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Die Wahrheit · 1936-02-21 · Heft 9 (21.2.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 9 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 9 — 21. Februar 19.36 Seite 5 All diese Erwägungen hätten die Herren!>r. Friedmann und Genossen davon abhalten soli-rii, die Sache Löwenlierz auf die Spitze zu treiben. Sie haben es nicht getan, was sehr bedauerlich ist. Noch ist Zeit zur Umkehr. Die N e litt' a h 1 e n sollten tatsächlich im Sinne ü e r S t a t u t e n binnen 2 Monaten a u s g eschriebe n u n d es sollte alles v e r m i e- Jen werden, was den Anschein erwecken könnte, als ob der nun zum •V m t s d i r e k t o r avancierte Partei- 1: in peitscher den Wahlapparat handli a b t. Wenn schon die staatlichen Stellen den heutigen Zustand tolerieren sollten, so werden sie Joch unmöglich so weit gehen können und wollen. Neuwahlen ohne jede Gewähr für die Unparteilichkeit vornehmen zu lassen. Darüber sollten sich die heutigen Herren in der Seitenstettengasse keiner Täuschung hingeben. Sollte aber das Unwahrscheinliche geschehen, sollten die Neuwahlen sich so abspielen, daü sie nicht das wirkliche Spiegelbild der tatsächlichen Verhältnisse widergeben, sondern Jas Produkt einer künstlichen Wahlmache wären, dann wäre die Einheit und die Autonomie der Kultusgemeinde erst recht bedroht. Man weiß, daß die Kreise um die „Schiff-schul" eine Trennimg anstreben. Wenn die maßgebenden Stellen dieses Ansuchen bisher nicht bewilligt haben, so u. a. auch;ius dem Grunde, weil es sich einerseits um eine zahlenmäßig geringe Gruppe handelt, anderseits aber aus der Abneigung, in innerjüdischen Fragen hineingezogen zu werden. Entstehen aber innerhalb der Kultusgemeinde tatsächlich unerträgliche Zustände, werden die staatlichen Stellen immer wieder vor die Aufgabe gestellt, Entscheidungen, wenn auch negativer Natur, zu treffen, so entfällt für sie der zweitangefürte Grund; aber auch dei erstangeführte. Denn darüber sollten sich die heutigen Herren in der Seitenstettengasse keiner Täuschung hingeben: die breiten jüdischen Kreise werden sich den Zwangscharakter der Kultusgemeinde unter keinen Umständen gefallen lassen, wenn sie einer künstlich hergeführten Mehrheit völlig ausgeliefert sein sollten! ... Es müßte dann ein Kampf entbrennen, der die staatlichen Stellen dazu zwingen wird, Remedur zu schaffen. Es ist übrigens schließlich eine höchst peinliche Sache, wenn innerhalb der Juden das Majorisierungsprinzip allzu weit getrieben wird. Wir sind ja überall in der Minderheit und gerade die .lüdischnationalen, die für die .luden Minderheitsrechte verlangen, dürften sich nicht zum Prinzip verleiten lassen, daß einezufällige Mehrheit nach Belieben schalten und w a 1ten dürfte! Das ist ein sehr gefährliches Prinzip, besonders wenn man weiß, daß die .lüdischnationalen in Wien tatsächlich nur eine geringe Minderheit bilden und daß die „Eroberung der Kultusgemeinde" nur dank verschiedenen Umständen gelingen konnte, die hinlänglich bekannt sind. Man soll schließlich breiten jüdischen Kreisen die Zugehörigkeit zur Kultusgemeinde nicht ganz einfach verleiden. Druck erzeugt Gegendruck und allzu scharf macht schartig. V e r i t a s. Nachwort der Redaktion. Wir hüben den uns von geschätzter neutraler Seite zugekommenen Artikel veröffentlicht, obwohl er am Kernpunkt des Konrüktes vorübergeht. Wesentlich ist die Auffassung der „Union", daü kein ehrenamtlich gewählter Mandatar der Kultusgemeinde einen Beamtenposten in derselben annehmen und daß insbesondere kein prominenter Parteimann ein Amt bekleiden darf, das ihm und seiner Partei höchste Machtvollkommenheit in der Verwaltung der Gemeinde sichert. Daü dieses Amt Herrn Dr. Löwenherz gegen jedes Recht gerade in einem Zeitpunkt zugeschanzt wurde, da man „ehestens" N e u w a h I e n vornehmen will, läßt die Absichten der derzeitigen jüdischnationalen Machthaber in der Kultusgemeinde nur zu deutlich werden. IMeinl-Kaffee Stets frisch Portorico-Mischung . 