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Die Wahrheit · 1936-02-14 · Heft 8 (14.2.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 8 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 8 — 14. Februar 1936 DIE WAHRHEIT Die „Stimme" der Gemeinheit. 9* -Wir haben. wiederholt festgestellt und stellen es immer wieder neuerlich fest, daß die allgemeinen Zionisten durch ihr Sprachrohr „Die Stimme" von allein reden, nur nicht von dem, worüber sie reden! sollen. .Alle Mittel der Beschimpfung, der Verleuihdung, der Herabsetzung der Gegenpartei wenden, sie an, um ihre eigene sachliche Ohnmacht zu übekünchen. Es ist nicht das erstemal und es wird aucji nicht das letziemal sein, daß die Jüdischnationalqn sich der gemeinsten Mittel bedienen, tun gegen ihre Gegner zu kämpfen, aber es ist das erstemal, daß sie davor nicht zurückschrecken, sich um »die persönlichen Angelegenheiten ihrer Gegner, vor allem des Präsidenten der Gegenpartei zu kümmern. Diese niedrigste Gemeinheit blieb den Jfidischnationalen vorbehalten. Man merkt die Absicht, aber man wird nicht verstimmt Mit dieser Erpressertaktik wird es den Jüdischnationalen nicht gelingen, die „Union" und ihren Präsidenten davon abzuhalten, gegen die Korruption der Jüdischnationalen in der Gemeinde weiter zu kämpfen. .Diese erpresserischen Methoden, wie sie in der letzten Nummer der „Stimme" in dem Artikel: „Herr Oppenheim, Präsident der Union" angewendet wurden, haben nur zur Folge, daß sich ihre eigenen Parteigenossen mit Abscheu von ihnen abwenden. Die Jüdiischnationalen, die vielleicht die Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor aus Parteidisziplin gebilligt haben, werden durch solche Artikel -darüber belehrt, von welchem Geiste und von welchen moralischen Einstellungen sich jene Männer leiten lassen, denen sie ihr Vertrauen geschenkt haben. Die „Union österreichischer Juden" wird nicht mit gleicher Münze bezahlen, denn der Kampf, der hier geführt wird, geht niemals um Personen, sondern nur um die Sache. Diejenigen aber, die diesen Kampf zum persönlichen machen und solche Artikel schreiben, beweisen, daß ihnen jedes sachliche Argument fehlt, daß sie aber dafür zu den allerniedrigsten und gemeinsten Handlungen fähig sind. Eine solche Taktik können die Jüdischnationalen nur deshalb betreiben, weil die Wiener Kultusgemeinde nach dem Gesetze eine Zwangsgemeinschaft ist, der jeder Jude angehören muß, so daß der Austritt aus der Kultusgemeinde identisch ist mit dem Austritte aus dem Judentum. Der jüdischnationalen Mehrheit aber sei warnend gesagt, daß Druck — Gegendruck erzeugt Es gibt bereits viele Wiener Juden, die bisher unbedingt für die Einheit der Kultusgemeinde eingetreten sind, die aber angeekelt von der Politik der Jüdischnationalen Mittel und Wege suchen, aus einer Gemeinschaft scheiden zu können, die nach solchen Methoden geführt wird, wie sie von den Jüdischnationalen angewendet werden. Die Jüdischnationalen führen den Kampf gegen die Autonomie der Kultusgemeinde, aber die Autonomie der Kultusgemeinde berechtigt die Jüdischnationalen keineswegs, die Angelegenheiten der Kultusgemeinde nach ihrer Willkür parteipolitisch zu besorgen. Wenn sich die staatliche Behörde in diese Mißwirtschaft ehunengen wird, dann macht sie von dem ihr im Gesetze vom Jahre 1890 gewährleisteten Rechte Gebrauch. Die Wahrung der gesetzlichen Rechte durch den Staat in dieser Sache kann keinesfalls mit der Einmengung der nationalsozialistischen Partei in Deutschland in die Angelegenheiten der katholischen Kirche und der Bekenntniskirche verglichen werden. Eis ist wohl kein Verbrechen am