Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 10 (28.2.1936)
- Date
- 1936-02-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064616--20581-3085841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 10 — 28. Februar 1936 Seite 7 Strahlen und Streiflichter, Wochenabschnitt Terumah. Die Reihenfolge der Abschnitte Mischpatini (Rechtsvorschriften) und Terumah (Tempelabgabe) soll uns den Grundsatz andeuten, daß Abgaben für wohltätige Zwecke nur dann hoch angerechnet werden, wenn das Geld auf rechtmäßige Weise erworben wurde. Sprich zu den Kindern Israel, sie mögen für mich eine Abgabe leisten (II. B. M. 25, 2). Der Midrasch weist daraui hin, daß Gott um die Abgabe in sehr freundlicher Weise ersucht, obwohl alles Gold und Silber ihm gehört, zum Unterschied von vielen irdischen lVlachthabern, die Abgaben grausam, mit Gewalt, eintreiben. Es ist etwas besonders an diesem Volke. Sie haben ihre Gabe für den Bau des Heiligtums mit derselben Opferbereitschaft geleistet, mit der sie später zur Errichtung des goldenen Kalbes beigetragen haben. Sie sollen mir ein Heiligtum errichten, auf daß ich in ihrer Mitte weile (25, 8). Groß ist die Bezeichnung der Arbeit in den Augen Gottes. Er verlangt, daß die Kinder Israels eine Arbeitsleistung vollbringen, bevor er sich herbeiläßt, in ihrer Mitte zu weilen. Als Mose die Einzelheiten der Stiftshütte erfahren hatte, war er sehr bestürzt und sprach: Ich fürchte, daß die Kinder Israels es nicht vermögen werden, dieses Heiligtum zu errichten. Darauf antwortete Gott: Nicht mir das ganzo Volk, sogar ein Einzelner kann für mich ein Heiligtum errichten . . . wenn er nur will. Von beiden Seiten soll je eine Elle hinausreichen (26, 13). Bezeichnend ist die Bemerkung des großen Erklärers Raschi: Die Heilige Schrift ehrt uns, auf die Gesetze der Schönheit und der Symmetrie zu achten. Du sollst einen Leuchter aus reinem Gold anfertigen (25. 31). Es wird hervorgehoben: Zuerst wird der Tisch für die Schaubrote behandelt (25, 23—30), dann erst kommt der heilige Leuchter an die Reihe, woraus wir entnehmen sollen, daß es nicht genügt, den Leuchter — die Lehre des Judentums — hochzuhalten, zuerst muß man für den Tisch und das Brot der Träger dieser Lehre sorgen. —n —n „Brunnenvergiftung." Der Wiener Berichterstatter des „Haaret z"\ Herr M. Ungerield, ersucht uns festzustellen, daß der in der letzten Nummer der „Wahrheit" zitierte Bericht aus dem „Haaretz" über die Rede des Herrn Prof. Czermak nicht von ihm stammt, sondern eine Aussendting des Wiener Korrespondenten der „Jüdischen Telegraphenagentur" (J. f. A.) ist, die übrigens auch in allen anderen Blättern Palästinas erschienen ist. Präsident der jüdischen Gemeinde von Lomza beseht Selbstmord. In einem Bialystoker Hotel hat der 72jährige jüdische Bankier und Großkaufmann Hirsch Epstein, Präsident der jüdischen Gemeinde und Vizebürgenneister von Lomza, Selbstmord begangen. Alle, die ihm in der letzten Zeit nahe standen, erklären, sie können sich kein anderes Motiv für die Tat Epsteins denken als Jas, daß dieser seit Jahrzehnten im jüdischen öffentlichen Leben tätige Mann es nicht ertragen konnte, daß durch eine fast die gesamte polnische Intelligenz und;ille politischen Kreise umfassende Agitation gegen das jüdische rituelle Schächten dem Judentum eine Schmach «ngetan wird. Epstein hatte sich am vergangenen Sonntag an der