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Die Wahrheit · 1936-02-21 · Heft 9 (21.2.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 9 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 9 — 21. Februar 1936 Seite 5 8"™ j GanzWien be&eistewt! j ■ BHOinnBaHBBinanHHHnBBBBnBBaB^HHBi ■ ■ ____ ■ 1 zu (tessadk fifimidt- Jtlazzoth \ J £tn TeirsiMfi nrizd tfie fificneuKcnr g ■ Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Ober- ■ ■ rabbiner Babad * 5 Jlathan <&todetx&ig S ■ Xentxafc: 1Üien, 2. (Siezirft, Xeopofdsgasse *3 ■ ■ Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63, ■ 5 Die f€fkmiM-3HIaxxotfk und das Fabrikat JHlmfie SOkmidtJl. <&." 5 5 (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. 5 Eltern geborene Paulus Weidner von Billerb u r g, wie er in seinem im Jahre 1559 erschienenen Werke „Loca Praecipua iidei christianae" angibt, nur aus wahrer Ueberzeugung, nicht im Hinblick auf irdischen Gewinn seinen Uebertritt vollzog. Da er aber den Lohn auch nicht ablehnte und als Konvertit kaiserlicher Leibarzt und Rektor der Wiener Universität, sogar ..Prokurator der üesteireichischen Nation" werden konnte, was er als Jude nicht geworden wäre, so ist mindestens der reine Idealismus im Qlaubenswechsel nicht nachweisbar. Dasselbe gilt sogar vom berühmten Domprediger zu St. Stephan, Johann Emanuel V e i t h, auf den als auf einen überzeugten Konvertiten hingewiesen wird. Die Förderer der Judenbekehrung müssen sich vor Augen halten, daß nach unserer festen Ueberzeugung eine jüdische Seele, bei der die reinen Quellen ihrer uralten religiösen Ueberlieferung verschüttet werden, dadurch niemals stärker in ihrem Glauben an Gott und nicht gefestigter in ihrem moralischen Empfinden werden kann, so daß es unseres Erachtens kein frommes und kein gottgefälliges Werk ist, einen Juden in seinem Glauben zu erschüttern. Wenn Theologen anderer Bekenntnisse eine andere Vorstellung darüber haben, so müßte man doch mindestens zugeben, daß hier Glauben gegen Glauben, Heiligtum gegen Heiligtum steht und es müßte die Demut es jedem wahrhart frommen Manne verbieten, das Heiligtum eines anderen zu berühren. Dazu kommt noch die deutlich hervortretende weltgeschichtliche, religiöse Stellung des Judentums. Seit den ältesten Zeiten war trotz aller Verfolgungen und trotz der zahlreichen Abtrünnigen, die wie welke Blätter vom Stamme fallen, die numerische Stärke der Judenheit nicht so groß wie in unseren Tagen und ihre kulturelle Bedeutung in der Welt nicht so anerkannt wie in unserer Zeit. — Diese ist es ja auch, welche unseren grimmigen Feinden nur die dreiste Lüge und Verleumdung als Waffe übrig läßt. Aber es müßten sich doch angesichts dieser ungebrochenen religiösen Kraft des Judentums die Bekenner der anderen Religionen endlich sagen, daß es nicht im Plane der Vorsehung gelegen ist, dieses Volk seinem uralten Glauben zu entfremden. Es gibt übrigens doch noch einen sichtbaren Maßstab zur Beurteilung der Hoheit einer Religion, das ist die ü ü t e und Barmherzigkeit. Wenn die reichen Missionsgesellschaften in England, Holland und in anderen Ländern ihre Mittel nur dazu verwenden würden, die physische Not unter den verfolgten Juden zu lindern und den Flücht- Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen Hilgen eine Heimat zu bieten,- so würden sie dadurch nicht nur, in den Wegen Gottes