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Die Wahrheit · 1936-03-06 · Heft 11 (6.3.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 11 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 11 — 6. März 1936 Seite 7 Britische Palästinapolitik weiterhin araberfreundlich. Aus autoritativer Quelle erfahren wir, daß das Colonial Office in London im Prinzip jene beiden neuen Maßnahmen bestätigt hat, die eine wesentliche Aenderung der britischen Politik gegenüber dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina bedeuten. Beide Maßnahmen sind einschränkende: die erste betrifft jüdische Ein Wanderung,'die zweite jüdischen Bodenkauf aus Händen von Arabern; sie zeigen eine Richtung'an, die auf die Befriedigung der Forderungen der arabischen Opposition gegen das Jüdische Nationalheim hinausgeht. Initiator der neuen Maßnahmen ist der High. Commissioner General Sir Arthur Wauchope; seinem Gutdünken wurden die Ausarbeitung der Einzelheiten und die Zeit des Inkraftretens der neuen Beschränkungen überlassen. Aus autoritativen Kreisen wird versichert, daß der High Commissioner seine Vorschläge mit Notwendigkeiten begründet, die sich aus der jetzigen Lage in Palästina ergeben. Wauchope ist selbst der Autor des Projektes des Legislative Council. Die neue Haltung Wauchopes, der in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeit so viel Verständnis für die Juden bewiesen hat, hat die führenden zionistischen. Kreise sehr unangenehm überrascht. Man versteht, von Illusionen befangcm, m diesen Kreisen nicht die Hartnäckigkeit, mit der Wauchope sein Council-Pro. jekt verfolgt, und ist deshalb um so peinlicher berührt, daß auch » die englische Regierung unnachgiebig an diesem Projekt festhält. Das bewies die letzte Palästina-Debatte im englischen Oberhaus. In der Abendsitzung des englischen Oberhauses vom 26. Februar fand eine Aussprache über den Plan der Einsetzung eines Legislative Council in Palästina statt. Eine Reihe führender Mitglieder des Oberhauses übte Kritik an diesem Projekt Die Debatte wurde von dem der Labour Party angehörenden Lord Snell eröffnet. Er verlangte, daß die Regierung das Projekt des Legislative Council einer neuerlichen Prüfung "unterziehe. Der Redner wies darauf hin, daß das Land heute für eine zentrale Selbstverwaltung noch nicht reif genug sei und eine solche gar nicht wünsche. Es wäre vielmehr im gegenwärtigen Augenblick ein Zehnjahres-Plan für die allmähliche Entwicklung lokaler Selbstverwaltungseinrichtungen aufzustellen. Der Earl of Lytton spendete zwar einerseits dem High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope hohes Lob für das von ihm bei der Bewältigung seiner schwierigen Aufgabe im allgemeinen bewiesene Geschick, wies aber darauf hin, daß es auf das beharrliche Drängen des High Commissioner zurückzuführen seL daß man an diesem Projekt festhalte. Lord Lytton erklärte weiter, die Palästina-Regierung habe, neben der schwierigen Aufgabe, widersprechende Verpflichtungen bei der Verwaltung des Landes im Interesse von Arabern und Juden miteinander in Einklang zu bringen, auch die weitere Verpflichtung, Selbstverwaltungseinrichtungen zu schaffen. Selbstverwaltung könne aber nur herbeigeführt werden durch die Zusammenarbeit aller. Einwohn e r innerhalb der gewählten Vertretung. Verwaltung des Landes auf Grund des Mandates setze die Annahme der Mandatsbestimmungen voraus. Gerade das aber sei, was die Araber niemals haben tun wollen; sie hätten es im Gegenteil niemals verhehlt, daß ihnen die Bestimmungen des Mandats äußerst zuwider sind. Dieses Hindernis bestehe fort und in den letzten Jahren sei nichts geschehen, was dasselbe hätte beheben können. An diese Bemerkungen knüpfte Lord Lytton den Vorschlag, eine königliche Kommission von Männern