1/4 kg 5.— Dreistern-Mischung . 1/4 „ 4.60 Spezial-MLschung . . 1/4 „ 410 Mocca Arrousa . . .1/4 „ 3.90 Mischung I, Sao Paulo 1/4 „ 3.70 Mischung H.....1/4 „ 3.40 Fazenda-Mischung . . 1/4 „ 3.20 Mischung III .... 1/4 „ 3.— Mischung IV . ... 1/4 „ ISO Mischung V ..... 1/4 „ 2.60 Brunnenvergiftung. Die Lage in Palästina ist für die .luden sehr bedrohlich. Die arabische Bewegung intensiviert sich von Tag zu Tag, von Aegypten und von Syrien schlagen die Wogen hellen Aufruhrs herein gegen den Damm, den die englische Mandatarmacht derzeit noch um die jüdische Heimstätte bildet. Man sollte also meinen, die jüdischen Blätter in Palästina hätten genug zu tun, um der unheimlich wachsenden Gefahr, soweit dies mit den Waffen des Geistes überhaupt möglich ist, entgegenzuarbeiten. Aber dies könnte die Anhänger des Zionismus in der Galuth kopfscheu machen, die Gaben für die diversen Aufbau- und Nationalfonds würden spärlicher fließen, die jüdische Emigrationspolitik andere Ziele ins Auge fassen, die nicht den heiß umbrandeten Mittelpunkt der religiösen Leidenschaft so vieler Konfessionen und Sekten bilden und daher den ungestörten Aufbau einer Heimstätte für gewaltsam entwurzelte und flüchtig gewordene Juden in höherem Maße gewährleisteten. Deshalb verwendet die zionistische Presse in Palästina ihre polemischen Energien, statt sich auf das Kehren vor der eigenen Türe zu beschränken, lieber auf das Staubaufwirbeln in fernen, fremden Ländern, wo man ihrer nicht bedarf. So leistete sich jüngst die in Tel-Aviv erscheinende Tageszeitung „Haare z" folgenden Bericht aus Wien: Die Hetze der Katholiken gegen die Juden in Oesterreich. „In den zionistischen Zeitschriften Oesterreichs sind sehr heftige Artikel gegen die katholischen Führer, welche schon seit langer Zeit als Judenfeinde und Judenbedrücker bekannt sind, erschienen. Die zwei zionistischen Zeitungen «Die Stimme" und' „Die Neue Welt" kritisieren lebhaft die Rede des ehemaligen Ministers Prof. Czermak, welche voll Haß und Drohungen gegen die Juden war, die den Bestand der Katholiken in Palästina „gefährden". Dieser Haß ist eigentlich dem Grunde nach nicht nach Jerusalem gerichtet, sonöern soll eine umfassende Tätigkeit gegen die Juden Oesterreichs selbst zum Ziele haben. Die Benützung des katholischen Schildes in Palästina soll nur bezwecken, den Haß weiter katholischer Kreise in Oesterreich gegen die Juden zu schüren." Diesen, den Sachverhalt ungebührlich aufbauschenden Uebertreibungen, deren einzige Wirkung die Vergiftung des Verhältnisses zwischen den österreichischen Juden und ihrer christlichen Umwelt sein müßte, treten sogar die hiesigen jüdischnationalen Blätter „Die Stimme" und „Die Neue Welt", deren ungeschickte Haltung gegenüber der in katholischen Blättern und Versammlungen erhobenen Forderung nach Sicherung der katholischen Rechte im Heiligen Lande wir sofort getadelt hatten, entgegen. Die Wiener jüdischnationalen Blätter, die auf die „W a h r h e i t" nicht hatten hören wollen, bekommen es jetzt auf dem Umweg über den „H a a r e z" zu fühlen, was sie mit ihrer überheblichen, jeder diplomatischen Klugheit entbehrenden Stellungnahme gegen die katholischen Ansprüche auf verbriefte Rechte in Palästina angerichtet haben. Es war ein ganz überflüssiger Alarmruf. in dessen Natur es liegt, daß er auf große Entfernungen hin an Wucht des Tones zunimmt. Und so glaubte „Haarez" wahrscheinlich sogar in gutem Glauben zu handeln, als er der Aufgeregtheit der „Stimme" und der „Neuen Welt" zu ungeheuerliche Deutung unterschob, daß die katholischen Führer Oesterreichs „Judenbedrücker" sind. Gegen diese Unterstellung kann gar nicht laut genug protestiert werden. So erfreulich es nun ist, daß auch die Wiener jüdischnationalen Blätter sich dieser Pflicht nicht entziehen, so bedauerlich ist ihr Verharren in dem Grundirrtum; demia 