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Die Wahrheit · 1936-02-14 · Heft 8 (14.2.1936) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 8 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Nr. 5> Februar 1936 DIE WAHRHEIT Löwenherz als der Tüchtigere hingestellt werden." Nein, meine Herren, bekennen Sie offen, daß Sie durch diese Ausschreibung Wiener Juden in Irrtum geführt haben, daß Sie Unwissende veranlaßt haben, sich um diesen Posten zu bewerben, damit diese Unwissenden Ihnen das statistische Material abgeben für das traurige Schauspiel, das Sie auf Kosten der Kultusgemeinde vor aller Oeif entliehkeit aufführten und nun mit der „provisorischen" Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz krönten. Warum waren die Herren der Majorität des Kultusvorstandes. die so sehr darauf bedacht sind, den besten Mann für die Kultusgemeinde auszuwählen, so eingeschüchtert, als es galt, die Stelle des Bibliotheksdirektors zu besetzen? Warum haben Sie nicht hier versucht, den Posten auszuschreiben? Weil Sie wußten, meine Herren, dal.i unter den Bewerbern, we: immer sie auch sein mögen, unter allen Umständen Ihr Aloses Rath der am wenigsten zu Berücksichtigende sein wird. Beantworten Sie, meine Herren, die öffentlichen Anfragen, die immer wieder an Sie gestellt werden! Versuchen Sie zu leugnen, was Sie selbst getan und zugegeben haben. Ist es vielleicht nicht wahr, daß Sie den Posten eines Bibliotheksdirektors nicht ausgeschrieben haben? Ist es vielleicht nicht wahr, daß Sie Dr. Löwenherz die Amtsdirektorsstelle versprochen haben, bevor noch die Ausschreibung erfolgt ist? Ist es vielleicht nicht wahr, daß der Posten des Amtsdirektors in ausgezeichneter Weise seit dem Tode des Regierungsrates Fuchsgelb von einem Beamten geführt wurde? Ist es vielleicht nicht wahr, daß Sie sich die Zustimmung der Judenstaatspartei durch die Verleihung der Vizepräsidentenstelle an Oberbaurat Stricker erkauft haben? Ist es vielleicht nicht wahr, daß Sie in den Verhandlungen mit der ..Union*' selbst zugegeben haben, daß Sie von der Bestellung des Dr. Löwenherz nicht mehr absehen können, so gerne sie wollen? Ist es vielleicht nicht wahr, daß Sie unendliche Schwierigkeiten in Ihrem eigenen Lager überwinden mußten, um bei diesem nun erfolgten skrupellosen Anschlag auf die Finanzen der Gemeinde alle Ihre Mandatare bei der Stange zu halten? Antworten Sie ehrlich au! diese Fragen. ohne sich in B eschimpfungenzu ergehen und ohne Beschuldigungen zu erheben! Rechtfertigen Sie sich, rechtfertigen Sie diese Hand- Jungen, aber kommen Sie ja nicht mit den schon abgewerkelten Ausreden, daß Dr. Löwenherz der Tüchtgste sei und daß ohnehin eine Ausschreibung vorgenommen wurde und daß die Amtsdirektorsstelle eben eine erledigte Steile war. die besetzt werden mußte! Versuchen Sie nicht, Ablenkungsmanöver in der Weise zu betreiben, daß Sie gegen Ihre Gegner Anschuldigungen erhoben, die mit der Führung der Kultusgemeinde nichts zu tun haben. Seien Sie überzeugt davon, daß jeder anständig denkende Jude Ihre Beschimpfungs¬ und Herabsetzungstaktik verachtet. Glauben Sie nicht, daß Sie den Wiener Juden, die Gott sei Dank den Begriff der Moral verstehen und für sich in Anspruch nehmen dürfen, imponieren werden, wenn Sie versuchen, politische Gegner zu beschimpfen. Widerlegen müssen Sie die Angriffe, die gegen Sie erhoben werden! In die Arena des Kampfes müssen Sie als ehrliche Gegner treten, nicht von rückwärts meuchlings Ihre Gegner überfallen wollen. Die Weener Judenschait wird Ihnen auf Ihre Handlungsweise ihre Antwort geben, aber nicht wie Sie meinen, lauf Grund Ihres Diktates, sondern auf Orund des Diktates der Moral, dem sich die Wiener Judenschaft jederzeit gebeugt hat. und beugen wird. Kämpfen Sie nur ruhig weiter mit den niedrigen Mitteln Ihres Kampfes. Sie werden unterliegen müssen, denn als Bundesgenosse Ihrer Gegner kämpft die Moral, kämpft das Recht kämpft die Reinheit und die Sauberkeit der G e s i nn u n g! Die Bundesgenossen ihrer Gegner sind alle jene Menschen, die eine solche Taktik, wie Sie sie betreiben, verachten. Ihre Stunde hat geschliägen. Es kommt der Tag, wo es der Wiener Judenschaft wieder gegönnt sein wird, aus den Klauen einer Politik und einer Parteiwirtschaft befreit zu werden. Es kommt der Tag, wo man Gericht sitzen wird über jene, die heute mit dem Deckmantel der liebe zur Kültusgemeinde, mit dem Deckmantel der UnscJüdd versuchen, ihre Korruptionstaktik zu verhüllen. v' PENSIONS-VEREIN Ve^,^-K-&. WIEN I., SCHELLINGGASSE 1 Telephon: R 22-1-10 Invaliditäts-, Alters- und Hinterbliebenen-Renten Union österreichischer Juden. Dienstag, den 18. Februar 1936, 8 Uhr abends, hti Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbe- Vereines, I., Eschenbachgasse II, Versammlung der „Union'*. Es spricht Herr a. o. Gesandter, Minister a. D. Dr. Friedrich Wiesner Mitglieder und Freunde der „Union", erscheinet zahlreich zu dem uns österreichische Juden besonders interessierenden Vortrag! Der „Union-Frauen-Klub" hat kürzlich eine Neukonstituierung seines Vorstandes vorgenommen. Im Hause des Ehepaares Reg-Rat Dr. H. Oppenheim versammelte sich eine große Anzahl von Damen; ferner waren der Ehrenpräsident der „Union", Herr Dr. Jakob Ornistein, sowie der Obmann des Klubheim-Komitees, Herr Direktor J. Weiger, anwesend. Nach herzlichen Begrüßungsworten legte Präsident Reg.-Rat Dr. O ppenheim Ziele und Zwecke des demnächst im Hause der Goldschmidt-Stiftung, I., Schottenring 25. zu eröffnenden prächtigen Heimes der „Union" dar. Direktor J. Weiger ergänzte die Ausführungen des Präsidenten durch Mitteilungen über die geplante Einrichtung des Heimes. Die Ausführungen beider Redner wurden mit großer Begeisterung aufgenommen, die Darrten erklärten sich mit Freuden bereit, für den für die ..Union" und damit für die Restaurant MORITZ SINGER II., Koroödiengasse 8, Ecke Zirkusgasse Suppe, Braten nach Wahl. 2wei Beilagen, Mehlspeise Vorspeise od. Snppe, Schnitzel od. Rostbraten, geb. Bries, zw. Beilagen, Mehlsp. Vorspeife. Snppe, Gans!, Suppen-, Bratod. Back-Huhn, Beilage, Mehlspeise Abends Spezialitäten S1.40 S1.60 S 2.- österreichische Judenschaft so wichtigen Zweck der Schaffung eines gesellschaftlichen Zentrums nach besten Kräften tätig zu sein. Die vorgenommenen Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Präsidentin: Frau Dr. Oppenheim; Vizepräsidentinnen: Frau Dr. Lenk und Frau Dr. Tic ho; Schriftführerin : Frau W i d r i c h; Kassierin: Frau Feuer: Kassierfn-Stellvertreterin: Frau Direktor Goldschmidt. Zu Ehrenmitgliedern wurden einstimmig Frau Sophie Grünfeld und Frau Dir. Regine U 11 m a n n gewählt. Ferner wurden folgende Komitees gebildet: Ein Wirtschafts¬ und kommerzielles Komitee, ein Propaganda- Komitee, ein Wohltätigkeits-Komitee, ein geistiges und ein Geselligkeits-Komitee. Der neue Vorstand hat seither eine Reihe von Sitzungen abgehalten und verschiedene Maßnahmen getroffen, um das von ihm angestrebte Ziel, das neue Heim der „Union" besonders schön auszugestalten, zu erreichen. GemeindediTonih Cbamischo-Ossor-Feiern der Schuljugend. Am Samstag, den 8. d.. M.. (Schabbas Schiro) wurden in sämtlichen 18 Synagogen, in denen allwöchentlich'der Jusendgottesdienst stattfindet. Chamischo-Ossor-Feiern abgehalten, die sowohl von Kindern, als auch von ihren Angehörigen sehr zahlreich besucht waren. Zur Erinnerung an diese Feier erhielten sämtliche Schulkinder ein vom Jugendreferat. verfaßtes, und vom Kultusvorstand gewidmetes Gedenkblatt. Auch an sämtlichen Bibelschulen der Kültusgemeinde wurde Chamischo- Ossor. gefeiert und fast überall erhielten die Kinder die zur Feier dieses Tages üblichen Baumfrüchte. Es ist sehr erfreulich, daß sichauch in dieser schweren Zeit opferfreudige Menschen fanden, die gerne und reichlich für diesen Zweck Sipendeten. um den Kindern eine Freude zu bereiten. Tierarzt f)r. Tuchner^ gew. MM.: Vet. Assistent, Wien IL, Praterstraße;40,; Telephon Rr49-9-24i Ordination: 10. bis 12 und. 3 bjs-5 Uhr: ' ' 70. Geburtstag. Arn 10. d. vollendete Stadfrbaumeisier Architekt iidnrund Melcher sein 70. Lebensjahr. Seit mehr als 40 Jahren ist Edmund Melcher in Wien tätig. In dieser langen Zeit hat er teils als Architekt, teils als Baumeister eine Reihe großer Industriei:nd Wohnbauten in und außerhalb Wiens ausgeführt und sich um das Baugewerbe in unserem Vaterlande die größten Verdienste erworben. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert gehört er dem Vorstand der Genossenschaft „Uralte Bauhütte" in Wien an, ebensolange fungiert er als gerichtlich beeideter Sachverständiger und Schätzmeister, dessen Mitwirkung vielfach in Anspruch genommen wurde und in Anspruch genommen wird. Besondere Verdienste erwarb sich Melcher durch seine langjährige Tätigkeit im W i e n e r: G e m e i n d e- und im Stadtrat. Immer bereit, den Bedrückten und Beürängten zu liehen, stellte Melcher während der Kriegsjahre seine unermüdliche Arbeitskraft der Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsilüchtlinge zur Verfügung, in der er die Bausektion leitete. Seit vielen Jahren entfaltet er eine segensreiche Tätigkeit für die Suppen- und Teeanstalt. Die Gemeinde Wien ehrte Melcher durch die Verleihung der eisernen Salvatormedaille und des Bürgerdiploms. Auch hohe staatliche Auszeichnungen wurden ihm zuteil. Baumeister Melcher; dem anläßlich seines 70. Geburtstages viele Beweise der herzlichen Sympahtie seiner zahlreichen Freunde zuteil wurden, ist auch stets für die jüdische Sache mit all seinen hervorragenden Geisteskräften eingetreten, er gehört seit vielen ■ Jahren der „Union österreichischer Juden" als werktätiges Mitglied an, war lange Zeit pflichteifriger Obmann der Bezirkskornmission IX. dieser Vereinigung und betätigte sich als Obmann der Bezirkskommission VIII/IX. der Kultusgemeinde sehr segensreich. Den zahlreichen Gratulanten schließt sich auch die Redaktion der „Wahrheit" an, auch sie wünscht dem Jubilar, dessen Lebensmotto das Goethe-Wort „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" ist, noch viele Jahre rüstigen Schaffens in Gesundheit und Zufriedenheit. Dozent Dr. Breuer gestorben. Der Primarius am Spital der Israelitischen Kültusgemeinde, Privatdozent für innere Medizin Dr. Robert Breuer, ist am 10. d. M. nach längerem Leiden im 67. Lebensjahre gestorben. Dozent Dr. Breuer war der Sohn des berühmten Internisten Dr. Josef Breuer, der mit Siegmund Freud die Psychoanalyse begründet hat. Dozent Dr. Breuer erfreute sich als Herzspezialist eines besonderen Rufes. Er war seinerzeit mehrere Jahre Assistent an der Klinik Nothnagel und seit 1910 Primarius an der internen Abteilung des Rothschild-Spitals in Wien. Wegen seines ungemein gütigen Wesens erfreute sich Dozent Dr. Breuer, der auch ein guter Jude war. bei den Patienten der allergrößten Beliebtheit. Tempelverein Wieden-Margareten „Beth Auaron". Sonntag, den 9. d. M. fand unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Desider Wollner'die 61. ordentliche Generalversammlung statt. Der Vorsitzende begrüßte den Präsidenten der Kultusgemeinde. Dr. Desider Friedmann, Dr. Leo Landau (für den Verband der Tempelvereine). Rabbiner Dr. lM e h r e r, Frau Präsidentin Alice Fischer mit den Vorstandsdamen Dr. Melanie Jäger, Rudolf ine S c h m .i d e k und B. Stern (für den Frauenwohltätigkeitsverein IV., V.). Vertreter von Tempelvereinen und des Frontbundes, sowie die Herren des Vorstandes und die Mitglieder. Schriftführer Dr. David verlas hierauf den Rechenschaftsbericht und hielt vor allem ehrenvolle Nachrufe den im abgelaufenen Vereinsja'hre verstorbenen Mitgliedern, u. a. Frau Karoline Hofmann, Witwe nach dem Ehrenpräsidenten Herrn Adolf Hofmann s. A.. welche über 50 Jahre als Präsidentin des Frauenwohltätigkeitsvereines IV., V. segensreich wirkte und dem Tempelvereine sehr, nahe stand, ebenso Frau Anna Glaser, eine Gönnerin des Vereines, Herr Ignaz Taussik, der durch 30 Jahre als Vizepräsident des Vereines sich unschätzbare Verdienste erwarb. Er hob die anerkennenswerten Leistungen der Vorstandsmitglieder und der Funktionäre hervor und dankte diesen wie allen Personen, welche den Verein durch ihre Leistungen gefördert haben. Der Vorsitzende entwarf dann ein ganz düsteres Bild über die derzeitige finanzielle und wirtschaftliche Lage des Vereines. Das Jahr schließt mit einem' mehrere tausend Schilling betragenden Defizit. Dabei werden, infolge <ler steten Verarmung der Mitglieder, die Einnahmen kleiner, und die Aus^ gaben größer. Der Vorstarid hat sich, mit feiner wohiLbegründeten Eingäbe ah. die Kültusgemeinde gewendet.

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