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Die Wahrheit · 1936-03-06 · Heft 11 (6.3.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 11 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 11 — 6. März 1936 Seite 5 £)ie Sensation des $essadk~9'estes sind die weltberühmten NaZZOltl der PCSlCT ISraClIf. KOlfOS- ^€IH€ind€, unerreicht an 010311131 und ÖeSdimadi. Nach einem Versuch kauft jeder die gute PCSlCF ODOlltöf-PlOZZOlIl in dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Qrieß, Farvel und Mazzemehl. In allen elnSdHägHten Geschalten erhältlich. Alleinvertretung iür österretdi: 1GNAZFROST Lebensmlltelhandiung Wien iL, naidgasse Nr. 9 - Telephon A 49-3-84 Gleichschaltung der jüdischen ßresse. Eine der ersten Taten des neuen Amtsdirektors der Wiener Kultusgemeinde, des Herrn Dr. Josef Löwenherz, ist der Versuch, die jüdische Presse gleichzuschalten. Er fühlt sich eben in seiner jetzigen Machtposition. Aber leider entsprechen seinem Gehalt nicht die Machtmittel, um an den unbequemen Kritikern seiner einzigartigen Karriere entsprechende Rache nehmen zu können. Er kann uns weder in ein Konzentrationslager sperren noch uns die Feder aus der Hand nehmen, mit der wir der Residenz die Geschichte erzählen, wie man aus einem Vizepräsidenten höchstbezahlter Beamter wird. Die Befugnisse des Herrn Amtsdirektors reichen bloß zu einem kleinlichen Racheakt und es kennzeichnet das gegenwärtige jüdischnationale Kultuspräsidium, daß es sich nicht schämt, einen solchen wirklich zu inszenieren: Es läßt der „Wahrheit" die amtlichen Verlautbarungen der Kultusgemeinde nicht mehr zugehen und entzieht uns das Pauschale iür die Veröffentlichung dieser Kundmachungen. Da diese, dem religiösen Charakter, der der Kultusgemeinde ausschließlich zukommt, entsprechend, vornehmlich in der Ankündigung von Gottesdiensten, Predigten und r i t u e 1- 1 e n Belangen bestehen, trifft die Maßregelung diejenigen Kultussteuerzahler, die im Gegensatz zu den Jüdischnationalen ihr Hauptinteresse an der Kultusgemeinde deren religiösen Veranstaltungen widmen. Es kennzeichnet das jetzige jüdisehnationale Regime in der Kultusgemeinde, daß es sich nicht scheut, aus niedriger Rachsucht gegen unbequeme Kritik einfach jene Wiener Juden, die sich in der österreichischen Geistessphäre heimisch fühlen und die Oktroyierung eines über das religiöse Gebiet hinausgreifenden jüdischen Sonderstandpunktes ablehnen, dafür zu bestrafen, indem ihnen das jüdischnationale Kultuspräsidium die Kenntnisnahme dieser religiösen Veranstaltungen durch ihr Blatt unmöglich macht, und zwar durch eigenmächtige Aufhebung eines vor vielen Jahren einstimmig gefaßten Beschlusses des Kultusvorstandes. Nicht weniger charakteristisch als diese Maßregelung ist ihre Begründung. In einem uns von Amtsdirektor Dr. Löwenherz eigenhändig gezeichneten Briefe vom 3. März heißt es einleitend, daß „das Recht der freien und ungehinderten Zeitungskritik durch den Bezug von Pauschalien seitens der Kultusgemeinde in keiner Weise beeinflußt werden soll." Das stimmt: Die Beeinflussung wird erst durch den Entzug dieser Pauschalien versucht — selbstverständlich vergeblich. Wir werden in unserem Kampfe um die Reinheit der Gemeindeverwaltung natürlich nicht erlahmen. Auf diesen Kampf der „Wahrheit" nimmt die Zuschrift des Dr. Löwenherz in einer Weise Bezug, über die wir mit den Herren noch an anderer Stelle rechten werden. Es heißt da: „In dem Blatte wird ein Kampf gegen die Selbständigkeit und Autonomie der Gemeinde geführt, durch unwahre (?) Angaben das Ansehen der Gemeinde und ihrer Institutionen geschädigt gegen einen Teil der jüdisohen Bevölkerung wegen seiner Abstammung in feindlicher Weise Stimmung gemacht und die Staat&treue jüdischer Gruppen in Zweifel gezogen. Das Präsidium ist der Ansicht, daß die Unterstützung (!) eines solchen Blattes in welcher Form immer mit der Verpflichtung des Vorstandes, die Einheit der Gemeinde und deren Autonomie zu verteidigen ,und der Diskriminierung von Juden durch Juden entgegenzutreten, unvereinbar ist." Also nicht jene „diskriminieren" die Judenheit, die in voller Oeffentlichkeit eine in der Kultusgemeinde noch nie dagewesene Korruption durch Versorgung ireigewähiter Vorstandsmitglieder aus den Steuergeldern der verarmten Gemeindemitglieder durchgreifen lassen! Die Vertreibung der über solche Korraptionserscheinungen erbitterten Steuerzahler aus dem Gemeindeverband, den früher bloß religiös Indifferente verließen, jetzt aber angesichts der jüdischnationalen Praxis gerade der religiöseste Teil zu fliehen sich anschickt, nennen sie „Verteidigung1" der Gemeinde-Einheit! Die Autonomie gefährden nicht jene, die auf das ihnen mit dem Stimmzettel der Wähler ausgedrückte Vertrauen pfeifen und sich aus unabhängigen Vorstandsmitgliedern in besoldete Angestellte zu verwandeln streben, sondern wir, weil wir von der Regierung Maßnahmen zur Durchführung reiner Wahlen, die den Willen der Wähler unverfälscht zum Ausdruck bringen, verlangen. Gerade die wirklichen Anhänger der jüdischen G e in e i n d e - A u t onomie müssen mit uns in diesem Wunsche einig sein! Die uns unterstellte Feindseligkeit gegen einen Teil der jüdischen Bevölkerung wegen seiner — Abstammung ist wohl die „Deutung" unserer Feststellung, daß die jetzige Mehrheit im Kultusvorstand durch die jüdischnationale Aufreizung der ostjüdischen Wähler herbeigeführt wurde. Wo ist also die „Diskriminierung" zu finden? Nicht in der auf F a s c h is t e n a r t von den angeblichen Verfechtern der — Autonomie bewerkstelligten Entfernung des Präsidenten der „Union" aus dem Kuratorium der Israelitisch-theologischen Lehranstalt und nicht in der Einstellung der Bezahlung für amtliche Zeitungsverlautbarungen, die der Herr Amtsdirektor merkwürdigerweise für eine — Unterstützung hält, wahrscheinlich weil sie ihm im Verhältnis zu der Bezahlung seiner eigenen Dienste als ein iächerliches Almosen erscheint .... Der Wille zu Österreich. Vortrag von Joseph August Lux in der „Union österreichischer Juden" am t. Februar 1936. (Fortsetzung.) Völlig abwegig und mißverständlich ist die Zui ückführung des Begriffes Nation auf das bloß Sprachliche, was in dieser extremen Einseitigkeit als Nationalismus erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Schule Prinzip wurde, noch dazu mit höchst geschichtswidriger Zurückwirkung auf t'rühere Jahrhunderte. Das durch den preußischen Historiker Treitzschke und seine Wort „Nation" im ursprünglichen Sinn kommt von den Universitäten und von den Konzilien her, wo man die Studenten oder Teilnehmer in Gruppen einteilte, je nach ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ländermasse oder einem bestimmten Herrschaftsbereich. So verzeichnete Herzog Rudolf IV., der Stifter, auf der von ihm gegründeten Wiener' Universität, eine österreichische Nation. Analog wurden auf dem Konstanzer Konzil die Leute aus deutschen Landen eünschilließlich des Tschechenvolkes als deutsche Nation bezeichnet. Aus vielen Komponenten wächst eine Nation, heran, kulturellen geschichtichen, dynastischen, und kulminiert in dem Willen zum Staat, der das Bleibende, Wesenhafte und im Scinsgrund Wurzelnde einer Nation verkörpert. Mit vollem Recht darf man daher seit Rudolf IV., mit dem eine spezitisch österreichische Staatspolitik beginnt, von einer österreichischen Nation reden, wenn wir auch den Nationalismus in der heute üblichen einseitigen Ausprägung ablehnen. Wir können daher auch nicht dem Politiker Seipcl folgen, wenn er gelegentlich Oesterreich den „zweiten deutschen Staat" nannte. Warum „zweiter?" Warum nicht erster?! ist doch der Name Oesterreich oder Austria älter als der Landname und Volksname „deutsch" oder „Deutschland". Warum also nicht österreichischer Staat? Es würde keinem Belgier einfallen, sich Franzose zu nennen oder Belgien den zweiten französischen Staat. Ebensowenig nennen sich die Amerikaner Engländer. Und die Schweizer bleiben Schweizer, gleichviel ob sie deutsch, italienisch oder französich reden. Wir leben mit dem kulturellen Deutschland in Frieden, das seine Kultur dem lateinischen Kulturkreis verdankt und wir haben