großen Gemeindekonierenz in Warschau beteiligt und hat hierbei das Versprechen gegeben, sich mit seiner ganzen Energie der Abwehr der Angriffe <egen das Schächten zu widmen. Seither verhandelte er täglich mit polnischen Parlamentariern, insbesondere mit den zwei Deputierten des Lomzaer Kreises. Die Haltung dieser Parlamentarier hat bei ihm einen solchen Pessimismus geweckt, daß er in eine Melancholie verfiel, die ihn schließlich zum Selbstmord trieb. Ein Sohn von Epstein fiel im Kriege zwischen Polen und Sowjetrußland auf der Seite Polens. jüdischer Kulturbund geht zugrunde. Der Jüdische Kulturbund, der allein in Berlin über 10.000 Mitglieder und weitere Zehntausende Mitglieder im Reiche zählt, steht laut Mitteilung seiner Verwaltung infolge des generellen Verbots seiner Darbietungen im ganzen Reiche durch den Reichspropagandaminister Dr. Goebbels vor dem Zusammenbruch. Viele Hunderte jüdische Schauspieler, Vortragende, Sänger und Musiker leiden Not und fallen dem sozialen Hilfswerk der jüdischen Gemeinden zur Last. Ein Appell der Kulturbundführer an das Propagandaministerium, das Verbot aufzuheben, blieb erfolglos; man befürchtet, daß das Verbot ein dauerndes ist. Die englischen Universitäten gegen Heidelberg. Dem Beispiel der Universität Birmingham folgend hat auch die Universität Oxford beschlossen, der 550-Jahrfeier der Universität Heidelberg fernzubleiben. Man erwartet, daß Cambridge und die anderen englischen Universitäten gleiche Beschlüsse fassen. Die letzten 300 Juden des Saarlandes. Von den 4800 Juden des Saarlandes sind etwa 300, meist Handwerker und Arbeiter, im Lande verblieben, weil die französischen Behörden für diese Kategorie keine Wo)in- und Arbeitserlaubnis auf französischem Gebiet erteilen wollten. Die Lage dieser inüeti würde sich sehr tragisch gestalten, falls die französischen Behörden ihre Haltung nicht ändern; am 1. März erlischt die Schutzgarantie für sie. Demonstration gegen Wauchope in Tel Aviv. Das Weihefest des Narionalmusetims in Tel Aviv am 23. Februar wurde durch eine Demonstration gegen den zur Feier erschienenen High Commissioner Sir Arthur W auchope, der von einer Menge mit „N i e d e r" - R u f e n empfangen wurde, gestört. Sir Arthur schien sehr verärgert und befahl die Verlesung des Befehls zum Auseinandergehen, dem d i e M e n g e auch Folge leistet e. Verhaftungen sind bisher nicht vorgenommen worden. Die Hauptredner bei der Feier waren der High Commissioner Sir Arthur \V auchope und Bürgermeister Mayer D i z e n g o f f. üizengoff hat die (leider zur Errichtung des Gebäudes beschafft. §ememde€hromifi. Generalversammlung des Bundes jüdischer Frontsoldaten. Am 22. d. M. fand die Generalversammlung des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs statt. In seiner Eröffnungsansprache gedachte der Bundesführer Siegmund Edler von Fried mann der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Kameraden. Die Generalversammlung wählte unier Beifall Hauptmann a. D. von Friedmann zum Bundesführer und Oberleutnant i. d. R. Diplom-Kaufmann Ernst Stiaßny zum Bundesführer-Stellvertreter per Akklamation. In die Bundesrührung wurde u. a. Primarius Dr. Tschiaßny neugewählt. Mit einem Appell, gemäß dem Programm des Bundes fortzufahren in der Arbeit für ein unabhängiges Oesterreich und ein geeintes Judentum, schloß der Bundesführer Hauptmann von Friedmann die