mit Erfahrung in Verfassungsfragen des Reiches nach Palästina zur Untersuchung der dortigen Verhältnisse zu entsenden, wie dies im Falle Indiens geschehen sei. Das würde die Regierung in die Lage versetzen, die öffentliche Meinung in England und in Palästina zu erkunden, bevor sie ihre Politik bekannt gebe. Palästinensisches Nationalgefühl. Der Vorschlag Lord Lyttons, eine königliche Kommission zum Studium der Verhältnisse nach Palästina zu entsenden, wurde von Lord Lothian wärmstens unterstützt. Der Redner besprach die Gegensätze, die bei der Durchführung der Politik der Baliour-Deklaration zwischen Juden und Arabern entstanden sind, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß bei der Jugend in Palästina ein palästinensisches Nationalgefühl entstehen werde, so wie es in Südafrika ein afrikanisches Nationalgefühl gebe. Von diesem Gefühl würden Araber und Juden in gleicher Weise beseelt sein können. Bei seinem letzten Besuch in Palästina sei er von der umformenden Wirkung des Lebens auf die Jugend des Landes tief beeindruckt worden. Solange aber nationale und religiöse Gegensätze in so ausgeprägter Weise vorhanden sind wie im Palästina von heute, sei jeder Versuch, ein konstitutionelles Regime einzuführen, höchst gefährlich und würde aller Voraussicht nach die bestehenden Gegensätze verschärfen. Es möge ein Weg gefunden werden, um dem Volk die Aeußerung seiner Ansichten zu ermöglichen, was aber nicht bedeuten würde, daß man einem gesetzgebenden Rat die Macht gibt, Entscheidungen durch ein Mehrheitsvotum zu treffen. Lord Elibank erklärte, die Palästina-Regierung habe in bewundernswerter Weise das Gleichgewicht zwischen den beiden Hauptteilen der Bevölkerung aufrecht erhalten. Lokale Selbstverwaltung aber würde eine Vorherrschaft der Araber schaffen. Er glaube nicht, daß dies eine wünschenswerte Form der Autonomie sei. Es sei ungerechtfertigt, die Juden in Palästina in diese Lage zu versetzen. Sie hätten eine weit bessere Behandlung verdient, GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 Filiale i xviii., «Ahringerstrasse 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-0-34 Lieferant fflr Heilanstalten AbteilungeniflrKoscherfleisch unier Aufsicht des ehrur. Rabbinates der Isr. 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Er glaube, daß der High Commissioner in dieser Frage schlecht beraten sei. Der High Commissioner habe gehofft, daß es seinem persönlichen Einfluß gelingen werde, Juden und Araber zu einem Ganzen zusammenzuschweißen. Es sei aber zu befürchten, daß dies in der Weise, wie es jetzt versucht werde, nicht möglich sein wird. In vorgerückter Nachtstunde ergriff der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl of Plymouth, das Wort, um den Rednern im Namen der Regierung zu antworten. Er führte aus: Diese Angelegenheit sei sov/ohl in Palästina als auch von der englischen Regierung unter jedem möglichen Gesichtspunkt gründlich erwogen worden. Es gebe nichts grundsätzlich Neues in diesen Vorschlägen. Sie seien weder dem Wortlaut noch dem Geist des Mandats entgegengesetzt. Tatsächlich verpflichte das Mandat die Mandatarmacht ausdrücklich, daß das Land für die Entwicklung einer Selbstverwaltung vorbereitet werden soll. Schon 1922 sei die Errichtung eines Legislative Council vorgeschlagen und durch Versprechungen der Regierung gut- Wien K| Seltenstettenaaese 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor _3am«t»g g—cfalo—■!