11 e Fehler der jüdischnationalen Taktik entspringen. Dieser Grundirrtum ist die politische Aufziehung des Zionismus. Würde dieser die Schaffung einer Heimstätte für heimatlose .luden auf rein humanitärer Grundlage anstreben, dann brauchten sich die Wiener jüdischnationalen Blätter ebenso wenig um die vatikanische Politik in Palästina zu kümmern wie der ..Haarez" um die katholische Politik in Oesterreich. ..Politisch Lied ist ein garstig Lied", das ins öffentliche Leben bloß Dissonanzen bringt. Die Entgleisung des „Haarez" ist nur e i n böses Beispiel für viele. Die .iudenschaft kann sich aber die Häufung solcher Mißgriffe in der heutigen Welt nicht leinen. Das dringendste Gebot der Stunde heißt daher für sie: Vermeidung aller Politik. Leider zeigen die .lüdischnationalen wenig Verständnis für diesen kategorischen Imperativ. Das lehren ihre .lubiläumshymnen anläßlich der vierzigjährigen Existenz des Herzl-Buches „Dei .ludenstaat". Herzl war ohne Zweifel von den edelsten Impulsen bewegt. Sein Werk basierte aber auf einer Idee und nicht auf einer E r f a hr u n g. Wie sehr seine Schrift „Der .ludenstaat" von des Gedankens Blässe angekränkelt ist. erhellt schon aus der Tatsache, daß die Araberfrage darin überhaupt nicht erwähnt ist. Den heutigen jüdischnationalen Führern ergeht es umgekehrt: Sie haben Erfahrungen, aber keine Idee. Darum klammern sie sich an das geistige Vermächtnis des genialen Literaten, der aus ganz anderen Verhältnissen heraus einen Weg wies, der bisher noch nicht einmal zur endgiltigen Sicherung der in der Baliour-Deklaration verheißenen jüdischen Heimstätte in Palästina geführt hat, dafür aber die ungleich wichtigere Bestimmung der Balfour-Deklaration, daß dieRechtederJuden in den Diaspora-Ländern nicht beeinträchtigt werden dürfen, durch solche politische Brunnenvergiftungen, wie sich jetzt der „Haarez" eine geleistet hat. aufs höchste gefährdet. Palästina — objektiv. Unter diesem Titel ist kürzlich im Verlage Gottfried G r ü n f e I d, Darmstadt, eine Broschüre von Hanns Horst A r i s erschienen, in der sich der Verfasser in bemerkenswerter Weise mit dem Palästina-Problem vom ideologischen und praktischen Standpunkt kritisch auseinandersetzt. Die sich auf reiches volkswirtschaftliches und statistisches Material stützende Broschüre verdient KröBte Beachtung; wir veröffentlichen im folgenden jenes interessante Kapitel, das sich mit der ideologischen Politik der Jüdisch n a t i o n al e n beschäftigt, und das Schlußwort, dessen Konklusionen nur zuzustimmen ist Nur als Religion ist das Judentum in der Gegenwart lebensfähig, denn die völkischen Bindungen unter den Juden sind in den Jahrtausenden der Geschichte auf „fremder Erde", die doch vielfach zum Vaterlande geworden ist, gänzlich verloren gegangen, und so ist die Idee eines jüdischen Volkes i n u n s e r e n Tu g e n eine schöne, aber gefährliche Utopie. Die ehrlichen Zionisten sind die Revisionisten, denn nur die Revisionisten lehnen jeden Kompromiß ab, nur die Revisionisten sind wahrhafte Zionisten, weil sie keinen „Schutzstaat", sondern ein „jüdisches Volk" wollen. Die vielen berechtigten Einwände der allgemeinen Zionisten gegen die Revisionisten und ihre unmöglichen Forderungen treffen damit nur den Idealzionismus, ja den Zionismus überhaupt, und aus der Herzl'schen Idee wird ein ideologisches Gebilde, dessen Vertreter selbst nicht einig darüber sind, was sie eigentlich wollen. In der Tat ist die neue Volkwerdung dadurch bedroht, daß Klein-Palästina (d. h. das heute unter dem Namen „Palestine" geltende Mandatsgebiet) zu mehr als 70 Prozent von Arabern (Mohamedanern) bewohnt ist, und daß selbst in vielen Jahren keine absolute jüdische Mehrheit in Palästina aufkommen kann, weil die M'andatsmacht durch Ouotenfestsetzung diese Mehrheit immer vermindern muß, um sich nicht der eigenen Macht zu begeben.

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