wandelnd, wahre Liebe und Barmherzigkeit üben, sondern auch die Kraft ihres Glaubens in strahlendem Lichte hervortreten lassen. Wir stimmen mit dem hohen Kirclienfürsten überein, der bei der Feier des Pauluswerkes gesagt hat, daß alle Scheidewände unter den Menschen niedergerissen werden sollten, daß der Ra ssenha ß e t w a s Unwürdiges und Erkunden, Dokumente, Archivalien, seltenen Buchexemplare usw., soweit sie erreichbar sind, zu sammeln und in einem Museum aufzubewahren. Dieser Gedanke hat dermaßen fruchtbaren Boden gefunden, daß das Projekt weit über den ursprünglichen Rahmen hinausgewachsen ist und durch Zustimmung und werktätige Beteiligung der maßgebenden Behörden und Korporationen die Möglichkeit geschaffen wurde, ein „Jüdisches Zentralmuseum für Mähren-Schlesien" zu errichten. Daß die Wahl des Standortes auf die alte, ehrwürdige Judengemeinde Nikolsburg fiel, ist nur natürlich. Dieses große, man darf sagen stolze Projekt geht nun seiner Erfüllung entgegen; denn in wenigen Monaten soll die Eröffnung des Museums stattfinden. Damit ist der Grund gelegt, jüdische Sitte und Kultur vergangener Epochen der Nachwelt zu erhalten und dabei auch hinzuweisen auf die Leistungen der Juden gegenüber der Allgemeinheit. Das „Jüdische Zentralmuseum", das bereits unter Dach und Fach gebracht und mit vielen wertvollen Reliquien aus längst vergangenen Zeiten ausgestattet ist, .soll aber nicht bloß eine Schaustellung von Kultgeräten und Ritualgegenständen bieten, sondern auch eine Dokumentensammlung werden, die aus Vergangenheit; Gegenwart und Zukunft Zeugnis ablegt von der hohen Kulturstufe, welche die mährisch-schlesische Judenschaft seit jeher auszeichnet. Unsere Feinde sind immer gerne bereit, gegen uns u. a. auch den Vorwurf der Minderwertigkeit zu errieben und zu behaupten, daß der Jude ein Fremdkörper im Volksganzen sei; ja, dann, wenn man uns entrechtet und Unsere geistigen Kräfte gewaltsam im Keime erstickt. Es erübrigt sich ein Hinweis auf aktuelle Zeitströmungen. Gibt man uns aber die Gleichberechtigung, welche die Entfaltung unserer geistigen Fähigkeiten ermöglicht, dann ist der Jude nicht nur ein wertvoller Kulturträger, sondern unter Umständen auch ein Neuland bearbeitender Kulturfaktor, welcher zum Segeii der Allgemeinheit oft richtunggebende Werte von internationaler Bedeutung auf dein Gebiete der Wissenschaft oder Kunst zu schaffen vermochte. Alle diese Dokumente, Urkunden, Schriften, Abbildungen, welche prominente, aus Mähren, Schlesien stammende Juden betreffen, hier zu sammeln, um sie vor der Vergessenheit zu bewahren und der Nachwelt als Erben und Treuhänder zu übergeben und jederzeit der gesamten üeffentlichkeit als eigenste Kulturgüter vor Augen führen zu können, ist mit eine Hauptaufgabe dieser Museumsaktion. Daß auch die Heldentaten unserer jüdischen Landsleute im Weltkriege hier Platz finden sollen, ist eine selbstverständliche Sache. Mit diesen Sammlungen soll ein geistiges Bollwerk gegen Erniedrigung und Entrechtung, gegen Haß und Verleumdung geschaffen werden. Vor einem Jahre wurde diese Anregung zur Propaganda an den „Verein der Nikolsburger in Wien" weitergegeben und von demselben mit großer Sympathie aufgenommen. Ein Werbekomitee mit dem Oberrabbiner Dr. Feuchtwang als Ehrenpräsidenten an der Spitze nahm sogleich die Arbeiten auf und trat in dieser Angelegenheit bereits mit zahlreichen