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Die Wahrheit · 1936-02-28 · Heft 10 (28.2.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 10 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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OIE WAHRHEIT Nr. 10 — 28. Februar 1936 Seite 5 &ie Sensation des &essactk-&estes sind die weltberühmten PlOZZOtll der PtSttT ISrü€llt hllllDS- ^€DI€lDd€, unerreicht an Qualität und OeSdMiadt. Nach einem Versuch kauft jeder die gute PCSlCV QDdlitdf-MflZZOlll in dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Grieß, Farvel und Mazzemehl. In Ollen ClüSdllflltltfCn Oesdiaiten erhältlich. AlielnYertretnnft ior OsterreUh: IGNAIFROST Lebensmlttelhandiniig Wien Ii., naldgnsse Nr. 9 - Telephon A 49 3-84 rige ist. Es genügt nicht, wenn man in den öffentlichen Tageszeitungen durch Darstellung des Wiener Judenelends an die Oeffentlichkeit appelliert, man muß auch die eingegangenen Beträge für die Fürsorge aufsparen. Solange verschämte jüdische Arme, Emigranten aus Deutschland, Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung stundenlang vor den Türen der Fürsorgezentrale bettelnd warten müssen, bis sie für die Zeit von vier Wochen S 5.— erhalten, solange darf einem überflüssigen Amtsdirektor der Kultusgemeinde nicht ein Gehalt von S 18.000.— jährlich ausgezahlt werden, um so weniger, wo diese Stelle nur deshalb besetzt wurde, weil es sich eben um die Versorgung eines prominenten Parteimannes handelt. Ob die Jüdischnationaten der Oeffentlichkeit reden werden, daß sie Dr. Löwenherz ersucht hätten, dieses einträgliche Amt zu übernehmen, damit seine von ihnen geschätzte Arbeitskraft der Gemeinde nicht verloren geht, oder ob es unentwegte Parteigenossen geben wird, die diese Ausreden glauben werden, das wissen wir nicht. Aber daß die denkende Wiener Judenschaft es als einen Anschlag auf die finanziellen Mittel der Kultusgemeinde" ansehen wird, in der heutigen Zeit an einen provisorischen Beamten ein Monatsanfangsgehalt von S 1500.— zu bezahlen, darüber gibt es keinen Zweifel. Jeder Wiener Jude soll der Wiener Kuttussemeiride nach besten Kräften geben, was in sei- . ner Macht steht. Jeder Wiener Jude soll, wenn die Kultusgemeinde an ihn appelliert, freiwillige Opfer bringen, aber jeder Wiener Jude hat auch ein Recht, zu verlangen, daß mit den von ihm gezahlten Steuern mit der größten Sparsamkeit verfahren wird, keinesfalls aber dürfen mit diesen Geldern prominente Parteimänner lebenslänglich versorgt werden. Die definitive Gehaltsfestsetzung für den „provisorischen" Amtsdirektor Dr. Josef Löwenherz müßte allen jüdischen Angestellten in Wien, die unter den größten Entbehrungen und mit den geringsten Mitteln ihr Leben fristen und von ihren Bezügen nicht nur ihre Familienmitglieder erhalten, sondern auch zur Bezahlung der Bezüge von überflüssigen Amtsdirektoren der Kultusgemeinde mit Jahresgehalten von S 18.000 beitragen müssen, zu denken geben. Auch die Wiener Kaufmannschaft wird es nicht verstehen können, daß man heute noch, in diesen Zeiten der allgemeinen jüdischen Sorgen, aus öffentlichen Mitteln solche Gehalte bezahlt. Aber absolut unbegreiflich muß der Vorgang den armen Befürsorgten der Wiener jüdischen Gemeinde bleiben, die fast täglich die Seitenstettengasse und die Korridors des Amtsgebäudes füllen, um nach vielem Warten eine karge Unterstützung, die kaum ausreicht, über die Not des Tages hinwegzuhelfen, zu empfangen. Sie werden einsehen, zu wessen Hefl die Lehren der Jüdischnationalen erfunden wurden. Nun ist es klar geworden, warum Herr Dr. Löwenherz den Vorschlag auf Bestellung als pauschalierter Anwalt nicht akzeptiert hat. Mit einem Betrage von S 18JD00.