiel dasteht. Der Ukas des provisorischen Amtsdürektors, des Diktatars der Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwenherz, lautet: Israel. Kultusgemeinde Wien. Wien, 3. März 1936. An die geehrte Redaktion der Jüdischen Wochenschrift „Die Wahrheit" Wien. In höfl. Beantwortung Ihres werten Schreibens vom 28. v. M. teilt Ihnen die gefertigte Amtsdirektion im Auftrage des Präsidiums der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, den Beschluß (wessen?) mit, laut welchem die Kundmachungen der Kultusgemeinde Ihrer Zeitschrift nicht zugemitteit werden. Die Gründe, die für diesen Beschluß maßgebend waren, sind folgende: Bei voller Anerkennung des Rechtes der freien und ungehinderten Kritik der Zeitungen, die durch den Bezug von Pauschalien seitens der Gemeinde in keiner Weise Basiere DIA gnf und billig OesterrelcMschcs Qnaiiläls FaDrmal Ueberau erhältlich beeinflußt werden soll, ist das Präsidium der Meinung, daß der Entzug der Gemeinde-Publikationen im vorliegenden Falle deshalb gerechtfertigt erscheint, weil „Die Wahrheit" in ihren publizistischen Angriffen weit über die Bekämpfung einer Partei oder über die Kritik der Verwaltung der Gemeinde hinausgegangen ist. In dem Blatte wird ein Kampf gegen die Selbständigkeit und Autonomie der Gemeinde geführt, durch unwahre Angaben das Ansehen der Gemeinde und ihrer Institutionen geschädigt, gegen einen Teil der jüdischen Bevölkerung wegen seiner Abstammung in feindlicher Weise Stimmung gemacht und die Staatstreue jüdischer Gruppen in Zweifel gezogen. Das Präsidium ist der Ansicht, daß die Unterstützung (!) eines solchen Blattes in welcher Form immer mit der Verpflichtung des Vorstandes, die Einheit der Gemeinde und deren Autonomie zu verteidigen und der Diskriminierung von Juden durch Juden entschiedenst entgegenzutreten, unvereinbar ist... Hochachtungsvoll Der Amtsdirektor: Dr. Lüwenherz. Was dieses Dokument bezweckt, ist offenkundig. Es will Gründe finden für eine Handlung, die wir ruhig der Beurteilung jedes anständigen Menschen überlassen können. Und welcher Art sind die Gründe, die für die Entziehung der „Unterstützung" angeführt werden? Vor allem wird verschwiegen der Grund, der einzig und allein ausschlaggebend gewesen ist: der Kampf der ..Wahrheit" für die Wahrheit ist Ihnen, werte Herren, unangenehm. Die Wahrheit ist auf dem Marsche und Sie werden sie nicht aufhalten. Die S c h e i n g r ü n d e. die Sie anführen, sind als Sonntag , den 15. März 1936, Eröffnung des neuen Klubheimes der „Union österreichischer Juden", I., Schottenring 25 VORMITTAG ERÖFFNUNGSFEIER Eintritt wegen Platzmangel nur für geladene Gäste %& UItlt Abends EMPFANGS-ABEND (Abendtoilette) PROGRAMM: Waldhorn-Quintett der Wiener Staatsoper / Käthe von Gutmann, Vortrage / Marianne Mislap-Kapper, Gesangsvorträge, begleitet von Prof. Franz Mittler / Hans Kolischer, Humorist / Hugo Knepler, Conference und Solo. Entree S 5.— (inklusive Imbiß mit Getränk). — Wegen des zu erwartenden großen Zuspruches wird gebeten, die Karten rechtzeitig an folgenden Stellen telephonisch zu bestellen: Sekretariat der „Union" A-l9-2-77 / Oppenheim B-42-3-21 / Widrich A-l 1-9-71 / Lenk R-46-0-86 / „Wahrheit" R-46-2-16