Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 8 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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/ DIE WAHRHEIT Nr. S — 14. Februar 1936 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE s XVIII., WÄHRIMGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht d«s ehrw- Rabninate's der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen von der er durch eine bedeutend erhöhte Subvention Abhilfe erhofft. Hierauf ergriff der Präsident Doktor Desider Friedmann das Wort zu einem Rück- und Ausblick über die Geschichte der Tempelvereine in Wien, deren wichtige Bedeutung als Erhalter und Förderer des religiösen Judentums in Wien er anerkannte, und versprach seine volle Unterstützung für die berechtigten Wünsche des Vereines. Obmann W o 11 n e r dankte für diese Zusicherung und sprach sich für die Eingemeindung der Tempelvereine aus. damit die bestehende Differenzierung der Gemeinde- und Vereinsiunktionäre endlich verschwinde. Der Kassier Rudolf Steinfeld erstattete den 'Kassabericht, die Revisoren K1 i e g 1 e r oind Boritz' beantragten die Entlastung, die einstimmig angenommen wurde. Zu den Neuwahlen wurde folgender Vorschlag beantragt und per Akklamation genehmigt. Wiedergewählt wurden die Herren Spitzer. Dr. David, Schlesinger. Arnold Steinfeld, Rudolf Steinfeld und Stern, neugewählt Herr lug. Simon Radnai. Herr Dr. Samuel Rappaport brachte Wünsche und Anregungen, um die Religiosität der Juden im Bezirke zu heben und iand mit seinen Atisführungen allgemeine Anerkennung. Der Brigittenauer Israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein hielt am 6. d. in dem Sitzungssaale der K u 1t u s g e m e i n d e seine Generalversammlung ab. Frau Präsidentin Olga Friedmann konnte eine überaus große Zahl von Gästen 'begrüßen, darunter die Damen Direktor Ulimann (Weibliche Fürsorge). Dr. Hei n (Krugerheim), Frisch (Zuflucht), Rosenberg (Bikur Chaulim), Deutsch (Greisinnenfürsorge). Fuchs (Ohel Rachel). Wechsler (Kurfürsorge) sowie Vertreterinnen von fast sämtlichen Frauen-Wohltätigkeitsvereinen Wiens. Delegierte der Kultusgemeinde und des Brigittenauer Tempelvereines waren nicht erschienen. In rühmenden Worten gedachte der von Frau Ernestine Lenk erstattete Rechenschaftsbericht der großen Verdienste, die sich die frühere unvergeßliche Präsidentin Dr. Emilie Weiß um die Armen des Bezirkes erworben hatte sowie auch des verstorbenen Vereinsmitgliedes Frau Amalie Mütz, die zugunsten des Vereines ein großes Legat hinterlassen hatte. Der von der Vereinskassierin Frau Elsa K o 1 m i n vorgelegte Rechnungsausweis zeigt für die letzte Gebarunigsperiode an Einnahmen S 28.534 und an Ausgaben 22.795, so daß ein Reinvermögen von S 5.739 verbleibt. Der bisherige Vorstand, dem einhellig das Absolutorium erteilt wurde, wurde nach einer längeren Ansprache der bewunderungswürdigen Frau Direktor Ullmanii unter lebhaftem Beifall der Versammlung mit Stimmeneinheit wiedergewählt. Barmizwahfeier. Der polnische Tempel in der Leopoldsgasse war Samsta«, den 8. Februar der Schauplatz einer solennen Feier. Der phänomenale Chorknabe Mordchele Schwarz, Sohn des Herrn Leopold Schwarz. Kantor in Baja (Ungarn), wurde Barmizwah. Die Synagoge konnte die vielen Teilnehmer und Bewunderer des talentierten Knaben, wie auch die Freunde des Vaters nicht fassen. Der Vorstand war vollzählig mit Präsident Dr. Landau an der Spitze erschienen. Nachdem der Barmizwah aus der Parascha vorgelesen und die Hafthara rezitiert hatte, gab Mordchele noch sein großes Können und sein vielseitiges Talent in einem Vortrage des Mischeberach zum Besten, welcher alle Anwesenden zu Tränen rührte und seinem Lehrer Oberkantor Fränkel vielseitige Gratulationen eintrug. Mordchele ist