_ geheißen worden. Alles, was darauf hindeuten könnte, daß die Regierung die Erfüllung dieser bestimmten Zusagen — und niemand könne leugnen, daß es bestimmte Zusagen waren — auf unbestimmte Zeit hinausschieben wolle, würde das Vertrauen zur Regierung in Palästina schwer erschüttern und zu ernster Unruhe führen. Es gäbe nur die Frage, fuhr Lord Plymouth fort, ob der gegenwärtige Augenblick geeignet sei für die Einsetzung des Legislative Council und ob die Schaffung des Council die Macht der Regierung, ihre Mandair-nflicht zu erfüllen, sichern werde. Nach gründlicher Erwägung sei der High Commissioner zu der Ansicht gelangt, daß dieser wichtige Schritt jetzt geschehen und nicht länger hinausgeschoben werden soll. Es sei seine Meinung, daß im Interesse des gesamten Landes die Einsetzung dieses Council außerordentlich wünschenswert sei. Er könne nicht zugeben, daß seine Einsetzung nur zu Reibungen und Zwietracht führen würde. Er hoffe und glaube im Gegenteil, daß der Rat ein faires verfassungsmäßiges Instrument für den Meinungsausdruck darstellen werde. Er sei auch wünschenswert als das andere Ausdrucksmittel an Stelle gewalttätiger Propaganda und öffentlicher Kundgebungen, die gegenwärtig in Palästina stattfinden. Der Earl of Plymouth vertrat in seinen weiteren Ausführungen den Standpunkt, daß heute schon Juden und Araber in vieler Hinsicht harmonisch zusammenhalten. Als Beispiel solcher Zusammenarbeit führte er die Stadträte in den größeren Städten und die Komitees, die sich mit Handel, Landwirtschaft und Eisenbahnwesen befassen, an. Er erklärte, er sei davon überzeugt, daß es in Palästina zu ernsten Unruhen komm e n würde, wenn es den Anschein hätte, daß die Regierung nicht beabsichtige, ihre wiederholten Zusicherungen in dieser Angelegenheit wahr zu machen. Jeder Versuch einer weiteren Hinausschiebung durch Einsetzung einer königlichen Kommission oder auf andere Weise würde von den Arabern als eine Ausflucht für den Bruch der Versprechungen, die die Regierung gegeben hatte, aufgefaßt werden. Der Unterstaatssekretär beendete seine Ausführungen, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das jüdische Volk bereit sein werde, seinen Platz im Legislative Council einzunehmen und an einem Reformwerk mitzuarbeiten, von dem die Regierung glaube, daß es zum Wohl der Gesamtbevölkerung Palästinas geschehe. Nach der Antwort des Unterstaatssekretärs erklärte Lord Snell, daß er seinen zu Beginn der Debatte gestellten formellen Interpellationsantrag, daß der Plan der Einsetzung eines Legislative Council zurückgestellt werden möge, zurückziehe, da die Antwort der Regierung ihn befriedigt habe. Die Debatte endete also mit einem Siege der Regierung. Präsident der AUiance Israelite Arnold Netter gestorben. Professor Arnold Netter, der berühmte Kliniker, der erst vor kurzem als Nachfolger von Prof. Sylvain L e v y zum Präsidenten der Alliance Israelite Universelle gewählt worden war, ist am 1. März in Paris während eines Vortrages, den er in der Pariser Aerzte-Gesellschai't über sein Spezialgebiet, die Bakteriologie, gehalten hat, plötzlich verstorben. Er erreichte ein Alter von 81 Jahren. Prof. Arnold Netter entstammte einer Familie elsässischer Rabbiner. Er wurde in Strasbourg im Jahre 1855 geboren, 1889 wurde er außerordentlicher Professor an der Sorbonne, 1898 Mitglied des Gesundheitsrates von Frankreich. Er war Großoffizier der Ehrenlegion und Mitglied der Medizinischen Akademie. Er schrieb grundlegende Werke über Kinderkrankheiten, die Schlafkrankheit, über Präventiv-Impfungen bei Diphteriegefahr und über Bakteriologie überhaupt. Im Leben des französischen Judentums spielte Prof. Arnold Netter von je eine führende Rolle. Im Jahre 1905 wurde er zum Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle und zum Mitglied des Direktoriums der Jewish Colonisation Association gewählt. Nach Ableben von Prof. Sylvain Levy wurde er zum Präsidenten der Alliance gewählt, in der er von je für die bedrohten Rechte und Interessen der Juden in den verschiedenen Ländern eintrat.

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