Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 11 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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PflE, WAHRHEIT Nr. 11 — 6. März 1936 Seite | 9anz Wien begeistert! \ XU Sessadk Üdimidt- Jftazzoth Ein Versutn irixd Sic fifiemeugenf Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlattkan <&wodetz&u Zentrate: Wien, 2. Ülesirft, J£eopotds£asse 43 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63, Die StfkmiM-yilaxxotfk und das Fabrikat JKarfte StAmidt JI. ä3." (Mazzoth, Orieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften.!falMHHMHHnHHHH»HHHH»"l angeführten Einnahmen aus Steuern, Taxen und Gebühren von den der „Union" angehörigen Steuerträgern erbracht werden. Der Präsident erwähnt auch nichts davon, daß seit dem Jahre 1933 alljährlich die Kultussteuerträger teilweise ersucht, teilweise gezwungen wurden (Und zahlst Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt!), zu ihren ohnedies schon durch den Druck der hauptsächlich aus Jüdischnationalen zusammengesetzten Schätzungskommissionen wesentiiclii erhöhten Kultussteuem einen Zuschlag zu leisten. Die „Hilfe" für die Hitler-Opfer. In Aufforderungen an dile Steuerträger wurde u. a. angeführt, daß dieser freiwillige Zuschlag als Opfer für die Deutschland-Hilfe, d. h. für die durch den nationalsozialistischer Terror entwurzelten deutschen Juden verwendet werden soll. Verhältnismäßig lächerliche Beträge, ungefähr das Jahresgehalt des Herrn Amtsdirektors Doktor Löwenherz, wurden aus den eigenen Mitteln d e r K u 11 u s g e m e i n d e bisher für die Deutschland-Hilfe geopfert. Die Deutschland-Hilfsaktion der Kultusgcmeinde ist seit März 1934 abgeschlossen, obwohl von fast allen Kultussteuerträgern der freiwillige Zuschlag nur deshalb gejeistet^wurde, weil die; Steuerträger der Meinung waren, daß die gespendeten Gelder vor allem diesen Opfern unserer traurigen Zeit zufließen. Es wäre die vornehmste Aufgabe der Kuitusgemeinde gewesen, auch aus eigenen Mitteln für diese armen Flüchtlinge bedeutende Leistungen zu erbringen. Es wäre eine vornehme Aufgabe gewesen, parteipolitische Institutionen in ihren Subventionen zu kürzen und dafür wirkliche Akte der jüdischen Pflichterfüllung den deutschen Flüchtlinge« gegenüber zu setzen. „Die Wahrheit'wird „niedriger gehängt" Nach diesen unrichtigen und den Tatsachen widersprechenden Angaben über die Budgetierung der' seinerzeitigen unionistischen Mehrheit beschäftigte sich der Präsident, um seinen parteipolitischen Kampf auf allen Gebieten zu führen, mit der „Wah r hei t", die er als „Pamphle t" und deren Verfasser er als „P r e s s e b a n d i t e n" bezeichnete. Diese von ihm gebrauchten Worte hat die „S t i m m eß in der „wörtlichen" Wiedergabe der Rede des Präsidenten unterschlagen. Es ist daher nur zu verständlich, daß die Ausfolgung des stenographischen Protokolle s an die „Wa h r h e i t" verweigert wurde. Wahrscheinlich haben die im Sitzungssaal anwesenden Kammerstenographen nicht wunschgemäß beim Gebrauch solcher Worte versagt. Es ist aber bezeichnend, daß sogar „Die Stimme" sich der Ausdrucks weise des Präsidenten schämt. Der Präsident liest aus der „Wahrheit" einige Zeilen vor und behauptet, daß es die Absicht der „Union" wäre, diet Behcld© darauf aufmerksam zu machen, sich das Budget der Kultusgemeinde näher anzusehen. „Eine solche Handlung kann nur", so sagte der