Judentum, wenn man für sein Recht innerhalb der Kultusgemeinde kämpft. Wohl wird aber der Staat, wenn er in diese Mißwirtschaft, wie sie heute herrscht, eingreifen wird, ein Präjudiz schaffen, denn bisher hatte der Staat infolge der klaglosen Verwaltung der Kultusgemeinde absolut keine Gelegenheit einzugreifen. Die objektive Wahrnehmung der Rechte der Juden, wie sie im Gesetze gewährleistet ist, wird aber keineswegs dadurch verhindert werden können, daß die Herren Jüdischnationalen, statt die sachlich vorgebrachten Argumente zu widerlegen, was sie nicht zu tun vermögen, eine Flut von Beschimpfungen auf die „Union" ergießen. Dies wird uns im Kampfe nur stärken. Unser Standpunkt ist aber allein richtig: Die Mitglieder des Kultus Vorstandes in seiner derzeitigen Zusammensetzung hatten und haben kein Recht, Herrn Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor zu bestellen. Ebenso bleibt es eine unumstößliche Tatsache, daß die Steuergelder der Wiener Juden für parteipolitische Zwecke mißbraucht wurden und werden. Diese Tatsache kann durch Beschimpfungen, durch Erpressungsversuche usw. nicht aus der Welt geschafft Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern werden. Diese unsaubere Parteiwirtschaft wird durch die Artikel der „Stimme" nicht reingewaschen. Man kann nur staunen, welche verwerfliche Mittel, die Jüdischnationalen in ihrem Kampfe gebrauchen. Jeder anständige Mensch, wer immer es auch sei, muß sich mit Ekel abwenden! Zwei Kämpfer für Gleichberechtigung gestorben. i Paul Sändor 1 Am Donnerstag, den 6. Jänner, verstarb in der ungarischen Hauptstadt der Abgeordnete Paul Säridoir im 76. Lebensjahre. Noch vor wenigen Tagen weilte er in einem Wiener Sanatoriuni zur Behandlung, doch erwies sich sein Leiden als zu \veit fortgeschritten, todkrank kehrte er in die Heimat zurück. Paul Sändor-war der älteste und einer der angesehensten Parlamentarier Ungarns, durch 35 Jahre war er einer der bedeutendsten Wortführer des Liberalismus und des Freihandels in der. ungarischen Gesetzgebung. In der liberalen Partei, der er angehörte, genoß er höhe Verehrung, Bei'Eröffnung des gegenwärtigen ungarischen Reichstages fungierte er, der Jude, als Alterspräsiden t, äi dessen Hände die Abgeordneten das 'Treuegelöbnis leisteten. Bei Behandlung volkswirfechäftlicher Fragen im ungarischen Reichstag traf Paul Sändor immer wegweisend hervor. *Paüf Sändor hat sich von je im ungarischen Parlament uhtf'außerhail) desselben als ein h e rv o rrafc end er und un er sehr dclce ne f Vorlcä'mpfer" der j-fidischen staatsbürgerlichen Interessen in Ungarn hervorgetan.; Paul Sändor war ein treuer Sohne seiner Religion, der die Traditionen des Judentums immer hochgehalten hat. Er nannte sich stolz^ einen Ungar jüdischer Konfession und verkündete als Gegner des politischen Zionismus'stets, daß das ungarische Judentum einen organischen Teil der nationalen Gesellschaft bilde. Für die Gleichberechtigung des ungarischen Judentums hat er stets, und ganz besonders in den schweren Jahren nach dem Zusammenbruch, gekämpft In seiner zweiten Rede in der ersten Nationalversammlung im Septemtöeiri'lQa) griff er mit schonungslos harten 'Worten -den Gesetzesentwurf über der. Numerus clattsus' ah und nahm den Kampf mit dein Kultusmmister Stefan Häller und * dem Bischof Pröehaszka fast ganz allein mit'einer bewunderarigswüfdigenEntschlossenheitainV Die dunklen Mächte,- -die in den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch' ihre unterirdische Wühlarbeit mit so böseii Erfolgen getrieben* haben, betrachteten Paul' Sändor :JiäIs ihren Erzfeind' und nur d ur ch ein Wiinder iSt er dem Bonebenan sch 1 ag 4ni Elisabeth Städter Kasino e n t "g an « e ri. Seine größte -Genugtuung war, daß seihe letzte' Rede über die: Jüdenfräge Herrenkleidersalon S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Smoking- und Frack-Anzüge für den eleganten Herin Billigste Preise Feinste Maßarbeit Garantierte Paßform im Abgeordnetenhaus im Jahre 1928 in einer ruhigen und abgeklärten Atmosphäre verklungen ist und daß seine Erklärung, daß das ungarische Jai-r dentum in seinen Gefühlen'stets un-, garisch war und ungarisch bleib <£n wird, von der Mehrheitspartei mit einstimmigen Beifall aufgenommen wurde. Die Pester Israelitische Kultusgemeinde betrachtete Paul Sändor als ihren Toten, der Pester Heilige Verein hat ihm ein Ehrengrab gewidmet, in dem er am vergangenen Sonntag beigesetzt wurde. Die Beisetzungsfeier gestaltete sich zu zu einer imposanten Pietätskundgebung der jüdischen und nichtlüdischen Oeffentlichkeit Ungarns Ludwig Holländer J In den Nachmittagsstunden des 9. Februar verstarb in Berlin nach schwerem Leiden Doktor Ludwig Holländer, bis zum Machtantritt Hitlers Direktor des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, im Alter von 59 Jahren. Ludwig Holländer war ein geistiger Führer der im Centrai- Verein vertretenen jüdischen Schicht in Deutschland und zeitlebens ein leidenschaftlicher Verfechter der These;,D e ut s c h t u m u n d J u'd e-T^" t u m". Dem jüdischen Nationalismus stand .et kämpferisch gegenüber. Jahrzehntelang spielte et im jüdischen öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle. Geboren 1877 in Berlin, stellte er sich bereits 1900 in den Dienst der Bekämpfung des Antisemitismus, zunächst in Müncheft als Spezialdezernent des dortigen Landesverband des des Central-Vereins und der Israelitischen Gemeinde zu München, seit 1908 als Syndikus und später als Direktor der Reichsleitung des Centrai- Vereins in Berlin. 1909 übernahm er die Leitung der Zeitschrift „Im Deutschen Reich", die 1922 in „C. V. - Z e i t u n g" umgewandelt wurde. 1919 begründete er im Auftrage des Cenliral-Verems den Philo-Verlag mit dem besonderen Ziel der Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Literatur gegen den Antisemitismus. In einem starken Maße beeinflußte er die ideologische Grundrichtung des Centrai-Vereins. Seit Be»- gründung des Kartell-Convents jüdisch-akade- . mischer Verbindungen war Ludwig Holländer dessen erster Vorsitzender. Er gehörte auch der Groß-Loge des U. O. B. B. für Deutschland als Mitglied des Geschäftsausschusses an. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der soziologischen und psychologischen Stellung der deutschen Juden zu ihrer Umwelt und hat die Ergebnisse seiner S'tUr dien auf diesem Gebiete in zahlreichen Aufsätzen und Broschüren niedergelegt. Bei all seinem Kämpfertum war er eine sehr vornehme und sensible Natur. Mit der „Union österreichischei Juden" stand der Verblichene in der Zeit seiner Wirksamkeit als Direktor des Centrai-Vereins in .. ständigem freundschaftlichen Kontakt Er hat wie- . derholt im Rahmen der „Union" gediegene Verträge gehalten und auch in der „Wahrheit" siiid ' früher oft seine geistreichen Aufsätze zu lesen |eweseh. Die „Uirion" betrauert: ntft dem Centrai- Verein aufs innigste das Hinscheiden dieses seinSr Sache biszur Selbstaufopferung ergebenen Kämpfers und Streiters. ' '; '; SeitMenschengedenken wird Myrrhe-Extrakt 8f» gen- Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches ' wirksam verwendet. ODOL-Mundwasser enthält außer «dem ODOL-Anüseptikum,. den Myrrfie- Extrafct. .?.<,

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