bereits heute ein fertiger Chasan, dem man nur eine sehr schöne Zukunft voraussagen kann. — Der Bethausvorstand gab zu Ehren des Kindes und seines Vaters nach dem Gottesdienste im Restaurant Barschak einen Kidusch, bei welchem der Barmizwah-Junge eine vollendete Dorascha vortrug Oft kopiert und nie erreicht. Diesen bekannten Ausspruch kann man mit Recht auch auf die so beliebten Schmidl-Mazzoth anwenden, weil dieses österreichische Qualitätserzeugnis mit anderen Mazzoth schwerlich verglichen werden kann. Dies ist allein Herrn Nathan Brodetzky zu danken, der es verstanden hat, mit unermüdlichem Fleiß, aber auch ganz besonderer Sachkenntnis seine ..N. B."-Mazzoth sowie Grieß und Farwel auf hervorragende Höhe zu bringen. Herr Brodetzky, der schon als Chef der großen Lebensmittelhandlung. IL, Leopoldsgasse 43, sich große Beliebtheit zu verschaffen wußte, ließ sich bei der Erzeugung seiner Schmidl-Mazzoth vor allem von dem richtigen Grundsatz leiten, daß nur ein allen hygienischen Anforderungen entsprechender Betrieb von vornherein Qualität garantieren läßt Die eleganten neuen Badeanlagen, die unmittelbar den Fabriksräumen angeschlossen sind, bürgen für unbedingte Reinlichkeit in einem Betriebe, wo alles am laufenden Band erzeugt wird. Daß auch für einwandfreies Kaschruth gesorgt ist geht schon daraus hervor, daß die religiöse Aufsicht Oberrabbiner Babad inne hat. und alle Teilnehmer begeisterte. Obmann-Stellvertreter Herr l n t r a t e r sprach tiefschürfende Divre-Thaum. M. S. 80. Geburtstag. Herr Prokurist Leopold Hirsch vollendet in diesen Tagen in voller geistiger Frische sein 80. Lebensjahr. Herr Hirsch bekleidet seit einer Reihe von Jahren die Obmannstelle des Bethausvereines „Talmud Thora", Malzgasse, und hat sich in dieser Eigenschaft durch seine vorbildliche Hingabe besonders verdient gemacht. Ueberdies gibt es im orthodoxen Wien kaum eine Bestrebung, an der er nicht Anteil nehmen würde. Der Vorstand des Bethhauses „Talmud Thora" wünscht dem geschätzten Jubilar, daß er sich noch viele Jahre an der Verwirklichung seiner Ideale erfreuen kann. Todesiall. Mittwoch, den 29. Jänner, wurde eines der ältesten und treuesten Mitglieder der Klosterneuburger Kultusgemeinde, Herr Samuel Schwarz, zu Grabe getragen. Auf dem idyllisch gelegenen israelitischen Bergfriedhof von Klosterneuburg hatten sich die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen eingefunden. Oberkantor Steiner erfüllte die rituellen .Funktionen. Darnach sprach Rabbiner Dr. W e i n e r, der Sohn eines vieljährigen Freundes des Verstorbenen, tiefempfundene Worte, die seinem Wirken gerecht wurden. Samuel Schwarz war vor 63 Jahren nach Wien gekommen und hatte sich hier aus bescheidenen Anfängen zu einem international bekannten Kaufmann, dem Inhaber der Firma J. Schwarz &• Bruder, heraufgearbeitet, der im In- und Auslande wegen seiner Rechtlichkeit, seines Scharfsinnes, seines seltenen Taktes und seiner Herzensgüte wegen, hochgeschätzt wurde. Bis in die letzten Tage seines 83jährigen Lebens harte sich der Verstorbene seine geistige Frische und seinen Humor bewahrt und mit dem Studium der heiligen Schrift befaßt. Von den Bewohnern Klosterneuburgs, ohne Unterschied der Konfession, wird sein Andenken hochgehalten werden. Allgemeine Teilnahme wendet sich seiner Witwe zu, die alle Freuden und Leiden durch 55 Jahre mit ihm teilte, ferner drei Kindern und ebensoviel Enkeln, die in seiner Tradition erzogen wurden und denen sein Beispiel durch ihr ganzes Leben voranleuchten wird. Religionslehrerverein „Esra". Anläßlich des 40jährigen Bestandes des Vereines findet Samstag, den 15. Februar, 7 Uhr abends, im Caie Continental. U.. Praterstraße 7. ein gemütlicher Festabend statt. Jüdischer Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeise- Verein