Präsident der Kultusgemeinde (nach der „Stimme"), „mit dem Worte des Preu- Itenkönigs: .niedriger hängen' beantwortet werden". In Nr. 9 der „Wahrheit" hat ein: neutraler Einsender festgestellt, daß, wenn eine derartige Wirtschaft einreißt, ' wie sie jetzt als^Freunderliind Parteiwirtschaft in der Kultusgemeiri'de geführt wird, „die Gefahr besteht, daß sich die staatliche Finanzverwaltung etwas näher mit dem Budget der Kultusgemeinde befaßt." Ein Neutraler im innerjüdischen Streite war also der nicht unberechtigten Meinung, daß eine solche Maßnahme von außen durch den Mißbrauch der Steuergelder durch die Jüdischnationalen zum Zwecke der Versorgung der Mandatare und für ihre parteipolitischem Zwecke heraufbeschworen werden kann und daß daher dauernd eine Gefahr für die Autonomie der Kultusgemeinde besteht. Er hat deshalb seine warnende Stimme erhoben, nicht um die Staatsverwaltung aufzurufen, sondern um der Oeffentiichkeit mitzuteilen, daß für die Wiener Judenschaft durch die Mißwirtschaft der Jüdischnationalen die eminente Gefahr bestellt, daß die Autonomie der Kultusgemeinde verloren gehe oder zumindest beschränkt werde. Der Präsident der Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen •*- ri ■ Kuitusgemeinde hat es wohlweislich vermieden, über den übrigen Inhalt des; Artikels, aus dem er wenige Zeilen zur Vorlesung brachte, zu reden, er hat es vermieden, sich mit der Frage der Bestellung der Herren Dr. L ö w e n h e r z und Moses Rath zu befassen. Er hat es vorgezogen, durch Vorlesung einiger Zeilen die falsche Meinung zu erwecken, als ob die „Union" nur eines im Sinn hätte, dieser Kultusgemeinde zu schaden. Es sei hier vor aller .Oeffentiichkeit festgestellt, die „Union österreichischer Juden" will nichts anderes, als der derzeitigen herrschenden Parteiwirtschaft der Jüdischnationalen ihrer mißbräuchlichen Verwendung von Steuergeldern für die Versorgung ihrer hervorragenden Parteifunktionäre und für die Erhaltung ihrer politischen Keimzellen ein Ende setzen und jenen Leuten die Führung aus den Händen schlagen, welche die Kuitusgemeinde nur nach den Prinzipien ihrer Partei, nicht aber im Interesse der Wiener Judenschaft verwalten. Die FürsorgetStigkeit [der Gemeinde. Ein besonderes Kapitel widmet der Präsident der Kuitusgemeinde der Fürsorgetätigkeit der Gemeinde. Schon in der vor der Budgetberatung erschienenen Nummer der „Stimme" wurde von dem Budget der Kuitusgemeinde erzählt. In geschickter Weise wurden die Gesamtausgaben für Fürsorgezweeke mit dem Betrage von.......S 2,649.940.- angeführt, ohne daß ihnen die Einnahmen auf diesem Gebiete gegenübergestellt worden wären. Auch hier muß ein wenig Licht in die Sache gebracht werden: Im Jahre 1933 betrugen die Gesamtausgaben für Fürsongezwecke.....S 2,817.404.26 Von diesen Gesamtausgaben sind als nicht direkte Leistungen aus den Mitteln der Kultusgemeinde in Abzug zubringen: Die Spenden für Winterhilfe per .* . . Die Spenden für Deutschland-Hilfe . . . Spenden für Vereine und wohltätige Zwecke .........., , Ausgraben für Gemilas-Chessed-Kassa Ferner d;e diesen Ausgaben gegenüberstehenden Einnahmen aus Spitalskosten- Ktein* Tub« 3 —SO GroS* Tub« 8 1.40 135.886.02 199.168.94 99.722.71 36.014.35 beiträgen, Beiträgen der Versorgungshausinsassen usw.........S 1.304.325.43 so daß als tatsächliche Leistung der Kultusgemeinde für Fürsorgezwecke aus eigenen Mitteln ein Betrag von nur . . S 1,072.286.81 verbleibt. Zum Vergleich sei nur eine Zitier herangezogen, die in dieser sonst so unsachlichen Budgetdebatte erwähnt wurde. Für die Winterhilie allein wurde von der an Zahl ungeiähr gleich großen Gemeinde Berlin ein Betrag von 1,7 Millionen Mark zirka 3'A Millionen Schilling verausgabt. Es ist also unrichtig, wenn seitens der Jüdischnationalen immer wieder behauptet wird, daß mehr als ein Drittel der Gesamtausgaben der Kuitusgemeinde tiir Fürsorgezwecke verwendet werden. Diese Behauptung täuscht, wenn man nicht auch gleichzeitig dazu erklärt, daß diesen Ausgaben so bedeutende Einnahmen gegenüberstehen. In seiner Budgctredo hat der Präsident der Kultusgernemde wohl angeführt, daß in dem Kapitel Fürsorgewesen iür das Jahr 1936 ein Zuschuß von S 1,157.000.— notwendig sei. Wir sahen uns aber verpflichtet, diese detaillierten Angaben deshalb zu machen, weil immer wieder von den Jüdischnaticnalen die ialsche Meinung verbreitet wird, daß seitens der Kultusgemeinde ein Drittel der Ausgaben iür Fürsorgezwecke verwendet wird, während es tatsächlich nur ein Siebentel ist. Auch bei dem Kapitel Fürsorge hat es der Präsident der Kuitusgemeinde nicht unterlassen, sich mit der „Union" zu beschäftigen. Wir müssen daher, um seine Ausführungen ins richtige Licht zu stellen, folgendes feststellen: Ein nach Wien zuständiger Jude — o Ii u e R ii c ksicht auf seinen Geburtsort — ist gegenüber einem Juden, der nach Wien nicht zuständig ist, in der Aufnahme in die Versorgung s a n s t a 11 zurückgesetzt, weil bei einem nach Wien zuständigen Juden vorerst durch die Gemeinde Wien Erhebungen über d:e Notwendigkeit der Aufnahme gepflogen werden müssen, um den Zuschuß der Gemeinde Wien zu den Verpflegskosten zu sichern Eine solche Maßnahme ist bei nach Wien nicht zuständigen Juden nicht notwendig. CAehnlich ist es übrigens auch bei den sonstigen Fürsorgeinstitutionen der Kultusgemeinde.) Die unionistischen Mandatare haben daher anläßlich der Aenderung des Statutes für das Versorgungshaus versucht, dieses den nach Wien zuständigen Juden ohne Rücksicht auf ihren Geburtsort — diese Tatsache sei, um Mißdeutungen vorzubeugen, testgehalten — werdende Unrecht dadurch teilweise gutzumachen, daß bei Einberufung in das Altersheim — wohl zu unterscheiden vom Versorgungshaus in der Seitenstettengasse — auf jene besonders Rücksicht genommen werden soll, die bei sonst gleichen Voraussetzungen einen längeren Wohnsitz in Wien nachweisen können. Diese klare Darstellung, die nichts anderes bezweckt als von den Wiener Juden ein ihnen dauernd zugefügtes Unrecht teilweise abzuwehren, wird vom Präsidenten der Kultusgemeinde dazu benützt, um einen parteipolitischen Seitenhieb auf die ..Union'* zn iühren. „Obel Rachel", Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender, II., Kleine Pfarrgasse 8; veranstaltet am Sonntag, den 15. März, um 8 Uhr abends, im M i I i t ä r k a s i n o, I., Schwarzenbergplatz, eine Purimfeier mit Akademie und Tanz unter Mitwirkung erstklassiger prominenter Künstler, wie: Conference Direktor Kramer-Königsmark, Karl Farkas, Kammerspiele, Prof. Max Klein, Bariton, Hilde Dulitzkaja. Frau Steffi Klein-Mekler, Opernsängerin, Ivo Guttmann, Opernsänger, Tenor, Olga Bartos-Trau, Volksoper, Musical Excentric Bela. Liesl Löffler, Harfe, Erna Aria. Hellseherin, Musikkapelle Max Geiger. Eigenes Büffet! Das Reinerträgnis fließt zur Gänze der Ausspeisnng zu.