Generalversammlung. «M8«9MMMMMM«9SWMMI Moderne Küchen« Vorzlmmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. MÖBEL Eduard Deutsch. Im Alter von 67 Jahren verschied Montag, den 24. d. M. nach langer schwerer Krankheit Herr Eduard Deutsch, Chef der bestbekannten Firma D u 1 d n e r 6c Deutsch. Mit dem Heimgang dieses unentwegten, tapferen Kämpfers ist in die Reihen der Wiener Orthodoxie wieder eine unersetzliche Lücke gerissen worden, die ganz besonders in den westlichen Bezirken fühlbar sein wird. Eduard Deutsch kam als junger Mensch aus Ungarn nach Wien, wo er sich im gesellschaftlichen gleich wie im jüdischen Leben zu beachtenswerter Position emporarbeitete. Aus dem ungarischen orthodoxen Milieu stammend, schuf er sich sein überall geachtetes Haus an der Seite seiner gleichgesinnten Gattin, die nunmehr mit vier würdigen Kindern um den Verblichenen trauert. Viele Jahrzehnte galt seine besondere Arbeit der S t u m- >> erschul, der er bis zuletzt als Vizepräsident vorstand und die nunmehr in kurzer Aufeinanderfolge ihre zwei begabtesten und hingebungsvollsten Führer verlor. Aber seine Tätigkeit erschöpfte sich nicht im engen Raum des Bezirkes, in dem er wohnte, sondern Jahre lang wirkte er auch eifrig im Vorstand der Adas Jisroel-Schiffschul. Der Heimgegangene gehörte auch der „Union österreichischer Juri e n" als treues Mitglied an, er genoß in weitesten Kreisen wegen seiner edlen jüdischen Gesinnung die größte Beliebtheit. So war denn auch das Begräbnis, das am späten Nachmittag des Dienstag stattfand, eine sinnfäl- Achtung, Achtung! Die geehrten Leser werden auf die heutige Kundmachung auf der Titelseite aufmerksam gemacht. Der Redaktion ist es gelungen, mit der Firma Bandagen-M i k o 1 a s c h, Wien, Taborstraße 22, eine für unsere Leser äußerst günstige Abmachung zu treffen, und können wir dem Publikum nur bestens empfehlen, von den Bonifikationen recht ausgiebigen Gebrauch zu machen. Die Firma ist ja allgemein als äußerst solid bekannt und besteht seit über 30 Jahren. Ein „jüdisches Industrieunternehmen" par excellence repräsentiert die heute schon international berühmte Schmidl-Mazzoth-Fabrik in Floridsdorf. GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGH. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE MR. 19 FILIALE i XVIII., WAüRIMGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinate» der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen iige Bekundung der Trauer um den Heimgegangenen. £ine unabsehbare Menschenmenge, in der man die Vertreter der verschiedeneu jüdischen Korporationen bemerkte, in denen Eduard Deutsch s. A. segensreich wirkte, folgte dem Trauerzug. Im Trauerhause hielt Oberrabbiner Fürst dem treuen Diener und unentwegten Kämpier der Orthodoxie einen würdigen Nachruf. Am Friedhof sprach Rabbiner F 1 c s c h tief empfundene Worte des Dankes und Abschiedes iür den wackeren Mann, dessen Sühne sein schönes Werk fortsetzen werden. Todesfall. Am 20. d. M. fand das Leichenbegängnis der Frau Therese H e i m a n n, geb. Fischer, die im 79. Lebensjahre stand, unter sehr zahlreiche. Beteiligung statt. Die Verstorbene war die Gattin des ihr im Tode vorausgegangenen Chordirigenten der israelitischen Kultusgemeinde und Sängers der Staatsoper, Herrn Julius lleimann. Rabbiner Dr. Bach hielt ihr einen ergreifenden Nachruf, in dem er die vorzüglichen Eigenschaften