geschichtlich und persönlich zur Mehrung seiner Kultur beigetragen. Aber dieses kulturelle Deutschland hat uns eben als Oesterreicher geachtet und geliebt und hat nicht getrachtet, uns zu verneinen. Warum muß man den Oesterreichern immer erst Mut machen, Oesterreicher zu sein im eigenen Hause, Woher dieser Minderwertigkeitskomplex? Man spricht zwar von österreichischen Waren, jedenfalls von österreichischer Schlamperei, allenfalls von österreichischer Musik, österreichischen Frauen, von der österreichischen Seele, aber den, der sie verkörpert, den österreichischen Menschen verleugnet man in allzu großer Bescheidenheit. Und von der österreichischen Nation zu reden, erscheint geradezu noch als Sünde. Leider kommt diese Zaghaftigkeit und Unentschiedenheit auch in der Verfassung zum Ausdruck, wo die Rede ist vom „christlich deutschen Staat. Warum nicht klar und eindeutig: katholisch österreichischer Staat Warum diese Verwaschenheit? Sie stammt noch aus der Zeit des Umsturzes, wo Oesterreich sich selbst entfremdet und sich abhanden gekommen war. weil jenes Geisthafte fehlte, das zur Nation und zum Staat sehört, der Wille und die Bewußtseinslage, die dazu gehört und weil man einem fremden Geist hörig wurde, der anti-österreichischen preußischen Geschichtsauffassung, die wir in unserer Schulbücher-Revision entlarvt haben. Daß aber der Begriff einer österreichischen Nation nicht nur eine Bewußtseins-Angelegenlieit ist, sondern aus den elementaren Kräften kommt, die im Unterbewußtsein eines Volkes schlummern, beweist, trotz allem, das Erwachen der anima naturaliter austriaca. Nicht aus der Sprache allein ergibt sich der Begriff einer Nation, sondern aus Bindungen höherer Art und vor allem aus der höchsten Bindung Religion! Oesterreich ist ein katholisches Land, und wenn es das nicht wäre, wäre es nicht mehr Oesterreich! Damit komme ich zu Punkt 2 und spreche zu Ihnen nicht nur als Oesterreicher, sondern vor allem als Katholik. (Fortsetzung folgt) VexemmadkwitAten Der Israelitische Frauenverein im XVIII. Bezirk veranstaltet Samstag, den 7. März (Purim) um 8 Uhr abends im Hotel Continental, II., Praterstraße 6. eine Fest-Akademie mit Tanz. Prominente Kunstkräfte haben ihre Mitwirkung zugesagt. Conference Erwin Engel. Entree S 2.—, an der Kassa S 2.50. Das Reinerträgnis dient Fürsorgezwecken. Karten sind bei den Vorstandsdamen und im Cafe Kolosseum, IX.. NuBdorferstraße 6, erhältlich. Jüdischer Angestelltenverband „Emunah", Wien II., Praterstraße 11/13. Am 7. März, 20 Uhr abends, liest Dr. Kurt Sonnenfeld: „Aus seinen Romanen". Die Eröffnungsfeier der Jüdischen Blindenbibüothek „Alexander Hecht" findet Sonntag, den 8. März, 11 Uhr vormittags, in den Bibliotheksräumen, II.. Untere Augartenstraße 35, statt. Wohltätigkeitsvorstellung. Dienstag, den 10. März, um 8K- Uhr abends, veranstaltet der allseits bekannte und auf dem Gebiete der Charitas ersprießlich wirkende Cafetier Buchsbaum eine Wohltätigkeits-Vorstellung im Theater Reklame, IL, Praterstraße 34, bei der „Jankele" mit Sevilla Pastor aufgeführt wird. Das Reinerträgnis wird einem zugrundegegangenen Kaufmann, der mit 5 Kindern und einer kranken Frau hilflos und vor der Delogierung steht, zur Gänze abgeführt. Diese Veranstaltung durch einen Besuch zu unterstützen, wird wärmstens empfohlen. Purim-Feier. Mittwoch, den 11. März, um 8.30 Uhr abends, findet eine vom Cafetier Buchsbaum in seinem Kaffeehauslokal, II., Kleine Pfarrgasse 21, veranstaltete große Purimfeier mit Konzert und Kunstkräften statt. Unter anderen treten auf Albert F e 11 e r, der bekannte Radioliebling, Simon F o s t e I und der lOjährige Chansonkünstler Mundi Hausknecht. Der Abend verspricht einen glänzenden Verlauf zu nehmen, da verschiedene Belustigungen und Ueberraschungen die Gäste erwarten. Wer sparsam ist, nimmt zum Mundspülen ein halbes Glas Wasser mit wenigen Tropfen ODOL- MUNDWASSER. Dies genügt vollkommen, um die ganze Mundhöhle zu desinfizieren. ODOL ist sehr sparsam im Gebrauch — ODOL ist deshalb billig!

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