— jährlich, mit der Hoffnung auf Umwandlung eines Provisoriums in ein Definitivum, mit Pensionsberechtigung für sich und seine Familie hätte er allerdings bei Akzeptierung dieses Vorschlags niemals rechnen können. Palästina — objektiv. Von Hanns Horst Aris. (Schluß.) Auf dem Papier kann man all es e rreichen, und auf dem Papier sieht auch die Ideologie vom „wiedervereinten jüdischen Volk" sehr schön aus. In der Wirklichkeit aber, die uns in vielen Dingen rauh entgegentritt, bekommt man ganz andere Eindrücke, ganz andere Ergebnisse. Die Differenz zwischen dem Ost- und Westjudentum ist noch viel wirksamer als die entsetzliche Parteiung, denn die Phrasen der Parteien kann man verstandesmäßig oder zwangsmäßig überwinden, den tiefergehenden biologischen Unterschied aber niemals. Mehrere Jahrhunderte anderer Geschichtsentwicklung haben die osteuropäischen Juden zu ganz anderen Menschen gemacht als die westeuropäischen Juden in ihrer Entwicklung wurden. Durch diese Entwicklung ist die Existenz zweier von einander völlig verschiedener Menschengruppen gegeben worden, die aus dem „b i n a t i onalen" Gebilde Palästinas sogar ein „trinationales" machen werden, denn das ostjüdische Ideal des Judenstaates muß ganz anders aussehen als das w e s t j ü d i s c h e. Der Ostjude ist viel radikaler Jude als der Westjude es sein kann, denn der Osten hat keine derart starke und hochwertige Kultur gehabt, iim die Juden maßgeblich zu beeindrucken. Würde man sich auf diese Faktoren stützen, um eine Nation zu gründen, so ist schon im Voraus zu bestimmen, wann diese'Nation zugrunde gehen wird, nämlich sicher in dem Augenblick, in welchem ihre Existenz für irgend eine andere Macht irgend eine Beeinträchtigung bedeutet Dieses Beeinträchtigung aber ist nicht allein für die Mandatsmacht vorauszusehen, sondern sie ist insbesondere durch das Vorhandensein nichtjüdischer Elemente in Palästina ä priori gegeben. Die Ideale Palästina-Politik würde mithin sagen, daß Palästina zwar vielen Juden Existenz zu bieten vermag, daß aber das Land Palästina niemals ein jüdisches Land werden kann und werden darf, da in einer derartigen Entwicklung Gefahren für die in Palästina ansässigen Juden ebenso entstehen wie für den Frieden im Gesamtgebiet des nahen Orients. Kein nationales Ideal aber ist so hoch, als daß dafür die Träger der Nation gefährdet und der Weltfrieden gebrochen werden dürfte. Die Neukonstruktion eines Judenstaates vollends ist abwegig bis zu dem Augenblick, in dem wenigstens 70 Prozent aller Juden einig sind. Das aber wird niemals der Fall sein! Es «ei betont, daß wir nicht den Zionismus angreifen wollen, sondern nur jene Zionisten, welche nicht den Mut haben, offen und ehrlich zu bekennen, daß Palästina bisher eine Fehlleistung war un ddaß man die Erwartungen viel zu hoch geschraubt hat Wir wollen auch bei einer unfruchtbaren Kritik nicht stehenbleiben, sondern fassen unsere produktiven Forderungen in folgenden Thesen zusammen: 1. Die Jewish Agency und die zionistische Weltorganisation müssen sich zu einem einwandfreien und ungefärbten Rechenschaftsbericht entschließen, dem eine objektive Kalkulation der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit Palästinas anzuschließen ist; 2. es muß unter Mitwirkung der englischen Regierung und unter dem Vorsitz des Highcommissars ein palästinensisches Wirtschaftsgremrum gebildet werden, welches die geeigneten Verordnungen gegen die Spekulationswirtischaft schnellstens annimmt und zur Durchführung bringt; \ die Finanzjgebarung Palästinas muß der öffentlichen Kontrolle unterstellt