Landsleuten in Verbindung; schon die bisherigen Ergebnisse dieser Werbeaktion sind sehr zufriedenstellend. Doch ist zur weiteren und fortlaufenden - Ausgestaltung des Museums die Mitarbeit aller Kreise nötig und jeder möge daher im Hinblick auf die Größe unserer Aufgabe sein Scherflein zu diesem bedeutsamen Kulturwerke beitragen. Klein» Tube S — SO Grote Tuba S 1-40 niedrige n des und daß der Geist jenes großen Apostels als Geist der Liebe und des Suchens nach Wahrheit aufzufassen sei. Wir wissen ihm auch Dank für das Gebet, das er gesprochen hat. „es möge ein S t r o m d e s S e g e n s sich ergießen über die Angehörigen des Judentums, die guten Willens sin d." Wir religiösen .luden sind alle guten Willens. Seitdem unser Prophet .lesaja die Worte gerufen hat: „Meilig, Heilig, Heilig ist der Fwige der Heerscharen!" — es geschah dies merkwürdigerweise im Jahre 753 vor der Entstehung des Christentums, zu einer Zeit, als die Stadt Rom nach der Legende erst begründet wurde - ist kein Tag vergangen, an dem das Volk Israel nicht in Wort und Tat den Namen Gottes in der Welt geheiligt hätte. Wir unsererseits dehnen den Segen auf alle Menschen aus, die guten Willens sind. Wenn sie zu uns kommen und uns sagen, daß auch sie, gleich uns, vom Heile erfüllt sind, so freuen wir uns darüber und sagen mit Jesaja: „Laßt uns gemeinsam, einander achtend und ehrend, wandeln im Lichte des Ewigen!" Der neue Flüchtlingskommissär- General Sir Neil Malcolm. Wie der Genfer JTA-Vertreter erfährt, hat Generalmajor Sir Neil Malcolm, der während der letzten Tagung des Völkerbundrates als der aussichtsreichste Kandidat für die Uebernahme des nunmehr dem Völkerbund direkt unterstellten Oberkommissariats für die deutschen Flüchtlinge genannt wurde, dem Generalsekretär des Völkerbundes, Aveno 1, mitgeteilt, daß er bereit sei. die Leitung der Angelegenheiten der Flüchtlinge aus Deutschland zunächst bis zu der im Herbst stattfindenden Völkerbundversammlung zu ü b e r n u h in e n. General Sir Neil M a I c o 1 in steht im 67. Lebensjahre. Er ist Vorsitzender des Royal Institute o f International A f f a i r s. Als Offizier hat er eine glänzende Laufbahn hinter sich. Er genoß seine Ausbildung in Eton und Sandhurst und trat 1889 in die britische Armee ein- 1897 bis 1898 diente er an der Nordwestlront in Indien und wurde für seine Leistungen ausgezeichnet. Im folgenden Jahre tat er in Uganda Dienst und erhielt den Distinguished Service Order. 1900 wurde er in Südafrika schwer verwundet. In den Jahren 1903 und 1904 diente er in Britisch Somaliland. Vom Anfang bis zum Ende des Weltkrieges leistete er Frontdienst, avancierte vom Oberstleutnant zum Generalmajor und wurde im März 1918 abermals schwer verwundet. 1924 schied er aus dem aktiven Heeresdienst aus. Seither widmete er sich dem Ueschäftsleben unif internationalen Angelegenheiten. 1919 wurde er Mitglied, 1922 Kommandeur-Ritter des Bath-Ordens. Er ist ferner Kommandeur der Ehrenlegion und besitzt den N i I-Orden dritter Klasse, den Orden der Krone Italiens, den serbischen Weißen Adler-Orden, die Croix ae Guerre und viele andere Auszeichnungen. Er war Herausgeber von „The Science of War" (Kriegswissenschaft). Ittels SdMH-RKläirut WIEN IL. Prutcrsfraoe SS Telephon ■ 47-4-4» Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). 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