im iX. Bezirk. Die ordentliche Generalversamm- MÖBEL Moderne Kuchen« Vorzimmer- Wohnxlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. eillMIIMIIHMMtMWlMIIHIIIIII» luug des Vereines findet am Montag, den 17. d. M., )48 Uhr abends, im Proraenaden-Caie, IX., Roßauerlände 27, statt Der jüdische Frauen-Wohltätigkeitsverein Favoriten (Präsidentin Frau Dr. A. Mandl) veranstaltet am Samstag, den 22. Februar, K9 Uhr abends, in den Kunstspielen Pan, I., Riemergasse 11, eine Akademie mit Tanz unter Mitwirkung prominenter Künstler und einer erstklassigen Jazz. Das Refnerträgnis dieser Veranstaltung fließt der diesjährigen Kohlenaktion zu. Der Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein Floridsdori (Präsidentin Frau Dr. M. Rosenmann) veranstaltet am Samstag, den 22. Februar, 'A9 Uhr abends, in den Festsälen des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, eine W i n t e r h ilf e - A kad e mi e mit Tanz. Da das Erträgnis wohltätigen Zwecken zugeführt wird, rechnet der Vorstand mit starkem Besuche. Mercurbank. In der am 11. d. M. abgehaltenen Sitzung des Verwaltungsrates der Mercurbank wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1935 vorgelegt und genehmigt. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung den Antrag zu stellen, von dem nach Vornahme von entsprechenden Abschreibungen und Rückstellungen verbleibenden Gewinn per S 425.105.59 den Betrag von S 250.000.— zur Dotierung des Reservefonds II zu verwenden und den Rest auf neue Rechnung vorzutragen. E Xunst und Xitewatm Jüdische Künstlerspiele. IL. Praterstraße 34. Sevilla Pastor verlangt a Chusen! Die Jüdischen Künstlerspiele haben in dem Bestreben, ihrem Stammpublikum stets neues Repertoire zu präsentieren, für diesen Freitag, den 14. Februar das berühmte musikalische Lustspiel „Verlangt a Chusen" mit Sevilla Pastor neu einstudiert auf den Spielplan genommen. Die Aufführung von „Verlangt a Chusen" wird auch Sonntag, den 16. Februar abends wiederholt Das letzte große Erfolgstück der Jüdischen Künstlerspiele „Jankaie" wurde für Samstag, den 15. abends und Sonntag, den 16. nachmittags, halb 4 Uhr, angesetzt Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß für die Sonntagnadunittagsvor- Wien I., Seitenstettengasse 2 XI.f Zentralffriedhof neben dem L Tor Sam»t»g ir—tfalo stelluns ermäßigte. Preise gelten. Das weitere Programm lautet: Montag, den 17. Februar „Verlangt a Chusen". Dienstag, den 18. Februar „Gctzl Schinnas!", Mittwoch, den 19. Februar ..Der Pinczewer Jojresch" und Donnerstag, den 21). Februar ..Tanzt Jiidaleeh tanzt'". Jüdische Gesangskunst in der Kuiturstelle. Samsta« abends :-:ab Kantor Josef Feuer im Saale der Kulturstelle einen Liederabend. Der junge jüdische Künstler sang ein ungemein schwieriges Programm, das bewies, welch große Fortschritte er in den letzen Jahren gemach hat. Zum Unterschiede von den gewohnten Liederabenden konnte man mit Genugtuung teststellen, daß die gewählten Lieder auf höchstem musikalischen Niveau standen Besonders die wunderbaren Kompositionen Joser Miliets, von Josef Feuer meisterhaft vorgetragen, wurden aufs lebhafteste vom Publikum akklamiert. J. Feuer entzückte wieder mit seinem weichen, angenehmen Tenor und seinem innigen Vortrag. Maximilian Goldstein: Kultur und Kunst des judischen Volkes in polnischen Landen. Dieses im Vorjahre erschienene Werk beschäftigte sich mit den_Denkmälern jüdischer Kunst und Kultur in Polen aur Grund der im Privatbesitz Maximilian Gold stein beiindlichen Sammlungen. Die dem Buche beigegebenen und künstlerisch ausgeführten 158 Illustrationen bringen zum großen Teile Unbekanntes oder wenig Bekanntes. In seinem übersichtlichen Aufbau erschließt das Buch dem Leser das Wesen jüdischer Folklore, Kunst und Kultur in Polen, m einer Weise, die sowohl den gebildeten Laien zu fesseln als auch den Sachkundigen zu befriedigen vermag. Wie tiefgründig und eingehend das Werk gearbeitet ist. zeigt schon die Inhaltsangabe, die u a folgende Kapitel aufweist: Familien- und geselliges Leben, Portraits, Typen. Zerrbilder, Kleidung Zierat. Kaender. Feiertage. Kultgegenstände. Bethäuser. Friedhöfe Volkskunst, Exlibris. Plakate. Metallpiastik Handschriften und Drucke. Denkwürdigkeiten aus der Kriegszeit. Eingesendet. Wir erhielten folgende Zuschritt, deren Veröffentlichung, die ohne unsere Verantwortung erfolgt, sich infolge Ueberfülle an Material in unseren beiden letzten Nummern verzögerte. Die Herren Rabbiner Dr. Carlebach, Schweiger und Frankfurter haben in Nummer 4 Ihres gesch Blattes eine Genesis meiner Bestellung zum Religionsinspektor gegeben. Die Herren geben vor, daß sie d.?Lzu '», D.'e » s t e der Wahrheit" verpfüchtat waren! bie tischen wieder das Ammenmärchen von der, von mir angeblich versprochenen „Schaffung einer konfessionellen Zentralbehörde im Landesschulrate für N. Oe. auf, gleichzeitig wollen mich die Herren als einen harten, eigensinnigen, von „persönlicher Amoition' geleiteten Mann hinstellen und zeihen mich des unkollegialen Benehmens. Da in den Behauptungen der Herren Dichtung und Wahrheit stark verwoben ist, so sollen diesmal Dokumente sprechen!! Vor allem der Bescheid des niederösterreichischen Landesschulrates vom 15. Januar 1936, Z. II — 266/11 an die armen irregeführten zwei Kultusgemeinden: „An die israelitische Kultusgemeinde in Klosterneuburg und Stockerau: Der Landesschulrat für Niederösterreich ist nicht in der Lage, die mit Eingabe vom 3. Januar, bzw. 10. Januar 1936 geänderte Stellungnahme zu der Betrauung des Oberrabbiners Prof. Dr. Heinrich Weiss mit der Inspektion des Religionsunterrichts derzeit zur Kenntnis zu nehmen. Mit der Zuschrift vom 20. November, bzw. 19. November 1935 wurde die Bestellung des Genannten zum Religionsinspektor ausdrücklich begrüßt, in dieser Erklärung ist von der Schaffung einer konfessionellen Zentralbehörde mit keinem Worte die Rede. Der Landesschulrat hat auch die israelitische Kultusgemeinde niemals darüber im Zweifel gelassen, daß die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes Sache der Kultusgemeinden ist, insbesondere erwähnt der Erlaß vom U. Oktober 1935. Z. II — 1310/3 nicht, daß die Bestellung des Religionsinspektors durch den Landesschulrat erfolgen werde. Vom Landesschulrate für Niederösterreich Dr. Czermak e. h." Der Vollständigkeit halber, sollen auch die Zuschriften der bedauernswerten zwei Kultusgemeinden mitgeteilt werden. Dieselben ergingen mit einem Monat Verspätung an den Landesschulrat. da Herr Dr. Frankfurter bereits damals in seinen Gemeinden heftigst pro testierte: Z. II — 1310/3. Prof. Dr. Heinrich Weiss, Oberrabbiner, Bestellung zum Religionsinspektor. „Der Kultusausschuß der israelitischen Kultusgemeinde Klosterneuburg hat sich in seiner Sitzung vom 17. November v. J. mit der Zuschrift des L. S. R. f. Niecl- Oest. Z. 2/1310, betreffend die Schaffung eines Religionsinspektorates befaßt. Der Kultufrausschuß begrüßt mit Dank die Bestellung eines Religionsinspektors und beschloß, die auf die Kultusgemeinde entfallenden Reisespesen (S25.— pro anno) zu bewilligen. Der Vorstand bittet, die duren vorherige Rücksprache notwendig gewordene Verzögerung in der Erledigung zu entschuldigen. Der Kultusvorsteher Jakob Scheuer m. p." Im gleichen Sinne richtet der Kultusvorstand von Stockerau, Herr Löffler, seine Eingabe an den L. S. R. und „begrüßt die Bestellung des Religionsinspektors", ebenso alle übrigen Kultusgemeinden und keine einzige erwähnt das Wörtchen „Zentralbehörde"! Ich denke, die zitierten Doku-