werden, wobei ein P-ilästina-Ausschuß vom Völkerbund eingesetzt werden soll; 4. nach Abschluß der Erhebungen über die Aufnahmefähigkeit durch das Gremium zur Kontrolle der palästinensischen Wirtschaft muß ein endgültiges Programm angenommen werden, welches die künftige Einwanderung genau regelt. Hierbei sind genaue Quoten für den Zuzug aus den einzelnen Ländern aufzustellen, damit über die Zukunft keine Phantasien mehr verbreitet werden können; 5. von allen Seiten aber muß auf das strikteste betont werden, daß sich in Palästina eine Wirtschaftskolonie aufbaut, aber kein jüdischer Staat. Im übrigen aber muß Schluß damit gemacht werden, Geld für Fiktionen zu verlangen, denn jeder Pfennig wird dafür gebraucht werden, um die abwandernden Juden aus Deutschland und anderen Staaten dort unterzubringen, wo ihre Ansiedlung am aussichtsreichsten und am billigsten ist. Diese Gebiete sind aber .nicht in Palästina zu finden, sondern können nur im Zuge der Völkerbewegung in Südamerika gefunden werden. Legitimismus und Judentum. Von Hans K a n d 1. WIEN II.. Praferslraße 33 Telephon R 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiifschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— auiw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Wir stehen nicht an, den folgenden Autsatz zu veröffentlichen, obwohl sein Verfasser nicht in unserem Lager steht. D. Red. Das Verhalten der englischen Bevölkerung gegenüber dem verstorbenen ■König V. hat so manchen Oesterreicher daran erinnert, wie stark gefühlsbetont auch er einmal seinem Kaiser verbunden gewesen war. Seitdem die lagitimistische Propaganda in Oesterreich offizielle Anerkennung gefunden hat und deshalb keinem vorsichtigen Bedenken in breiten Kreisen mehr begegnet, erwacht bei.den meisten Menschen, die in jungen oder reifen Lebensjahren noch ein Stück Habsburgerherrschaft kennen gelernt hatten, aus der an sich gefühlsbereiteren Erinnerung her jenes Gefühl selbstverständlicher Verbundenheit, wie es einmal jahrhundertelang gewesen war und immer sein muß, wenn eine Monarchie ihre Funktion richtig erfüllen soll. Diese Tatsachen sind bekannt und bedürfen keiner weiteren Erörterung. Hingegen erscheint es angebracht, im Anschlüsse an den politisch bedeutsamen Vortrag des verantwortlichen Leiters der legitimistischen Politik in Oesterreich, Dr. Friedrich Ritter v. W i e s n e r, den die „Union österreichischer Juden" in dankenswerter Weise kürzlich veranstaltet hatte, nüchtern und sachlich die Frage zu beantworten, wie sich das Interesse der österreichischen Juden zum realpolitischen Sinn der Wiederherstellung des habsburgischen Landesfürstentums in Oesterreich verhält. Dr. v. Wiesner hatte dargelegt, wie sich in folgerichtiger Weise der Rechtsstaatsgedanke in der langen Kette der Herrscher aus dem Hause Habsburg i m Rahmen der Zeitgeschichte entwickelt hatte bis zu jener bisherigen Vollendung im franziscojosephinischen Zeitalter, das auch die Staatsgrundgesetze mit der restlosen staatsrechtlichen Gleichstellung aller Bürger gebracht hatte. Der Vortragende hatte betont, daß diese grundsätzliche Auffassung vom Rechtsstaat sowohl in der Innenwie auch in der Außenpolitik bedingungslos Geltung beansprucht, daß sie die Grundsätze der Rechtskontinuität und der Legalität aller Staatsakte ebenso beinhaltet wie den Grundsatz unbedingter Vertragstreue nach jeder Richtung. Diese grundsätzliche Auffassung der Herrsclierpt'lichten war wohl mit die Ursache dafür, daß das Herrscherhaus der Habsburger seine Geltung aucii unter den allerschwierigsten Bedingungen bewahren

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