der Heimgegangenen als Gattin und Mutter hervorhob und ihr edles Wirken im Kreise ihrer Familie und außerhalb desselben Erwähnung tat. Ihre Herzensgüte und ihr teilnehmendes Wesen machten sie allgemein beliebt und gab die zahlreiche Beteiligung an ihrem Begräbnis Zeugnis von der großen Beliebtheit, der sien die Verstorbene erfreute. Unter den Anwesenden sah man den Amtsdirektor Dr. Josef L ö w e n h e r z, Amtsleiter F r e i s t a d t, Sekretär Fuchs, Hofrat der Polizeidirektion Dr. G a n s, Kommerzialrat Landesb e r g e r, Präsident des Kantorenvereines L ö w i t, Oberkantor Matyas u. v. a. Die Heimgegangene wird von den Kindern, dem Chordirigenten der Kultusgemeinde Rudolf H e i m a n n und von ihrer Tochter Frau Steffi Schnitzer, die mit großer Zärtlichkeit an ihrer Mutter hingen, tief betrauert. Die Trauergesänge v ersah Oberkantor Funk e mit dem Chor in ergreifender Weise. Trauerandachten am 7. Adar. Chewra Kadischa I. Der Vorstand der Chewra Kadischa I. veranstaltet Samstag, den 29. Februar, 7 Uhr abends, im Gemeindetempel!., Seitenstettengasse 4. eine Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitgliedcr. Die Gedenkrede hält Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g. Chewra Kadischa für den 16. und 17. Bezirk. Der Vorstand veranstaltet Samstag, den 29. Februar, um 7 Uhr abends (7. Adar), im Gemeindetempel, XVI., Hubergasse 8, für sämtliche verstorbenen Vereinsmitglieder eine Gedächtnisfeier. Die Chewra Kadischa XVIII. veranstaltet für die seit dem Jahre 1881 verstorbenen Mitglieder am 7. Adar. Samstag, den 29. Februar iWö, 1N.20 Uhr, im Gemeindetempel, XV1IL. Schopenliauerstrulle .W. eine feierliche Trauerandacht. Die Chewra Kadischa XIX. veranstaltet am Samsiag, den 29. Februar, um 7 Uhr abends, für ihre verstorbenen Mitglieder im Tempel, XIX., Dollinergasse 3. einen Trauergottesdienst. Die Gedenkrede hält Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 2. März,!(.8 Uhr abends, im Klubsaal, I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Sotiierrain), Vortrag des Herrn Professor Dr. jakob Bronner: „Der babylonische Turm in der Rekonstruktion und in der bildenden Kunst." Eintritt frei Gäste willkommen. Generalversammlungen. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Israelitischer Waisen in Wien. Die diesjährige Generalversammlung (Bericht über das 75. Vereinsjahr) findet Sonntag, den 8. März, um X-11 Uhr vormittags, IX., Universitätsstraße 4, statt und sind die Mitglieder und Gönner höflichst eingeladen, recht zahlreich zu erscheinen. Die berühmten Pester Mazzoth in Wien. Eine der modernsten und größten Mazzothfabriken Europas besitzt die Pester israelitische Kultusgemeinde. Von hervorragenden Fachleuten geleitet, steht die Erzeugung unter der Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Bezalel Fischer. Die von dieser Fabrik kommenden Mazzoth, durch ihre Schmackhaftigkeit weltberühmt geworden, sind heuer auch in Wien eingelangt, wo sie reißenden Absatz finden. Die Pester Mazzoth sind verschiedenartig erzeugt, u. a. auch runde, dicke. Die Alleinvertretung hat der im Lebensmittelhandel bestbekannte Herr Ignaz Frost, IL, Haidgasse 9, Telephon A-49-3-84, in Händen, der nur Waren von bester Qualität in seinem Geschäfte führt. Darum überzeuge sich jeder von der Pester Qualitäts-Mazzoth. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich.