Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 8 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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OlE WAHRHEIT Nr. 8 — ,14. Februar 1936 Seite 5 Prof: Samuel Krauss Zu seinem 70. Geburtstag, 18. Februar 1936. Die moderne Wissenschaft des Judentums, die vor -.lehr als einem Jährhundert von Geiger, Luzatto, Rapport und Zunz begründet wurde, ist dem Schicksal aller zeitgenössischen Disziplinen nicht entgangen. Die fortschreitende Entwicklung erschwert ein umfassendes Wissen und erfordert Spezialisierung. Während in den Reihen früherer Generationen Gelehrte zu finden waren, welche die Lehre des Judentums in ihrem vollen Umhange zu beherrschen und zu bearbeiten vermochten, können wir in unserer Zeit bloß auf Vertreter einzelner Gebiete, wie Bibelwissenschaft, Talmud, Geschichte, Sprachwissenschaft usw. hinweisen. Einer der wenigen, die nicht nur zur Bereicherung der jüdischen Wissenschaft beigetragen, sondern auch das Gesamtbild des jüdischen Wissens in sich aufgenommen und bei aller Entwicklung bewahrt haben, ist der Leiter der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, Prof. Doktor Samuel Krauß, dessen 70. Geburtstag am 18. d. M. von der ganzen jüdischen Wissenschaft gefeiert wird. Am 18. Februar 1866 in Ukk (Ungarn) geboren, iiat sich Krauß schon in jungen Jahren ein ungemein reiches Wissen erworben, das ihn zum Lehramte an der Landesrabbinerschule in Budapest befähigt hat. Sein wachsender, wissenschaftlicher Ruf brachte es mit sich, daß er als Nachfolger Adolf Büchlers an die Israelitischtheologische Lehranstalt in Wien berufen wurde. Seither ist er mit dieser Anstalt unzertrennlich verbunden,;ind hier wurde sein überragendes, wissenschaftliches Wirken vollauf gekrönt. Seit mehreren Jahren steht Xrauß an der Spitze des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur, den er zu einem Zentrum jüdischen Geistes auszubauen bestrebt ist. Im Wiener Beth rtamidrasch hat er den Weg zum Gemüt des großen Publikums gefunden. Es gibt kein Gebiet jüdischer Wissenschaft, das von Krauß nicht mit umfassendem Wissen und unermüdlichem Forschungsgeist bereichert und beleuchtet worden wäre. Bibelwissenschaft, Geschichte, Sprachwissenschaft und Altertumskunde, auf allen diesen Gebieten hat Krauß grundlegend gewirkt Als einer der ersten hat er hebräisch geschrieben. Seine Jesaia-Erklärung und andere Abhandlungen in dieser Sprache i*aben dein Juden im Osten, der bei aller Vertrautheit mit dem alten jüdischen Schrifttum, zur neuen wissenschaftlichen Literatur keine Beziehung hatte, ein neues Gebiet nähergebracht. In einem zweibändigen Werk über die griechischen und lateinischen Lehnwörter im Talmud hat Krauß wesentlich zum Verständnis der talmudischen Sprache zur Darstellung des klassischen Sprachguts in unserer alten Literatur beigetragen. Besonders bemerkenswert ist die Darstellung des Lebens Jesu nach jüdischen Quellen; die Bedeutung dieses Werkes ist schon daraus zu ersehen, daß es gleich nach seinem Erscheinen ganz vergriffen war. Hervorzuheben ist seine Mitwirkung bei der Mischna-Uebersetzung in Gießen, zu der er die Traktate Sanhedrin und Makkoth beigetragen hat. Seine Werke über die Geschichte PaT iästinas, Antoninus und Rabbi, die Juden Byzanz, die Wiener Gesera usw. haben vielfach Licht verbreitet über verschiedene Gebiete jüdischen Geschehens. Eine sanz einzigartige, geschichtwissenschaftliche Großtat ^st die dreibändige „Talmudische Archäologie, wie auch deren Ergänzung die „Synagogalen Altertümer". In einer Besprechung des großen hebräischen Wörterbuches von Ben Jehuda entschuldigt Krauß allfällige Unzulänglichkeiten mit dem Hinweis auf die besonderen jüdischen Verhältnisse. Was bei anderen Völkern von wohldotierten Akademien durch Jahrzehnte geleistet wird, muß bei uns von einzelnen oft in ganz kümmerlichen Verhältnissen, vollbracht werden. Dasselbe gilt auch von der talmudischen Archäologie. Was sonst wohlausgerüstete Expeditionen zutage fördern, hat hier ein einzelner getan. In diesem Werke wurde das Leben der Juden in talmudischer Zeit in allen Einzelheiten rekonstruiert. Ein ungeahnter Stoff wird herangezogen und systematisch verarbeitet. Der Alltag, das geistige Leben, der Glauben und das Weltbild unserer Vorfahren erstehen vor uns in meisterhafter Anschaulichkeit. Nur wer die besondere Eigenart des talmudischen Stoffes kennt, kann die Größe dieser Leistung erfassen. Der verewigte Ch. N. Bialik hat, in Anerkennung der Bedeutung dieses Werkes, seine Uebersetzung ins Hebräische angeregt und in Angriff genommen. Auch heute ist der unermüdliche Fleiß des großen^Gelehrten ungebrochen. In allen einschlägigen Zeitschriften zeugen gelehrte Abhandlungen von seiner fegen Arbeitskraft. Erst in den letzten Tagen ist ein großes Werk im Druck fertiggestellt worden. Eine Ergänzung des großen talmudischen Wörterbuches, Aruch von Rabbi Nathan ben Jechiel, das seinerzeit von A. Kohut herausgegeben wurde und jetzt von Krauß unter Mitwirkung einiger Gelehrter auf den Stand der heutigen Wissenschaff gebracht wurde. Das herannahende Jubiläum gibt der jüdischen Welt Gelegenheit, Krauß für all seine Leistungen zu danken. In allen Zentren jüdischen Wissens werden dem Jubilar hohe Auszeichnungen zuteil. In Palästina und in Deutschland erscheinen Festschriften unter Mitwirkung der bekanntesten jüdischen Gelehrten, die sich zur Ehrung des Altmeisters vereinigt haben. In Wien bringen es die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse mit sich, daß die Ehrungen nicht jene Stufe erreichen, die der Bedeutung des Tages entsprechen würde. Ein Jahresbericht der Israelitisch-theologischen Lehranstalt, der zu Ehren des Jubilars in Aussicht genommen war, mußte vorläufig verschoben werden. Es soll auch nicht verschwiegen werden, daß für Wien nur eine einzige Ehrung in Frage kommt, die Beendigung jenes Zustandes, daß die Israelitisch-theologische Lehranstalt und deren Lehr-!H- WIEN II.. Prairrsiiaoe Telephun n 41-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Ji>roel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. Ala Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer haus elegantest ausgeführt. körper mit dem Jubilar als Leiter an der Spitze allmonatlich um ihre Zukunft bangen müssen. Es soll jedoch heute kein bitteres Wort die Weihe des Tages trüben. Mit der ganzen jüdischen Welt vereinigen wir uns heute in dem Wunsche: Professor Krauß möge uns und der jüdischen Wissenschaft ad meoh weessrim schono in voller geistiger und körperlicher Frische erhalten bleiben. —n. —n. * Kuratorium der Israel, theol. Lehranstalt in Wien. Zur Feier des 70. Geburtstages des Herrn Professor Dr. Samuel Krauss, Vorsitzenden des Lehrerkollegiums der israel. theol. Lehranstalt, findet Sonntag, den 16. Februar 1936, präzise K12 Uhr mittags, im Sitzungssaale der Israel. Kultusgemeinde, eine Festsitzung statt ■ - Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 17. Februar, Uhr abends, findet im Klubsaale, I., Wiesingerstraße 11, eine Festversammlung anläßlich des 70. Geburtstages des Präsidenten des Vereines, Herrn Prof. Dr. §amuel Krauss, statt Festrede: Vizepräsident Rabbiner Dr. M. Rosenmann. — Eintritt frei. Gäste willkommen! ihre Antwort: Verleumdungen und Beschimpfungen! Es war zu erwarten, daß die sonst feindlichen, aber in der „Sache Löwenherz" einigen judischnationalen Blättern „Die Stimme*' und die -,Neue Welt" zum Austritt der unionistischen Mandatare aus dem Kultusvorst a. n de werden Stellung nehmen. Die Stellungnahme ist in mehreren Artikeln erfolgt. Wer aber erwartet hat, daß .in den Blättern der Jüdischnationalen sich eine Rechtfertigung ihres Verhaltens finden wird, hat sich getäuscht Die Zeitungen strotzen -von - Verleumdungen, Beschimpfungen, Verunglimpfungen und „An-- klagen", die von den Jüdischnationalen schon seit Jahr und Tag' erhöben und ihnen nicht' einmal mehr von ihren eigenen Parteigenossen geglaubt werden. Jederwußte voraus, daß die Herren Jüdischnationalen schreien werden: „Haltet -d.e n Die b". Sie glauben, noch immer, daß sie durch ihre PhrasendrescheFeL durch die unlauteren'Methoden ihrer Berichterstattung und durch die unwahren Darstellungen -von Tatsachen den -Deckmantel der Vergessenheit über das. werden breiten können, was siedurch ihre Freunderl Wirtschaft;? inV der- Kultusgemeinde in drei Jahren der Wiener Judenschaft angetan* haben. Es kann nicht oft, genug: den Herren Jüdischnationalen gesagt werden, daß sie mit den Geldern aller L jüdischen Steuerträger .dieser Qeläkimltlcm 8. bis 14. März 1936 Technische undLandwirtschaftlicheMesse bis 15. März Luxus- und Gebrauchsartikel / Möbel /„Gas im Haushalt'' / „Elektrizität im Haushilt" / „Kunst im Hand, werk" / Österreichische Zeitungs- und Zeitschriftenschau/Textilien und Bekleidung/Wiener Strickmode Pelzmode TECHNISCHE MESSE Erfindermesse / „Der Realitäten-Vermittler und -Verwalter" / Bauu. Straßenbaumesse / Bürobedarfsmesse INTERNATIONALE AUTOMOBIL- UMD M J I O.<RADAUSSTELLUNO G;werbliche Kollektiv-Ausstellungen / österr. Tabak- Regie / Ungarische Aussteilung / Lebensmittel- Ausstellung Land- und forstwirtschaftliche Musterschau Bundesweinkost MASTVIEHSCHAU (Rinder und Schweine): 13. bis 15. März Bedeutende Fahrpreis-Ermäfligungea! Messeausweise ä S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien VII., Messepalast — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Me<sepala<tes und der N.-uen Burir) »S2.GO bei den Kassenschaltern der Messehäuser. meinde gewirtschaftet haben und daß sie nur auf Grund des Opfermutes aller Steuerträger, von denen 80 Prozent nichtnational eingestellt sind, in die Lage versetzt wurden, die von ihnen angepriesenen „Leistungen" zu vollbringen. Mit den Geldern aller Kultussteuerträger werden auch weiterhin die Protektionskinder der Jüdischnationalen besoldet werden. Die Kultussteuerträger werden noch jahrzehntelang unter den Folgen dieser Protektionswirtschaft zu leiden haben. Mit Beschimpfungen jener, die den Finger auf die Wunde legen, kann man diesen Mißbrauch der Steuergelder für parteipolitische und persönliche Zwecke nicht bemänteln. Mit der allgemeinen Behauptung, im Interesse der Kultusgemeinde und der Wiener Judenschaft zu handeln, kann man nicht Zehntausende von Schillingen jährlich für Gehalte an ehemalige Mandatare der Kultusgemeinde bezahlen. Anerkennung zollen kann nur die O Öffentlichkeit, die Anerkennug aussprechen muß die gesamte Wiener Judenschaft Allen Wiener Juden, die an der Kultusgemeinde Interesse haben, ist es bekannt, daß die Verfasser der Hetzartikel in der „Stimm e" und in der „Neuen Welt" und die Sänger der Lobeshyrrrnen auf die Jüdischnationalen in diesen Zeitungen Mitglieder jener Mehrheit im Kultusvorstande sind, die aus den Mitteln der Steuerträger die Pöstchen und Posten in der Gemeinde vergeben haben. Diese Herren Kultusvorsteher sollen sich die Anerkennung in der Oeffentlichkeit holen, nicht der Oeffentlichkeit ihre eigenen Lobeshymnen oktroieren. Wenn man die Hetzartikel in der „Stimme" und in der „Neuen Welt" analysiert und versucht, ein wenig hinter die Kulissen dieser Theatervorstellungen zu blicken, dann muß man mit Entsetzen feststellen, was hinter den Kulissen geschieht. Die jüdischnationale Mehrheit war darum besorgt, so behauptet sie, den besten Mann für die Stelle eines Amtsdirektors ausfindig zu machen. Sie konnte daher nichts anderes tun, als den Posten öffentlich auszuschreiben und allen Wiener Juden Gelegenheit geben, sich um diesen Posten t zu bewerben. So heucheln diese Blätter im Auftrage ihrer jüdischnationalen Hinterniähner gegenüber den unschuldigen Lesern. Die Schreiber dieser Artikel haben aber, noch b e v o r die Ausschreibung beschlossen war, ihr Eh,reriwort \ Herrn D.r. Löwen herz verpfändet» daß sie, wer immer sich um diesen Posten bewerben würde, nur Dr. Löwenherz zun}/ .Amtsdirektor machen, nicht deshalb, weil er. d^r^'RÜiigste wäre in der Führung dieser Geschäft^sondjefn deshalb, weil er der : Partei m a n n ist^yoa item sie erwarten können, daß er .d^^eri Posten in ihrem Sinne führen wird. Mit Repht b^tem ümoiüstischer Mandatar in einer Plenarsitzung - deat Kultusvorstandes erklärt: „Selbst wenn; unser Führer Moses sich um diesen Posten: bewerben könnte, würde.